TEST

Volks-GFK

Der "Solaris" von Ostflieger



Der zufriedene Autor mit seinem "Solaris" vor der wunderschönen Kulisse der Rhön

"Alex", "Omega", "Starling", "Sagitta" & Co. bekommen einen Mitstreiter mit interessanten Genen: Ostflieger kündigte das Voll-GFK-Segelflugmodell "Solaris" in der beliebten Zwei-Meter-Vier-Klappen-Kategorie an. AUFWIND bekam ein Vor- serienmodell mit Elektrorumpf. Nach Aussage von Ostflieger-Chef Dirk Gans wird es aber auch eine reine Seglervariante geben, bei der der Rumpf aus einer eigenen Form entsteht und damit deutlich schlanker sein wird.

Zurück zum Vorserien-Testmodell: Ein fertiger Rumpf mit eingeharzten Führungsröhrchen für die Höhen- und Seitenruderanlenkung. Für die Montage eines Elektroantriebes liegt ein passender Holz- spant bei. Die Tragfläche ist zweiteilig ausgeführt und erinnert in ihrer Geometrie stark an die "Ellipse". Das Profil ist sehr dünn und besonders bei den Querrudern passen nur wirklich schlanke Servos unter die Abdeckung. Die Funktionalität und Festigkeit ist auf jeden Fall für den Hangflugeinsatz gegeben. Die Tragfläche wird mit vier Schrauben auf dem Rumpf befestigt, Bohrungen und Gewinde sind passgenau vorhanden. Das Leergewicht beträgt rund 610 Gramm.

Das Höhenleitwerk stellt eine kleine Besonderheit dar. Es wird auf einen kleinen Sattel hinter dem Seitenruder auf den Rumpf geschraubt. Dabei sorgt eine Vertiefung im Höhenleitwerk für den verdrehsicheren Sitz. Obwohl es eine Dämpfungsfläche gibt, handelt es sich doch beinahe um ein Pendelruder. Das Ruder belegt nämlich rund 86 Prozent der gesamten Fläche.

Bei den Servos für den "Solaris" kommen KST-Servos von EMC-Vega zum Zuge. Diese Servos sind ähnlich aufgebaut wie die MKS-Typen, mit annähernd gleichen Leistungsdaten und sehr preisgünstig. Es handelt sich durchweg um Vollmetallge- häuse mit Metallgetrieben und kugelgelagerten Abtrieben. Die Servos sind dabei erfreulich spielfrei und kräftig. Ursprünglich wollte ich in der Tragfläche für die Querruder und für die Wölbklappen KST-"DS135MG" verbauen. Aber nach einer ersten Anprobe zeigte sich sofort, dass für die Querruder doch wesentlich kleinere Typen ran müssen. Sonst bekommt man nämlich die Abdeckung, die zwar schon eine Aufdickung für das Servo aufweist, nicht mehr ordentlich montiert. Also wurden kurzerhand Graupner/SJ-"DES-428BBMG" dienstverpflichtet.

Beim Antrieb entschied ich mich für den Getriebeantrieb "A20-6XL 10-Pole Evo 4,4:1" von Hacker in Verbindung mit einem "YGE 60 V4"-Regler. Der kleine Außenläufer mit Getriebe bringt gerademal 130 Gramm Gewicht mit und dreht eine 16x8-Zoll-Luftschraube an 3s-LiPo mit 38 Ampere Stromaufnahme. Bei 5.300 U/min sollen mit dem Kampf- zwerg satte 2,3 Kilogramm Standschub entstehen. Der Einbau war mit dem Einharzen des passgenauen Spants, nachdem die Schraublöcher für den Antrieb gebohrt waren, nach zehn Minuten erledigt.

Auch bei den Tragflächen gibt es keinerlei Geheimnisse der Fertigstellung, da der Auslieferungszustand dem allgemeinen Standard für diese Art von Modellen entspricht: Die Ruder waren allesamt ausgeschnitten und als Elasticflap ausgebildet. Die Servoöffnungen und auch die Kabeldurchführung in der Wurzelrippe waren vorhanden. Nachdem die Ruderhörner an den Ruderflächen angebracht und die Anlenkungsgestänge hergestellt waren, wurden die Servos in die Tragflächen eingesetzt. Die Anlenkung der Wölbklappen geschah dabei über Kreuz auf die Oberseite der Ruder, die Querruder wurden konventionell von unten angelenkt. Nach der Montage der Servoabdeckungen gab es hier nichts mehr zu erledigen.

