TECHNIK

Sicherheit geht vor

Eine innovative Empfängerstromversorgung


Die in AUFWIND bereits vorgestellte "Volksplane" wurde nun mit Emcotec-Komponenten ausgestattet. Foto: Jean-Michel Mauler

Die große "Volksplane" (2,95 m, 12,5 kg, 10s-LiIon; vorgestellt in AUFWIND) habe ich zunächst nur mit dem starken BEC des "Mezon"-Reglers von Hacker geflogen. Und ich kenne viele Modellpiloten, die das genau so machen. Auch bei mir hat es gut und störungsfrei funktioniert. Ich genoss die Freiheit, nicht immer an das Laden eines Empfängerakkus zu denken, wenn es zum Fliegen ging. Doch ein ungutes Gefühl konnte ich nie ganz verdrängen. Immerhin hing die ganze Sicherheit des Modells an einer einzigen Elektronik, die zudem durch den Antrieb hoch belastet ist. Als mir dann im Winter ein wesentlich kleineres Modell wegen eines in der Luft verglühten BEC-Reglers abstürzte, war für mich das Maß voll: Mein bestes und teuerstes Stück Flugzeug durfte nicht allein von der Funktion der drei Buchstaben abhängig gemacht werden. Außerdem befand sich da im "Volksplane" immer noch ein knappes Kilo Bleiballast. Genügend Luft also, um zusätzliche Akkus und Elektronik unterzubringen.

Mit diesem Ansinnen im Hinterkopf besuchte ich die Modellbaumesse in Sinsheim und sah mich bei iRC-Elektronik (www.rc-electronic.com) um. Das Unternehmen bietet die Produkte von Emcotec an. Zusammen mit Firmenchef Andreas Golla hatte ich schnell das richtige Set für mein Vorhaben ausgemacht:

Das "PowerCube HBS Hybrid Battery Supply"-Ladesystem lädt einen voll gekapselten "PowerCube"-2s-LiPo direkt aus dem Flugakku heraus auf. Dazu wird aus dem Zuleitungskabel vor dem Regler eine Abzweigung eingelötet und direkt in das Onboard-Ladegerät eingespeist. In diesem sogenannten Full Hybrid-Modus wird der Empfängerakku geladen, ohne dass ein Ladeprogramm gewählt oder Zellenzahl und Ladestrom eingestellt werden müssen. Auch der Anschluss eines Balancers ist nicht notwendig, da das kleine Ladegerät einen integrierten Equalizer hat. Der Empfängerakku dient damit quasi nur noch als Puffer zwischen Flugakku und Empfangsanlage, der hohe Stromspitzen abdeckt. Fällt der Flugakku komplett aus, bleibt das Modell mit dem Empfängerakku steuerbar. Wenn es auf die winterbedingte Flugpause zugeht, kann der sogenannte Storage-Modus im Ladegerät aktiviert werden, der den Empfängerakku auf die Lagerspannung entlädt. In meinem Fall kam ein 0,8 Amperestunden großer LiPo zum Einsatz, iRC-Elektronik bietet aber auch Akkus bis 2,4 Amperestunden an.

In der Praxis ist das nun ganz einfach: Der Flugakku wird wie gewohnt im Modell angesteckt und augenblicklich lädt das Onboard-Ladegerät den Empfängerakku. Kleine LEDs auf dem "PowerCube" zeigen Aktion und Ladestatus an.

Für die Versorgung des Empfängers habe ich dann noch einen "DPS Schalter JR" dazu genommen. Dieser hochstromfähige Schalter hat sich schon vor Jahren in meiner großen "Ju 52/3m" bewährt. Er wird durch einen kleinen Stift geschaltet, der einen integrierten elektronischen Ein/Ausschalter aktiviert. Eine rote LED dient als Einschaltkontrolle. Der Schalter leistet einen Dauerstrom von acht Ampere und einen Spitzenstrom von 20 Ampere - das dürfte ausreichend für so ziemlich alle Anwendungen im Modellbau sein. Eingebaut habe ich den Schalter im Cockpit des "Volksplane" zwischen den Beinen der Pilotenpuppe. Auch im Original sind dort Instrumente untergebracht.

