REPORTAGE

Hangfliegen in Slowenien

Ein Besuch auf der Sonnenseite der Alpen


Der steile Südhang bei Jamnik begeistert durch sein Platzangebot und die idyllische Lage mit der mittelalterlichen Kirche

Im Kreise der Modellflieger ist viel zu wenig über Slowenien bekannt. Dabei ist der größte Teil des Landes im Norden der Balkanhalbinsel bergig mit hervorragenden Bedingungen für den Hangflug. So bieten die Julischen Alpen - ein Gebirgsstock der Südlichen Kalkalpen - mit ihren Felsen und tiefen Tälern echte alpine Möglichkeiten. Die Wetter- und Temperaturbedingungen sind sehr komplex, Starts und Landungen sind schwierig und erfordern viel Erfahrung. Wo aber die Alpen in die Mittelgebirge übergehen, ist das Ganze etwas weicher und leichter zu befliegen. Natürlich ist diese Region nicht mehr so beeindruckend, bietet aber auch ihre Reize. Lassen Sie mich hier die drei bekanntesten Plätze in Slowenien vorstellen. Darüber hinaus gibt es in Slowenien über dreißig weitere gute Plätze, in den Julischen Alpen, den Karawanken und in der Panonischen Region.

Der Mangart ist der vierthöchste Berg in den Julischen Alpen und liegt im Nordwesten des Landes, direkt an der Grenze zu Italien. Bis zum Sattel auf 2.055 Metern Höhe führt eine schöne Alpenstraße, die in den 30er Jahren von italienischen Unternehmen gebaut wurde. Ein Platz zum Modellfliegen befindet sich auf dem Südhang über dem Tal des Flusses Koritnica in einer Höhe von 1.930 Metern. Es ist im Grunde ein kleiner Sattel auf der Nordseite der Mangart-Straße, 50 Höhenmeter entfernt. Auf der Südseite trennen uns mehr als 1.000 Meter Höhenunterschied zum Tal. Von dem kleinen Parkplatz an der Straße aus ist man zu Fuß in fünf Minuten auf dem Platz. Da der Sattel auf fast zweitausend Metern liegt, ist die Flugsaison wegen der Befahrbarkeit der Straßen limitiert, dauert in der Regel von Mitte Juni bis Ende September. Der Sattel bietet eine kleine Ebene mit schönem Gras. Auf der rechten Seite ist eine Bergspitze - 1.991 Meter über dem Meeresspiegel - auf der linken Seite die Südwand des Mangarts. Der Abstand dazwischen beträgt etwa 300 Meter Luftlinie. Das Fliegen hier ist nicht problematisch, da der Sattel schnell zur Steilwand wird und guten Aufwind erzeugt. Das Landen mit größeren Modellen ist aufgrund der beengten Platzverhältnisse nicht so leicht, mit einer guten Landehilfe aber zu schaffen. Ganz in der Nähe ist übrigens eine Berghütte, die Speisen, Getränke und Übernachtung bietet.

Ein weiteres Gelände befindet sich oberhalb der Stadt Kropa in der Nähe des berühmten Bled-Sees und des Dorfes Jamnik. Es ist etwa 500 Meter lang und liegt auf einer Höhe von 836 Metern. Weil es einen Blick über den größten Teil der Berglandschaft bietet wird dieses Gelände auch "Terrasse von Gorenjska" genannt. Am Ende liegt die Kirche Sv. Felician, Primus aus dem 14. Jahrhundert. Sie verleiht dem Ort einen gewissen Charme. Modellbauer haben schon vor mehr als vierzig Jahren entdeckt, dass dieser Hang hervorragende Bedingungen bietet. Zugängig ist er von der Straße Kropa-Drazgose. Kurz vor dem Dorf Jamnik ist der Parkplatz, von dort aus führt der Weg auf den Hügel. Der Hang hat eine Grasfläche, auf der Südseite ist ein kurzes Tal, in dem sich starke Thermik bildet. Aus diesem Grund wird in Jamnik hauptsächlich Thermik geflogen. Da der südliche Hang steil und am Norden fast bis zur Spitze mit Wald bewachsen ist, gibt es nicht viel Platz für Landungen. Aus diesem Grunde liegt die empfohlene Maximalgröße der Modelle bei 4,5 Meter Spannweite. Für die Pflege sorgt übrigens der Alpski Modelarski Klub aus Kranj, der den Platz auch mit einem Tisch und einer Bank ausgestattet hat. Auch gibt es eine Informationstafel und eine Wetterstation, die über das Mobilfunknetz Daten über Windrichtung und -geschwindigkeit sowie Lufttemperatur sendet. Beflogen werden kann der Hang das ganze Jahr über.

Im Südwesten geht die Region in ein Karstgebiet über. Hier werden einige schöne Plätze geboten, auch touristische Attraktionen wie die Höhlen von Postojna und Skocjan. Der berühmteste Hügel ist Vremscica über Divaca, in der Nahe der Autobahn Ljubljana-Koper. Der Vrem-scica bietet 1.027 Meter Höhe, mit einer großen Ebene und Grashängen auf der Südseite. Ein idealer Platz zum Befliegen ist auf 870 Höhenmetern. Das Auto bleibt auf einem Feldweg auf der Nordseite stehen, dann geht es zu Fuß auf den Gipfel über das nördliche Grasland. Dafür braucht man nicht mehr als fünf Minuten. Auf dem Gipfel bietet sich eine herrliche Aussicht auf die Karsthochebene und Trieste. Bei schönem Wetter kann man bis nach Venedig, die Julischen Alpen und die Dolomiten sehen. Die Oberseite ist flach und geräumig. Das Gelände ist ideal um auch große Modelle zu fliegen. Die Wetterbedingungen bieten ausreichend dynamischen Wind, der mit einer starken Thermik verbunden ist. Das Landen ist kein Problem, da auf dem großen Rasen genügend Platz ist. Südwestwinde mit bis zu 20 Metern/Sekunde bieten ruhige Bedingungen. Geflogen werden kann das ganze Jahr, nur im Winter kann es aufgrund von Schnee und kaltem Wetter "ungemütlich" werden. Dieser Platz wird vor allem von Modellbauern aus Italien, Österreich und Slowenien besucht. Die Umgebung bietet viele weitere Möglichkeiten für Ausflüge oder auch einen Besuch der Adria.

Willkommen auf unseren Hangflugplätzen in Slowenien, auf der Sonnenseite der Alpen!

Uros Sostaric
Fotos: Bernarda Sostaric, Uros Sostaric, Uros Murkovic


Die hervorragende Thermik am Hang über Jamnik lässt Flüge bis in die frühen Abendstunden zu


Der große Sattel am Mangart auf fast 2.000 Metern Höhe ermöglicht das Fliegen von großen Modellen


Der Blick vom Sattel des Mangart nach Jalovec über das Tal Koritnica


Der Startplatz Vremscica mit Blick auf den Golf von Trieste


Fliegen am Vremscica, unten rechts der Landeplatz


Am Vremscica treffen sich Modellbauer aus Italien, Österreich und Slowenien


Die im Text angesprochenen Hänge in einer Übersicht.



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