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Sprachentalent

Die "DX-9" von Spektrum


Die bräunliche Oberfläche des Handsenders wirkt toll, ist aber recht empfindlich in Bezug auf Fingerabdrücke

Die Sonne scheint, keine Wolke am Himmel. Blauthermik soweit das Auge reicht. Der "Vision Sport" schraubt sich Runde für Runde immer weiter in die Höhe. Das Variometer piept minutenlang ohne Unterbrechung. Ein kurzer Blick auf das Display meines Senders: 685 Meter über der Startstelle. Whow! Der Blick zurück in den Himmel. Wo ist der "Vision"? Der Adrenalin-Spiegel schießt förmlich in die Höhe. Sekunden um Sekunden vergehen, da spiegelt sich die Sonne auf der weißen Fläche. Ich hab ihn wieder. Glück gehabt. Es gibt aber sicher genügend Kollegen, denen das Glück in einer solchen Situation fehlt. Für mich stand also fest, eine Sprachausgabe muss her. Diese ist genau das Richtige um sich während des ganzen Fluges auch wirklich auf sein Modell konzentrieren zu können.

Natürlich wissen das auch die Hersteller und die ersten Sender mit integrierter Sprachausgabe sind seit einiger Zeit auf dem Markt. Passend vor Weihnachten glänzte dann auch Horizon Hobby mit der Auslieferung des neuen Spektrum-Senders "DX-9". Beworben wird der Sender mit Superlativen: "Herausragende Sprachausgabe. Über 300 Worte, Nummern und Phrasen machen das System zum Fortschrittlichsten, was zurzeit in einem Handsender verbaut ist."

Der Sender wird als Einzelsender geliefert, mit Ladegerät, Anleitung, Transportriemen und SD-Karte. Äußerlich ähnelt er den üblichen "DX"-Sendern von Spektrum. Er ist komplett ausgebaut mit allen Schaltern, Drehgebern, digitalen Trimmern und natürlich mit zeitgemäßem 2-Ah-2s-LiIon-Akku. Auch die seitlichen Schieberegler fehlen nicht, sie sind nur etwas anders angeordnet als bei anderen Sendern: Sie befinden sich auf der Rückseite des Gehäuses und lassen sich mit den Zeigefingern bedienen.

Auch technisch wurde alles gegeben: 250 Modellspeicher, Programme für Motorflugzeuge, Hubschrauber und auch Segelflugzeuge. Auf letztere hatten die Spektrum-Fans ja lange warten müssen. Außerdem kabelloses Lehrer-Schülersystem, zehn Flugzustände im Seglerprogramm, etliche Flächen- und Leitwerkstypen sowie eine "Dual Diversity Antenne", also zwei verbaute interne Sendeantennen. Schon diese wenigen hier genannten Details runden den sehr guten Gesamteindruck ab. Auffallend ist auch das hochauflösende Display, das durch die Einstellung unter- schiedlicher Kontrastwerte und einer kräftigen Hintergrundbeleuchtung immer gut ablesbar ist.

Nach dem Einschalten stand mein Sender noch auf Systemsprache Englisch. Im Systemmenü ist diese aber schnell angepasst. Im Übrigen ist es bei der "DX-9" nun endlich auch möglich in das Systemmenü einzusteigen ohne den Sender auszuschalten. Wer nun der Meinung ist, die Sprachanpassung bezieht sich dann auch auf die inte- grierte Sprachausgabe, der wird an dieser Stelle leider enttäuscht. Die deutschen Sprachdateien müssen mit dem PC in aktuellster Form von der Spektrum-Internetseite auf die SD-Karte geladen werden. Mit dieser sind die Daten dann entsprechend der Anleitung in den Sender zu übernehmen. Kein Problem eigentlich, dennoch wäre es wünschenswert, dass in Deutschland ausgelieferte Systeme bereits vorbetankt beim Kunden ankommen. Im Übrigen ist das Fileformat "XML". Das muss man nicht kennen, zeichnet aber - als Format der Zukunft - die sehr fortschrittliche Programmierung bei Spektrum aus.

