TEST

Attraktive "Zweimot"

Die "Twin Air" von Robbe - nicht ganz problemlos


Mit ihren 1.600 mm Spannweite ist die "Twin-Air" von Robbe ein ausgewachsenes Modellflugzeug

Im Original heißen sie "Cessna 340", "Beechcraft Duke" oder recht neu noch "Diamond DA 42 Twin Star" - zweimotorige Sport- und Businessflugzeuge. Allen gemein sind elegante Linienführungen und ein insgesamt sportliches Äußeres. Genau die-se Aspekte sind es, die diese Flugzeugtypen auch für den Modellbau so attraktiv machen.

Das hat auch Robbe erkannt und stellte auf der Nürnberger Spielwarenmesse in diesem Jahr die "Twin-Air" vor. Optisch wurde das Modell an die genannten Flugzeugtypen angelehnt und könnte durchaus auch als "vorbildgetreu" durchgehen. Mit der Spannweite von 1.600 Millimetern und einem Fluggewicht von 2.600 Gramm ist die "Twin-Air" bereits ein erwachsenes Flugzeug. Auch in punkto Ausstattung hat man bei Robbe aus dem Vollen geschöpft: Landeklappen, Einziehfahrwerk, Winglets und Randbogenbeleuchtung hat der Hersteller dem eleganten Modell gegönnt. Auch wurden bereits acht Mikroservos und die drei elektrischen Einziehfahrwerksbeine nebst kompletter Verkabelung von Robbe eingebaut. Des Weiteren zwei Außenläufermotoren mit je einem BEC-Regler, bei einem wurde bereits das BEC deaktiviert. Betrachtet man die Modellgröße und die Ausstattung genauer, so erscheint es ungewöhnlich, dass es sich bei der "Twin-Air" um ein in Formen geschäumtes Modell handelt - ei-ne "Schaumwaffel" also. Dass der Begriff "Schaum- waffel" jedoch nicht automatisch mit "Billigfliegern zweifelhafter Qualität" gleichzusetzen ist, unterstreicht Robbe mit der "Twin-Air" deutlich.

Ausgeliefert wurde das Modell in einem geradezu riesigen Karton. Die Modellteile waren darin in einem geschäumten Styroporboden gehalten und zusätzlich noch einzeln verpackt. Ebenso die zahlreichen Kleinteile in verschiedenen Tütchen. Beim Auspacken des Ganzen galt es Vorsicht walten zu lassen, um Druckstellen oder gar schlimmere Beschädigungen zu verhindern. Die Bau- beziehungsweise Montageanleitung mustergültig, mit vielen Bildern und ausführlichen Erläuterungen.

Außerdem acht Servos eingebaut und verkabelt, ebenso der komplette Antrieb und die Einziehfahrwerke. Die Tragfläche musste noch aus zwei Hälften mit einem langen Sperrholzholm zusammenge- klebt werden. Auch der Rumpf wurde aus zwei Teilen verklebt. Im hinteren Rumpfteil waren dann noch die Leitwerke einzukleben, beziehungsweise mit langen Schrauben zu fixieren. Bis dann noch die ganzen Kleinteile, wie zum Beispiel die Winglets sowie die Auspuff- und Antennenattrappen angeklebt und die Anlenkungen fertiggestellt wa- ren, verging schon noch das eine oder andere Stündchen. Auch die Ruderklappen mussten noch montiert werden. Diese sollten laut Robbe mit kleinen Stiftscharnieren angesetzt werden. Doch die vermittelten einen sehr unterdimensionierten Eindruck, drei von ihnen brachen direkt beim Einkleben an der Scharnierachse ab. Also habe ich die verbliebenen kurzerhand in die Reserveschublade gelegt und die Ruder nach "alter Väter Sitte" mit Vliesscharnieren angesetzt. Das Anschrauben der Ruderhörner wurde zusätzlich zu einem Geduldsspiel da die Schrauben der Ruderhörner nicht lang genug waren um sie an Landeklappen und Querrudern einzusetzen. Zum Glück gab die gut gefüllte Schraubenschublade noch so einiges her. Außerdem mussten die Kunststoffteile mit je einem Tropfen dickflüssigem Sekundenkleber aufgesetzt und die gebohrten Schraubenlöcher mit Sekundenkleber getränkt werden, bevor die Schrauben dann nass durchgeführt wurden. Sonst wäre kein fester Sitz der Ruderhörner zu erreichen, da sich das Schaummaterial zusammenzieht.

