REPORTAGE

Jodel BeBe D.9

Ein Baukastenmodell für Aeronaut


Auf der ProWing in Soest wurde die Jodel einem großen Publikum vorgeführt

Hochwertige Holzbausätze, einfach aufzubauen und mit attraktiven Designs sind ein Markenzeichen des Reutlinger Familienunternehmens Aero- naut. Eine der Neuheiten 2016 war die "Jodel BeBe D.9", deren Konstruktion aus der Feder von Philipp Gardemin stammt.

Es war 1990 als ich meine erste "Jodel BeBe" nach einem Bauplan von Bruno Schmalzgruber baute, damals mit 160 Zentimetern Spannweite und einem Keller 40/10 und 12 NiCd-Zellen. Das Modell war mein erfolgreicher Einstieg in die Elektro-Motorflugszene und bis heute hängt ein Bild des Modells in meiner Werkstatt. Selbstredend, dass ich dieses Flugzeug noch einmal bauen wollte, jedoch größer und vorbildgetreuer.

Im Herbst 2015 flatterte mir dann die Anfrage seitens Aeronaut ins Haus, ob ich nicht - nachdem wir mit dem "Volksplane" ja bereits einen guten Start hatten - eine weitere Konstruktion machen würde. Die Eckdaten standen bereits fest: Zwischen zwei und 2,5 Metern Spannweite, für Verbrennungs- ebenso wie für Elektromotoren geeignet, einfach aufzubauen und mit problemlosen Flugeigenschaften. Schnell war mir klar, dass diese Voraussetzungen wohl am besten auf die "Jodel BeBe D.9" zutreffen. Gesagt, getan: Ende Oktober zog ich den ersten Strich im CAD. Ziel war, kurz vor Weihnachten das Ausstellungsmodell für die Spielwarenmesse Nürnberg in Reutlingen abzugeben.

Die "Jodel BeBe D.9" ist ein einsitziges Sportflugzeug der französischen Konstrukteure Edouard Joly und Jean Delemontez. Bereits 1947 star- teten sie die Entwicklung und flogen den ersten Prototyp mit der Kennung F-WEPF im Januar 1948, motorisiert mit einem Zweizylinder-Boxermotor mit 18 kW Leistung. Ab 1952 wurde das Flugzeug auch in Deutschland von Amateur-Flugzeugkonstrukteuren nachgebaut, erhielt aber erst 1958 die Zulassung. Weltweit wurden mehrere tausend Exemplare im Amateurbau hergestellt und werden bis heute geflogen.

Die Planungen sahen einen Nachbau im Maßstab 1:3 vor, mit 2,4 Metern Spannweite, 1,8 Metern Länge und einem angepeilten Fluggewicht von rund sieben Kilogramm. Von Beginn an hatte ich im Fokus, das Modell besonders einfach transportieren zu können. Das hieß: Tragfläche mit abnehmbaren Außenteilen, ein abnehmbares Höhenleitwerk und herausnehmbare Fahrwerksbeine. Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als eine schöne ebene Tragfläche mit herausstehenden Spargelbeinen.

Eine Dreiseitenansicht aus dem Internet diente mir zur Vorlage. Mit dem Geodreieck wurden die Maße abgenommen, auf den Modellmaßstab skaliert und im 2D-CAD gezeichnet. Als Tragflächenprofil griff ich auf das modifizierte NACA 4412 zurück, das auch schon beim "Volksplane" zur Anwendung kam. Möglichst einfach sollte der Aufbau sein, das war ja die Vorgabe. Produziert werden sollte alles auf den hauseigenen Lasermaschinen in Reutlingen - 100 Prozent Made in Germany.

