REPORTAGE

Der Lilium-Jet

Ein Modell des ambitionierten Lufttaxi-Projekts


Der Lilium-Jet ist als autonom fliegendes Lufttaxi konzipiert und soll fünf Personen über 300 Kilometer befördern. Foto: Lilium

Kaum ein Vtol-Konzept spaltet Luftfahrt- und Verkehrsexperten so sehr, wie der Lilium-Jet aus Weßling bei München. An den Spekulationen wollen wir uns an dieser Stelle nicht beteiligen. Dafür aber einen Blick auf Oliver Tamkus werfen, der es sich vorgenommen hat, ein Modell des Lilium-Jet in die Luft zu bringen. Philipp Gardemin fasst alles zusammen.

Der "Lilium-Jet" mit rund elf Meter Spannweite ist ein elektrisch angetriebenes, senkrecht startendes und landendes Luftfahrzeug. Der Hersteller Lilium plant, dass seine Konstruktion fünf Personen autonom selbstgesteuert befördern und als Lufttaxi eingesetzt werden kann. Angetrieben wird der Lilium-Jet von 36 Elektromotoren mit zusammen 320 kW, die jeweils auf einen Mantelpropeller wirken. Sechs der Mantelpropeller befinden sich jeweils auf den vorderen beiden Tragflächen und je zwölf auf den hinteren Flächen. Sie sind in zwölf kippbaren Tragflächenteilen installiert. Die, den Antrieb tragen- den "Klappen" werden zum senkrechten Start nach unten geschwenkt. Bei der Transition in die horizontale Lage wird ein Vorwärtsschub erzeugt, wonach die Tragflächen den notwendigen Auftrieb übernehmen.

Der unbemannte Erstflug eines zweisitzigen Prototyps fand am 20. April 2017 auf dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen statt. Dort hob auch am 4. Mai 2019 erstmals der fünfsitzige Prototyp des Lilium-Jets ab. Im Laufe weiterer Test erreichte der Prototyp eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern. Einige der Testflüge sind auf Youtube-Videos einsehbar.

Oliver Tamkus aus Ettlingen bei Karlsruhe ist ein Experimental-Modellbauer und aktiver Modellflieger. Es gibt kaum ein Projekt, das er sich scheuen würde anzugehen. Den "Lilium-Jet" plant er im Maßstab 1:5, mit 2,2 Meter Spannweite und einer Fläche von knapp 53 Quadratdezimetern. Zum Antrieb vorgesehen sind 18 Stück 50-mm-Elektroimpeller, die einen Schub von zehn Kilogramm leisten sollen. Mit einem 4s-LiPo und 16 Amperestunden an Bord, wird das Modell dann rund sieben Kilowatt Leistung aufbringen. Gebaut werden soll in Styro-Holz-GFK/CFK-Bauweise mit GFK-Bauteilen. Beispielsweise den Rumpf aus einer eigens gemachten Form.

Im Januar flog Oliver bereits einen stark verkleinerten Prototyp aus Depron-Brettchenmaterial. Der hat vor allem die Funktion der Antriebs- und Kippauslegung sowie die Flugfähigkeit unter Beweis gestellt. Aktuell baut er am ersten Modell in der projektierten Größe mit über zwei Meter Spannweite. Über die grundlegenden Gedanken und Entwicklungsschritte des Modells berichtet Oliver Tamkus ausführlich in einer der nächsten Ausgaben von AUFWIND.

Philipp Gardemin


Der Prototyp hat bereits unbemannt zahlreiche Testflüge absolviert


Das stark verkleinerte Erprobungsmodell hat die Machbarkeit des Vorhabens aufgezeigt


Oliver Tamkus hat sich vorgenommen, den Lilium-Jet als Modell nachzubauen. Gestartet ist er mit einem simplifizierten Erprobungsmodell


In der Luft lag das Modell überraschend stabil und war zudem sehr dynamisch zu fliegen



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