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ARF-freie Zone

Der "LT200 Flex" von Aeronaut


Mit Holzmodellen dieser 2-m-Größe kann und wird man viel Flugspaß haben

Ralf Kartes hat bereits den "Lilienthal 40 RC" mit 120 Zentimetern Spannweite und Motoraufsatz von Aeronaut gebaut. Seither konnte er viele Flüge mit dem Modell genießen. Das zwei Meter große Nachfolgemodell entdeckte er bei einem Messebesuch in Friedrichshafen. Er hat sich spontan dafür begeistert.

Zum Weihnachtsfest lag der Bausatz auf meiner Werkbank. Die Holzteile, sauber gelasert aus Balsa-, Pappel- und Birkensperrholz ließen sich leicht aus ihren Brettern trennen. Das Zubehör bestand aus CFK-Stab, Bowdenzügen, Steckungsrohren, Schrauben, Anlenkungen und diversen Kleinteilen. Zum Bausatz gehörte noch eine in Farbe (!) gedruckte Bauanleitung mit 51 (!!) Arbeitsschritten. Alles als 3D-Bauzeichnungen (!!!) dargestellt. Besser geht es nicht. Letztlich gab es noch eine Liste aller gelieferten Bauteile, inklusive ihrer Bezeichnungen, des Materials und der Größe.

Den "LT200 FLEX" kann man in verschiedenen Varianten bauen. Angefangen vom Segler mit zwei Achsen (Seiten- und Höhenruder). Weiter über einen Dreiachs-Elektrosegler mit zusätzlichen Querrudern, bis hin zu einer Vier-Klappen-Tragfläche mit Wölb- beziehungsweise Bremsklappen. Das Tragflächenprofil ist wie beim kleinen Bruder das "Jedelsky"-Profil. In diesem Fall wurde es jedoch auf der Unterseite voll beplankt. Damit erlaubt es einen sehr ruhigen Flugstil und das Ausnutzen kleinster Thermik auch in geringer Höhe. Ich entschied mich für die Maximalvariante: Seiten-, Höhen- und Querruder, Wölb-/Bremsklappen und einen Brushless-Motor "Roxxy 2834/10" mit 30-A-Regler und 3s-LiPo 1.400 mAh.

Begonnen habe ich den Bau mit der Innenfläche. Ich habe sie mit einer Helling aus Karton als Bauunterlage gefertigt. Für Rippen und Flächenwurzel waren passgenaue Aussparungen schon vorhanden. So ließen sch alle Teile genau ausrichten. Sie waren so exakt gelasert, dass kein Nacharbeiten mehr notwendig war. Nach einer trockenen Passprobe habe ich dann alles mit Holzleim verklebt, die Beplankungen folgten. Baufehler sollten dank der guten Vorbereitung nicht mehr passieren. Man muss allerdings drauf achten, dass jeweils eine rechte und linke Seite von Innen- und Außenfläche gebaut wird. Als kleine Hilfe habe ich die Helling mit "R" beziehungsweise "L" markiert, um jegliche Verwechslung auszuschließen. Für die Servos gibt es je einen Servoschacht mit Deckel. Hier wird auch darauf hingewiesen, dass man vor dem Aufkleben die Beplankungen in die Servokabel legt. Nachher kommt man schlecht durch. Hat man beim Bau keine Servokabel zur Hand, kann man auch einen Faden einlegen. Damit wird später dann das Kabel eingezogen.

Zum Fertigstellen der Tragflächenhälften habe ich die Innen- und Außenteile mit 5min./Epoxy verklebt. Allerdings die Tragflächen neben der Klebekante mit Klebeband abgedeckt, um die schönen Oberflächen nicht zu verschmieren. Zur Ausrichtung des richtigen Winkels ist eine Schablone beigelegt. Sie wird außen unterstellt, nachdem die Innenfläche fixiert ist und sich nicht mehr verschiebt während der Kleber trocknet. Apropos Helling: Selbst der Rumpf hat eine Helling. Anhand derer kann man die beiden Hälften parallel miteinander aufbauen. Man sollte nur drauf achten, dass der halbe Motorspant nur zur Stütze dient und nicht verklebt wird (...steht aber auch alles in der Bauanleitung).

