TECHNIK

Meisterstück

Handsender Made in Germany


Die Cockpit SX stellt quasi die neueste Generation Handsender dar

Multiplex lüftete zur Faszination Modellbau in Friedrichshafen im vergangenen November ein lang gehütetes Geheimnis: Mit der "Cockpit SX9" strahlte eine neue Generation Handsender den Besuchern entgegen. Klaus Löcker hat sich die Anlage genauer angesehen.

Schon der erste Blick macht deutlich, hier wa- ren Profis am Werk. Sowohl die Formgebung, die Farb- aber auch die Materialwahl gefielen mir auf Anhieb. Edel und schick glänzt der Sender von außen, von innen strahlt mir deutsche Ingenieurskunst entgegen. Die inneren Werte eines Senders entscheiden bei unserem tollen Hobby über die Sicherheit beim Modellfliegen. Das 3,5 Zoll große, farbige Touchscreendisplay rundet den ersten Gesamteindruck angenehm ab.

Erhältlich ist die neue "Cockpit SX" mit sieben oder neun Kanälen, als Einzelsender oder als Set mit einem telemetriefähigen Empfänger. Wer den geringen Mehrpreis nicht scheut, ist mit der "SX9" wohl sehr gut beraten, da diese auch mit allen möglichen sechs Schaltern und zwei seitlichen Tastern ausgestattet ist. Auf der Rückseite befinden sich zwei weitere Drehgeber, die sich genauso präzise bedienen lassen wie die hochqualitativen Kreuzknüppelaggregate, die sich auch in der großen "Profi-TX" wiederfinden. Die Aggregate sind entsprechend der Daumenbewegung leicht seitlich gedreht und in Dämpfung und Rasterung mit einem Torx-Schraubendreher an die persönlichen Bedürfnisse anpassbar. Die digitalen Trimmgeber sind leicht nach innen versetzt, aber immer noch gut erreichbar. Auf der Rückseite gibt es zusätzlich den Lautsprecher, einen Kopfhöhrerausgang, eine Mini-USB-Schnittstelle und einen Steckplatz für den mitgelieferten Torx-Schraubendreher. Auch ein Einga- bestift für noch präziseres Arbeiten mit dem Touchdisplay fehlt nicht. Durch eine geschickte Platzierung im Sendergehäuse ist er immer dabei. Schön gelöst sind auch der Schnellverschluss zur Nutzung eines Tragegurtes sowie die zwei Warn-LEDs oberhalb des zentralen Hauptschalters.

Öffnen muss man den Sender nur um Erweiterungsmodule, wie den von mir verwendeten Copiloten, einzubauen. Hierfür sind zwei Steck- plätze vorgesehen, was deutlich macht, dass man sich mit diesem Layout auch für zukünftige weitere Modulerweiterungen aufgestellt hat. Kabelsalat gibt es nicht. Alles ist sehr strukturiert aufgebaut, die Platine in Richtung Oberseite mit einem gummierten Schutz gegen das Eindringen von Feuchtigkeit geschützt. Was noch auffällt ist der SD-Kartenslot mit Micro-SD-Karte zur Speicherung der Modelldaten, ein Vibrationsmodul und der fest eingelötete 1s-LiFePo-Akku mit vier Amperestunden. Fest eingelötet? Ja richtig, auch ein Merkmal erhöhter Sicherheit. Nicht funktionierende Steckverbindungen gehören damit der Vergangenheit an. Geladen wird im Übrigen über die Mini-USB-Schnittstelle mit einem USB-Lader. Der verwendete, zukunftssichere und hochmoderne ARM- Prozessor, der gesamte Aufbau, die eingebauten Schnittstellen und die Einbaumöglichkeit zwei weiteren seitlichen Tastern machen deutlich: Eine Plattform für die Umsetzung jeder Menge weiterer Optionen und Ideen der Multiplex-Ingenieure.

Mit einem langen Tastendruck startet das System in knapp drei Sekunden in den Betriebsmodus. Man landet direkt im Statusdisplay mit der Darstellung der programmierten Timer und wesentlichen Kontrollanzeigen wie Gas-Stellung, Akkuzustand oder Modellname. Angelehnt an die Funktionsweise moderner Smartphones "wischt" man mit dem Finger horizontal links in das Display der Telemetriewerte oder der Systeminformationen. Mit einem "Wisch" rechts geht es in den vorherigen Zustand zurück. Mit einem Druck auf dem mittig positionierten Doppelpfeil landet man im Systemmenü. Dieses ist in neun Bereiche unterteilt. Die verwendeten Symbole sind selbsterklärend. Hinter dem Speicherkartensymbol verbirgt sich die Speicherplatzverwaltung, hinter dem Sendersymbol die Grundeinstellungen, hinter dem Modellsymbol der Modelltyp und die modellspezifischen Einstellungen wie die Verwendung von Flugphasen, Gas-Check oder Gas-Trimmung.