Zum Lieferumfang gehörte auch eine ganze Anzahl an V- und Verlängerungskabeln für den Anschluss der Servos, Regler und Einziehfahrwerke, alle in unterschiedlichen Längen und Ausführungen. Gottlob wurden alle Kabel bei Robbe eindeutig beschriftet, für welche Servos sie jeweils dienen und mit welchem der Kabel welcher Anschluss verlängert werden muss. Das Zusammensuchen von sechs Stecker und Buchsen dauert seine Zeit, vor allem beim Aufbau auf dem Flugplatz. Daher habe ich hier direkt einen 18-poligen Computerstecker eingelötet, was auch die Fehlerquote beim Anstecken quasi auf null setzt. Zum Anschluss aller Funktionen reicht dann auch ein Empfänger mit nur sechs Eingängen: Seiten-, Höhen- und Querruder, Landeklappen, Fahrwerk und Motorregler. Denn alle Servos und Verkabelungen wurden so ausgelegt, dass für jede Funktion nur ein Empfängerausgang benötigt wird. Es wurde sogar daran gedacht, das Lenkservo am Bugrad über ein V-Kabel mit dem Seitenruderservo zu koppeln. Die Programmierung im Sender war dann natürlich sehr einfach, die Ruderausschläge wurden aus der Bauanleitung übernommen. Ich habe lediglich 40 Prozent Exponen- tialfunktion auf die Querruder und 30 Prozent auf das Höhenruder gegeben.

Als Flugakku empfiehlt Robbe einen 4s-LiPo mit 4.000 bis 5.000 Milliamperestunden. So ein Akku passt perfekt auf den dafür vorgesehen Platz im Rumpf. An diesem Platz befindet sich ab Hersteller auch eine stabile Klettbandschlaufe als Sicherung. Leider lässt sich jedoch der Akku weder vor- noch zurückschieben, um den Schwerpunkt einstellen zu können. Dass dies allerdings auch nicht erforderlich war, zeigte sich bei der Schwerpunktkontrolle. Und da der Akku sehr nahe am Schwerpunkt liegt, wird sich auch eine leicht abweichende Akkugröße nicht sonderlich auf den Schwerpunkt auswirken.

Die beiden Motoren drehen die hübschen Dreiblattpropeller mit rund 6.800 Umdrehungen und ziehen dabei 72 Ampere aus dem Akku. Die gefühlte Zugkraft ist gewaltig und der Sound der zwei Motoren faszinierte sofort! Also nix wie raus auf die Wiese. Bedenken, dass das Modell wegen der kleinen Räder nur schlecht auf dem Rasen zurechtkommen würde, habe ich ignoriert. Mit sanften Gasstößen ließ sich die "Twin-Air" in Startposition rollen. Auf einer Hartpiste würde das bestimmt eleganter aussehen, doch es ging auch so. Dann langsam Vollgas. Das Modell beschleunigte zügig - doch nach wenigen Metern bissen die Propeller ins Gras und die Flugzeugnase lag auf der Wiese. Was war das? Das komplette Bugfahrwerk lag mit Servo und Brettchen neben dem Modell. Eine Sichtinspektion zeigte, dass sich weder an Flugzeug noch Brettchen Spuren von Klebstoff befanden. Da war wohl bei der Montage dieses Modells gerade Feierabend oder Schichtwechsel gewesen, denn bei anderen Modellen gab es dahingehend keine Prob- leme. Mit 5-Min.-Epoxyd wurde die ganze Einheit schließlich satt eingeklebt.

Dann er zweite Versuch, diesmal klappte es besser: Bereits bei dreiviertel Gas hob die "Twin-Air" sanft ab und ließ sich dann mit Vollgas steil in die Luft ziehen. Vorbildtreue ist natürlich was anderes - doch es ist immer gut, wenn man Leistungsreserven hat. Jetzt die Klappen wieder neutral, das Fahrwerk eingefahren und die Motoren gedrosselt. Mit Halbgas konnte das Modell in die Platzrunde gebracht werden. Das Flugbild faszinierte alle Anwesenden! Die direkte Ruderfolgsamkeit und die hohe Eigenstabilität auch im Langsamflug begeisterten den Piloten, der sich mit dem Modell sofort wohlfühlte. In tiefen Überflügen konnte das Flugbild bewundert werden, die Eleganz der zweimotorigen Vorbilder wurde von den Konstrukteuren perfekt umgesetzt.

