TEST

Gelungener Einstieg

Mit dem "Primo" von Robbe den Anfang wagen


Es ist nicht immer leicht, seine Kinder für das Modellfliegen zu begeistern. Mit dem "Primo" ist es gelungen

Irgendwann holt einen alles wieder ein: Vor zwölf Jahren habe ich mit dem Modellfliegen begonnen. Als erstes Objekt hatte ich einen alten Segler mit Zweiachssteuerung, bei Wind und in Boden- nähe dementsprechend schlecht zu beherrschen. Zudem bestand das Modell komplett aus Balsa und war somit recht bruchempfindlich. Erst mit dem ersten "Twin-Star" von Multiplex und der Steuerung mit Querrudern begannen meine wirklichen Fortschritte. Ich war eigentlich immer der Meinung, dass ein Querrudermodell für den Anfang eher geeignet ist. Die heute gängigen "Schaumflieger" mit Dreiachs-Steuerung beweisen diese These und bieten aufgrund ihrer Robustheit und Einfachheit viele weitere Vorteile. Nur eines bieten sie nicht: Das Erlebnis, als Anfänger das Modell selbst gebaut zu haben, jedes Stück Holz, jede Schraube und alle Funktionen eines jeden Teils zu kennen. Außerdem erlernt man beim Erstellen von ARF-Schaummodellen nicht die Fertigkeiten, die man für die Ausführung des Hobbys und dem damit verbundenen Bau von komplexeren und herausfordernden Modellen braucht.

Meine Kinder sind nun in dem Alter, dass sie die ersten Kontakte zum Flugmodellbau aufnehmen wollen. Auf jeden Fall sollten sie auch die ersten Erfahrungen mit dem Aufbau eines Modells bekommen. Wenn dieses dann auch noch fliegt, ist das Erfolgsgefühl umso größer und die Gefahr, das Hobby zu früh aufzugeben, vielleicht auch nicht so groß. Doch welches Modell nehmen? Der Trend zur "ARF-Schaumwaffel" hat den Markt für Anfängermodelle aus Holz zum Selberbauen nicht gerade gefördert. Mit dem "Primo" von Robbe je- doch, eine Neuheit von 2011, stand eine Lösung ins Haus - eine sehr preiswerte außerdem!

Der "Primo" ist ein ausgesprochenes Anfängermodell, sehr robust und einfach konstruiert und mit allem Wesentlichen ausgestattet. Zudem wurde eine virtuelle Starthilfe fürs Modellfliegerleben im Internet bereitgestellt: Jeder neue Besitzer eines "Primo"-Bausatzes erhält im Lieferumfang einen Zugangscode zu der "Primo"-Internetseite, die ausschließlich den Käufern dieses Modells vorbehalten ist. Hier kann sich der Kunde einloggen und findet eine Vielzahl an Informationen und Hilfestellungen für den Bau und den Betrieb des Modells vor. Mit Texten, Bildern und Videos wird der Bau detailliert beschrieben. Gleiche Unterstützung erfährt der Kunde in der Rubrik "Erstflug": Hier werden die Grundsätze der Fernsteuertechnik, Anforderungen an ein geeignetes Fluggelände, wetterbedingte Voraussetzungen und vieles mehr gezeigt. Und im "Werkstattbereich" werden die benötigten Werkzeuge vorgestellt und in ihrer Funktionsweise beschrieben. Außerdem steht jedem Primo-Piloten ein Hilfeforum zur Verfügung in dem er Fragen einem erfahrenen Modellbauer stellen kann und gezielt abgestimmte Antworten erhält. www.primo-robbe.com.



In dem Bausatz sind ein Bauplan und eine Bauanleitung enthalten. Die sind ausführlich und vermitteln einen gut geführten Einstieg in die Materie. Außerdem befinden sich im Karton sauber gelaserte Bauteile, fast ausschließlich aus Sperrholz. Warum aus Sperrholz? Na, aus Gründen der Robustheit. Wie oft haben sich in der Vergangenheit so genann- te Anfängermodelle bei der ersten harten Landung zerlegt, nur weil sie zum großen Teil aus Balsa bestanden? Dem "Primo" traue ich ähnlich gute Nehmerqualitäten zu wie einem EPP-Modell. Letztlich führt die robuste Holzbauweise zu einem etwas erhöhten Gewicht. Der "Primo" versteht sich ja auch nicht als Leistungsmodell sondern als eine Konstruktion irgendwo zwischen Segel- und Motorflugmodell. Für den Anfänger sehr angenehm, risikolos und dennoch flott zu fliegen.