Ich begann mit der Tragfläche, deren Hauptmerkmal die klassische Bauweise mit Holmen, Verkastungen und Rippen ist. Eine Besonderheit ist die komplett einteilige Beplankung aus Ahornfurnier. So hat jede der Rippen auf der Unterseite drei Zapfen stehen, die in entsprechende Nuten der Beplankung gesteckt werden. Damit ergibt sich die Position von ganz alleine. Immer im Wechsel mit den Verkastungsteilen wurden die Rippen eingesetzt, jeweils mit Nut und Zapfen verbunden. Für die Fahrwerksbefestigung wurde ein eigener Aufbau aus Flugzeugsperrholz gemacht, der quasi separat als Mittelteil eingesetzt wird. Mit dem Einsetzen des oberen Hauptholmes war der Aufbau auch schon abgeschlossen - bis hierhin eine Sache von wenigen Stun- den. Noch einige Ausbauteile in Form von Balsaklötzchen für die Steckungen und Verschraubungen, alles planschleifen und dann konnte auch schon die obere Beplankung aufgebracht werden. Auch wieder einteilig, jedoch ohne Nuten, um die saubere Optik des schönen Furniers zu bewahren. Die Außenteile der Tragfläche waren noch viel schneller aufgebaut, die grundlegende Bauweise ist mit der des Mittelteils identisch. Als Steckung dienen ein 13-mm-Kohlestab, ein Torsionszapfen und 10-mm-Rundmagnete, mit denen die Außenteile sicher am Mittelteil gehalten werden.

Auch für das Höhenleitwerk wählte ich die klassische Rippenbauweise mit Holmen und Verkastungen. Mit dem vollsymmetrischen Profil aber haben die Rippen Stützfüßchen bekommen, werden nach dem Grundaufbau erst auf der Oberseite beplankt, umgedreht und dann, nach dem Entfernen und Schleifen der Füßchen, von unten beplankt. Auch hier übrigens wieder mit dem bereits erwähnten Ahorn-Furnier. So gelingt ein verzugsfreier Aufbau. Genauso auch der Aufbau der Höhenruder, die dann in einer Hohlkehle mit Stiftscharnieren gelagert werden. Am Rumpf befestigt wird das Höhenleitwerk mit drei M5-Nylonschrauben. Bohren muss der Modellbauer da nichts mehr, das ist alles in den Laserteilen vorgesehen.

Noch einmal mit Einzelteilen geizen konnte ich beim Pendel-Seitenruder. Auch hier haben die Rippen wieder Stützfüßchen, damit verzugsfrei aufgebaut werden kann. Und die Beplankungen sind ebenfalls wieder aus Ahornfurnier und komplett einteilig. Aufgehängt wurde das Seitenruder mit einem durchgehenden Stahldraht, an dem auch das Spornrad befestigt ist. Somit lässt sich das Seitenruder durch Lösen eines Stellrings leicht abnehmen.

Den Tragflächenteilen, dem Höhenleitwerk und dem Seitenruder gemeinsam sind die Nasenleisten und Randbögen aus Balsaholz. Die Teile stellen dann auch schon die größte Hobel- und Schleifaktion am ganzen Modell dar.

Lange vor mir hergeschoben gab es nun kein Zurück mehr: Der Rumpf stand an. Ein paar Gedanken mehr musste ich mir hier machen, damit er ohne Plan und ohne Helling aufgebaut werden kann. Um letztlich die Maßgabe zu erfüllen. Die Positionen aller Spanten und Einbauteile mussten alleine durch Nuten und Zapfen eindeutig festgelegt sein. Also galt es, die Rumpfseitenwände aus dem schönen Ahornfurnier zu schneiden, an Ober- und Unterkante mit Kieferleisten zu verstärken und dazwischen mit vier Millimeter dicken Pappeleinlagen aufzudoppeln. Die wiederum geben durch eingefräste Nuten die Positionen der Spanten vor. Der zentrale Aufbau des Rumpfes erfolgte dann aus drei Spanten und einem Mitteldeck. Das geht alles ohne Helling und wird trotzdem gerade. Nur sollte man sich beim Pressen mit Schraubzwingen ein wenig Zeit nehmen, damit wirklich alles gut zusammengeht.

Der hintere Teil des Rumpfrückens wurde mit Leisten versehen und später bespannt, der Rumpfboden in dem Bereich ist eben und wird einfach mit einem Zuschnitt Ahornfurnier beplankt. Vorne ist der Rumpf wesentlich runder. Also wurde hier die Rumpfunterseite mit 4x10-mm-Balsaleisten beplankt, wie im Schiffsmodellbau. Das klingt aufwändig, geht aber schnell von der Hand. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Rumpfdeckel wurde dann genau so aufgebaut, nur dass der abnehmbar ist, um möglichst einfach an Flugakku oder Tank zu kommen.

