REPORTAGE

"Ka-8b" im Dachgeschoss

Allerlei Neuigkeiten vom Fuße der Teck


Probesitzen darf sie schon, geflogen wird später. Jana Kostritza freut sich auf ihr Flugzeug

An dieser Stelle berichteten wir zuletzt vor über einem Jahr von den Entwicklungen der Restauration im Dachgeschoss der Familie Kostritza. Inzwischen fragten viele AUFWIND-Leser nach, was aus dem Projekt geworden ist. Zeit für ein Update.

Nun ist es wohl nicht mehr lange hin, bis sich die "Ka-8b" mit ihrer Besitzerin Jana Kostritza ans Schlepp- oder Windenseil hängen und in der Thermik über der Teck kurbeln kann. Zum Zeitpunkt des Besuchs von AUFWIND-Chefredakteur Philipp Gardemin wurde noch immer eifrig gearbeitet. Vor allem an den Ruderanlenkungen mit Gestängen und den Seilen im Rumpf. Tragflächen, Rumpf und Leitwerke waren quasi bespannfertig. Außerdem lagerten im Keller des Hauses rund 63 Quadratmeter Bespannmaterial, 90 Meter Zackenband sowie zahlreiche Kanister mit den entsprechenden Lacken. Auch die Cockpithauben - die normal geschlossene und eine Cabrio-Haube - waren bereits aufgezogen und konnten aufgesteckt werden.

Apropos Lacke: Das Design des Flugzeugs wurde eigens entwickelt. Freunde von traditionell roten Rumpfnasen, Seitenrudern und Randbögen werden wahrscheinlich die Nase rümp- fen: Janas "Ka-8b" wird in einer sehr auffälligen Lackierung mit viel Rot entstehen. Der bekannte Flugzeugzeichner Hans-Jürgen Fischer ( ) hat die Vorlage aufgegriffen. Er hat sie direkt in einer seiner hochwertigen Dreiseitenansichten - die hier in AUFWIND exklusiv veröffentlicht werden darf - umgesetzt. Die Hauptfarbe wird ein Cremeweiß (RAL 9001) sein, das Rot der Farbton RAL 3020. Cockpit und Rumpfgerüst wurden bereits in Lichtgrau seidenmatt lackiert (RAL 7035).

Auch bei der Ausstattung des Cockpits wurde auf Sicherheit, Ästhetik und Nutzen gesetzt. Eingebaut wurden neben den analogen Instrumenten (Variometer, Höhenmesser, Fahrtmesser) ein elektronisches Variometer, ein FLARM-Kollisionswarngerät und ein Funksprechgerät. In die Rückseite neben dem Pilotensitz wurden zwei Lautsprecher montiert. Auf dem einen wird der Varioton ausgegeben, auf dem anderen der Funksprechverkehr. Zwei voneinander getrenn- te 12-Volt-Stromkreise versorgen die Geräte mit Strom. Während die eine Batterie das Variometer und das FLARM versorgt, bedient die zweite ausschließlich das Funkgerät. Über eine zentrale Ladebuchse und -elektronik werden beide Batterien von außen geladen. Als kleines Extra montierte die junge Pilotin noch eine Bluetooth-Box für die musikalische Unterhaltung vor dem Flug oder zum Zeitvertreib vor dem Start. Dazu zwei USB-Ladebuchsen. Deren Stromversorgung ist völlig autark vom System des Flugzeugs, um jegliche Beeinflussung auszuschließen.

Dass die "Ka-8b" trotz aller neuen und auch zusätzlichen Ausstattungen dennoch deutlich leichter als vorher herauskommen wird, liegt vor allem an den Unmengen Farbe, die im Verlauf der Restaurierung entfernt wurden. Erwartet werden aktuell rund 160 bis 180 Kilogramm Leergewicht. Angesichts des anstehenden Piloten-Minimalgewichts von circa 65 Kilogramm wurde in dieser "Ka-8b" bereits prophylaktisch eine Stahlplatte in der Rumpfnase befestigt. Die ersetzt die sonst übliche Aluminium-Bodenplatte und bringt rund 3,5 Kilogramm Mehrgewicht nach vorne. Das muss schon mal nicht in Form von weiterem Trimmblei hinzugefügt werden.

Geschätzte 30 bis 40 Arbeitsstunden werden noch nötig sein, bis die "Ka-8b" ihr Dachgeschoss verlassen kann. Dann folgt der nächste entscheidende Schritt: die Rohbauabnahme durch den Luftfahrtprüfer. Dazu muss das Flugzeug auch endgültig aus dem Dachgeschoss heraus. Es wird dann auf dem Segelfluggelände Hülben montiert. Ist der Luftfahrtprüfer zufrieden und gibt sein Okay, wird bespannt und lackiert. Für den Spätsommer oder auch Früh- herbst erhofft sich Jana Kostritza den Erstflugtermin. Damit die Flugpraxis bis dahin nicht leidet, stehen eine "Twin-Astir", "LS-4", "Ka-8" "Ka-6" und eine "ASK-13" bereit. Alleine in der Saison 2019 sind so für die Pilotin rund 40 Stunden zusammengekommen.

Auch bei Tangent Modelltechnik im benachbarten Lenningen gab es beim "Projekt Ka-8b" echte Fortschritte. Die Urform des Rumpfes wurde gefräst und erste Tragflächenmuster aufgebaut. Profiliert wird das Modell mit einem "HQ-3" mit 12 Prozent Dicke. Vom Trapezknick aus wird auf ein "HQ-Acro" gestrakt, um so eine Schränkung zu vermeiden. Insgesamt wird die "Ka-8b" im Maßstab 1:3 mit fünf Meter Spannweite über einen Flächeninhalt von rund 125 Quadratdezimeter verfügen. Auch hier steht das Ziel im Raum, zusammen mit dem Original die ersten Flüge im Spätsommer oder Frühherbst starten zu können.

AUFWIND wird dieses Ereignis natürlich begleiten und über die Erstflüge berichten.

Redaktion


Geradezu luxuriös mutet das neue Cockpitpanel in der "Ka-8b" an


Auch die Holzleisten wurden restauriert und zwischenzeitlich am Stahlrohrrumpf befestigt


Die Lautsprecher im Rücken der Pilotin dienen der Vario- und Funkausgabe. Die breite Box darunter ist ein Bluetooth-Lautsprecher


Auch die Dokumenttasche wurde eigens angefertigt und bekam das Projektlogo aufgestickt. Links das alte Original


Bei Tangent wurde zwischenzeitig der Rumpf gefräst und zum Abformen vorbereitet


Ein erstes Muster der späteren Tragflächen in Styro-Abachi-Bauweise



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2020

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