REPORTAGE

F5F-Szene

Die Hotliner unter den Wettbewerbspiloten


Gestartet wird in der Regel ohne Motor, einen kräftigen Werfer braucht´s aber schon

Seit Jahren gehen die Teilnehmerzahlen bei F5F-Wettbewerben zurück. Der jüngste Vorstoß aus Deutschland, die maximale Leistung auf 900 Wattminuten zu beschränken, entfachte heftige Diskussionen. Wie geht es nun weiter? Guido Plützer, Heimo Stadlbauer und Herbert W. Locklair berichten.

Ein Blick ins aktuelle Reglement: F5F-Modelle müssen einen Mindestflächeninhalt von 36 qdm aufweisen, mindestens 1.500 Gramm wiegen und der Antriebsakku muss ein Mindestgewicht von 300 Gramm aufweisen. An Zellen dürfen Li-Zellen bis 6s (ab 2017) eingesetzt werden. Während eines Fluges dürfen nicht mehr als 1.300 Wattminuten verbraucht werden. Die Flugaufgabe besteht aus drei Teilen: 200 Sekunden Streckenflug, 600 Sekunden Segelflug und eine Landung im Kreis. Während des Streckenfluges muss eine Strecke von 150 Metern so oft wie möglich durchflogen werden (hin und zurück). Dabei darf der Motor nur außerhalb der Strecke laufen. Überprüft wird das mithilfe der EDV und eines Kontrollempfängers. Nach den 200 Sekunden beginnt sofort der Segelflug, der exakt 600 Sekunden dauern soll. Für jede Sekunde Über- beziehungsweise Unterschreitung gibt es einen Punkt Abzug, für jede Sekunde Motorlaufzeit drei Punkte Abzug. Die Zeit endet mit Stillstand des Modells, der im 10-m-Kreis erfolgen soll. Auch 20- und 30-m-Kreis sind möglich, geben aber nicht so viele Landepunkte.

Rund 30 bis 35 Sekunden Motorlaufzeit sind für die Aufgaben nötig. Dabei fließen Ströme von circa 250 Ampere bei 4s-Flugakkus. Das Heraufsetzen der Zellenzahl auf 6s reduziert den Strom schon auf 140 bis 150 Ampere. Da der Motor in der Regel nur für 2,5 Sekunden eingeschaltet wird (das Modell steigt dabei mit über 200 Stundenkilometern), machen das die meisten 100-A-Regler durchaus mit. Motoren von Hacker, Plettenberg, Kontronik und Leomotion sind hier in ihrem Element. An aktuell wettbewerbsfähigen Modellen gibt es an sich nur zwei: "Surprise 15" von Rudolf Freudenthaler und "Backfire 2" von Petr Janku, in Deutschland über FVK erhältlich. Die Modelle sind dank ihrer Größe von den meisten Modellfliegern beherrschbar - üben sollte man jedoch den Einsatz der nicht geringen Leistung. Die Aktiven wundern sich, dass in den vergangenen Jahren kaum neue Piloten dazu gestoßen sind. Wie es einem Einsteiger in die F5F-Wettbewerbsszene ergangen ist, beschreibt Guido Plützer:

"Seit 1991 fliege ich Hotliner. Dabei habe ich die F3E- beziehungsweise die spätere F5B-Szene sowie die ehemalige "10-Zeller-Klasse" F5F beobachtet. Von jeher hat mich das Mitfliegen in diesen Spitzendisziplinen des Elektroflugs gereizt. Aber immer hatte ich auch Gründe, es nicht zu tun: teure Technik, Wettbewerbs-Stress, hochnäsige Piloten und weite Fahrten - so schien es mir, und so denken heute noch viele Interessierte. Im Frühjahr 2015 konnte ich zufällig eine noch ungeflogene, aber konkurrenzfähig ausgestattete "Surprise 15" für die Klasse F5F erwerben. Das war, wie sich später herausstellte, eine sehr gute Wahl. Die Modelle sind deutlich größer als in F5B, besser sichtbar und segeln auch etwas besser. Das erlaubte Leistungslimit liegt bei nur 1.300 Wattminuten, verglichen mit 1.750 Wattminuten bei der F5B-Klasse. Auch aufgrund der größeren Modelldimensionen ist in F5F die Flugdynamik geringer und die Modelle sind leichter zu beherrschen. Wegen der bislang gültigen Beschränkung auf 4s-LiPo-Akkus waren aber die Antriebsströme höher als bei einem F5B-Modell mit 10s-LiPo-Akkus, obwohl das F5B-Modell deutlich mehr Leistung hat.

