REPORTAGE

GPS-Szene

Eine Teilnahme am GPS-Workshop


"Wir fliegen Dreiecke", so einfach ist das! Philip Kolb führte unterhaltsam durch den Workshop

"Wenn es einem alten Esel zu Wohl wird - dann geht er aufs Eis!" Genau nach diesem Motto erkundete Kai Wimmer die GPS-Sport-Klasse. Doch wie einsteigen in diese Szene? Für die Beantwortung dieser Frage kam ihm der GPS-Workshop in Thannhausen gerade recht.

Vor etwa zwei Jahren hörte ich erstmals vom GPS-Triangle-Fliegen. In AUFWIND und auf www.gps-triangle.net bekam ich schon allerhand Informationen bezüglich der Regeln. Ich erhielt auch einen Überblick auf bevorstehende Anschaffungen: Modell, GPS-Logger, Vario und so einiges mehr. Das war ein auf den ersten Blick recht umfangreiches Paket. Doch nach fast 40 Jahren Wettbewerbsfliegerei ist man(n) ja Kummer gewöhnt. Die GPS-Sport-Klasse war es halt, die mich interessierte.

Jetzt hieß ea also: Welches Modell, welche Technik und was wird an Peripherie benötigt? Das Resultat war - was Neuanschaffungen betrifft - beruhigend: Modell vorhanden, Fernsteuerung für den Zweck gut genug, GPS-Logger und Vario schon seit zwei Jahren im Einsatz. Einzig Auswerte- und Anzeigesoftware sowie der Adapter - um die Fernsteuerung mit der Software zu verbinden - fehlten noch. Ebenfalls vorhanden war ein Android-Smartphone oder -Tablet für die Software. Soweit also der Stand der Dinge. Der erste Wettbewerb in Thannhausen im April 2017 war fliegerisch allerdings ein Reinfall. Dafür war der Lerneffekt da. Zudem machte die GPS-Gemeinschaft richtig Lust auf mehr. In diesem Jahr fand Anfang April dann eine "GPS-Triangle Academy" statt. Angekündigt auf diversen Onlineforen und auch auf www.gps-triangle.net konnte man sich im Vorfeld anmelden. Für mich eine gute Gelegenheit, mich intensiver mit dem Thema "Dreiecksfliegen" auseinanderzusetzen.

Das habe ich dann auch getan, bevor am Samstagmorgen der Startschuss fiel: Philip Kolb erwies sich gleich als die perfekte Besetzung des Moderators. Der gastgebende Verein versorgte uns massiv mit koffeinhaltigen Heißgetränken - und reichlich Kalorien. Nach persönlicher Vorstellung samt eigener Erwartungshaltung begann der informative Teil. Die Einleitung war schon klasse, als Philip ein Dreieck aufs Whiteboard zeichnete und meinte: "Das ist es, was wir hier machen. Wir fliegen Dreiecke!" Mit diesem schlichten Satz war dann der Damm auch schon gebrochen. Jeder wollte wissen, was es denn mit dieser einfachen Sache auf sich habe. So folgten also Erklärungen, worauf es generell beim Umrunden des Dreiecks ankommt. Und auch, worauf man als Pilot und Co-Pilot achten muss. Ein GPS-Triangle ist nämlich ein Team-Sport! Man kann zwar beim Training alleine fliegen, im Wettbewerb allerding nur als Team!

Eine praktische Vorführung zeigte, wie die diversen Tools - mit denen man arbeitet - funktionieren. Richtig spannend wurde es, als jeder die Gelegenheit bekam, ein paar Dreiecke zu versuchen. Natürlich unter Anleitung eines erfahrenen Co-Piloten: Einfach aufsteigen, den richtigen Einflug erwischen und das gegebene Dreieck abgleiten! In der Folge war jedem klar: Es macht doch einen gewaltigen Unterschied, zwischen einfach nur laufen (auf dem heimischen zu Platz fliegen) oder sich aufs Eis zu wagen (ein Dreieck koordiniert abzufliegen). Zwischendurch gab es immer wieder Antworten auf die Fragen: Wie erkennt man ein Aufwindfeld, wie wichtig sind die Varioeinstellungen oder, wie kompensiert man das negative Rollwendemoment? Jeder konnte das Gelernte sofort in die Praxis umsetzen und die für sich passende Entscheidung treffen.