Im Gebermenü wird der verwendete Steuermodus eingegeben. Hier sind Mode 1 bis Mode 4 über eine grafische Darstellung der Geberfunktionen wählbar. Weiter lassen sich hier die Expo- und Dualrate-Werte als Zahlenwert eingeben. Die Schalterzuordnung für Dualrate ist, wie bei den meisten anderen Schalterfunktionen auch, fest vorgegeben. Weiter gibt es Untermenüs für Mischer- und Servoeinstellungen, für die Timerverwendung, für die Konfiguration der Telemetrieverwendung sowie der Lehrer-Schülerein- stellungen.

Eine wesentliche Erleichterung für das Anlegen neuer Modelle ist der Modellassistent. Er führt Schritt für Schritt durch die Grundprogrammierung und lässt sich im Speichermenü starten. Neue Modelle werden im Übrigen grund- sätzlich über diesen Assistenten angelegt. Aus meiner Sicht auch ein weiterer Vorteil in Punkto Sicherheit, da man keinen der notwendigen Programmierschritte vergessen kann. Spätere Korrekturen der Konfiguration erfolgen dann na- türlich über den Direkteinstieg in die entsprechenden Menüpunkte.

Im ersten Assistenzschritt lassen sich Modelltyp, Speicherplatz und der Modellname vergeben. Modelltypen gibt es sechs, angefangen vom Typ "Easy", der für einfache Modelle mit den wesentlichsten Grundfunktionen gedacht ist, der Typ "Segler" mit vorgebenen Flugphasen und der Nutzbarkeit von Mehrklappenflügeln, dem Typ "Acro" für Motormaschinen oder "Delta" für die, na sagen wir mal "Rumpflosen". Natürlich fehlt es nicht an einem "Heli"-Typ, auch ein "Multicopter" ist in den Vorlagen vorhanden.

Im zweiten Schritt folgt die Auswahl der Leitwerkstypen. Wer ein V-Leitwerk verwendet kann aus acht möglichen Varianten wählen. Diese Varianten unterscheiden sich durch die jeweilige Laufrichtung der Servoausgänge in Verbindung mit den genutzten Steuerfunktionen. Mit dieser Grundeinstellung muss ich also nicht mehr die Laufrichtung einzelner Servos anpassen. Wirklich innovativ und einfach gemacht. An dieser Stelle ein Hinweis: Das Eingeben von Programmierwerten ist mit Durchschnittsfingern sicherlich problemlos möglich. Wer da vielleicht nicht so zart beseitet ist, der wird spätetens bei den Buchstaben zum Programmierstift greifen. Die ganz am Rand liegenden Buchstaben sind ansonsten schwer zu treffen. In weiteren Schritten legt man Funktionen wie Gas-Check, Flugphasen oder M-Link-Fast-Response fest.

Jetzt folgt die Einstellung der Geberfunktionen. Klar verständlich und bebildert, so kann man eigentlich nichts mehr falsch machen. In dieser ersten Variante der neuen Cockpit SX sind bestimmte Geber- und Schalterfunktionen allerdings fest vorgegeben. So werden die Flaps beim Segler immer über den linken hinteren Drehgeber bedient. Auch die Schalter für Dualrate oder Flugphasenverstellung sowie der Taster für Gas-Not-Aus lassen sich nicht ändern. Doch wie anfangs schon geschrieben, die Plattform ist geschaffen und lässt spätere Änderungen durch den Hersteller immer zu. Warten wir mal was da noch so kommt.

Mit dem ersten Binden des Empfängers, den Servo- und Mischereinstellungen sowie den Vorgaben für Dualrate und Expo schließen wir die erste Programmierung eines neuen Modells ab. Mit etwas Übung gelingt es, dank dem Assistenten, Modelle in wenigen Minuten einzurichten. Klasse gemacht. Noch ein kleiner Hinweis am Rande: die Servowege lassen sich durch Verschieben der dargestellten Linien verstellen. Das erleichtert nochmals die Bedienung.

