TEST

Moderner Gleiter

Der "GP15 Jeta" von Baudis


Der "GP15" ist mit 4,3 Meter Spannweite ein durchaus noch handliches Scale-Modell

Mit 4,3 Meter Spannweite hat dieses vorbildgetreue Segelflugmodell eine noch gut zu handhabende Größe. Darüber hinaus bietet der Segler da- mit auch herausragende Flugleistungen. Markus Gutjahr hat das Modell aufgebaut und berichtet detailliert.

Die "GP15 Jeta" ist im Original ein eigenstartfähiges Segelflugzeug für die 15-m-Rennklasse. Der Erstflug fand am 19. Mai 2018 statt. Hergestellt wird das Flugzeug von der polnischen Firma G&J. Die "GP15" stellt nach der 13,45 Meter großen "GP14 Velo" den neuesten Entwurf mit nun 15 Meter Spannweite dar. Das Leergewicht beträgt rund 225 Kilogramm, das maximale Abfluggewicht 475 Kilogramm. Die Geschwindigkeit des minimalsten Sinkens liegt bei 72-75 Stundenkilometern, mit zwei Meter Sinkrate pro Sekunde bei 192-216 Stundenkilometern. Der Rumpf wurde von der "GP14" übernommen, die Flügel sind komplett neu und mit neuer Profilierung konstruiert. Angetrieben wird die "GP15" von einem Klapptriebwerk mit 25-kw-Elektromotor mit luftgekühlten, austauschbaren LiIon-Akkus. Die werden in den drei Energiestufen 2, 4, 6 und 8,1 Kilowattstunden angeboten. Mit vier Kilowattstunden wird eine Steighöhe (>4 m/s) nach dem Eigenstart von 2.500 Metern angegeben. Hergestellt wird das Flugzeug ausschließlich mit Hochmodul-CFK. Der Einstiegspreis liegt bei rund 93.900 Euro. Da ist die, derzeit in fünf Varianten angebotene Modellversion im Maßstab 1:3,5 von Jiri Baudis schon etwas preisgünstiger. In Deutschland erhältlich ist das Modell bei Jörg Etzler, Firma Windwings.

Das Modell wird im Lieferumfang mit einer aufgezogenen Kabinenhaube mit lackiertem Rahmen und Haubenverriegelung sowie einem ausgebauten Cockpit mit Sitzwanne, Armaturenpilz und Instrumentenpanel geliefert. Inklusive eines Schutztaschensets von Revoc für Tragflächen, Leitwerke und Winglets. Zum Zubehör gehört neben dem CFK-Verbinder auch der Kabel- baum mit allen notwendigen Steckern. Auch für den Einbau der Servos gehört alles an notwendigem Zubehör in Form von LDS-Anlenkungen aus Aluminium mit einem Servorahmen mit Gegen-lager zum Lieferumfang. Sofern man dies selbst erledigen will und nicht gleich beim Hersteller machen lässt. Im Zuge der Bestellung muss man nur noch den gewünschten Servotyp angeben.

Das Einziehfahrwerk von Jiri Baudis ist in einer hochwertigen und gedämpften CFK-Ausführung zu allen Modellen erhältlich, natürlich perfekt eingebaut. Die Öffnung der Fahrwerksklappen wird dabei auf einer CNC-Fräse passgenau angefertigt. Ebenfalls sind bei Baudis verschiedene Ausbaustufen möglich: Vom Antriebseinbau bis zum komplett flugfertigen Modell. Auch Kontrastlackierungen in diversen Leuchtfarben. In punkto Fertigungsqualität kommen "Passungs-fanatiker" voll auf ihre Kosten! Angeboten werden fünf Versionen, mit dem Rumpf jeweils in CFK-Schalenbauweise: "Standard" (160 g/qm Carbon ./. Herex ./. 50 g/qm Glas), "Doppel-Carbon" (160 g/qm Carbon ./. Herex ./. 160 g/qm Carbon), "Spreadtow Light Carbon" (80 g/qm HM Carbon Spreadtow ./. Rohacell ./. 50 g/qm Glas, HM-Rovings im Holm), "Light Doppel Carbon" (80 g/qm HM Carbon Spreadtow ./. Rohacell ./. 80 g/qm Carbon, HM-Rovings im Holm) und "X-treme Hartschale Windwings" (hochfester Hartschalenflügel ohne Stützstoff).

