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Fliegen im Tageslicht

Der "Vampire F3B" von Jesina-Models


Der "Vampire" von Zedenek Jesina ist ein absolut allroundtaugliches Wettbewerbsmodell

Und wieder einmal geht es um ein hochgezüchtetes, reinrassiges und auf Leistung ausgelegtes CFK-Wettbewerbsmodell. Eines dieser vielen auf dem Markt befindlichen Modelle aus dem edlen, schwarzen Gold. Doch der "Vampire" des tschechischen Herstellers Zdenek Jesina geht einen et-was anderen Weg: Schon das äußere Erscheinungs- bild zeigt Mut in der Konstruktion und einen Hauch von Freigeist in der doch sonst so standardisiert-optimierten Auslegung der heutigen Wettbewerbsmodelle. Nicht nur die angedachten Fledermausflügel weisen auf sein Vorbild hin, sondern gerade auch der in Knochenform ausgelegte Rumpf zeigt eine etwas eigene, aber doch sehr attraktive Bauweise. Nun gut, da fragt sich der eine oder andere, was ihm diese optische Aufwertung im Flugalltag für Vorteile bringen soll? Das kann man ganz einfach beantworten: Erst mal gar nichts!

Zdenek Jesina wagte schon 1976 den Einstieg in die F3B-Wettbewerbsszene und hat reichlich Erfahrungen gesammelt. Über die Erfolge des "Vampire" im Wettbewerb kann man sich auf der Webseite des Unternehmens informieren.

Das Modell ist schon ab Werk relativ komplett und beinhaltet alle wesentlichen Bestandteile zur Fertigstellung. Dazu gehören die Flächenschutztaschen, Ballastset, Kabelbaum und Kleinteile. Darüber hinaus wird auch ein RDS-Bauservice angeboten, auf Wunsch mit dem Futaba-Servo "S-3150" oder dem Graupner-Servo "DS-3288". An der Bauqualität gibt es nichts zu bemängeln, alles sehr pass- genau und sauber gearbeitet. Der "Vampire" wird in einer stabilen Holzkiste geliefert und in drei Ausführungen angeboten: einfach Carbon, doppelt Carbon F3B und doppelt Carbon F3F.

Meine F3B-Variante wiegt flugfertig ohne Ballast 2.270 g und ist komplett mit sechs "S-3150"-Servos ausgestattet. Die Anlenkungen in der Trag- fläche wurden konventionell ausgeführt, verschwin- den aber komplett unter der Oberfläche. Auch die Servoabdeckungen sind plan gefertigt. Im Rumpf befindet sich ausreichend Platz für den Einbau der Servos, dem Graupner-Empfänger "GR16 HoTT" und fünf "Eneloop"-Zellen mit Spannungswandler. Auch für das HoTT-Vario ist noch ausreichend Platz vorhanden. Die Installation der RC-Anlage war schnell bewältigt und stellte keine besondere Herausforderung dar. Das Setup des Modells ist im- mer eine sehr persönliche Sache. Ich übernahm für den Einstieg das Setup von Pierre Rondel. Erst nach einigen Flugstunden änderte ich einige Ausschläge und passte sie meinen Bedürfnissen an. Der "Vampire" reagiert damit schon recht giftig.

Für den Erstflug entschied ich mich, das Modell mit 300 Gramm Ballast zu bestücken, da die Windverhältnisse schon ordentlich aber leider nicht konstant waren. Also warf ich den "Vampire" mit sei- nen 2.570 Gramm über die Hangkante. Nachdem ich das Modell dem Aufwind übergeben hatte, schob es sich langsam nach vorne. Es stieg nicht und sank auch nicht. Die Ruderausschläge um die Längsachse reagierten schon heftig, aber nicht zum Negativen. Also, erst einmal an die Kante zurück und Geschwindigkeit aufnehmen. Das machte der "Vampire" sehr gut, auch der Schwerpunkt sah gut aus. In den ersten Wenden nahm das Modell die Nase herum und zog mit der vorher aufgebauten Geschwindigkeit durch die Kurve - ich war beeindruckt! Problemlos zog der Flieger von Kurve zu Kurve und wollte über eine Vielzahl von Strecken die Geschwindigkeit nicht reduzieren. Dieses Handling hatte ich bis dahin nur noch bei dem "Ceres" erlebt, der ebenfalls ein Profil von Dirk Pflug hat, aber ohne Ballast fast drei Kilogramm auf die Waage bringt. Ich nahm nochmal Höhe auf und baute die Geschwindigkeit mit ein paar Rollen ab. Die Rollrate war enorm und machte richtig Spaß. Dazu tragen unter anderem die großen Ruder bei. Auch das großzügige Beimischen der Wölbklappen macht den "Vampire" sehr agil. Dann wurde wieder Höhe aufgebaut und leicht Höhe gezogen: Am Abrisspunkt nahm das Modell die Nase runter und Fahrt auf. Jetzt kam der letzte Teil des Erstflugs: das Landen. Die Höhenkurve bei Butterfly stelle ich im Flug jeweils so ein, dass die Nase in jeder Situation leicht nach unten geneigt ist. Ich flog in einem langen Bogen Richtung Landeplatz, stellte den "Vampire" gegen den Wind, zog ein wenig Butterfly und bremste vorsichtig ab. Die Querruder stelle ich generell bei Butterfly nicht so hoch. Damit kann der "Vampire" auch im Landeanflug sehr gut gesteuert werden. Kurz vor dem Aufsetzen zog ich die Ruder ein und sanft setzte sich das Modell ins Gras.