Nun fasste ich den Entschluss, systematisch für die Teilnahme an Wettbewerben zu trainieren. Zuerst mit einem Staufenbiel-"Hawk" mit einem sehr günstigen 4s-Antrieb und etwa 1.000 Watt Leistung. So oft es ging wurde der Streckenflug entlang einer imaginären 150-Meter Strecke auf meinem Modellflugplatz abgeflogen und dann zur zweiten Aufgabe, dem 600-Sekunden-Zeitflug, gestiegen. Das Resultat erschien mir wenig berauschend, ich kam auf etwa 15 Strecken und schaffte nur selten die zehn Minuten Segelzeit ohne mehrfache Zuhilfenahme des Motors. Eine ernüchternde Erfahrung. Dann wurde der "Surprise 15" eingeflogen. Wow! 2.800 Watt gehen schon deutlich besser ab. Der Antriebsstrang ist ein Plettenberg-"220/30 A1 P6 7:1" mit Schulze-"Future 18.149F" 18 x 17 Zoll großem RFM-Propeller mit 5-Grad-Spinner - alles langjährig bewährte Komponenten. Mit drei Akkus "SLS Magnum V2 45C/90C" 3,5 Amperestunden habe ich knapp 50 Trainings- und Wettbewerbsflüge der Saison 2016 geflogen und die Akkus waren immer noch gut für die Saison 2017. Die Modelleinstellungen übernahm ich ohne Änderungen aus dem Manual von Rudi Freudenthaler für die "Surprise 15". Der Limiter ist in dieser Klasse Pflicht. Ich setzte einen "Uni-Log2" ein und hatte damit keinerlei Schwierigkeiten. Die Analyse der Daten nach dem Flugtag am PC half mir ganz entscheidend, das Modell mit seinem Antrieb zu optimieren. Zu meiner Verblüffung konnte ich das deutlich leistungsstärkere Modell gut beherrschen. Die Streckenzahl nahm rasch zu. Dank der viel besseren Segeleigenschaften des größeren Vier-Klappen-Flügels war auch der Zeitflug kein Problem mehr.

Also fuhr ich im Juli zum zweiten Wettbewerb der CONTEST-Eurotour nach Geilenkirchen. Ich war wirklich sehr nervös, denn alles erschien neu: Fliegen in einem echten Wettbewerb, in einer echten "gehupten" Strecke mit Wenderichtern, unter Einsatz eines Kontrollempfängers, auf einem völlig fremden Platz, unter ganz anderen Gegebenheiten. Eine Woche vor dem Wettbewerb hatte mein "Uni-Log2" einen Defekt und kam nicht bis zum Wettbewerb aus der Reparatur. Nun erlebte ich erstmals äußerst positiv, wie kameradschaftlich und aufgeschlossen die Szene ist: Problem im Forum gepostet, binnen eines Abends hatte ich Antwort von vier recht bekannten Spitzenpiloten, die mir einen ihrer Limiter für das Wochenende leihen wollten. Das war wirklich außergewöhnlich für mich. Am Nachmittag des Trainingstages kam ich in Geilenkirchen an und wurde sofort von vielen Piloten und auch von den Offiziellen als Neuling sehr freundlich begrüßt. Das hessische Team um Erich Töpfer und Jörg Thorn nahm mich sofort unter seine Fittiche und checkte meinen "Surprise 15" durch. Dann ging es zum ersten Mal zum Fliegen in eine echte "gehupte" Strecke. Ich flog wie zuhause und bekam einen Schreck, als mein erfahrener Caller sehr früh rief: "Einleiten". Hier waren die echten Strecken ja viel kürzer! Das erklärte meine niedrige erreichte Streckenzahl auf dem Heimatflugplatz. Nach der sauberen Landung im mittleren Kreis war ich völlig fertig, aber auch unglaublich stolz über meinen Einstieg in die Wettbewerbsszene. Vor lauter Erleichterung ließ ich meinen Sender auf den "Surprise" fallen und hatte einen tiefen Schnitt in der vorderen Flügelschale. Aber auch jetzt zeigte sich die Hilfsbereitschaft der F5F und F5B-Szene. Der Flügel wurde herum gereicht und begutachtet. Dann tapte Gerben van Berkum kurzentschlossen die Flügelschale mit starkem Klebeband ab und meinte: "Damit fliegst du morgen mit!" Gesagt, getan: Ich habe wetterbedingt zwei Durchgänge geflogen und war mit meiner Leistung von 27 Strecken hoch zufrieden. Viele der Konkurrenten lobten und motivierten mich. Von allen mitfliegenden Piloten erhielt ich flugtaktische und technische Tipps. Damit stiegen meine erreichten Leistungen von Flug zu Flug. Ich habe an drei Tagen in Geilenkirchen mehr gelernt als in drei Monaten Training.