Ich habe mich für eine "GP15" in der Standardversion, ohne Einziehfahrwerk aber mit FES-Antrieb entschieden. Schon nach kurzer Zeit bekam ich alles geliefert. Die Bauqualität ist wirklich hervorragend. Das gilt für Oberflächen, Nähte, Passungen sowie für die strukturelle Festigkeit. Die Stabilität aller Teile kann man als sehr fest und steif beschreiben, die Torsionssteifigkeit der sehr dünnen und auch schmalen Klappen ist sehr gut. Auch der im Vakuum gebaute Rumpf ist sehr fest. In der Rumpfröhre und im Seitenruder befinden sich mehrere Spanten aus CFK-Sandwichmaterial. Die gewogenen Teile zeigten folgendes Ergebnis:

Rumpf 1.117 g
Sitzschale 116 g
Haube 197 g
Verbinder 190 g
Höhenleitwerk 105 g
Wingles zus. 25 g
Tragfläche links 846 g
Tragfläche rechts 856 g
LDS/Kleinteile 50 g
In Summe also 3.502 Gramm.

Nach einer Recherche zu den unterschiedlichen Flügelaufbauten ergeben sich die Gewichte der unterschiedlichen Versionen von jeweils einem Paar mit Servos, Anlenkungen und Kabelbaum - also flugfertig aufgebaut:

Carbon C80 Spreadtow ca. 1.700 g
Doppel-Carbon C80 Spreadtow ca. 1.740 g
Standard-Carbon C160 ca. 1.950 g
Doppel-Carbon C160 ca. 2.040 g
Dreifach-Carbon Windwings X-treme ca. 2.240 g

Zum Ausbau mit den sechs Servos in der Tragfläche gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Außer, dass es von Baudis auch dafür eine Hilfe in Form einer Skizze für die rechteckigen Ausschnitte in der Flügelschalenoberseite und eine LDSA-Einbauanleitung gibt. Die Durchbrüche für das LDS-Gestänge und das Ruderhorn sind in den Holmen bereits berücksichtigt. Der Servoeinbau geht anhand der Beschreibung schnell voran und stellt auch für ungeübte Modellbauer kein Problem dar. Die Servos für Seiten- und Höhenruder befinden sich im Seitenleitwerk. Diese Anordnung bringt nicht nur Vorteile durch kurze, steife und spielfreie Anlenkungen, sondern auch beim individuellen Rumpfausbau und bei verschiedenen Antriebskonzepten. Bis hin zum 80-er Klappimpeller wurde schon (fast) alles probiert.

Begonnen habe ich als Erstes mit dem Ausbau des Rumpfes. Da ich fast alle meine Modelle mit dem GPS-Equipment von SM-Modellbau ausstatte, wollte ich aufgrund der integrierten TEK-Funktionalität des GPS-Loggers natürlich auch eine TEK-Düse am Seitenleitwerk haben. Nachdem das Seitenleitwerk mit zwei horizontalen CFK-Spanten und zwei senkrechten CFK-Stegen versehen ist, muss man sich den optionalen Einbau der Düsenaufnahme gut überlegen. So habe ich, bevor ich die beiden Servos im Seitenleitwerk installiert habe, eine eigene Düsenaufnahme aus zwei Messingrohren gelötet. Das vordere Aufnahmerohr muss dabei einen Innendurchmesser von 2,5 Millimetern aufweisen, um die Edelstahldüse aufnehmen zu können. Das hintere Rohr - der Schlauchanschluss - muss dünner als der Außendurchmesser des Aufnahmerohrs sein. Sonst ist ein Einbau von vorne nicht sauber möglich. Nachdem ich nun beide Rohre verlötet hatte, habe ich die Kombination verschliffen und den Düsenschlauch aufgeschoben. Als Düsenschlauch verwende ich immer die blauen Festo-Schläuche. Anschließend habe ich dann ein kleines Loch in der Seitenruderflosse gebohrt, dann mit einer Schlüsselfeile vorsichtig erweitert bis die Düsenaufnahme passgenau eingeführt werden konnte. Nachdem dies erledigt war, musste ich den ersten senkrechten Steg durchbohren, um den Schlauch in einen Bereich zu bekommen, der von der Öffnung zum Servoeinbau auch erreichbar ist. Der Einbau von vorne ist nicht gerade einfach. Aufgrund der beiden horizontalen Spanten war es mir nicht möglich, den Schlauch einzuschieben und zur Rumpfröhre zu fädeln. Viele Versuche mit allen möglichen Hilfsmitteln schlugen fehl. Die Lösung fand ich dann in einer schweren, etwas längeren Nähnadel mit einem Zwirn: Von vorne in das Seitenleitwerk geschoben, reichte diese durch den senkrechten Steg. Damit lag sie auf dem oberen horizontalen Spant auf und konnte so mit etwas Schütteln des Rumpfes durch die Öffnungen in den Spanten - die der Durchführung der Höhenruder-Schubstange dienen - gebracht werden. An dem Zwirn habe ich dann den Festoschlauch mit Sekundenkleber angeheftet und bis in den Servoraum im Seitenruder gezogen.

