REPORTAGE

Extravagant

Ein "SZD-45 Ogar" im Eigenbau


Der "SZD-45 Ogar" ist ein höchst außergewöhnlicher Motorsegler. Hier das 5,4 Meter große Modell von Mathias Schulz

Auch der polnische Segelflugzeugbau brachte in den vergangenen Jahrzehnten viele innovative und teils ungewöhnliche Segelflugzeuge und Motorsegler hervor. Ein besonders Exemplar war der Motorsegler "SZD-45 Ogar" mit 17,5 Metern Spann- weite, der seinen Erstflug 1971 absolvierte. Die Konstruktion von Tadeusz Labuc war durch ihren Druckpropeller und dem über den Tragflächen eingebauten Limbach-Motor mit 50 kW (68 PS) und 1.700 Kubikzentimetern und dem Cockpit mit nebeneinander angeordneten Sitzen auch schon optisch eine auffällige Erscheinung.

Das Cockpit-Rumpfvorderteil besteht beim "Ogar" aus einer GFK-Schale. Die Tragflächen wurden mit einem Hauptholm aus Holz, Schaumstoff-Rippen und einer darüber liegenden GFK-Schale aufgebaut. Die Rumpfröhre aus Aluminium wurde mit dem Rumpfvorderteil verschraubt und verläuft unter dem Propellerdrehkreis zum T-Leitwerk. Das Seitenleitwerk besteht ebenfalls aus Metall, Seiten- und Höhenruder wurden aus GFK aufgebaut.

Charakteristisch für den "Ogar" waren auch das teilwei-se einziehbare und gefederte Hauptrad und die an den Randbögen mit langen Stützen angebrachten Stützräder. Hergestellt wurden etwas mehr als 100 Exemplare im polnischen Bielsko-Biala bis 1979.

Als Modellbauer ist man meistens von einigen Vorbildern fasziniert und so kam es, dass ich vor vielen Jahren in einer Ausgabe der Flieger-Revue einen Artikel über den "Ogar" gelesen habe und dieser mich zum Nachbau inspirierte. Durch Zufall habe ich dann einen kleinen Bauplan erhalten, den ich einfach vergrößert habe und mich so für den Nachbau im Maßstab 1:4,5 entschieden habe: 3,9 Meter Spannweite und 1,7 Meter Länge.

Da ich es als Modellbauer in der früheren DDR gewohnt war mir selbst zu helfen, hatte ich mir auch schon einige Kenntnisse im Formenbau angeeignet. Es war somit kein Problem Formen für den "Ogar" herzustellen. Zum Rumpfaufbau habe ich auf der Seitenansicht die Spantenschablone aufgeklebt und die Zwischenräume mit Styropor ausgefüllt, verklebt, verschliffen, mit Zeitung tapeziert, gespachtelt und anschließend lackiert. Nach dem alles getrocknet war, habe ich die linke und rechte Seite in Gips gegossen, da Formenharz zur damaligen Zeit noch sehr knapp war. Der Rumpf wurde aus GFK hergestellt und die Tragflächen in herkömmlicher Rippenbauweise aufgebaut, mit 1,5-mm-Balsaholz voll beplankt und mit Folie bebü- gelt. Bei der Farbgebung ließ ich meiner Fantasie freien Lauf.

Als Tragflächenprofil hatte ich mich zuerst für ein "Eppler E-201" entschieden, das mir aber im Endeffekt zu schnell war. Daher habe ich für ein zweites Flächenpaar das "Eppler E-203" verwendet. Diese Tragflächen fliege ich heute noch und bin mit den Flugleistungen sehr zufrieden. Der Schwerpunkt liegt im ersten Drittel der Tragfläche von der Nasenleiste aus gemessen. Bei der Motorenauswahl kam zunächst ein "MVVS"-Glühzünder mit 5,5 Kubikzentimetern zum Einsatz. Die Leistung des Motors war jedoch zu gering, demnach konnten die ersten Starts nur am Hang erfolgen. Nach der Wen-de dann habe ich einen "OS MAX 40-FX" mit 6,5 Kubikzentimetern eingebaut. Damit waren dann auch Bodenstarts mit Unterstützung eines Gummiseils machbar.

Wiederum einige Jahre später wurde der "Ogar" elektrisch: Ein Plettenberg-Motor "Orbit 25-18", ein 5s-LiPo 5.000 mAh, ein Schulze-Regler "18.61" und eine Dreiblattluftschraube kamen zum Zuge. Als Startunterstützung hat sich ein Startwagen bestens bewährt. Mit einem Gewicht von 5,5 Kilogramm zeigt der "Ogar" nun ausgewogene und gute Flugleistungen.

Wolfgang Meischner

5,4 Meter
Wer nun Gefallen an dem außergewöhnlichen "Ogar" gefunden hat, sollte sich auf der Homepage von Modellbau Schulz (www.modellbau-schulz.org) umsehen. Firmeninhaber Mathias Schulz bietet den "Ogar" in dem imposanten Maßstab 1:3,3 mit einer Spannweite von 5,4 Metern an. Das Modell hat geteilte Styro-Sperrholztragflächen und ein originalgetreu teilversenktes Fahrwerk. Das Fluggewicht soll bei circa 17 Kilogramm liegen. Als Antrieb eignen sich Benzinmotoren ab 25 Kubikzentimeter sowie entsprechend leistungsstarke Elektromotoren.


Noch zu DDR-Zeiten baute ich den ersten "Ogar", hier kurz vorm ersten Start auf dem Flugplatz in Hartenstein


Mit seinen 3,9 Metern Spannweite war der "Ogar" bereits ein sehr beeindruckendes Modell


Nach dem Umbau auf den "OS MAX 40-FX" mit 6,5 Kubikzentimetern waren auch Bodenstarts mit Gummiunterstützung möglich


Elektrisch ging es dann mit Hilfe eines Startwagens in die Luft, hier auf dem Platz des Modellflugclubs Zwönitz


Der Elektroantrieb mit 5s-LiPo brachte das Modell kraftvoll in die Luft.


Modelle und Original auf einen Blick. Die Form der Rumpfnase ist typisch für den "Ogar"


Wer einen besonderen Motorsegler sucht liegt mit dem "Ogar" von Modellbau Schulz genau richtig. Im Maßstab 1:3,3 ein wahrhaft imposantes Modell.



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