TEST

Nurflügel "Gooney"

Vom Mitbringsel zum Lieblingsmodell


Bei der Segelflugmesse in Schwabmünchen sah Herbert Locklair am Stand von EMC-Vega diesen formschönen Nurflügel. Firmenchef Heinz-Bernd Einck hatte ihn schnell überzeugt, dass der 1,5 Meter große "Gooney" genau das richtige Messe-Mitbringsel ist.

Allzu viele Teile hat mir Heinz-Bernd Einck nicht mitgegeben: zwei Tragflächenhälften, einen Rumpf, einen CFK-Verbinder und einen Beutel mit Kleinteilen. Letzterer entpuppte sich als gut bestückt. Nicht nur mit vier Servorahmen, sondern auch mit entsprechend verlöteten Kabelbäumen für vier Flächenservos. Für den "Gooney" allerdings zu viel, das Modell hat ja nur zwei Servos im Flügel. Auch die Servoabdeckungen waren reichlich bemessen. Bieten sie doch mit ihrer Ausbuchtung auch für 13-mm Servos mehr als ausreichend Platz. Außerdem enthalten waren Ruderhörner, Gewindestangen, Metallclipse und Servobrett.

Der "Gooney" ist in erster Linie zum Hangfliegen gedacht. Er wird in GFK- und wahlweise in CFK-Bauweise (160 g/qm) angeboten. Da ich ihn aber auch in der Ebene fliegen will, galt es, nach dem passenden Motor zu suchen. Ein 28-mm-Außenläufer passt rein, dahinter ist Platz für einen 3s-LiPo mit circa 1,8 bis 2,2 Amperestunden. Mit prognostizierten 1,5 Kilogramm Gewicht darf es aber auch nicht der kürzeste Motor sein. Bei Multiplex wurde ich mit dem "Roxxy BL Outrunner C28-34" fündig. Da er nicht zu hoch drehen sollte, ich mich aber im Vorfeld nicht zwischen 880 oder 1.120 kv entscheiden konnte, habe ich beide bestellt. Mit 67 Gramm Motorgewicht bei einer Länge von 32 Millimetern müsste der "Gooney" damit ausreichend motorisiert sein.

Somit hieß es: Schnauze des Rumpfes mit Tesakrepp abkleben, für einen 32-mm-Spinner eine Schablone anlegen, anzeichnen, dann die GFK-Rumpfnase abtrennen. Der Rumpf hat hier aber keinen runden, sondern einen leicht dreieckigen Querschnitt. Der musste jetzt etwas für den Spinner verbogen werden. Dazu habe ich die Rumpfnase bis fast an den Kabinenrand in kochendes Wasser getaucht, schön erwärmt und dann von innen ein Feilenheft hineingesteckt. Das wurde alles zweimal wiederholt, bis eine fast runde Nase herauskam. Ganz rund gelang sie leider nicht. Es war aber akzeptabel. Jetzt musste ich noch auf ausreichend Sturz achten, dann den Motor an den Motorspant schrauben, alles ausrichten und den Motorspant festkleben.

Die restlichen Arbeiten am Rumpf waren dann ebenso schnell erledigt. Testweise habe ich das Wingstabi-System von Multiplex eingebaut. Dabei habe ich die Stabifunktion für das Querruder abgestellt und den normalen Dämpfungsmodus für das Höhenruder aktiviert. Nur ein bisschen über die Grundeinstellung und so, dass das Höhenruder dennoch am Knüppel "klebte". Der Wingstabi musste auf einem kleinen Brettchen hinter der Nasenleiste im Rumpf Platz nehmen, das über zwei Schrauben von unten gesichert ist. Für die Verbindung zu den Servos sind in Wurzelrippe und Flächenanschluss am Rumpf Vertiefungen für die grünen MPX-Stecker vorhanden, die auch absolut passen. Somit musste ich nur Buchse und Stecker mit den Kabeln versehen und einfach ankleben. An den Tragflächen blieb nur wenig zu tun. Die Ruderhörner musste ich etwas anschleifen und einkleben. Angelenkt werden die Ruder diagonal. Als Servos waren die neuen "Hitec D 145SW" genau richtig. Mit zehn Millimetern Dicke, digital, 32 Bit Technologie stellen sie ein Optimum in dieser Größe dar. Den Schwerpunkt habe ich für den ersten Flug auf 69 Millimeter gelegt.

Die Standwerte der beiden Motoren erbrachten Folgendes: Der "ROXXY BL Outrunner C28-34-1120" mit einer 11-x-6-Zoll-Luftschraube (Aeronaut Cam Carbon) zog bei 10,8 Volt einen Strom von 26 Ampere. Der "ROXXY BL Outrunner C28-34-850" dagegen will bei einer "Aeronaut Cam Carbon" der Größe 12 x 10 Zoll circa 27 Ampere. Die 1120-er Variante des Motors blieb zum Erstflug drin.

Für diesen Erstflug ging es auf die Tannenalm. Dann hieß es Motor einschalten, der Fotografin ein "Okay" zurufen und das Modell mit kräftigem Schwung leicht nach oben werfen. Und was machte der "Gooney"? Er nahm sofort die Nase nach unten, kurz vor dem Boden fing er sich und zog knapp sechs Meter pro Sekunde in den Himmel. Ohne abfallende Startwiese wäre der Erstflug im Ansatz misslungen. Doch irgendwie wollte die Trimmung nicht richtig mitmachen: In Normalstellung nahm der "Gooney" die Nase steil nach unten. Da musste mit wenigen Millimetern gezogenem Höhenruder geflogen werden. Schnell zur Landung - die gelang gut. Was war los? Die Trimmung wollte nicht reagieren. Die Lösung: Beim Wingstabi hatte ich beim Einstellen des Ganzen vergessen, die Trimmungen zu aktivieren. Also schnell die Haken gesetzt, dann noch ordentlich Höhenrudertrim- mung (+ 2 mm für die Normalstellung).

