TECHNIK

Evolution oder Revolution?

Ein neues Variometer von Renschler


Die Kompatibilität mit den Systemen anderer Hersteller war schon immer ein Merkmal der Renschler-Produkte

Als eingefleischter Seglerpilot fliege ich mit Variometern und Sprachausgabe. Das fing vor 14 Jahren mit dem "Telario" von Renschler an und ging über das "Picolario" bis hin zum neuen "Pico2". Durch die Zusammenarbeit zwischen Uwe Renschler mit seiner Erfahrung im Bau von Fluginstrumenten und Thomas Seidel von Thommys.com mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich Modellsegelfliegen, sind diese Variometer seit Jahren praxisorientiert und einfach in der Bedienung.

Da ich so schon lange die für Seglerpiloten wichtigsten Telemetrie-Werte nutzen kann ist es mir nicht schwer gefallen, die lange Entwicklungszeit die sich Futaba für seinen Rückkanal gegönnt hat, zu überbrücken. Umso erfreulicher nun, dass das "Pico2" sowohl über den Futaba-Rückkanal als auch über die bewährte 433-Mhz-Funkstrecke funk- tioniert.

Die ursprüngliche Vario-Funktion zeigt an, ob ein Modell steigt oder fällt. Das klingt einfach, doch ist die technische Umsetzung sehr schwierig. Ein modernes Variometer wie das "Pico2" kann Steigwerte im Bereich von einem Zentimeter/Sekunde erkennen. Die Schwierigkeit liegt darin, das Nutzsignal aus dem Rauschen des Sensors herauszufiltern. Mit Hilfe der Telemetriebox lässt sich dieses Rauschen sehr eindrucksvoll veranschaulichen: Legt man die Vario-Sensoren bei ruhigen Wetter auf einen Tisch und beobachtet die Anzeige, so sieht man, dass diese beim neuen "Pico2" gerade mal mit maximal drei Zentimetern/Sekunde schwankt. Vergleicht man dies mit Billigsensoren, so sieht man, dass diese mit bis zu 40 Zentimetern/Sekunde schwanken. Da wird einem schnell klar, mit welchem Variometer man schwache Thermik aufspüren kann und mit welchem nicht.

Da ich hauptsächlich in der Ebene fliege, lege ich großen Wert auf die Anzeige von schon schwächstem Steigen und einem Ansprechen ohne größere Zeitverzögerung. Dazu muss, gerade bei Großseglern, eine sichere und zuverlässige Übertragung in großer Höhe und Entfernung gegeben sein. Die Entscheidung, sicheres Landen oder Weiterfliegen, wird mit dem Einsatz eines sensiblen Varios weiter in Richtung Flugspaß verschoben, ohne auf Kosten der Sicherheit zu gehen.

Hellhörig wurde ich, als Thomas Seidel einen Nachfolger des "Picolario" ankündigte: Um noch kompakter und in Bezug auf die Übertragungsstrecke flexibler sein zu können, wurden beim "Pico2" das eigentliche Variomodul und das 433-Mhz-HF-Modul getrennt. Bei Betrieb über die verschiedenen Rückkanäle muss nur das Variomodul an den entsprechenden Dateneingang des Empfängers angeschlossen werden. Wer prüfen möchte, ob so ein Variomodul noch in seinem engen Rumpf Platz findet, kann dies mit einer Mignonbatterie (also Grö-ße AA) ausprobieren - das Edelstahlgehäuse des "Pico2" hat nämlich ziemlich genau diese Abmessungen. Mit der Verzögerung der Telemetrie bei Robbe hatte sich auch die SBUS2-Version des "Pico2" verzögert.

Das neue "Pico2Single" entspricht in etwa dem alten "Picolario". Geliefert wurde die Version mit zwei Drucksensoren "Pico2Duo" und dem externen 433-Mhz-Modul. Schließlich wollte ich die Option haben, das neue "Pico2" auch wie bisher in Modellen ohne Telemetrie fähigen Empfänger einzusetzen.

