TEST

Wider den Schaum

Elektrosegelfliegen mit dem "Joker II" von Hacker-CZ


Die 610 Gramm Gewicht lassen sich auch problemlos aus dem Unterarm werfen

Ich erinnere mich an Zeiten - und die sind gar nicht so lange her - da wurde dem Einsteiger vornehmlich ein Zweiachsgesteuerter-Elektrosegler in die Hand gedrückt. Die Tragfläche meist mit Knickohren und aufgebaut in Rippenbauweise, die Rümpfe zunächst in Holz und später auch in GFK. Ein einfacher "Speed 400"-Motor im Direktantrieb und mit sieben Zellen zwischen 500 und 800 Milliamperestunden reichte aus um wertvolle Flugerfahrungen zu sammeln. Auch erfahrene Modellflieger haben diese Modelle als Feierabend- schleicher und Mitnahme- beziehungsweise Hutablagen-Modelle für die Bergwanderung geschätzt. Irgendwann zu Beginn des aktuellen Jahrhunderts wurden diese Modelle fast verdrängt durch geschäumte Kopien. Auch die wurden weiterentwickelt, bis hin zu Vierklappenflügeln oder Power- antrieben und haben sich ihren Freundeskreis geschaffen.

Doch es gibt ja auch noch Modellflieger, die legen auch in diesem Modellsegment Wert auf klassische Bauweisen und wertbeständige, langlebige Produkte. Genau für sie hat der tschechische Hersteller Hacker den "Joker II" entwi- ckelt: 910 Millimeter lang und 1.410 Millimeter Spannweite, Tragfläche und Leitwerke in Holzbauweise, fertig gebaut und bebügelt, der Rumpf aus GFK. Also alles genau so, wie es auch vor 20 Jahren schon gang und gäbe war.

Doch es gibt einen großen Unterschied zur heutigen Zeit: Die Auswahl an möglichen Antrieben hat enorm zugenommen. War es früher der "Speed 400" in all seinen Varianten, ist die Zahl an entsprechenden Außenläufern enorm groß geworden - eigentlich komplett unübersichtlich. Zum Glück gibt es erfahrene Fachhändler, denen man die Konzeption eines Antriebes getrost übertragen kann. So wie Jaques Guindeuil (www.guindeuil.de). Ihm wurden die Eckdaten des Modells übersandt und er wühlte tief im Erfahrungsschatz. Herausgekommen ist dieses Set: Als Motor der "Magic Torque 20-09" von Simprop, ein 57 Gramm leichter Außenläufer mit 900 Umdrehungen/Volt. Zusammen mit einer 11x4-Zoll-Klappluftschraube, einem Aluminium-Turbo-Spinner und einem 34-mm-Mittelteil sollte dieses kleine Kraftpaket für den "Joker II" ausreichen. Zusammen mit einem 3s1p-"Gion"-Akku hat man damit ein unproblematisches und zuverlässiges Gesamtsetup, das jedem Einsteiger getrost weitergegeben werden kann.

Zurück zum Modell: Zur Fertigstellung galt es bei der Tragfläche die Außenteile stumpf anzukleben und die Schraublöcher mit einem Lötkolben zu öffnen, dann war sie auch schon fertig. Auf den Rumpf wurden die Leitwerke geklebt und angelenkt. Das dem Modell beiliegende Material konnte problemlos verwendet werden, es war leicht und passte perfekt zur Modellgröße. Für den Motoreinbau musste der Motorspant gebohrt werden. Zum Glück lag dem Motor eine entsprechende Schablone bei. Nach dem Einkleben von Servobrett und einem Stück Klettband für den Akku war der "Joker II" auch schon flugfertig. Der Schwerpunkt konnte durch die Positionierung des Akkus ohne Blei eingestellt werden.

Mit insgesamt 615 Gramm zeigte sich der "Joker II" nun als wahres Leichtgewicht. Die mit 21 Zentimetern ungewöhnlich hohe Flächentiefe ließ die Flächenbelastung auf erstaunliche 22,3 Gramm/Quadratdezimeter sinken. Dementsprechend einfach und entspannt auch der Erstflug: Mit voller Motorleistung stieg der kleine Segler im 45-Grad-Winkel gen Himmel, mit ausgeschaltetem Motor - dann ging es in den ersten Segelflug. Die Wendigkeit von Seiten- und Höhenruder beeindruckte auf Anhieb. Dennoch war das Modell nie kippelig oder nervös zu fliegen. Da haben die Konstrukteure bei Hacker ein Glanzstück abgeliefert. Da die Motorreglung auf dem Drei-Positionen-Knüppelschalter liegt, kann der "Joker II" auch mit Halbgas herumgeflogen werden. In Bodennähe macht das ebenfalls richtig Spaß. Der zwei Amperestunden große Akku erlaubt das auch bis zu zehn Minuten lang. Geht man aber in den "Steigen und Absegeln"-Modus, reicht der Akku den ganzen Nachmittag.

Auch viele weitere Flüge ließen mir das Modell nie langweilig werden. Der "Joker II" hat sich dabei als geruhsamer Elektrosegler genau so bewährt, wie als wendiger Flitzer. Große Loopings und ausgedehnte Rückenflüge macht das Modell genau so gut wie zackige Wendefiguren - natürlich alles im Rahmen der Zweiachssteuerung. Hinzu kommt, dass der "Joker II" auch konstruktiv eine Augenweide ist, dessen durchscheinende Bespannung ein Übriges dazu beisteuert.

Ich freue mich, mit dem "Joker II" einen weiteren Begleiter für den Sommer gefunden zu haben - in schöner Bauqualität, robuster Bauweise und mit ansprechenden Flugleistungen und -eigenschaften.

Philipp Gardemin
Fotos: Pascal Fempel


Fakten

"Joker II" von Hacker-CZ
Ein universeller Elektrosegler

Spannweite: 1.420 mm
Länge: 910 mm
Gewicht: 615 g
Fläche: 27,51 qdm
Flächenbelastung: 22,3 g/qdm
Preis: ca. 145,- Euro
Bezug bei Hacker Model Production
Tel.: 00420/313/564381
www.hacker-model.com.


Rippentragfläche und GFK-Rumpf, eine wertbeständige und nachhaltige Bauweise


Bei der Programmierung des Laserschneiders hatte der Konstrukteur sichtlich Spaß an seinen Details


Der Antrieb, wie er von Jaques Guindeuil zusammengestellt wurde


Die Motorleistung reicht zum flotten Steigflug, mit Halbgas kann man locker herumfliegen


Im Segelflug fliegt sich der "Joker II" überraschend wendig und doch gutmütig zugleich


Bodennah herumkurven mit Halbgas macht richtig Laune und sieht auch noch klasse aus


Rückenflüge und Fassrollen traut man dem Modell nicht zu, funktioniert aber hervorragend


Mit ein wenig Übung ist auch das Fangen des "Joker II" ganz entspannt machbar



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