Und dann auf ein Neues: Motor ein und ordentlich Schwung mitgeben. Nun zog der "Gooney" leicht nach oben. So soll es sein. Jetzt erst einmal Motor aus und die Höhenruder auf flotten Geradeausflug trimmen. Herrlich, wie das Modell jetzt reagierte. Jede Knüppelbewegung setzte sich in Flugmanöver um. Das machte doch gleich richtig Spaß. Ein absolut präzises Fliegen war das: anstechen, halbe Rolle, Knüppel loslassen und - einrasten. Auch Rückenflug ging jetzt problemlos! Mit den vom Hersteller angegebenen Ausschlägen ist flottes Fliegen drin, wer es ganz zackig haben will, legt noch mal 20 Prozent drauf.

Der "Gooney" gleitet recht gut. Die Thermikeigenschaften sind nicht zu vernachlässigen. Ein bisschen Zusatzgewicht könnte sicherlich nicht schaden. Der Flächenverbinder hat Hohlkammern, in die Gewichte mit einem Querschnitt von 12,5 x 9,5 Millimeter passen. Vier entsprechende Kupferbolzen bringen es zusammen auf 600 Gramm. Außerdem habe ich den Schwerpunkt noch um zwei Millimeter auf nunmehr 71 Millimeter nach hinten verlegt.

Mit 200 Gramm Zusatzgewicht ging es nun wieder in die Luft. Die Trimmung konnte etwas zurückgenommen werden. Die höhere Grundgeschwindigkeit macht noch mehr Spaß, die Ruderreaktionen entsprechend auch. Für den näch- sten Start sollte es aber die volle Dröhnung sein: 600 Gramm Zuladung! Etwas mehr Schwung beim Start, der Steigflug war mit knapp fünf Metern/Sekunde etwas geringer. Die Grundgeschwindigkeit hat sich deutlich erhöht, die Re- aktionen auf die Ruder sind auch heftiger. Das Modell machte nun noch mehr Spaß. Nicht nur, wenn es an der Hangkante entlang fetzte. Die Geschwindigkeitszunahme beim Drücken war deutlich, auch die höhere Geschwindigkeit. Ganz abgesehen vom Durchzug.

Auf Anraten von Heinz-Bernd Einck hatte ich den Wingstabi von Multiplex eingebaut. Bleibt man bei einer Schwerpunktlage von unter 70 Millimetern, ist nur ein kleiner Unterschied zwischen mit und ohne Gyro feststellbar. Je weiter aber der Schwerpunkt nach hinten gelegt wird, umso deutlicher tritt die Wirkung des Wingstabi ein. Bei 75 bis 76 Millimetern würde ich nicht mehr auf den Wingstabi verzichten wollen. Der Flug wird wesentlich ruhiger und flüssiger.

Außerdem rate ich zu der Flugphase "Start". Dabei sind beide Ruder circa 1,5 bis zwei Millimeter nach oben angestellt. Der "Gooney" geht dann gerade aus der Hand, ohne die Nase nach unten zu nehmen und sackt bei entsprechendem Schwung auch nicht durch. Wenn dann etwas Geschwindigkeit aufgebaut ist, kann in Normalflugphase geschaltet werden. Ein Übergang von 1,5 bis zwei Sekunden ist hier auch von Vorteil. Die Stellung der Ruder in der Normalflugphase ist je nach gewähltem Schwerpunkt unterschiedlich und muss erflogen werden.

Ein klasse Flugzeug für vergleichsweise wenig Geld. Die Flugeigenschaften sind top, am Hang aber nicht für ganz schwache Winde gedacht. In der Elektrovariante ist das Flugvergnügen mit wenig Mehraufwand auch in der Ebene vorhanden.

Herbert Locklair


Technische Daten:

"Gooney" von EMC-Vega
Ein sportlicher Nurflügel

Spannweite 1.513 mm
Länge 752 mm
Gewicht Segler 1.440 g
Gewicht Elektro 1.560 g
Fläche 41,3 qdm
Flächenbel. Segler 34,9 g/qdm
Flächenbel. Elektro 37,8 g/qdm
Preis: 389,- Euro (GFK), 449,- Euro (CFK)
Bezug bei EMC-Vega
Tel.: 02361/3703330
www.emc-vega.de


Nicht viel, aber komplett. Einschließlich Ballastrohr für den Rumpf


Die Fertigungsqualitt ist hoch und die Ausschnitte sind sehr sauber


Geht komplett in die Fläche und ist absolut spielfrei: das neue "Hitec D 145SW"-Servo


Mit Kupferstangen befüllt, lässt sich das Abfluggewicht um 600 Gramm erhöhen


Das Antriebsset von Multiplex hat sich als perfekt passend erwiesen


Der schlanke Rumpf bietet genügend Platz, hier sogar mit 2,2-Ah-Akku


Zum Start am besten beide Ruder zwei Millimeter hochstellen


Beim Erstflug lag auf der Tannenalm noch Schnee. Das Flugvergnügen stellte sich dennoch ein


Der elliptische Tragflächengrundriss und das riesige Seitenleitwerk sind markante Details


So wird der Rumpf rund gemacht: In heißem Wasser die offene Nase einweichen, bis das GfK weich wird. Dann das passende Feilenheft vorne heraus drücken. So erzielt man einen guten Spinneranschluss


Die Einstellung des Wingstabi: das Querruder stabilisiert nicht, nur das Höhenruder wirkt ausgleichend. Dabei kann, wenn gewünscht, die Empfindlichkeit auch noch bis auf 45 gesteigert werden



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