Das "Pico2Duo" verfügt über zwei Drucksensoren, von denen der eine für die Höhenanzeige genutzt wird und an den zweiten kann eine TEK-Düse angeschlossen werden. Hierbei wird ein geschwindigkeitsabhängiger Unterdruck erzeugt, der dem statischen Druck überlagert wird. So wird die so- genannte "Knüppelthermik" ausgeblendet. Also wird durch die TEK-Düse die Umwandlung von Fahrt in Höhe und von Höhe in Fahrt akustisch weitestgehend unterdrückt.

Diese Inline-Anordnung sorgt dafür, dass das Variometer extrem platzsparend verstaut werden kann und auch beim Anschluss einer TEK-Düse steht nichts seitlich ab, was zusätzlich Platz erfordert. Alles in allem sinnvoll und praktisch angeordnet.

Das 433-Mhz-Modul wird über ein dünnes Flachbandkabel an das "Pico2" angeschlossen. Am Modul findet man die bekannten Dip-Schalter zu Kanalwahl und in meinem Fall eine herausgeführte Antenne. Es ist aber auch mit integrierter Patchantenne verfügbar. Ich bin aber immer wieder froh, die Variometer-Antenne schnell anders verlegen oder nach außen führen zu können. Nach kurzem Überfliegen der Anleitung war klar, dass es in der 433-Mhz-Variante keine Änderungen gab. Mit an Bord ist weiterhin die Überwachung des Empfängerakkus. Die Betriebsspannung des Variometers beträgt 4,6 bis zehn Volt. Dadurch wird von vier Zel- len NiCd bis zu 2s-LiPo alles abgedeckt.

Die Spannungsüberwachung durch das Variometer ist eine interessante Ergänzung der Überwachung durch den Fernsteuerungsempfänger, denn dieser hängt heutzutage oft an einer geregelten Spannung und kann die wirkliche Akkuspannung nicht erkennen. Hier hilft es, die Spannung für das Variometer vor der Spannungsregelung oder zum Beispiel am Balancer-Anschluss des Empfängerakkus abzugreifen. Hinzu kommt, dass das "Pico2" die Spannung mehr als 50.000 Mal in der Sekunde misst und somit auch kürzeste Spannungseinbrüche erkennbar sind.

Auch wenn vieles beim Alten geblieben ist, eine kleine Änderung gibt es: Um in den Programmiermodus zu kommen, muss man den Taster erst nach dem Einschalten drücken. Also nicht wie bisher schon beim Einschalten gedrückt halten. Sonst landet man im Updatemodus.

Die Einstellung des gewohnten Kanals über die Dip-Schalter ist schnell erledigt. Die Grundeinstellung wurde nicht verändert. Hier wurde eine praxiserprobte Einstellung hinterlegt. Man erkennt, dass hier extrem viel aus der Praxis eingeflossen ist. Und seitdem die Empfindlichkeit des Vario sich selbst an die Thermikverhältnisse anpasst, ist es eigentlich ein Rundum-Sorglos-Paket geworden. Ich frage auch nicht mehr die Höhe ab sondern stelle das Vario so ein, dass die Höhenansage automatisch kommt. So kann ich mich aufs Fliegen konzentrieren und muss nicht immer am Sender irgend- welche Schalter suchen. Wer möchte, kann wie bisher schon Verzögerungszeit, Sinktonschwelle, Empfindlichkeit und Zeitintervall einstellen. Hier ist die beiliegende Anleitung eine gute Hilfe. Alles kann auf dem Flugfeld ohne Hilfsmittel geändert werden.