Da ich in Flügeln und Rümpfen keine losen Servokabel mag, habe ich in der Rumpfröhre einen ein Meter langen "Ballermann-Strohhalm" eingelegt. In diesen habe ich zwei gewichtsoptimierte Servokabel von Powerbox zusammen mit dem Festo-TEK-Schlauch nach vorne in die Rumpfkeule eingezogen. Dann die bereits erwähnte Messingaufnahme von vorne mit "UHUplus Endfest 300" eingeklebt.

Unmittelbar danach wurden die beiden KST-Servos "X10 mini" im Leitwerk mit LDS-Anlenkungen eingebaut und der bereits passgenau bei- liegenden GFK-Verschlussdeckel mit "UHUpor" eingesetzt. Bei vielen Herstellen - auch im Hochpreissegment - müssen diese Deckel erst selbst passgenau zugeschnitten und eingeschliffen werden. Für mich also hier ein weiterer Pluspunkt für Modelle aus der Baudis-Manufaktur. Nach dem ebenfalls schnell zu erledigenden Einbau der Tragflächenservos (KST-"X10 mini") und dem LDS-Einbau habe ich die "GP15" auf die Schwerpunktwaage gelegt. Ich wollte den schwerpunktneutralen Einbau der Antriebskomponenten sowie die Position des Antriebsakkus und des Empfängers überprüfen.

Als FES-Antrieb habe ich mich für den nur 230 Gramm leichten "Leopard LC500 6pol 1450KV"-Motor mit "Micro Edition 5:1N/T"-Getriebe von Reisenauer entschieden. Am 6s-LiPo, in Verbindung mit der neuen CFK-Scale-Klappluftschraube von GM 20 x 13 Zoll bringt der Antrieb mit 59 Ampere rund 1.305 Watt und einem Schub von 7.183 Gramm. Nachdem das Modell abflugfertig ganz knapp unter fünf Kilogramm wiegen sollte, wäre dies mehr als ausreichend für einen Handstart aus dem Stand. Sehr gut gefällt mir, dass bei der "GP15" ein Rumpf-Spinnerverlauf und ein Anliegen der Klappluftschraube zu verwirklichen ist. Was für ein derartiges Modell seinesgleichen sucht. Möglich ist dies durch einen 43-mm-Scale-Spinner von Rudi Freudenthaler und der gebogenen Scale-Luftschraube. Wichtig ist dabei jedoch, dass man den Spinner mit einem breiteren 35-mm-Mittelteil einsetzt. Diesen Spezial-Spinner bietet in Deutschland ebenfalls Windwings an.

Über einen netten Modellbaukollegen konnte ich eine wunderschön gearbeitete Akkuhalterung aus gefrästem 2-mm-Birkensperrholz beziehen. Das emöglichte mir die Positionierung des Antriebsakkus im Schwerpunkt.

Auf der digitalen Schwerpunktwaage musste ich feststellen, dass der Antrieb bei dieser Akkuposition und dem Einsatz eines Pfannmüller-Piloten im Maßstab 1:4, eigentlich sogar zu leicht ist. Es musste alles so weit wie möglich nach vorne, um den Schwerpunkt von 105 Millimetern einhalten zu können. Also habe ich noch drei Ringspanten und zwei seitlich angeordnete Sperrholz- streifen in der Rumpfkeule eingeharzt - was jedoch strukturell nicht nötig wäre.