Zugegeben, mit der Sprachausgabe spielt man natürlich als Erstes herum. Und warum? Weil sie einfach begeistert. Flugphasen werden nun angesagt: "Thermik", "Normal", "Speed" und "Landung". Alles ist deutlich über den Lautsprecher zu hören. Wirklich cool. Und es kommt noch besser: Die Funktionen der Stoppuhr sind so einzustellen, dass der Pilot für die Wettbewerbsvorbe- reitungen getrost auf einen Sprachcoach verzichten kann. Ob jede Minute, nur die letzte Minute, die letzten dreißig Sekunden oder auch von Zehn bis Null im Sekundentakt - die Anlage zählt laut und deutlich runter. So wie man es möchte, lässt es sich individuell einstellen. Und es geht noch mehr: Das Starten der Uhr, das Stoppen der Uhr oder auch das Zurücksetzen wird ab nun zu hören sein. Nicht nur "ausgesprochen" gut, nein einfach genial. Auch Telemetriewerte und Alarmschwellen lassen sich selbstverständlich ausgeben. Dieses ist gerade bei kritischen Werten, wie maximale Flughöhe, die Unterspannung des Empfängers oder leerem Flugakku besonders hilfreich.

Interessant ist auch, dass man die Wahl unterschiedlicher Lautstärken für die jeweiligen Ausgaben hat. So lassen sich Alarme wesentlich lauter einstellen, wie zum Beispiel die Ausgabe der aktuellen Flugphase. Bis zu 16 Sprachausgaben sind mit unterschiedlichen Gebern oder Schaltern pro Modellspeicher konfigurier- beziehungsweise abrufbar. Oftmals ist, gerade für Männer, weniger reden allerdings mehr. Sprich, sich vorab Gedanken zu machen was so gesprochen wird, ist schon sinnvoll. Natürlich muss man dabei nicht nur den eingebauten Lautsprecher verwenden, es darf auch ein Ohrhörer sein, um andere Piloten nicht zu stören. Dieser wird auf der Rückseite des Senders eingesteckt.

Zwei weitere Funktionen der neuen "DX-9" sind besonders erwähnenswert: Zum einen die Vorflugkontrolle, wie sie zum Beispiel auch von der "DX-10t" bekannt war. Hier wird Sicherheit ganz groß geschrieben. Die Vorflugkontrolle erlaubt es, eine Checkliste zu erstellen, die vor dem Flug abzuarbeiten ist. Klappenstellung, Gastrimmung passend, Steuerfunktionen gecheckt, Akku kontrolliert, Vario angeschlossen oder Windrichtung geprüft - nur einige Beispiele, die abzuarbeiten sind, bevor man an den Start geht. Die Liste wird dabei solange auf dem Display angezeigt, bis man jeden einzelnen Punkt durch Druck auf die Rolltaste bestätigt hat. Anschließend wechselt das Display in die Grundanzeige. Die Beschreibung der einzelnen Checkpunkte lässt sich natürlich frei wählen. Auch gibt es die Möglichkeit, das HF-Modul erst nach der Abarbeitung einzuschalten. Das kann gerade in hektischen Situationen die Sicherheit wesentlich erhöhen.

Des Weiteren ist noch eine Senderinterne Sequenzer-Steuerung realisiert. Diese ist sinnvoll, wenn ohne Eingriff des Piloten zwei Funktionen nacheinander auszuführen sind. Ein Beispiel wäre die Fahrwerks- oder Klapptriebwerkssteuerung. Mit einer Servofunktion werden die Rumpfklappen geöffnet, mit der anderen wird das Rad oder das Triebwerk ausgefahren. Der Sequenzer ermöglicht es dabei, mit nur einer Schalterbewegung genau diese Schaltfunktionen nacheinander - automatisch, zeitlich gesteuert - ablaufen zu lassen. Jetzt fällt noch eine weitere tolle Funktion ins Auge, beziehungsweise ins Ohr. Wer seinen Sender über eine Zeit von zehn Minuten nicht nutzt, aber eingeschaltet lässt, wird durch die freundliche Ansage "Systemleerlauf, Systemleerlauf, Systemleerlauf" darauf hingewiesen, sein weiteres Tun zu entscheiden - abschalten oder weiterfliegen. Dieses Zeitfenster lässt sich natürlich auch frei konfigurieren.