Also das Flachbandkabel ins "Pico2Duo" eingesteckt und alles ins Modell gepackt, in dem bisher das "Picolario" eingesetzt wurde - in dem Fall ein "Shark XL" in der Elektrovariante. Gefühlsmäßig löst es noch feiner auf und ein Blick in die Anleitung zeigt, dass das Vario nochmals doppelt so empfindlich ist, wie das "Picolario 1" in der aktuellsten Softwareversion 2.75. Da der Testzeitraum in die Wintermonate fiel, kam die sehr hohe Empfindlichkeit zum Tragen. Über dem gefrorenen und teils schneebedeckten Boden war kaum mit thermischer Aktivität zu rechnen. Es hat aber doch zu dem ein oder anderen erfolgreichen Flug gereicht - gelandet wurde wegen kalter Finger.

Um noch die spannende Frage des Rückkanals zu testen habe ich, nicht zuletzt wegen des neuen Telemetrie fähigen Empfängers, auf einen "Merlin" von MPX zurückgegriffen. Dank der kompakten Abmessungen kann man das "Pico2" nun auch in solch einem kleinen Rumpf unterbringen, besonders wenn man es ohne HF-Teil über den Rückkanal betreibt. Also das Flachbandkabel für das HF-Modul abziehen, den Sensor einmalig an der Box anmelden und dann am SBus2-Telemetrieausgang des Empfängers anschließen. Schon ist das "Pico2" einsatzbereit am Futaba-Rückkanal - ohne dass es umgebaut oder eine neue Firmware aufgespielt werden muss. Erkannt wird das "Pico2" als TEK-Vario F1672.

Über die Box lassen sich verschiedene Werte für Höhe und Vario getrennt komfortabel einstellen. Vor allem lassen sich diverse Warnschwellen konfigurieren. Praktisch um zum Beispiel endlich die maximale Höhe über dem Platz und somit die Aufstiegsgenehmigung einzuhalten. Auch könnte man einen Schwellenwert mit Warnton auf die Sinkgeschwindigkeit legen. Sinnvoll bei Modellen deren Festigkeit endlich ist, aber immer mal wieder aus größeren Höhen heruntergeholt werden müssen. Je höher ein Modell fliegt, umso schwerer lässt sich die Geschwindigkeit und vor allem das Sinken erkennen. Der Sinkton des Varios war hier schon eine gute Hilfe aber mit einem Warnton ist man auf der sicheren Seite.

Das Display kennt zwei verschiedene Anzeigen: Zum einen die Höhe in Metern mit min- und max-Werten, zum anderen das momentane Steigen/Fallen in Metern pro Sekunde, ebenfalls mit min- und max-Werten. Umgeschaltet wird an der Box. Der Varioton und die Höhe werden akustisch dargestellt, das heißt man muss nicht während des Fliegens auf die Anzeige schauen. Hier gibt es aber eine Einschränkung: Leider entweder die Höhe oder der Intervallton des Steigens/Sinkens. Dieses Verhalten kommt aber nicht über das Vario sondern von der Telemetriebox. Im 433-Mhz-Modus kann das Vario beides. Ich hoffe aber, dass Robbe hier bald Abhilfe schafft.

Im Menü findet sich noch die Möglichkeit, die Empfindlichkeit des Variometers zwischen "High" und "Low" umzuschalten. Die variable Einstellung, die das Variometer im 433-Mhz-Modus bietet ist leider nicht wählbar. An dieser Stelle muss jeder sei-ne persönliche Einstellung treffen - bei mir "High".

Verblüffend ist die Genauigkeit und Empfindlichkeit, die auf dem Display angezeigt wird. Hat man bisher hier nur akustische Signale interpretieren können, sieht man nun ganz genau was passiert. Leider muss man sich während des Fliegens doch mehr ums Modell kümmern als um die Anzeige, so interessant sie auch sein mag. Da aber die Möglichkeit des Datenloggens ins Vario integriert ist, muss man nur eine MicroSD-Karte in den Slot des "Pico2Duo" schieben und schon wird der Höhenverlauf des Fluges aufgezeichnet. Hier ist auch wieder die Handschrift des praktisch denkenden Entwicklerteams zu erkennen: Eigentlich muss man nach dem Flug vor dem Ausschalten den Taster auf dem Vario betätigen um die Daten vom internen Speicher auf die Karte zu schreiben. Da dies aber immer mal wieder untergeht, bleiben die Daten im Speicher und werden beim erneuten Einschalten automatisch auf die Karte geschrieben sofern sie eingesteckt ist. Diese Logging-Funktion ist allerdings dem "Pico2Duo" vorbehalten. Die Auswertung erfolgt über die kostenfreie Software "Picola- rio LogViewer", die auf Thommys.com zum Down-load bereit steht. Interessant sind dabei auch die noch nicht aktiven Menüpunkte, die zeigen, was demnächst an Weiterentwicklung zu erwarten ist.

