TEST

Airshow-Doppeldecker

Der "Rockstar" von Multiplex


Sieht größer aus als er ist. Der neue Doppeldecker ist mit 1.050 Millimeter Spannweite sehr kompakt

Bei der Neuheiten-Flugshow der Messe Sinsheim wurde der neue Doppeldecker erstmals präsentiert. Ich war dabei und meine Begeisterung war so groß, dass ich sofort einen "Rockstar" mit nach Hause nehmen wollte. Nach "Razzor", "Merlin", "Dogfighter" und "Gemini" aus dem gleichen Hause war dieser neue Doppeldecker für mich ein "must-have"-Modell. Alleine schon, weil alle diese Flugzeuge problem- los zu fliegen sind.

Wenige Tage nach Bestellung wurde das Modell zu meiner Überraschung schon geliefert. Der "Rockstar" kann als "BK"- und als "RR"-Version geordert werden. Ich habe mich für die "RR"-Version entschieden: Motor, Regler und alle vier Servos (Hitec-"HS-82") mit Metallgetriebe sind eingebaut und versprechen ein stimmiges Gesamtkonzept. Auch das Dekor ist sehr sauber aufgebracht. Wie bei Multiplex üblich: Die Qualität lässt keine Wünsche offen! Das Elapor ist von wahrer Güte, die Oberflächen weisen so gut wie keine Poren auf und sind sehr druckfest. Und die Luftpolsterfolie der Verpackung lässt sich ohne viel Aufwand als Transportschutz verwenden.

Eine Besonderheit ist die "M-Frame-Technologie:" Es handelt sich um eine lasergeschnittene Sperrholzkonstruktion im Rumpf, die Motor, Servos und Akkuhalterung aufnimmt. Sie bietet außerdem zusätzliche Stabilität. Der Motorträger aus eloxiertem Aluminium ist bereits verschraubt und beherbergt den "Himax 4220-620"- Motor (620 Kv) und den angeschlossenen Regler "MULTIcont BL-60 SD". Die Montage des Propellers (14x7 Zoll) auf den verchromten und selbst zentrierenden Spinner war in zwei Minuten erledigt. Es empfiehlt sich natürlich den Propeller auszuwuchten, danach läuft alles sehr rund und weich.

Die Querruder werden pro Seite von je einem Servo mit Metallgestänge angelenkt. Sie sind in bewährter Elastic-Flap-Bauart ausgeführt und müssen vor dem Anbringen der Anlenkungen noch gängig gemacht werden. Gleiches gilt für die Leitwerksruder. Die getönte Kabinenhaube mit Pilotenfigur und detailliertem Panel passt auch optisch perfekt. Der 4s-LiPo ist durch einen Deckel mit Kabinenhauben-Verschluss auf der Rumpfoberseite sehr gut zugänglich.

Die Bauanleitung lässt keine Fragen offen und ist mit 47 Bildern genauestens nachzuvollziehen. Für die RR-Version ist sie nicht erforderlich. Die wenigen noch zu erledigenden Schrauben und Klettbänder erklären sich von selbst. Die Tragflächen sowie das Höhenleitwerk werden mit Nylonschrauben gesichert und lassen sich zum Transport in Sekundenschnelle abnehmen. Überhaupt ist die Demontage des "Rockstar" eine schnell erledigte Sache: Zentralschraube in der Flächenmitte lösen, Clipaufnahmen der Flächenstreben ausklicken, zwei Kabel abstecken - fertig! Sogar die Querruderverbinder sind zweifarbig links Rot und rechts Grün eloxiert, damit beim erneuten Zusammenbau auch nichts verwechselt werden kann. Der "Rockstar" passt mit seiner beinahe quadratischen Größe von 1.050 x 1.060 Millimeter zusammengebaut in fast jeden Autokofferraum.

Die Fertigstellung der RR-Version war genial einfach zu erledigen, da sie sich nur auf die Anlenkung der Ruder und den Einbau des Empfängers beschränkt. Zeitbedarf: 60 Minuten. Das Modell ist bereits so perfekt gebaut, dass man die Investition dafür nicht scheuen sollte. Auch unter dem Aspekt, dass ein hochwertiger Himax-Motor, ein 60-Ampere-Regler und vier Hitec-Metallgetriebeservos flugfertig verbaut sind! Selbst der passende Propeller ist wie erwähnt bereits dabei.

