REPORTAGE

Benjamin Rodax

Ein Profil- und Modell-Entwickler im Interview


Das in dieser Ausgabe vorgestellte F5J-Modell "Sense" stammt aus der Feder von Benjamin Rodax. Alexander Wunschheim hat aufgezeichnet, wie es zu der Entwicklung des Modells gekommen ist.

Benjamin Rodax arbeitet in der Entwicklungsabteilung eines Hausgeräte-Herstellers im Bereich Strömungstechnik. In seiner bisherigen beruflichen Laufbahn hatte er das Vergnügen, aerodynamische Entwürfe in Projekten der zivilen Luftfahrt sowie der Windkraft umzusetzen. In seiner Freizeit fliegt er gerne manntragende und ferngesteuerte Segelflugzeuge. Da lag es für ihn nahe, auch im Flugzeugentwurf tätig zu werden.

Im Modellflug stellen die Segelflug-Wettbewerbsklassen durch ihren fortgeschrittenen Stand der Technik für Benjamin Rodax eine besondere Herausforderung dar. Entscheidend mitwirken konnte er beispielsweise bei den Projekten "Device" (Martin Weberschock), "Pike Precision" (Samba model), "Prestige" (fineworx), "Yasal" und "Flitzebogen" (Aeromodelis). Aber auch bei "ASW-17" (FW-Models), "AN66" (Fineworx) und "Arcus" (Florian Schambeck).

Nach zwei F3K-Projekten hat ihn Andrey Yakovlev (Aeromodelis.com ) gebeten, eine Modellauslegung speziell für die Klasse F5J zu erstellen. "Zunächst war ich nicht besonders begeistert, weil ich persönlich ein Purist bin, was Segelflug betrifft", sagt Benjamin Rodax. Er meint aber auch: "Beschäftigt man sich jedoch kurz mit der Flugaufgabe und dem F5J-Regelwerk, wird schnell klar, dass hier bodennahes Thermikfliegen gefragt ist. Kombiniert mit der Tatsache, dass die brutalen Lasten eines Laufstarts entfallen, ergeben sich mehr Freiheiten und neue, spannende Herausforderungen für den Entwurf."

Im Team mit Andrey Yakovlev, Vitali Ryumshyn und Jochen Reuter hat Benjamin Rodax zunächst alle Anforderungen und Wünsche an den Flieger definiert. Ziel war es, allein mit einer Spannweite durch Variation von strukturellem Aufbau und Ballast eine perfekte Anpassung an die Wetterlage zu erreichen. Der Vorteil hierbei ist, dass Hebelarme und Leitwerke genau auf diese eine Spannweite abgestimmt sein können. "Dadurch mussten wir keine Kompromisse in der Flugmechanik, beziehungsweise beim Handling machen. Neben der sehr guten Flugleistung im Langsam- und Schnellflug wollten wir unbedingt ein einfaches Handling und eine gute Sichtbarkeit erreichen. Die Kombination dieser Eigenschaften hilft im Zweifelsfall, wenn man weit weg und tief noch einen Aufwind nutzen will", erklärt der Konstrukteur.

Für ihn hat sich die Bauweise mit gefrästen Rohacell-Vollkernen für Tragflächen und Leitwerke bei den letzten beiden gemeinsamen F3K-Projekten sehr bewährt. Gegen diese Lösung sprechen, wie er meint, eigentlich nur der hohe technische und finanzielle Aufwand bei der Herstellung der Kerne. Herraus komme dafür aber eine recht hohe Robustheit, Reparaturfreundlichkeit und die geringe Bauteilmasse, wenn das Kernvolumen entsprechend klein ist. "Letztlich haben wir uns für diese Bauweise entschieden, weil sie hervorragend zu dem dünnen, hochgestreckten Flügel passt, den man sich für eine optimale Flugleistung wünscht", sagt Benjamin Rodax. Persönlich sei er mit dem "Sense" sehr zufrieden. Darüber hinaus begeistere ihn die exzellente bautechnische Umsetzung der Lösungen. "Ich denke, die lange Testphase in der Saison 2018 hat gezeigt, dass das Modell unter allen meteorologischen Bedingungen voll wettbewerbsfähig ist", meint der Entwickler. Seiner Meinung nach werde es schwierig sein, aufgrund des F5J-Spannweitenlimits von vier Metern ein viel leistungsstärkeres Flugzeug als das Modell "Sense" zu bauen.

Alexander Wunschheim



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