Einige Zeit verwendete ich für die Steckverbindung zwischen Rumpf und der Tragfläche. Da Letztere zweiteilig ausgeführt ist, braucht es pro Seite einen Stecker für zwei Servos und im Rumpf den Anschluss an den Empfänger. Wegen der Zweiteiligkeit also eine Steckverbindung mit acht Kontakten. Schwierig! Die Wahl fiel letztendlich auf die grauen Multiplex-Stecker. Die sind maximal fünfpolig, benötigt werden davon vier Pole, denn die Plus- und Minusleitungen können für die beiden Servos zusammen auf einen Pin gelegt werden. Einer Flächenhälfte habe ich die Buchse spendiert und der anderen den Stecker. Am Empfänger natürlich die entsprechenden Gegenstücke. Wie dies genau aussieht, zeigt das Bild rechts oben.

Nach etwas mehr als drei gemütlichen Abenden im Bastelraum wurde der "Solaris" zusammengebaut und die Schwerpunktwaage nach Herstellerangabe eingestellt. Der empfohlene Schwerpunkt von 90 Millimetern ab Vorderkante der Nasenleiste ließ sich allein durch die Verlagerung des Antriebsakkus einstellen. Da kein weiteres Blei notwendig war und die Antriebseinheit sehr leicht ausgefallen ist, konnte der "Solaris" mit knapp über 1,2 Kilogramm in die Freiheit entlassen werden.

Die obligatorische Fahrt auf die Wasserkuppe stand unmittelbar bevor, was lag also näher, als den "Solaris" dort einzufliegen. Nach Ruder- und Antriebscheck wurde das Modell über die Hangkante geschubst und begeisterte von der ersten Sekunde an. Trimmen war kaum notwendig und die vorhandenen Thermikschläuche wurden sehr fein angezeigt. Gleich mal einkreisen und etwas Höhe machen, mit dem Solaris in F3J-Manier: Einleiten, mit Seiten- und Höhenruder im Kreis halten und nur ganz wenig mit Querruder abstützen. Der "Solaris" zentrierte sehr gut und gewann zügig an Höhe. Trotz des relativ geringen Gewichts lief das Modell erstaunlich gut, ohne zu schnell zu werden. So konnten auch größere Abwindfelder locker - ohne den Antrieb zu nutzen - überbrückt werden. Einen testweise eingeleiteten Strömungsabriss quittierte der "Solaris" mit kurzem, zustimmenden Nicken ohne Tendenz des Abkippens. Nach vielleicht nur 50 Zentimetern Höhenverlust lag er sofort wieder sauber an den Knüppeln - erstklassig! Auch die Wirkung der Ruder war auf Anhieb ausgezeichnet: Das Höhenruder braucht wegen der großen Fläche nur wenig Ausschlag, die Querruder kommen weich, aber präzise. Die Wirkung des Seitenruders ist gut. Ich hatte da ein wirklich sehr ausgewogenes Modell an den Knüppeln, das von der ersten Sekunde an Vertrauen ausstrahlte.

Nach den ersten Runden in der Thermik versuchte ich mal die flottere Gangart: Auch hier gab sich der "Solaris" keine Blöße, wobei man natürlich Abstriche in Endgeschwindigkeit und Durchzug machen muss. Denn das geringe Fluggewicht lässt keinen "atemberaubenden Durchzug" zu. Aber nach einem steilen Abstieg waren zwei Runden vor der Hangkante mit ordentlicher Fahrt immer drin. Ein Rückenflug gelang trotz der relativ großen V-Form gut und die Rollen kamen mit 45 Prozent Querruderdifferenzierung sehr gerade. Nun noch die Wölbklappen: Die ohnehin schon gute Thermikempfindlichkeit nahm nochmals spürbar zu. Dabei war es wichtig, nicht zu große Verwölbungen einzustellen. Ich hatte einen positiven (nach unten) Ausschlag von 1,5 Millimetern an der Innenkante der Wölbklappen und das gleichsinnige Mitnehmen der Querruder als förderlich empfunden. Beim negativen Entwölben jedoch konnte ich auch nach mehreren Versuchen mit verschiedenen Ausschlägen keinen sichtbaren Geschwindigkeitszuwachs erzeugen.