Das Ergenis zeigte: Die GPS-Fliegerei ist zwar anspruchsvoll, hält aber keine unüberwindbaren Hürden bereit. Sie stellt vor allem eine große Bereicherung des eigenen, fliegerischen Portfolios dar. Selbst wenn Wettbewerbsambitionen fehlen, zwingt das GPS-Fliegen dazu, sich den naturgemäßen Gesetzen zu stellen, sie zu meistern und nicht zu umgehen. Am Ende des Tages war auch klar: Für das GPS-Triangle muss es nicht die größte, tollste, teuerste Voll-CFK-Wettkampfmaschine sein. Auch ein 15 Jahre alter "Thermik XL" kann für sechs bis acht Dreiecke gut sein. Eine wichtige Erfahrung!

Ich selbst fliege eine "Alpina 5001". Dieses Modell ist hinsichtlich der Streckenleistung sicher nicht erste Wahl. Ich kenne das Modell jedoch von allen meinen Maschinen am besten. Somit konnte ich schon mal drei Dreiecke reines Abgleiten ohne Thermikeinfluss erreichen. Einfach, weil die Maschine auf mich abgestimmt ist. Merke: Es hilft keine noch so leistungsfähige, spitz eingestellte Diva, wenn der Pilot mit ihr nicht klar kommt. Dann bleibt die Maschine nicht auf Kurs und muss dauernd korrigiert werden.

Philip und seine Mannen standen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Das alleine war ein unbezahlbarer Dienst. Vor allem, weil auch jede noch so triviale Frage verständlich beantwortet wurde. So ging es auch am Abend in der benachbarten Fliegerklause weiter. Dort schüttete unser Gastgeber das volle Paket an Informationen über uns aus. Und das unermüdlich bis spät in die Nacht.

Nach einem ausgiebigen Frühstück trafen wir uns am nächsten Morgen um 9 Uhr. Ein Wettbewerb wurde ausgerufen: zwei Durchgänge plus Speedrunde. Die Unterteilung erfolgte in zwei Gruppen. So konnte bei elf Teilnehmern jeder mal Pilot und Co-Pilot sein. Anfangs noch bei mäßiger bis keiner Thermik hatte jeder die Chance, seine Erfahrungen zu sammeln und das Gelernte umzusetzen. Natürlich gab es auch eine Siegerehrung. Die bot jedem Gelegenheit, seine Ergebnisse noch einmal zu betrachten. Soweit ich es beurteilen kann, gab es an dem Tag keinen Bruch. Viel zu schnell ging der Workshop zu Ende. Mein persönliches Fazit: Leider gibt es diese Veranstaltungen für Wettbewerbseinsteiger viel zu selten. Sehr beeindruckend war, dass man weder über sündhaft teures "Spezial-Equipment" verfügen, noch ein absoluter Superpilot sein muss. Es genügt ein 4-m-Segler mit durchschnittlichem Elektroantrieb, der sauber abgestimmt geradeaus fliegt. Wer sich keine GPS-Ausrüstung leisten will, kann auf das Angebot des Veranstalters zurückgreifen. Er bekommt dann ein Leihgerät zur Verfügung gestellt. Dafür wird lediglich etwas Platz im Rumpf und ein freier Servoausgang zur Stromversorgung am Empfänger benötigt. Mich hat der GPS-Virus nun vollends gepackt.

Kai Wimmer


Erklärt wurde am "lebenden Objekt". In diesem Fall am "Calvados" von und mit Philip Kolb


Die Teilnehmer setzen die Tipps sofort am eigenen Material um


Auch während des Fliegens wurden kräftig Erfahrungen ausgetauscht


Wenn Philip flog, sparte er nicht mit Erklärungen und Weitergabe von wertvollem Wissen


Gelände und Verein in Thannhausen bildeten eine hervorragende Kulisse für den Workshop


Das gute Wetter Anfang April ermöglichte ein Freiflugseminar


Elf Teilnehmer kamen zum GPS-Workshop. Er wird ganz sicher nicht der letzte seiner Art gewesen sein



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2019

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