Nach der Fertigstellung musste mein "Rockstar" auf die Waage: Multiplex gibt ein Fluggewicht von 1.800 Gramm an. Auch das passt: Ich bin bei 1.790 Gramm. Damit ergibt sich eine moderate Flächenbelastung von 38 g/qdm. Da kann einfach nichts schief gehen. Die Empfehlungen der Bauanleitung zu den Rudereinstellungen habe ich genau übernommen. Es werden Einstellungen für klassischen Kunstflug sowie für 3D-Kunstflug vorgegeben. Die größeren 3D-Einstellungen habe ich zuschaltbar auf einen Schalter am Sender gelegt. Der Schwerpunkt wurde nach Anleitung auf 100 Millimeter hinter der Nasenleiste der oberen Tragfläche eingestellt. Ich habe mir dort eine unauffällige Markierung mit etwas gekürzten Stecknadeln gesetzt, die ich von unten in die Fläche gesteckt und mit einem Tropfen Sekundenkleber gesichert habe. Durch Verschiebung des mit Klettband zu befestigenden 4s-LiPo mit 2.600 Milliamperestunden war dies problemlos möglich, der Platz im Rumpf hierfür ist sehr großzügig bemessen.

Am gleichen Tag konnte es schon ans Fliegen gehen. Reichweitetest und erste Rollversuche standen an. Dabei zeigte sich, dass die Größe der Räder gut bemessen ist. Auf dem noch nicht gemähten Rasen, der vom Winter noch etwas holprig war, rollte mein "Rockstar" ganz locker umher. Auch um die Radschuhe musste ich mir keine Sorgen machen, denn die Bodenfreiheit ist absolut in Ordnung. Dann ein letzter Rudercheck, das Modell ist zum Fliegen da. Mit 75 Prozent Motorleistung war der "Rockstar" nach wenigen Metern in der Luft - problemlos! Mit Vollgas steigt der "Rockstar" senkrecht. Rollen, Rückenflug und Trudeln wagte ich bereits nach wenigen Runden. Das Ergebnis: Das Modell liegt satt in der Luft und an den Rudern.

Es macht einfach was es soll. Wer will, kann die Lage des Schwerpunkts einige Millimeter zurücknehmen. Dann wird alles noch etwas wendiger und knackiger. Der Rockstar ist da nicht sehr empfindlich. Die Flugzeit mit dem empfohlenen Akku wird mit sieben Minuten angegeben. Das passt sehr gut, weil ich gerne mit viel Leistung fliege. Nach der Landung waren noch 30 Prozent im Tank. Bei etwas ruhigerem Flugstil wären zehn Minuten durchaus möglich. Die erste Landung war leider nicht eine meiner besten: Mit Seitenwind ziemlich hart aufgesetzt! Das Alu-Fahrwerk hat das aber locker weggesteckt. Sehr beruhigend.

Mein Fazit nach den ersten Flügen: Ein rockiger Spaßflieger, der auch den routinierten Piloten fordern kann. Er ist sehr wendig und macht im Flug alles mit! Die Grenzen des Fliegers setzt hier der Pilot. Zum Schluss sei mir ein kurzer Vergleich zu dem anderen Multiplex-Doppeldecker "Gemini" erlaubt: Der "Rockstar" ist bulliger und kraftvoller. Optisch macht er mehr her und er liegt wesentlich besser in der Luft. Vor allem bei etwas Wind ist das ein deutlicher Vorteil. Das Bessere ist mal wieder der Feind des Guten.
Thomas Hörberg


Fakten

"Rockstar" von Multiplex
Ein Akrobatik-Doppeldecker

Spannweite: 1.050 mm
Länge: 1.060 mm
Fluggewicht: 1.790 g
Fläche: 47,1 qdm
Flächenbelastung: 38 g/qdm
Preis: 189,90 Euro (BK), 379,90 Euro (RR)
Bezug im Fachhandel
www.multiplex-rc.de


Die getönte Kabinenhaube ist ein Hingucker. Der Flugakku wird bequem von oben gewechselt


Die Radschuhe bieten genügend Bodenfreiheit auch auf Wiesenpisten


In der RR-Version ist der Motor stabil eingebaut


Platz ist ausreichend vorhanden, da kann mit Flugakku und Schwerpunkt variiert werden


Das Verpackungsmaterial kann gleich zu Schutzhüllen umgearbeitet werden


Der Chrom-Spinner verleiht dem Modell einen sehr edlen Touch


In weniger als zwei Stunden nach Eintreffen des Pakets ging es zum Erstflug


In der Luft tut das Modell genau, was es auch soll - ohne Wenn und Aber


In punkto Kunstflug setzt der Pilot das Limit, nicht das Modell



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