Ich bin recht spät in den Bereich der Thermikfliegerei eingestiegen - auch mit dem "Vampire". Dazu nutze ich unter anderem einen sehr kleinen flachen Hang mit circa 40 Metern Höhe. Der "Vam- pire" wurde also bei wenig Wind an die kleine Hochstarteinrichtung gehängt und nach dem Ausklinken der Thermik übergeben. Die Klappen wurden verwölbt und das Modell wurde dann schon angenehm langsam und nahm jeden Aufwind sofort war. Dann gab es nur noch Eindrehen und langsam der Blase folgen. In der Thermikstellung verzichte ich auf Snap-Flap und nehme die Wölbklappen auch nicht mehr mit. Mit dieser Einstellung möchte der "Vampire" nur leicht in die richtige Richtung geschoben werden - das dankt er mit Höhe. An einigen Tagen beendete nur Tiefenruder den Flug.

Die Frage nach dem Ballast ist nicht ganz einfach zu beantworten: Es gibt Ballastkammern in der Tragfläche für sechs Messingstücke, beziehungswei-se im Verbinder für vier Stücke zu je 150 Gramm. Beide sitzen nicht neutral am Schwerpunkt, sodass der eingesetzte Ballast Einfluss auf den Schwerpunkt ausübt. Ich nahm also meine Schwerpunktwaage und wog alle Kombinationen von Flächen- und Verbinderballast durch. Es zeigt sich bei bestimmter Vorgehensweise eine nur geringe Beeinflussung des Schwerpunktes durch den Ballast. Seitdem ballastiere ich nach diesem selbst erstellten Plan das Modell. Im Flugalltag zeigt es damit keine negativen Anzeichen bezüglich des Schwerpunktes. Ich neige aber oft dazu, weniger Ballast einzusetzen als es die Bedingungen am Hang erlauben. Das verzeiht der "Vampire" sehr gut. Auch als Leichtgewicht geht das Modell noch prima nach vorne weg und setzt den starken Aufwind in Geschwindigkeit um.

Solchermaßen gerüstet ging es mit dem "Vampire" in den jährlichen Hangflugurlaub nach England und Wales - ein Traum für jeden ambitionier- ten Piloten: Der Bwlch in Südwales bietet auf engstem Raum Hangflug für jede Windrichtung. Die Landeplätze bestehen oft aus weiträumigen Graslandschaften ohne ein Hindernis. Auch die Hänge und das Vorland sind barrierefrei und gewährleisten so eine extrem laminare Anströmung, wie ich es nur von der Küste kenne.

Am ersten Tag blies ein sturmartiger Wind über die Kante und zerrte extrem an meinem Flieger. So manchen Moment - wenn das Modell die Hände verlässt und die Sekunde, die die Hände benötigen um an die Steuerknüppel zu kommen - zögerte ich, den "Vampire" dem Wind zu übergeben. Doch das Modell ging mit dem kompletten Ballast (3,8 kg Modellgewicht) gerade nach vorne weg und suchte die Höhe. Dann nahm es Fahrt auf, begleitet von einem angenehmen Rauschen. Dabei genoss ich das sehr agile Flugverhalten. Wie schon erwähnt ist die Rollrate bei dem Setup recht ordentlich, das kannte ich nur von kleineren Modellen. Die Wenden verlaufen in einem wahnsinnigen Tempo. Einige Male schoss der "Vampire" wie ein Pfeil aus der Wende. Allerdings kann man das Modell auch flott in der Ecke abstellen. Das liegt dann aber nicht am Modell sondern eher am Setup und dem Piloten, Exponential auf dem Höhenruder ist wichtig.

Mein Fazit: Die Hochzüchtung war erfolgreich, das auch in F3B erfolgreiche Modell würde ich als einen echten Allrounder bezeichnen. Ob als Leicht- windsegler in der Thermik oder als Schwergewicht bei Sturm an der Hangkante - der "Vampire" genießt jeden Windzug in der Luft. Sollte man den rauen Hangflug bevorzugen, ist die etwas schwerere F3F-Variante zu bevorzugen.

Kai Brandhorst


Fakten
"Vampire F3B" von Zdenek Jesina
Ein Allround- und Wettbewerbsmodell

Spannweite: 3.030 mm
Länge: 1.525 mm
Gewicht: 2.270 g
Fläche: 60 qdm
Flächenbelastung: 37,83 g/qdm
Ruderausschläge:
Höhenruder: +/-6 mm
Seitenruder: +/-10 mm
Querruder: -20/+24 mm
Thermikstellung:
Querruder: +1,5 mm
Wölbklappen: +1,5 mm
Butterfly:
Querruder: -9 mm
Wölbklappen: +64 mm
Höhenruder: +4 mm
Schwerpunkt: 90 mm
Preise: 1.280,- Euro (einfach Carbon), 1.400,- Euro (doppelt Carbon F3B), 1.410,- Euro (doppelt Carbon F3F); Bezug bei Zdenek Jesina, Tel.: +420/790/368421, www.f3b.cz.


Obwohl der "Vampire" hervorragend auch in der Thermik fliegt, so fühlt er sich doch am Hang erst richtig wohl


Die Fertigungs- und Oberflächenqualität begeistert. Die Anlenkung verschwindet komplett in der Fläche, auch ohne RDS


Der Rumpf ist querschnittsoptimiert, bietet aber ausreichend Platz für einen bequemen Einbau der Leitwerksservos


In dem Verbinder passen circa 600 Gramm Ballast


Das ganze Ballastset bringt rund 1,5 Kilogramm auf die Waage 1010191 Das Ballastset bringt circa 1,5kg auf die Waage


In der Ebene geht es mit dem Hochstartseil in die Thermik - auch das macht der "Vampire" klaglos


Das Design des Modells ist auf höchste Leistung ausgelegt, das Profil stammt von Dirk Pflug


Im verschärften Hangeinsatz zeigt das Modell seine ganzen Qualitäten




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