Ein paar Tage später dann die ersten Flüge mit dem Antrieb: Reichlich Power für den fast senkrechten Steigflug ohne zu grob am Modell zu reißen. Dabei verwendete ich eine Klappluftschraube mit 14 Zoll Durchmessser und 10 Zoll Steigung, die noch Luft nach oben lässt. Mit der empfohlenen 16x8-Zoll-Luftschraube geht´s noch dynamischer zu Werke.

Bei der Landung kann dank der Vier-Klappen-Tragfläche zum Geschwindigkeitsabbau Butterfly genutzt werden. Obwohl die Wölbklappen nur einen Ausschlag von circa 60 Grad ermöglichen, bremst der "Solaris" gut ab und kommt bei 18 Prozent Tiefenruderbeimischung ruhig und lässig dem Boden näher. Die Landegeschwindigkeit ist natürlich höher als bei modernen F3J-Modellen, aber niedrig genug, um auch auf kleinen Landewiesen klar zu kommen.

So kann ich dem "Solaris" nur ein erstklassiges Arbeitszeugnis ausstellen. Die Flugeigenschaften sind ausgezeichnet, sodass der "Solaris" für entspannte Runden am Abend mit Antrieb in der Ebene genauso eingesetzt werden kann, wie als universelles Hangflugmodell mit Spaßfaktor. Auch der Kaufpreis wird sicherlich sein Übriges dazu tun, dass wir in naher Zukunft öfter dem "Solaris" begegnen werden.

Markus Kirstein
Fotos: Carsten Herber, Markus Kirstein


Fakten

"Solaris" von Ostflieger
Ein "Jedermann-Hotliner" mit Spaßfaktor

Spannweite: 2.000 mm
Länge: 1.150 mm
Fluggewicht: 1.220 g
Fläche: 31,9 qdm
Flächenbelastung: 38,2 g/qdm
Motor: "A20-6XL 10-Pol EVO + 4,4:1", Hacker
Luftschraube: 14x10", Aeronaut
Regler: YGE-60 V4
Akku: 3s-LiPo 2.200 mAh
Preis: 285,- Euro
Bezug bei Ostflieger
Tel.: 0351/6568979
www.ostflieger.de


Die Servos für Höhen- und Seitenruder sitzen unterhalb der Tragfläche. Hier fehlt noch das Seitenruderservo weil die Anlenkung klemmte. Dies wurde aber noch nachgerüstet


Die Fläche im Bereich der Querruder ist nur noch 7mm dick. Hier kommen nur noch die kleinen Servotypen mit circa 8mm Dicke, wie beispielsweise das DES 428 BB MG zum Einsatz.


Für die Wölbklappen können alle möglichen 10mm-Servos eingesetzt werden. Die Anlenkung geschieht über Kreuz.


Wie hier beim Seitenruder sind beim Solaris alle Ruderköpfe sauber mit Balsa verschlossen.


Der Sattel am Rumpf und die Vertiefung am Höhenruder sorgen für eine verdrehsichere Auflage . Durch die zentrale Schraube sitzt alles bombenfest.


Das mitgelieferte Zubehör des Solaris. Die Abdeckungen für die Querruder sind deutlich konvex, um die Servos in der sehr dünnen Außenfläche verbergen zu können.


Die sechs KST-Servos von EMC-Vega, die zunächst für den Solaris vorgesehen waren. Später mussten für die Querruder kleinere Typen verwendet werden, da die Tragflächen in diesem Bereich extrem dünn sind


Die im Text erwähnte Steckverbindung für die Tragflächenservos, bestehend aus zwei Steckerpaaren


Für die Gemütlichen unter uns: Anlauf braucht der "Solaris" nicht. Ein Wurf aus dem Oberarm reicht um das Modell sicher zu starten


Der "Solaris" lässt sich sehr stabil in der Thermik kreisen. Aber auch die dynamische Gangart beherrscht das Modell


Der maximal mögliche Ausschlag der Wölbklappen ist zwar nicht riesig, aber vollkommen ausreichend für eine kontrollierte, sichere Landung auch auf kleinen Landewiesen



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 5/2013

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