Doch dann kam die erste Landung: Im Gegenanflug wurde das Fahrwerk ausgefahren und im Queranflug die Landeklappen auf 70 Grad ausgefahren. Mit ein bisschen Tiefenruder konnte ich die Geschwindigkeit beibehalten und gleichzeitig die Höhe kontrolliert abbauen. Und schon schwebte die "Twin-Air" brav in Richtung Landepunkt ein. Mit einem Gasstoß und etwas Höhenruder wurde noch die Nase gehoben und der Sinkflug gebremst. Nun setzte das Modell sanft auf dem Hauptfahrwerk auf. Doch als das Bugrad aufsetzte stand das Modell abrupt und die Nase lag wieder deutlich tiefer als normal. Was war passiert? Es war simpel: Das Schaumstoffrad hatte sich von der Felge gelöst, das Bugrad schlug quer und das Einhaken in die Erde gab der Mechanik den Todesstoß. Da fuhr jetzt nichts mehr ein oder aus. Nach einem freundlichen Schriftwechsel mit Robbe bekam ich das Bugfahrwerk anstandslos ersetzt.

An den weiteren Flugtagen mit der "Twin-Air", bei denen sich auch immer wieder die Reifen von den Felgen lösten (.selbst beim Rollen zum Startpunkt), zeigte sich ganz klar, dass die Räder definitiv zu klein und zu schwach ausgelegt sind für den Einsatz auf Rasenpisten. Ganz schlimm war es für das Bugfahrwerk: Die sich aus dem Rollwiderstand des Bugfahrwerks ergebenden Belastungen direkt auf die Mechanik minderten deren Lebensdauer. Also habe ich schließlich etwas stabilere und im Durchmesser um acht Millimeter - das Maximum für die Radschächte - größere Exemplare von Kavan montiert. Und nachdem ich dann auch die Mechanik ein zweites Mal ersetzt habe, wurde aus der "Twin-Air" ein attraktives Alltagsmodell, das sich zudem auch auf Rasenpisten einsetzen lässt. Eine helle Freude sind Flugdynamik und Antriebsleistungen sowie die funktionierende Antriebstechnik. Und Robbe bietet damit ein Elektro-Motor- modell an, das es bis jetzt in der Form und Ausführung noch nicht gegeben hat.

In vielen weiteren Flügen über den ganzen Sommer haben sich Flugspaß und viel Freude mit dem schönen Modell eingestellt. Auch Kunstflug macht die "Twin-Air" gerne mit: lange Rückenflüge, schnelle Rollen und weit gezogene Loopings sind ebenso eine Augenweide, wie das herrliche Flugbild und der faszinierende Sound der zwei Motoren. Selbst windige Bedingungen können dem Modell nichts anhaben. Die Eigenstabilität ist enorm und es gibt auch bei böigem Wetter nicht viel auszusteuern. Dank der Landeklappen ist die "Twin-Air" auch auf kleinen Flugplätzen einzusetzen.

Das Gesamtpaket des Modells ist so stimmig, dass es sich eigentlich lohnen würde, das ganze Modell mit leichtem Glasgewebe zu überziehen und zu lackieren. Das würde die "Twin-Air" noch einmal deutlich aufwerten - aber das ist eine andere Geschichte.

Philipp Gardemin
Fotos: Alexander Fromm, Philipp Gardemin



Fakten
"Twin Air" von Robbe
Ein zweimotoriges Motorflugmodell

Spannweite: 1.600 mm
Länge: 1540 mm
Gewicht: 2.600 g
Fläche:
Flächenbelastung:
Preis: 279,90 Euro; Bezug im Fachhandel, www.robbe.com.


Obwohl das Modell kein direktes Vorbild hat, sind die eleganten Linienführungen der Businessflugzeuge gut nachempfunden


Die Dreiblattpropeller passen hervorragend zu den Antrieben und bringen das Modell kräftig voran


An allen Rudern ist je ein Servo direkt in der Flosse eingebaut - insgesamt sieben Stück!


Die elektrischen Einziehfahrwerke und die kleinen Räder erfordern eine kurzgemähte und ebene Wiese, beziehungsweise gute Hartpiste


Die großen Landeklappen helfen beim Höhe abbauen und machen das Landen des schönen Modells einfach.


Die formschönen Winglets sind natürlich bruchempfindlich, sehen aber gut aus. In der weißen Kappe vorne stecken LED-Positionslichter.


Die Motoren laufen, gleich geht es los. Auch von dieser Ansicht fasziniert die Form des Flugzeugs.


Noch stehen die Landeklappen ganz unten. Für den Start werden sie auf 15 Grad zurückgefahren. Damit hebt das Modell nach wenigen Metern ab.


Im Fluge zeigt sich dann die ganze Faszination der schönen Zweimot. Auch der Sound der beiden Motoren stimmt!


Mit ausgefahrenem Fahrwerk im Gegenanflug die Landepiste entlang. Die Landeklappen werden erst im Queranflug voll gesetzt.


Mit voll gesetzten Landeklappen schwebt die "Twin-Air" lammfromm zur Landung herein.



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