Das führte dazu, dass ich beim dritten Wettbewerb der CONTEST-Eurotour in Wolfhagen mit einem deutlich optimierten "Surprise" erschien. Nun mit einem RFM-Propeller 18 x 19 Zoll F3B am 7-Grad-Spinner sowie deutlich kürzerem Kabel und den Shunt des "UniLog 2" direkt am Steller verlötet. Resultat war eine starke Leistungssteigerung auf 3.200 Watt mit entsprechend verbesserten Flugleistungen.

Der Wettbewerb in Wolfhagen war nur für die Klasse F5F ausgeschrieben. Das Fehlen der F5B-Szene habe ich bedauert. Denn es ist sehr beindruckend, die Spitzenpiloten der Nationalmann- schaft mit ihren optimierten Modellen fliegen zu sehen und einen Blick auf die Technik zu werfen. Auch hier bekommt man als Einsteiger alle Fragen beantwortet. Von Vorteil bei einem eintägigen reinen F5F-Wettbewerb ist natürlich, dass man mehr Durchgänge an einem Tag fliegen kann und eine Hotelübernachtung spart.

In Wolfhagen wurde ich schon als Teil der Szene freudig begrüßt und zum abendlichen Essen in die lokale Pizzeria eingeladen. Das Training und der Wettbewerb brachten mir eine Steigerung auf 30 Strecken und bessere Landungen. Ich hatte ja brav trainiert. Das Lob der Konkurrenten war ehrlich gemeint und ich fuhr sehr zufrieden nach Hause. Wiederum nahm ich viele Verbesserungsvorschläge mit, die ich über den Winter umgesetzt habe. Die CONTEST-Tour 2017 kann kommen!

Aus eigener sehr positiver Erfahrung kann ich jedem Interessierten nur raten: Geht zu den Wettbewerben in F5F oder auch beispielsweise in der neuen österreichischen Einsteiger-Klasse. Die Szene braucht Nachwuchs und steht jedem Piloten absolut offen und positiv gegenüber. Das Motto, "dir wird geholfen" gilt überall. An ein erfolgreiches Wettbewerbs-Wochenende denke ich noch wochenlang zurück. Es gibt mir viel mehr Motivation als das "Rumfliegen" ohne Herausforderung auf dem immer gleichen heimischen Platz mit den immer gleichen Bedingungen. Herzlichen Dank an Erich Töpfer, Gerben van Berkum, Herbert Locklair, Jürgen Mühlich und Jörg Thorn stellvertretend für alle anderen für die tolle Unterstützung!"

Auch im Nachbarland Österreich stagniert es und hier hat man sich auch etwas Neues ausgedacht, wie uns Heimo Stadlbauer, beim ÖAeC Bundesfachreferent für Elektroflug tätig, berichtet: "Ein Lichtblick war in Österreich der Jugendliche Martin Neudorfer, der nach dem Einstieg 2015 in der Klasse F5B bei der Elektroflug-WM 2016 in Lugo di Romagna (Italien) unter 49 Teilnehmern den ausgezeichneten 16. Platz erreichte und so manchen "alten Hasen" hinter sich ließ. Als bester Jugendlicher gewann er eine Goldmedaille. Es zeigt aber auch das zaghafte Interesse an dieser Klasse, in der in den vergangenen Jahren nur noch Julian Schild (Steiermark) mit tatkräftiger Unterstützung von Vizeweltmeister Karl Waser erfolgreich war.

So hat man sich in Österreich überlegt, wie man die Wettbewerbsfliegerei interessant machen kann. Es gibt eine ganze Reihe guter Modelle: "Hawk" von Staufenbiel, "ION" von Freudenthaler, die "Excel"-Serie von Simprop, "Siren" von Great Planes, "Twister" von Topmodel, "Blaze" von Yuki/CN-Model, "Sprinter" von Reichard, "Vegas" von Staufenbiel, "T2M Infinity" von Staufenbiel, die "Lift off"-Serie von Simprop, "Explorer" von Thunder Tiger und viele mehr. Bei Wettbewerben werden auch immer wieder für den Einstieg günstige Gebrauchtmodelle angeboten. Um mit der Weltspitze mitzuhalten, reicht es nicht, doch um Spaß zu haben, sich mit anderen zu vergleichen, auf alle Fälle.