Die Motorhaube war eine kleine Herausforderung, denn Maßgabe war ja, ohne Fertigteile auszukommen. Also wurde hier eine Spantenkon- struktion erstellt, die wiederum mit Balsaleisten beplankt und schließlich in Form verschliffen wurde. Auf diese Art besteht vor allem die Möglichkeit auch individuelle Formen zu realisieren - je nachdem, was das gewählte Vorbild so bietet.

So stand also nach nur sechs Wochen Konstruktions- und Bauzeit die Jodel rohbaufertig auf dem Tisch, bespannt mit Oratex und lackiert mit Acrylfarbe war sie auch schnell, sodass ich wie zugesagt das Ausstellungsmodell abgeben konnte. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse erregte die Jodel viel Interesse im Kreise des internationalen Fachpublikums.

Im Februar dann startete ich auch den Bau eines zweiten Modells, diesmal aus den ersten lasergeschnittenen Serienbauteilen. Dies war zudem eine Prüfung der Teile, ob auch wirklich alles miteinander passt. Auch die Bauanleitung für den Baukasten habe ich geschrieben. Der Bau mach-te mir riesig Spaß und erfüllte mich immer wieder mit Stolz, die selbst gezeichneten Teile zu verbauen. Doch die Zeit drängte, denn keine vier Wochen später wollte ich meine eigene "Jodel BeBe D.9" zur Osterwoche auf die Model Flying Ranch in Spanien (vgl. Bericht in diesem Heft) mitnehmen. Hier sollte mein Schmuckstück zeigen, wie es fliegt. Auch wollte ich mich damit auf die Flüge auf der Prowing in Soest vorbereiten, wozu mich Aeronaut schon gebucht hatte.

Vier Standardservos der 20-mm-Klasse wurden eingebaut, ein 2s-LiIon-Empfängerakku von iRC-Electronic und ein DPSI-Schalter vom gleichen Anbieter. Als Motor wählte ich den "Actro 40-6" mit einer 20 x 10 Zoll großen APC-E-Luftschraube und 10s-LiPo 5.000 mAh. Diese Kombination zieht nur 49 Ampere bei 6.850 Umdrehungen. Den errechneten Schwerpunkt konnte ich durch knapp 80 Gramm Blei einstellen - dachte ich jedenfalls. Mit 6,3 Kilogramm Gewicht war ich auch beim Fluggewicht deutlich unter den angepeilten sieben Kilogramm.

In Spanien angekommen - am frühen Morgen meines zweiten Besuchstages, als es noch ruhig auf dem Platz war - stellte ich meine Jodel auf die Bahn und rollte zunächst ein wenig herum. Dann aber in Startrichtung gestellt und langsam Vollgas reingeschoben. Nun rollte das Modell sachte an, ließ sich problemlos auf Kurs halten, nahm deutlich Fahrt auf und hob schließlich sauber ab. Die Jodel stieg ziemlich weg, mit reichlich Tiefentrimm ließ sich ein normaler Flug einstellen. Doch was war das? Nahm ich das Gas raus, himmelte die Nase empor. Erst mit höherer Fluggeschwindigkeit, auch wenn damit die Wirkung des Tiefenruders wieder zunahm, flog die Jodel gerade. Also doch noch erheblich schwanzlastig - die Landung versprach spannend zu werden: also flott angeflogen und auf die Piste gedrückt, dann beim Aufsetzen Gas raus und plötzlich stand die Jodel senkrecht über der Piste in gut drei Metern Höhe, kippte hinten über und zerlegte sich beim Aufprall in die einzelnen Bauteile. Doch Glück im Unglück, bis auf abgeschürfte Kanten und eine zerbrochene Motorhaube war alles heil geblieben.