Nach Abschluss dieser Arbeiten war das Modell nun für die Programmierung der Ausschläge bereit. Am Höhen- und Seitenruder nutze ich den maximalen Servoweg und damit den maximal erreichbaren Vollausschlag. Die Querruder schlagen 22 Millimeter nach oben und 12 Millimeter nach unten aus. Die Wölbklappen laufen im Butterfly maximal nach unten, ein entsprechendes Offset mit Mittenverstellung von rund 100 Prozent beim Servoeinbau natürlich vorausgesetzt. Fertig ausgewogen ergab sich dann mit schwerem 6s-LiPo 4.400 mAh 45C, dem Pfannmüller-Piloten, dem "Unisens E"-Modul und dem GPS- Logger sowie einem "Scorpion Backup Guard" ein Abfluggewicht von nur 5.202 Gramm. Ein sehr guter Wert, denn die 5-kg-Grenze wäre lediglich durch das Weglassen der Pilotenpuppe bereits erreichbar.

Zum Erstflug wurde direkt aus der Hand gestartet. Ohne jeglichen Anlauf bestätigte sich das Antriebskonzept. Die von Reisenauer angegebenen Strom- und Drehzahlwerte passen haargenau. Beim ersten Steigflug stellte ich einen zu großen Steigwinkel fest. Das ist vom Antrieb her kein Problem. Allerdings musste gedrückt werden, um nicht einen großen Looping zu fliegen. Nach Erreichen der Abschalthöhe stellte ich auch im Gleitflug fest, dass ich trimmen musste.

Nach ein paar weiteren Flügen habe ich dann zuhause die Einstellwinkeldifferenz nachgemessen und ungetrimmt einen Wert von 1,6 Grad festgestellt. Für dieses Modell, mit der modernen Profilierung aus der Feder von Dirk Pflug jedoch merkbar zu viel. Nach ein paar Testflügen mit durch Klebeband unterlegtem Höhenleitwerk, habe ich schließlich eine Einstellwinkeldifferenz von circa 0,8 Grad eingestellt. Realisiert habe ich dies durch einen unter dem Höhenruder mit 5-Min.-Epoxy und Baumwollflocken angeformten Keil.

Damit fliegt die "GP15" nun in allen Flugphasen genau nach meinen Vorstellungen. Die Flugleistungen im Allgemeinen, die für das geringe Gewicht erreichbaren Geschwindigkeiten und vor allem die Gleitleistung des Modells sind sehr gut und suchen im Vergleich zu Modellen ähnlicher Größen ihresgleichen.

Inzwischen hat sich der "GP15" zu meinem absoluten Lieblingsmodell gemausert. Natürlich ist die 5-m-"Diana 2" aus demselben Hause schneller und auch ganz anders zu fliegen. Im Vergleich ist die "GP15" jedoch handlicher und universeller einsetzbar. Ich kann das Modell uneingeschränkt jedem empfehlen. Ich bin derart begeistert, dass ich inzwischen sogar noch ein zweites Modell bei Jiri Baudis bestellt habe.

Markus Gutjahr


Fakten

"GP15" von Jiri Baudis
Ein universeller Scale-Segler

Spannweite 4.300 mm
Länge 1.850 mm
Gewicht 5.202 g
Fläche 64 qdm
Flächenbelastung 81,3 g/qdm
Preise (ohne Einziehfahrwerk):
Standard 2.790,- Euro
Doppel-Carbon 3.030,- Euro
Spreadtow Light 3.360,- Euro
Light Doppel 3.540,- Euro
X-treme Windwings 3.150,- Euro
Bezug bei Windwings
Tel.: 07023/942102
www.windwings.de


Die Kabinenhaube wird komplett aufgezogen angeboten


Die Fertigungsqualität ist Baudis-typisch tadellos


Das kleine Spornrad ist ein perfekt gemachtes Details


Der im Text erläuterte Einbau der TEK-Düse war mit ein wenig "Fummelei" gut zu schaffen


Die Halterung für den 6s-Antriebsakku befindet sich genau im Schwerpunkt


Mit dem Pfannmüller-Piloten sieht das schon richtig vorbildgetreu aus


Das Einziehfahrwerk wird zum geringen Aufpreis angeboten. Hier am Vorführmodell von Windwings-Chef Jörg Etzler


Durch die auffälligen Markierungen des Testmodells ist immer eine perfekte Fluglagenerkennung gewährleistet


Der Handstart des Modells ist dank des kräftigen Elektromotors problemlos


Die Silhouette des zeitgemäßen Seglers ist modern gestaltet und wurde von Baudis perfekt nachgeformt


Die Flugleistungen und -eigenschaften sind makellos und machen viel Spaß



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2020

Das komplette Inhaltsverzeichnis 4/2020
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

©AUFWIND 2020