REPORTAGE

Schweizer Persönlichkeit

Ein Besuch bei Frederic Fischer und seinem Museum


Frederic Fischer inmitten der Konstruktionen aus der Frühzeit des Segelfluges - seine große Leidenschaft

Der regelmäßige AUFWIND-Leser wird sich an einen Bericht über den großen Nurflügel von und mit Markus Frey erinnern, dessen Bau durch Frederic Fischer initiiert wurde. Neugierig geworden machte sich Martin Atzwanger auf dem Weg nach Trogen, nahe St. Gallen, zu dem Initiator und seinem Museum.

Frederic Fischer zu besuchen bedeutet, eintauchen in eine andere Welt. Schon die kleine Ortschaft Trogen mit rund 1.700 Einwohnern auf einer Höhe von rund 900 Metern gelegen, hat ihren eigenen Charme. Das Haus steht in einer engen, steilen Gasse im Ortsteil Oberdorf. Es ist rund 200 Jahre alt und mit der für diese Region typischen Holzverkleidung ausgestattet. Wenn die Fensterläden im Erdgeschoss geöffnet sind, geben sie den Blick frei auf die dahinter verborgene Leidenschaft: Segelflugzeuge. Die Begrüßung durch den Hausherrn ist herzlich, fast wie das Wiedersehen guter Freunde. Und dann begeistern schon die ersten Schaustücke. Die unteren zwei Geschosse sind Werkstatt, Archiv und Schauraum zugleich, und: ein lebendiges Museum. Durch die geringe Raumhöhe von etwa zwei Metern wirkt zudem alles intensiver.

Frederic Fischer ist ein Fan von Segelflugzeugen und des Holzbaus. Vor allem außergewöhnliche und seltene Konstruktionen wecken seine Leidenschaft. Neben den Modellen gibt es dazu Miniaturen und viel Geschichte. Die Ausstellungsstücke repräsentieren vor allem die 20er-, 30er- und 40er-Jahre. Ihr Maßstab reicht von 1:50 bis circa 1:6 und sind in der Regel alle flugtauglich. Zum Großteil alles selbst gebaut, einige Modelle wurden ihm geschenkt. Ab und zu werden sie auch geflogen!

In jahrelanger Arbeit hat Frederic Fischer unzählige Flieger gebaut, Bücher, Fotos, Dokumente und Objekte gesammelt. Zum 75. Ge- burtstag des alten Fliegerclubs "Albatros" in Trogen hat er sich mit dem "Segelflugmuseum en miniature" einen persönlichen Traum erfüllt.

Inspiriert von den Ereignissen auf der Rhön gründeten 1928 flugbegeisterte Schüler der Kantonsschule Trogen den Club "Albatros". Begonnen haben sie damals mit dem Bau eines Hängegleiters, es folgten zwei Modelle des "Zögling" und später ein "Prüfling" - jeweils Konstruktionen der Rhön-Rositten-Gesellschaft - und flogen damit auf den umliegenden Hügeln. 1933 mussten die Club-Mitglieder auf Weisung des Luftamtes den Flugbetrieb jedoch aufgeben. Ende der 70er-Jahre schließlich gründete Frederic mit Freunden eine Modellfluggruppe und taufte diese 1981 auf den ursprüng- lichen Namen "Albatros". Inzwischen ist daraus die IG Albatros entstanden, die sich dem maßstabgetreuen Nachbau von historischen Segelflugzeugen und Antik-Flugmodellen widmet

Für der Besuch bei Frederic Fischer waren ursprünglich zwei bis drei Stunden geplant, es wurde aber fast ein Tag. Es gab einfach zu viel zu erzählen und Wissenswertes zu hören. Beispielsweise hat sich Frederic Fischer intensiv mit der Schweizerischen Segelfluggeschichte beschäftigt, im Speziellen dabei mit den Konstruktionen von Jakob Spalinger, mit dem er bis zu dessen Tod befreundet war. Daneben wusste der Gastgeber allerlei Interessantes über August Hug und seine Segler der "Spyr"-Reihe und auch über die "Moswey"-Segelflugzeuge der Gebrüder Müller zu berichten.

Persönlich interessierte mich noch Material vom polnischen Motor- und Schulungssegler "ITS-8" aus dem Jahre 1936, den ich zu dem Zeitpunkt als Modell baute. Im Internet hatte ich darüber nur wenig gefunden. Umso erstaunter war ich, als Frederic mit einem Stoß Büchern kam und mir verschiedene Artikel und Fotos von meinem Bauprojekt zeigte.

Am eindrucksvollsten war aber der Moment in dem Frederic - inmitten seiner unzähligen "Baustellen" - mit dem Klavierspielen begann. Seine selbst komponierte Segelflug-Sonate - ein wahrer Genuss. Bei geschlossenen Augen hatte ich das Gefühl, in einem dieser ausgestellten Holzsegelflieger zu sitzen, die nahen Wolkentürme zu sehen und das leichte Vibrieren der Holzkonstruktion zu spüren! Einmalig!

Martin B. Atzwanger


Modelle, Modelle, Modelle . dazwischen Zeitungsberichte, Datenblätter und Hinweisschilder

Schon im Eingangsbereich gibt es mehr Modelle zu sehen, als so manches Museum in Summe archiviert

Auch im Treppenhaus eine Vielzahl an Modellen, die meisten davon sind flugfähig

Ein bewegender Moment, als Frederic seine selbst komponierte Sonate eines Segelflugs durch eine Gewitterwolke spielte

Die liebevoll zusammengestellten Dokumentationen sind eine wahre Fundgrube für den Segelflugfan

Unzählige kleine Standmodelle vervollständigen die Präsentation

Inmitten der sanften Hügel des Kantons Appenzell Ausserrhoden liegt Trogen, die Heimat von Frederic Fischer



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