Die robuste Konstruktionsweise begleitet den gesamten Bau. Ich habe ihn gemeinsam mit meinen Kindern durchgeführt. Er erwies sich zu jeder Zeit als einfach zu bewältigen. Besonders viel Spaß machte dem Nachwuchs das Herausdrücken der Rippenaussparungen. Der Rohbau des "Primo" schließlich war schon ohne Bespannung sehr torsionssteif und fest. Nach dem Aufbringen der beiliegenden (!) "Oracover"-Folie in Weiß und Transpa- rent-Blau gewann die Konstruktion noch einmal deutlich an Stabilität. Eine Besonderheit ist die Tragflächenauflage mit Magneten, die sich mit einer Nylon-Schraube auf den Rumpf schrauben lässt. Sehr transportfreundlich. Nicht so gut jedoch die sehr dünne Motorhaube, die schnell reißen wird. Hier wäre ein dickeres Teil wesentlich angebrachter. Nach Montage der beiliegenden Kleinteile und des Hochstarthakens war der "Primo" ruckzuck fertig und wir konnten uns an den Einbau des Antriebs machen. Der war natürlich mit den passenden Robbe-"Roxxy"-Komponenten (Regler: "Roxxy Control 918"; Motor: "Roxxy Outrunner 2830/12") ebenso schnell erledigt. Der Antriebsempfehlung des Herstellers darf man bedenkenlos folgen. Mit der moderaten Antriebsauslegung mit einer 10x6"-Klappluftschraube und einem 2s-LiPo-Akku 2,2 Amperestunden ist der "Primo" kein Hotliner und fliegt sich wie ein kleines Motor-Modell. Die Servos wurden alle im Rumpf eingebaut, die Tragflächen sind komplett frei von Elektronik. So wird der Anfänger auch nicht mit Kabelbäumen verwirrt.

Nun galt es noch, den Schwerpunkt mit etwa 20 Gramm Blei einzuwiegen und dann auf zum Erstflug: An dem Tag herrschte jedoch etwas Wind und ich hatte bezüglich der Zweiachssteuerung des "Primo" einige Bedenken. Also den Motor an und erst einmal geradeaus gegen den Wind auf Höhe kommen. Der "Primo" stieg in einem 20-Grad-Winkel sanft in den Himmel, angenehm leise und unspektakulär. Nun die erste Kurve ins Lee. Der "Primo" flog stoisch weiter, nur mit etwas höherem Tempo als noch gegen den Wind - sehr gut! Vorbei ging es an einer Baumreihe, der Leewirbel brachte das Modellchen ordentlich ins Schaukeln. Mit vollem Rudereinsatz ließ sich der "Primo" wieder auf Kurs bringen, wenn auch mit verzögerter Reaktion im Vergleich zu einem Querruder-Modell. Nach ein paar Runden mit Motorkraft schaltete ich den Motor aus und kam zur Landung herein. Der Gleitwinkel war gut einschätzbar und der "Primo" landete vor den Füßen. Ein 3s-LiPo der gleichen Kapazität ist eine auch vom Hersteller empfohlene Alter- native. Im 2s-Betrieb darf man bei der beherrschbaren Leistung auch gerne den Motor anlassen und immer unter Zug fliegen. Das kommt dem Anfänger entgegen, sind doch so Strömungsabrisse leichter vermeidbar. Ein paar Minuten später stellten sich ein paar Bussarde und sogar ein Storch ein und zeigten Thermikbärte an. Nichts wie hoch: Der "Primo" kreiste sehr eigenstabil, es war eine Freude mit den gefiederten Kollegen im Bart zu kreisen. Einfach etwas Seite geben und mit Höhe in der Kurve stützen. So lernt jeder das Kurven.

Was bleibt festzuhalten? Der "Primo" ist für den Anfänger geeignet, robust, einfach im Aufbau, gut fliegend und mit zuverlässigen Komponenten ausgestattet. Das Modell ist kein Schleicher, dennoch kann ich es als Einsteiger-Modell oder auch als Urlaubsflieger sehr empfehlen. Und mit der Unter-stützung durch die Internetseite hat Robbe einen Weg beschritten, der zur Nachahmung empfohlen wird.

Volker Kaul


Fakten

"Primo" von Robbe
Ein Einstiegsmodell zum Bauen

Spannweite: 1.530 mm
Länge: 930 mm
Gewicht: 950 g (2s-LiPo)
Fläche: 32 qdm
Flächenbelastung: 29,7 g/qdm
Ruderausschläge:
Höhenruder: +/-10 mm
Seitenruder: l/r max.
Schwerpunkt: 60 mm
Preis: 79,90 Euro; Bezug im Fachhandel, www.robbe.com.


Das Bauen des Modells wurde schnell zu einer Gemeinschaftsaktion


Die gelaserten Bauteile ließen sich kinderleicht herausbrechen


Der Aufbau des Modells ist robust und stabil - ganz in Holz!


Die Leitwerke in Brettchenbauweise sind ebenso robust und alltagstauglich


Der "Primo" ist nicht nur ein Einstiegsmodell, sondern auch ein hervorragender Urlaubsbegleiter


Mit ein wenig Gegenwind muss der "Primo" nicht einmal kräftig geworfen werden


In der Luft zeigt sich das Modell von seiner besten Seite.


Die Kinder haben schnell Spaß an dem Modell gefunden und werden die Saison über sicherlich am Thema bleiben


Robbe hat eine eigene Internetseite als Online-Hilfe für den Erbauer des "Primo" gestaltet



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2012

Das komplette Inhaltsverzeichnis 4/2012
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

©AUFWIND 2012