Um dem Negativtrend entgegenzuwirken wurde bereits 2016 versucht, beim Training der Österreichischen Nationalmannschaft in Meggenhofen im Juni einen Tag für Interessierte abzuhalten. Schlechtes Wetter verhinderte jedoch die Durchführung. Aber 2017 wird ein Neustart als "Hotliner Fun Cup Austria" versucht. In Österreich finden vier F5B/F Bewerbe statt und zwar am 22. April in Zwaring (Nationaler Wettbewerb, Steiermark), 13. Mai in Maria Buch (Steiermark), 3. und 4. Juni in Oberpullendorf (Internationaler Wettbewerb) und am 8. und 9. Juli wieder in Meggenhofen (Internationaler Wettbewerb). In Meggenhofen und Oberpullendorf wird der "Hotliner Fun Cup Austria" nur jeweils an einem Tag (Samstag) durchgeführt. Einsteiger, beziehungsweise Interessenten sind herzlich eingeladen an den F5B/F-Bewerben teilzunehmen. Es soll bei der Technik und bei den E-Segelfliegern grundsätzlich keine Einschränkun- gen geben. Es ist lediglich neben einer gültigen Modellflugversicherung ein zweiter Kontrollempfänger zur Messung der Gesamt-und Motorlaufzeit mitzunehmen. Limiter/Logger werden auch nicht benötigt. Der interessierte Pilot soll in der Atmosphäre des Wettbewerbsgeschehens mit integriert werden, fachkundige Helfer stehen ihm zur Seite. Als Anreiz zur Teilnahme werden im Rahmen dieses Cups bei jedem Wettbe- werb die ersten drei Plätze mit Pokalen oder Plaketten belohnt. Die Ergebnisse von mindestens drei Wettbewerbs-Teilnahmen werden zu einer Cup-Wertung 2017 zusammengefasst. Auch hier wird es als Preis Pokale geben.

Aber auch in Deutschland wird jeder, der Interesse hat, im Rahmen der F5F-Wettbewerbe mitfliegen können. Sicher, in die offizielle Wertung kann man nur kommen, wenn das Modell den Regeln entspricht. Wenn nicht, spielt das auch keine Rolle, denn Mitfliegen und Spaß haben stehen im Vordergrund. Was dabei sein muss? Ein Modell, der Kontrollempfänger, eine Fernsteuerung und der Pilot. Also auf geht´s, wir sehen uns! Termine unter www.contest-modellsport.de.

Herbert Locklair


Der "Avionik2 ist ein ebenfalls sehr beliebtes Wettbewerbsmodell

Mit Motor eine kurze Beschleunigungsphase, dann geht´s mit bis zu 60 Meter/Sekunde nach oben

Thomas Wäckerlin gibt dem "Backfire 2" ordentlich Fahrt mit auf den Weg

Vizeweltmeister Karl Waser startet hier den "Avionik" von Franz Riegler

Nach der A-Linie den Motor an, dann geht's hoch und wieder in die Strecke

"Backfire 2" sind im Vertrieb von FVK

Ein "Backfire", auffallend in Signalorange und Gelb lackiert. So ist das Modell immer gut sichtbar

Freudenthaler-Spinner und -Luftschrauben sind häufig anzutreffen. Hier mit einem "Kira 500-F5F 4 Cells"-Antrieb

Empfänger und 2s-LiPo-Empfängerakku bilden eine Einheit und sind hinter der Endleiste im Rumpf verschraubt

Plettenberg-"HP 220/30 A1 P6" mit Schulze-Regler verhalfen Guido Plützer zum Einstieg

Das ganze Equipment aus dem "Surprise 15" von Guido Plützer. Gut zu sehen im Rumpf auch der Unilog, der über das Energielimit wacht

Guido Plützer und sein "Surprise 15"

An der A-Linie herrscht volle Konzentration mit Pilot, Zeitnehmer und Ansager.

So sehen Sieger aus. Das macht irrsinnig Spaß, heißt aber auch Training

Stefan Werner checkt noch kurz alle Ruderfunktionen, dann kann gestartet werden



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