Wer die Telemetriefunktionen nutzt, sollte zwingend darauf achten, einen telemetriefähigen Empfänger einzusetzen. Alle Empfänger mit der Bezeichnung "light" unterstützen diese Funktionen nicht. Es stehen acht Sensoradressen zur Verfügung. Bestimmte Grundfunktionen sind bereits vorbereitet, lassen sich aber individuell anpassen. Cool gelöst sind die beiden Warn-LEDs oberhalb des Haupschalters. Das Batteriesymbol steht für eine Unterspannungsanzeige der Empfängerstromversorgung, das Tanksymbol leuchtet wenn der im Stromsensor eingestellte Restkapazitätswert erreicht ist. Doch viel wichtiger: die LEDs erlöschen erst nach Freigabe im Telemetriemenü, was wieder der Sicherheit zugute kommt.

Eine Sprachausgabe ist (fast) selbstverständlich. Mit freundlicher Stimme ertönen die gewünschten Werte zeitabhängig, in frei wählba- rem Intervall. Was genau angesagt wird, also Vario und Werte, nur Werte oder nur Vario kann man auch im Flug über einen festgelegten Taster - links am Sendergehäuse - dynamisch einstellen.

Noch ein paar Worte zum Display, zur Akkulaufzeit und zu den Timern. Je nach Sonneneinstrahlung passt sich das Display durch den eingebauten Lichtsensor dem Außenlicht an. So bleibt es auch bei ungünstigen Verhältnissen immer kontrastreich ablesbar. Diese Funktion wirkt natürlich auch auf die maximale Betriebszeit von 24 Stunden ein. Eines steht nach etlichen Flugstunden aber fest: Die 4.000 Milliam- perestunden reichen für mehr als 12 Stunden Betriebszeit immer aus. Die Timer sind Aufwärtszähler für Flugzeit und Motorlaufzeit. Die Geber zum Starten sind frei wählbar, und ein Reset kann direkt im Statusmenü erfolgen.

"Und wieder alles richtig gemacht", so kann man die Entwicklungsarbeit von Multiplex in wenigen Worten zusammenfassen. Sicherheit, Haptik und Zukunftsfähigkeit stehen bei diesem Senderkonzept ganz weit vorn. Die teilweise festen Vorgaben von Geber- oder Schalterfunktionen sollten nicht zwingend stören, gerade bei Einsteigern in unser Hobby. Natürlich gibt es Funktionen die noch optimiert werden könnten, wie zum Beispiel ein Countdown-Timer. Ich bin mir aber sicher, dass auf Basis dieser Senderplattform später noch Erweiterungen oder Veränderungen kommen, die dann über die Stan- dard-USB-Schnittstelle einzubringen sind .

Klaus Löcker


Fakten

Cockpit SX von Multiplex
Ein hochmoderner Handsender

Kanäle: 7 oder 9
Zuordnung frei wählbar
Bedienelemente: zwei Knüppelaggregate
zwei Proportionalgeber
4/6 Schalter
zwei Taster
Modellspeicher: 200
Antenne: IOAT, innenliegend
Gewicht: ca. 850 g
Preis: ab 379,- Euro
Bezug im Fachhandel
www.multiplexrc.de


Der 4-Ah-Akku ist fest eingelötet. Darüber gibt es Platz für zusätzliche Module

Gespeichert wird auf der MicroSD-Karte. Damit lassen sich auch komplette Modelle von einem zum nächsten Sender transportieren

Mit einem langen Tastendruck startet das System, man landet direkt im Statusdisplay

Das Systemmenü ist in neun Bereiche unterteilt. Die verwendeten Symbole sind selbsterklärend

Im Gebermenü sind Mode1 bis Mode 4 über eine grafische Darstellung der Geberfunktionen wählbar

Im ersten Assistenzschritt lassen sich Modelltyp, Speicherplatz und der Modellname vergeben

Auch in punkto Servozuordnung wird Klartext angezeigt

Die Servowege lassen sich durch verschieben der dargestellten Linien verstellen

Der Servomonitor verschafft einen Überblick über die Servostellungen

Die Timer sind in einem sehr weiten Rahmen frei zuzuordnen

Für Telemetriefunktionen stehen acht Sensoradressen zur Verfügung, bestimmte Grundfunktionen sind bereits vorbereitet



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2016

Das komplette Inhaltsverzeichnis 4/2016
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

©AUFWIND 2016