SPECIAL

Der Name ist Programm

Ein Besuch bei Fliegerland in Leimen-St. Ilgen


Reiner Pfister ist Modellbauer und -flieger mit Herz und Verstand

"Der Fachhandel ist tot - es lebe der Fachhandel!" Getreu dem bekannten Motto betreibt Reiner Pfister sein Fachgeschäft zwischen Heidelberg und Karlsruhe. Erst kürzlich hat er die Ladenfläche deutlich vergrößert. Philipp Gardemin hat den Unternehmer besucht.

Genau 22 Jahre ist es her, da hatte Reiner Pfister, aktiver Modellflieger von Kindesbeinen an, die sprichwörtliche Schnauze voll: "Kein Modellbauladen in meiner Umgebung hatte in seinem Sortiment, was ich wollte." Darauf hin fasste der Handelsprofi den Entschluss, sein eigenes Modellbaufachgeschäft zu eröffnen.

Das war im April 1996. Im Büromöbelgeschäft seiner Eltern belegte Reiner Pfister eine nur wenige Quadratmeter große Fläche und bot mit wenigen Marken ein kleines Sortiment an. Fachwissen und Hilfsbereitschaft sprachen sich he- rum und brachten den Erfolg. Fast jährlich wur- de vergrößert, zuletzt auf rund 120 Quadratmeter. Auch die Zahl an Marken und Produkten nahm zu. Schnell spezialisierte sich der Unternehmer auf das Angebot von Zubehörteilen. Nun gab es Kabel, Ruderhörner und Luftschrauben in einer Auswahl, die zu dieser Zeit das Angebot eines regionalen Modellbaufachhandels weit überschritt.

Auch eine eigene Produktion wurde ins Leben gerufen. Eine entsprechende Werkstatt war ja dank der Büromöbelproduktion vorhanden. "Mein Anspruch war, Modelle anzubieten, die sonst keiner hat", erzählt Reiner Pfister. Ein Nachbau des legendären Speedmodells "Cobra" von Simprop war das erste Modell der hauseignen Linie. Es ist noch heute erhältlich. Der erste Großsegler war der "Fox" im Maßstab 1:2,2 mit 6,2 Metern Spannweite, gefolgt von einem "Salto" im Maßstab 1:2 mit 7,8 Metern Spannweite. Topseller ist allerdings die fünf Meter große "Pilatus B4" im Maßstab 1:3: "Unser Modell ist mit Wölbklappen ausgestattet und läuft so richtig gut am Hang", schmunzelt der Kenner.

Auch zahlreiche Motormodelle sind im Angebot, darunter das Arbeitstier "Bellanca" mit vier Metern Spannweite. Dieses Modell wird beispielsweise von Ueli Nyffenegger in der Schweiz als Schlepper für richtig große Modelle genutzt. Zahlreiche weitere Scale-Modelle gehören darüber hinaus zum Sortiment. So auch die legendären Modelle von MHM aus eigener Fertigung. Aktuell in der Entwicklung befindet sich eine "Dornier Do-27" mit drei Metern Spannweite. Die verspricht ein richtig guter Schlepper zu werden. Auch - und ganz besonders - mit Elektroantrieb.

Produziert werden die Fliegerland-eigenen Modelle ausschließlich in Deutschland. Die meisten GFK-Rümpfe kommen sogar aus der Region. Für die Tragflächen in Styro/Balsa-Bauweise ist ein kleiner Hersteller in Norddeutsch- land aktiv. Kleinteile oder Bausatz-Zusammenstellungen macht Reiner Pfister selbst. Auch sein Ersatzteillager ist gut gefüllt. Denn schnelle Hilfe bei kleinen und größeren Problemen ist ihm wichtig.

Doch woran liegt es, dass dieser Fachhandel funktioniert, während allerorten Geschäfte verkleinert werden oder sogar schließen müssen? "Ich habe mich bei der Zusammenstellung des Sortiments immer stärker auf die Versorgung mit Baumaterialien sowie Klein- und Ersatzteilen konzentriert", erklärt Reiner Pfister. Beispielsweise bietet das Unternehmen Stahldrähte in kleinsten Abstufungen. Auch Propeller verschiedener Hersteller sind in einer sehr großen Auswahl vorrätig. Und wer Modelle vom Plan bauen oder auch nur Ruder montieren und anlenken möchte, der stöbert in der 20 Meter langen Kleinteilewand so lange herum, bis er sein passendes Set zusammengestellt hat. Große und teure Fernsteuerungen, Baukästen und die erforderliche Elektronik werden auf Kundenwunsch in sehr kurzer Zeit aktuell bestellt. Diese Artikel stehen deshalb nicht direkt im Fokus bei Fliegerland. Die Produkte sind sehr schnell durch Neuerungen veraltet. Deshalb werden sie immer auf dem neusten Stand, praktisch druckfrisch auf Kundenwunsch geordert. "Meist zu den üblichen Internetpreisen", wie Reiner Pfister betont. Seine Konzentration liegt aber im Zubehör- bereich, vor allem als Vollsortimentler: "So ha- ben wir nicht nur die gängigsten Größen eines Produkts, sondern immer auch die komplett verfügbare Linie durchgängig auf Lager", erklärt Reiner Pfister seine Firmenphilosophie.

Dass der Onlinetrend auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen ist, sieht er natürlich an den Umsatzzahlen: 70 Prozent der Kunden bestellen in seinem Onlineshop unter www.fliegerlandshop.de. Die anderen kommen mal auf einen Sprung nach Leimen-St.Ilgen zum Männer-Shopping vorbei "Viele davon haben kurz vorher die Familie in einem nahegelegenen großen Einrichtungshaus oder zum Shopping nach Nußloch abgegeben", schmunzelt Reiner Pfister.

Dass das Konzept von Fliegerland aufgeht, zeigt sich deutlich: Der Laden ist nun zusammen mit der Werkstatt ins Untergeschoß des Büromöbelhauses umgezogen. Auf insgesamt stolze 400 Quadratmeter Fläche.

Philipp Gardemin


Das Angebot an Klein- und Ersatzteilen ist riesig und stellt die Grundlage des ganzen Fachhandels dar


Im kleinen Lager der Werkstatt liegen die hauseigenen Bausätze. Jederzeit bereit, um an den Kunden ausgeliefert zu werden


Auch die GFK-Rümpfe stammen aus deutscher, sogar regionaler Fertigung. Hier der große "Salto"


Die vier Meter große "Bellanca" wird gerne als Kraftschlepper geflogen und kann mit großen Motoren ausgestattet werden


Ersatzeilversorgung wird groß geschrieben



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