Wieder zu Hause angekommen wurde repariert und nachlackiert - und weitere 200 Gramm Blei kamen in die Motorhaube. Der Schwerpunkt kam damit um 18 Millimeter weiter nach vorn. Drei Testflüge bei den Freunden der MFG Pfinztal bestätigten dann, wie herrlich die Jodel zu fliegen ist. Zwei Wochen später ging es damit nach Soest auf die Prowing, um für Aeronaut im Flugtagprogramm mitzufliegen. Der starke Wind und zeitweilige Regenschauer ließen mich jedoch fast zurückstecken. Doch wer nicht wagt der nicht gewinnt. Mit Freude sahen alle Beteiligten, wie unproblematisch das schöne Modell trotz des starken Windes flog, auch nochmal am Sonntag. Die Telemetriedaten berichteten von lediglich 12 Ampere Stromaufnahme im Rundflug. Das Flugbild mit der tiefen Tragfläche begeisterte die Zuschauer und mich ganz besonders. Auch wenn ich die Landungen noch ein wenig zu langsam flog und etwas holprig aufsetzte, war doch alles rund und schön.

Die restlichen Stunden auf der Prowing nutzte ich, um allerlei Ausstattungsgegenstände für das offene Cockpit sowie einen Dreiblatt-Varioprop mit 18 Zoll zu besorgen. Denn der große Zwei-blattpropeller sieht wirklich aus wie ein Windmühlenflügel.

Hoch zufrieden kehrte ich nach Hause zurück, mit dem Wissen in der Tasche, mit der "Jodel BeBe D.9" ein hervorragendes Alltagsmodell für den vorbildgetreuen Elektro-Motorflug konstruiert und gebaut zu haben. Ziel erfüllt! Die neue Saison wird genutzt um das Modell richtig auszufliegen und durchzutesten.

Philipp Gardemin
Fotos: Philipp Gardemin, Herbert Locklair, Marco Mani, Thorsten Rechthaler


Fakten

"Jodel BeBe D.9" von Aeronaut
Ein Elektro-Motormodell für die Serienproduktion

Spannweite: 2.400 mm
Länge: 1.830 mm
Gewicht: 6.650 g
Fläche: 99,5 qdm
Flächenbelastung: g/qdm
Preis: 499,- Euro
Bezug im Fachhandel
www.aeronaut.de


Die Rumpfseitenwände bestehen aus Ahorn-Furnier und werden innen mit Pappelsperrholz aufgedoppelt

Drei Spanten und das Zentralbrett bilden den Start des Rumpfbaus

Höhenleitwerk und -ruder sowie Seitenruder (Bild) werden auf Stützfüßchen aufgebaut

Das Höhenleitwerk ist eine klassische Rippenkonstruktion mit Kieferholmen und Verkastungen

Höhenleitwerk und -ruder rohbaufertig. Gut zu sehen sind die Hohlkehle und die Beplankung aus Ahorn-Furnier

Die Tragflächensteckung besteht aus Messingrohr und einem CFK-Stab - einfach aufzubauen und stabil

Nach nur drei Wochen Bauzeit stand mein Vorführmodell rohbaufertig in der Werkstatt

Die Motorattrappe besteht aus nur wenigen Teilen und gehört auch zum Bausatzumfang

Das Spornrad wird aus zwei Laserteilen, einem Anlenkhebel und zwei Drähten aufgebaut

Das Instrumentenbrett des Vorführmodells kommt von Hannes "Mr. Cockpit" Schmalzer, im Bausatz liegen Aufkleber bei

Die gefederten Fahrwerksbeine sind wahrer Luxus und können zum Transport des Modells abgenommen werden

Übersichtlich auch der Einbau des Antriebs, einem "Actro 40-6" mit Roxxy-Regler. Vorne liegend der DPSI-Schalter

Noch ohne Kennzeichen stand mein Vorführmodell zum Erstflug in Spanien bereit - leider mit unglücklichem Ausgang

Bereits beim Erstflug in Spanien konnte das Flugbild genossen werden

Völlig problemlos ließ sich die Jodel bei dem starken Wind in Soest fliegen

Als sehr eigenstabil, aber dennoch dynamisch und wendig erwiesen sich die Flugeigenschaften



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