Das Leitwerk habe ich in vier Abschnitten aufgebaut. Es hat eine Auflage aus verschiedenen, miteinander verklebten Lagen Balsa und Sperrholz. Die habe ich dann mit dem Rumpfstab auf Form geschliffen. Rumpfstab und Leitwerk wurden wieder mit 5min.-Epoxy verklebt. Den Rumpf habe ich dazu mit Schablonen ausgerichtet und fixiert. Damit es zu keinem Verzug kommen kann.

Zum Abschluss der Holzarbeiten habe ich Rumpf und Tragflächen auf Form geschliffen und im Anschluss mit Porenfüller gestrichen. Nach dem Trocknen bekamen die Teile einen Feinschliff mit Schleifpapier Körnung 400.

Nach dem Einbau von RC-Komponenten, der Verkablung und Stecker fehlte nur noch die Beschriftung. Ich wollte für die schöne Holzfläche nicht die beigelegten Aufkleber verwenden. Deshalb habe ich sie aus schwarzem Japico-Bespannpapier ausgeschnitten und aufgeklebt - der optische Effekt ist super. Zum Abschluss wurden die Ruderausschläge programmiert und der Schwerpunkt mit dem Flugakku eingestellt. Zusätzliches Trimmgewicht musste nicht sein. Nur ein Vario kam noch hinzu - ein Quentchen Luxus für das schöne Modell.

Mitte Februar kam endlich die Sonne heraus und ich konnte zum Erstflug bei der MFG Wertingen starten. Also: Tragflächen zusammengesteckt und mit den Gummis auf den Rumpf gespannt. Damit war der neue "LT200 FLEX" flugfertig. Noch die Ruderfunktionen kontrolliert, dann ging es auch schon nach oben. Jetzt Motor aus und einfach gleiten lassen. Glücksgefühl pur! Zwei Klicks Höhenruder musste ich trimmen, dann flog das schöne Modell sauber umher. Ruhige Kurven, ein Looping und herrliches Kreisen - alles völlig entspannt. Bei weiteren Flügen war lockeres Kreisen auf geringer Höhe angesagt, ohne dass das Modell an Höhe verlor.

Dann kam der nächste Tag: Senkrecht steigend ging es rasch auf 120 Meter Höhe. Nun wollte ich das Modell ein wenig turnen lassen. Innen- und Außenlooping, eine Rolle und etwas Rückenflug. Der "LT200 FLEX" machte sensationell gelassen alles mit. Dann probierte ich die Wölb- beziehungsweise Bremsklappen. Die zeigten eine enorme Wirkung, brachten das Modell jedoch nicht aus der Ruhe.

Kurzum - mir fehlen die Worte. Das Modell fliegt genauso, wie ich es mir vorgestellt habe: Einfach zum Spaß haben - ruhig, unkritisch, sanft, dynamisch. Ich freue mich schon auf die Sonnentage. Dann wird der "LT200 FLEX" selbst bei niedrigen Überflügen auf dem Platz jede kleinste Thermik mitnehmen. Für mich schon jetzt mein Lieblingssegler der Saison 2019.

Ralf Kartes


Fakten

"LT200 Flex" von Aeronaut
Ein Segelflugmodell zum selbst bauen

Spannweite: 1.980 mm
Länge: 1.200 mm
Gewicht: 1.016 g
Flächet 32 qdm
Flächenbelastung: 30 g/qdm
Preis: 89,- Euro
Bezug im Fachhandel
www.aeronaut.de


Der Bausatz besteht aus viel Holz, von feiner Machart und in guter Qualität


Gelasert wird bei Aeronaut noch selbst. Das schlägt sich in hervorragender Qualität nieder


In die Erstellung der 3D-Bauanleitungen investiert Aeronaut viel Arbeit


Die vollbeplankte Tragfläche in Rippenbauweise ist einfach und schnell aufzubauen


Eine tolle Sache sind die Servoschächte mit Deckel. Daran werden die Servos befestigt


Die Steckschablonen lassen beim Aufbau keine Fehler mehr zu. Sofern nicht selbst "verschlimmbessert" wird


Der Rumpf besteht aus zahlreichen Lagen Balsaholz und kann dann (fast) nach Belieben verschliffen werden


Die Beschriftung liegt als Aufkleber bei. In diesem Fall wurde sie aus Papier nachgeschnitten


Die ersten Frühlingstage bildeten die Kulisse für die gelungenen Erstflüge


Gutmütig, sanft und durchaus auch dynamisch lässt sich der "LT200 Flex" bewegen


Holzoptik hat einfach ihren Reiz! Wer mag da widersprechen?



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2019

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