In Sache Programmierung kommt die "DX-9" der "DX-18" schon sehr nahe. Nach dem Einschalten befindet man sich im aktuellen Modellmenü. Hier sind Funktionen wie Expo, Differenzierung, Dualrate, Stopp-Uhren und Telemetrie konfigurierbar. Im Seglerprogramm gibt es zudem den Menüpunkt Klappensystem und Klappenstellung. Wer mindestens vier Flächenservos verwendet, kann beim Klappensystem die "Wölbklappen" für Funktionen wie Butterfly programmieren. In jeder Flugphase lässt sich als Geber der rechte und linke Schieberegler, der Gasknüppel oder ein beliebiger Schalter für die Bedienung wählen. Im Menüpunkt Klappenstellung sind dann die Offsetwerte für die jeweilige Flughasen festzulegen. In Kombination mit den zehn frei wählbaren Mischern sollte die Kreativität des Piloten eigentlich keine Grenzen kennen.

Wer an dieser Stelle ins Systemmenü wechselt, wird freundlicherweise darauf hingewiesen, dass sich die Modulation nun abschaltet. Hier finden sich alle modellübergreifenden Funktionen wieder: Modellauswahl, Modellname, Modelltyp, die vielen möglichen Flugzustände und deren Sprachausgabe warten auf ihre individuellen Einstellungen. Organisationshilfe bietet der Unterpunkt "Modell Hilfsprogramm". Modelle anlegen, löschen und kopieren ist erwartungsgemäß natürlich realisiert. Aber auch die Möglichkeit seine Modell-Liste zu sortieren ist bei 250 internen und unendlichen Modellspeicherplätzen auf der SD-Karte mehr als sinnvoll. Markieren, verschieben - und schon hat man sein aktuellstes Modell auf der Polposition. Die Modellnummer ändert sich dabei allerdings nicht. Der Schnellzugriff ist dadurch aber wesentlich erleichtert.

In Summe möchte ich der sogenannten "AirWare"-Software hier wirklich ein positives Feedback geben. Innovation, Individualität und Intu- ition, kombiniert mit einer wirklich tollen Sprachausgabe machen die "DX-9" zu einer der wohl fortschrittlichsten Sendeanlagen in ihrem Preissegment. Lediglich die verfügbaren Telemetrie-Sensoren - geliefert durch Spektrum selbst, aber auch durch Dritthersteller - sind aus meiner Sicht noch recht übersichtlich. Allerdings wiegt die sehr individuelle Sprachausgabe über den integrierten Lautsprecher so einiges auf.

Klaus Löcker


Fakten

"DX-9" von Horizon-Hobby
Ein Spektrum-Handsender mit Sprachausgabe

Frequenz: 2,4 GHz
Modulation: DSM2/DSMX
Servokanäle: 9
Abmessungen: 200 x 185 x 50 mm
Gewicht: ca. 800 g
Preis: 399,99 Euro
Bezug im Fachhandel
www.horizonhobby.de


Die zusätzlichen Schieber sind rückseitig montiert. Ihre Rastkraft lässt sich einstellen


Zwei integrierte Senderantennen: Die eine geht senkrecht nach oben, die andere verläuft im hinteren Tragegriff, natürlich im 90-Grad-Winkel zueinander


Die Vorflugkontrolle bietet ein Höchstmaß an Sicherheit


Der Grundbildschirm bietet zahlreiche Informationen und zeigt auch die Trimmstellungen an


Das Herzstück für die Seglerpiloten: Klappensystem und Klappensteuerung


Der Sequenzer treibt das Thema Automatisierung voran


Die Spracheinstellungen lassen sich so einstellen, dass gesprochen wird, was man genau hören will


Beim Wechsel ins Systemmenü wird gewarnt, dass nun die HF Strahlung ausgeschaltet wird


Innovativ und einfach verständlich ist die Programmierung eines Modells mit der "DX-9" auf jeden Fall


Was die DX9 bei jedem Flugzustand sagt, kann man natürlich auch frei wählen


Mit den Modellhilfsprogrammen lassen sich die unendlichen Speichermöglichkeiten ein Stück weit beherrschen


Natürlich fehlt es auch nicht an der Konfiguration der Displayanzeige der Telemetriewerte



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