REPORTAGE

Der "Vampyr" der Akaflieg Hannover im Maßstab 1:4

Schräger Vogel


Mit seinen kantigen Formen stellt sich der "Vampyr" als ein außergewöhnlicher Oldtimer dar.

Der "Vampyr" entstand 1921 unter der Leitung von Dr. Madelung und seinen Studenten der Akademischen Fliegergruppe Hannover. 1922 wurden da-mit die ersten Weltrekorde im Zeit- und Streckenflug geflogen, was aber noch viel wichtiger war: Der Übergang vom Gleit- zum Segelflug war vollzogen!

Schon Ende der 1990er Jahre entdeckte ich eine Beschreibung des "Vampyr" und verliebte mich gleich in dieses ungewöhnliche Segelflugzeug: Ich fand diese Konstruktion außergewöhnlich schräg, aber auch funktional und relativ einfach im Aufbau. Ein einziger Satz aus der damaligen Baubeschreibung blieb mir bis heute im Gedächtnis: "Fliegt erstaunlich gut." Ich besorgte mir den Bauplan aus dem Verlag für Technik und Handwerk und legte los: Bis zum Rumpfgerüst auf der Helling kam ich, dann verlor ich erst mal die Lust am Bauen und der "Vampyr" verschwand für rund elf Jahre im Keller. Dann kamen Interesse und Lust zurück und ich befreite den "Vampyr" aus seinem Kellerdasein.

Von dem einstigen Bauplan war allerdings nur noch der Teil mit der Tragflächenzeichnung übrig, für die Fertigstellung des Rumpfs waren also eigene Kreativität und ab und zu ein bisschen Hirnschmalz zu aktivieren. Statt einer Rippentragfläche wollte ich eine Styro/Balsa-Konstruktion bauen, denn damit hatte ich ausreichend Erfahrung und kam so wohl auch schneller zum Ziel als mit einer Rippenfläche. Als Profil wählte ich das "SD-7062" mit 14 Prozent Dicke und vier Prozent Wölbung. Das Profil, ausgelegt für große Segelflugmodelle, versprach also ein eher gemütliches Fliegen. Genau das erhoffte ich damit: gemütliches Abgleiten nach dem Ausklinken und gemütliches unkritisches Fliegen am Hang. Gesagt getan: bei der großen Dicke des Profils und der Wurzeltiefe von 31,5 Zentimetern konnte ich mir einen aufwändigen Holm schenken, lediglich ein fünf Zentimeter breites Glasgewebeband kam unter die Balsabeplankung. Die anderen Kräfte wurden von der Flächenaufnahme aufgefangen, die ich in dieser Form seit eh und je verwende. Es ist eine äußerst einfache, aber sehr wirksame Bauart, die Kräfte in die Tragfläche einzuleiten.

Mit kleinen Schritten ging der Bau nun gemütlich voran. Modellbau soll ja Ausgleich und Entspannung sein. Über den RC-Einbau gibt es nicht viel zu sagen: Standardservos von Graupner (C-5077) für die Querruder. An Höhen- und Seitenruder baute ich zwei alte Multiplex-"Profi"-Servos ein. Alt schon, aber kaum gebraucht. Ein vierzelliger NiCd-Akku dient als Stromversorgung. Zusätzlich waren rund 1.000 Gramm Blei für den Schwerpunkt nötig. Außerdem wurden zwei Grad Einstellwinkeldifferenz eingestellt

Im November 2010 war es dann soweit, der Erstflug im Schlepp stand an: Mit Jahn Schmitz als Schlepp-Piloten hatte ich mich in Erkelenz/Kückhofen verabredet. Wie auf Schienen folgte der "Vampyr" dem Schlepper. Mangels V-Form musste ich lediglich ab und zu ein wenig mit Querrudern stützen. Nach dem Ausklinken zog der "Vampyr" ruhig seine Bahnen und hielt sich trotz des bedeckten, abgeschirmten Wetters recht lange oben. Die zielgenaue Landung wurde dann auch von den Modell- flugkollegen mit Applaus gewürdigt.

In weiteren Flügen konnte ich das Flugverhalten immer wieder beobachten: Bei leicht gedrücktem Fliegen setzt der "Vampyr" die Fahrt sogleich in Höhe um. Damit hatte ich wegen des dicken Profils nicht gerechnet - alles richtig gemacht also! Das außergewöhnliche Flugbild erfreut mich bis heute bei jedem Flug aufs Neue, egal ob im Schlepp oder am Hang.

Marcus Kilian


Der Rumpf wird mit Spanten, Beplankungen und im hinteren Bereich mit einem Fachwerk aufgebaut.


Die Steckung der Tragfläche wird mit einem Holmaufbau im Styroporkern gelagert.


Die großflächigen Sperrholzbeplankungen machen den Rumpf sehr widerstandsfähig und stabil.


Die Bauweise und die außergewöhnliche Form werden auf diesem Bild besonders deutlich.


Trotz der 3,15 Meter Spannweite und dem kantigen Rumpf lässt sich der "Vampyr" zum Handstart gut greifen.


Direkt aus der Hand gleitet das Modell in seiner geringen Geschwindigkeit davon.


Die Flugleistungen sind überraschend hoch und dynamisch, die Flugeigenschaften angenehm einfach.


FAKTEN

Spannweite: 3.150 mm
Länge: 1.220 mm
Gewicht: 4.400 g
Fläche: 87 qdm
Flächenbelastung: 50,6 g/qdm
Bauplan-Nr.: 320161
Preis: 28,- Euro
Bezug: Verlag für Technik und Handwerk
Telefon: 07221/5087-0
www.vth.de



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