Im Flug gewöhnt man sich schnell an die etwas andere Akustik, die der Soundwiedergabe der Telemetriebox geschuldet ist. Die Ausgabe erfolgt entweder über den Lautsprecher der Box oder einen dort angeschlossenen Ohrhörer. Der vorhandene Ohrhörer der 433-Mhz-Variante kann verwendet werden. Die Übertragung erfolgt zuverlässig, störungs- und vor allem rauschfrei. Das war aber auch nicht anders zu erwarten. Im Gegensatz zu den neueren Futaba-Fernsteuerungen "T-14 SG", "T-18" oder der neuen "FX-32" kann bei der Box leider kein Schalter für die Ansage der verschiedenen Telemetrie-Werte definiert werden. Hier muss man die Taster an der Box selber betätigen.

Mittlerweile ist auch die Version für "Jeti EX" schon funktionsfähig. Wie man auf den Bildern erkennen kann, werden die Werte und Anzeigen im Sender konfiguriert, Variosignal und Sprachausgabe erfolgen dann wahlweise über Ohrhörer oder Lautsprecher. Die Softwareversion für "Hott" und "MSB" ist derzeit in der Entwicklung. Auch bei einem Systemwechsel kann die Hardware weiterverwendet werden, die Software kann selber über ein Update auf den aktuellen Stand gebracht werden. Renschler hat bei der Entwicklung großen Wert auf hochwertige Komponenten, wie rauscharme Drucksensoren, die integrierte MicroUSB-Schnittstelle und nicht zuletzt das Edelstahlgehäuse gelegt. Die Erfahrung jahrzehntelangen Variometerbaus ist hier eingeflossen. Und letztlich ist es ein Produkt von der Entwicklung bis zur Fertigung "Made in Germany".

Christian Carlsson

Technische Daten:
Gerät: "Pico2Single" "Pico2Duo"
Anzahl Drucksensoren: 1 2
TEK-Anschluss: Ja Ja
Getrennte Drucksensoren für Höhe und Vario: Nein Ja
Logging auf MicroSD-Karte, Höhe und Bordspannung Nein Ja
Betrieb mit 433 Mhz-HF-Modul an nicht telemetriefähigen Empf. Ja Ja
Robbe/Futaba-Rückkanal Ja Ja
Jeti-EX z.B. Sender DC 16 Ja Ja
Hott-Rückkanal: Ja Ja
Multiplex MSB: In Entwicklung In Entwicklung
Abmessungen Variomodul: 12x47 mm 12x47 mm
Gewicht: 9,6 g 9,6 g
Abmessungen HF-Modul: 20x35x5 mm 20x35x5 mm
Preise: ab 194,- Euro ab 244,- Euro

Bezug bei Thommys, Tel.: 07021/726669, www.thommys.com.


Das "Pico2Duo" präsentiert sich in einem völlig neuem Gehäuse aus Edelstahlrohr, etwas kleiner als eine Mignon-Zelle


Schwäbische Technik: Der extra Empfänger, darunter das "Pico2"-Vario- sowie das HF-Modul


Evolution auf einen Blick (von oben): Vor 14 Jahren das "Telario", dann das "Picolario" bis hin zum neuen "Pico2"


Die Auswertung erfolgt über die kostenfreie Software "Picolario LogViewer", die auf Thommys.com zum Download bereit steht



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