Einen weiteren Punkt meines Bestrebens nach höherer Betriebssicherheit und mehr Komfort erledigte ich mit der Verwendung eines "SPS Safety Power Switch". Dieser elektronische Sicherheitsschalter hat eine integrierte Anti-Blitz-Funktion und trennt den Motor vom Antriebsakku. Das heißt, trotz angestecktem Flugakku bleibt der ganze Antrieb bis zum Einschalten inaktiv und damit ungefährlich. Geschaltet werden kann der "SPS Safety Power Switch" von außen mit einem mitgelieferten Magnetschalter - normalerweise! Doch Andreas Golla legte mir gleich eine Neuheit ans Herz: "SPS-RCS Remote Control Switch". Dies ist ein per Fernsteuerung bedienbarer Schaltgeber für das Ein- beziehungsweise Ausschalten des "SPS Safety Power Switch". Im Flugplatzbetrieb eine echt feudale Lösung: So lässt sich das Modell komplett startfertig machen und zum Startpunkt bringen, inklusive angestecktem Flugakku. Gerade bei Veranstaltungen oder an einem Sonntag auf dem heimischen Modellflugplatz muss man ja auch mal etwas warten. Ist man dann an der Reihe, legt man den im Sender entsprechend zugewiesenen Schalter um, der Regler schaltet scharf und es kann losgehen. Hüten sollte man sich natürlich davor, den Schalter im Flugbetrieb, beziehungsweise bei laufendem Motor zu schalten! Nach dem Flug rollt man das Modell dann mit Motorkraft zurück, regelt bis zum Motorstillstand runter und bevor man nun selbst oder ein anderer Hand an das Modell legt, wird auch der Regler wieder entschärft. Sicherer geht es nicht!

Die komplette Installation der Sicherheitselektronik passte auf die Oberseite des Motordoms (Grundfläche: ca. 130 x 95 mm). Eine eingeschnittene Klappe in die Oberseite der Motorhaube ermöglicht mir nun den direkten Zugang und vor allem die Sichtkontrolle des Ladegeräts. Einbau und Installation der ganzen Elektronik dauerte keine zwei Stunden, alle Komponenten sind perfekt kompatibel miteinander. Auch die Befestigung der Elektronikbausteine ist seitens iRC-Elek- tronik vorbereitet, die Gehäuse mit Schraublöchern versehen. Lediglich ein paar der Kabel musste ich in ihrer Länge ergänzen, um die langen Wege im "Volksplane" zu bewältigen.
Zu guter Letzt galt es noch den Anschluss der Querruderservokabel zu erneuern. Zwar hatte ich schon hochwertige (und teure) UNI-Verlängerungskabel gekauft, doch bei beiden lösten sich die Kontakte nach wenigem An- und Abstecken. Ich erinnerte mich an die Vorstellung der sogenannten "EWC Flächensteckverbinder" von Emcotec. Das Stecksystem wird mit drei und sechs Kontakten angeboten, ist verpolsicher und hochstromfähig mit bis zu 12 Ampere pro Kontakt. Es wird verriegelt und komplett konfektioniert mit unterschiedlichen Kabellängen (0,34 qmm) angeboten. Der Austausch der bisherigen Kabel und Stecker zum EWC dauerte keine 30 Minuten. Die Buchse habe ich fest in die Wurzelrippen eingebaut, die Stecker hängen links und rechts an langen Kabeln aus dem Rumpf heraus. Damit kann ich die Tragfläche bequem neben den Rumpf legen, die Kabel an- beziehungsweise abstecken und alles montieren.

Der Sicherheitsgewinn der ganzen Aktion ist beträchtlich. Die ersten Flüge mit dem solchermaßen neu ausgerüsteten Modell an einem Flugtag in Mertzwiller (F) verstärkten meine Begeisterung. Und ich freue mich, in der laufenden Saison die großen "Volksplane" wieder mit einem ruhigen Gefühl fliegen zu können.

Philipp Gardemin


Fast ein Kilogramm Trimmblei flogen vor der Ausrüstung noch im "Volksplane" mit


Die Emcotec-Komponenten auf einen Blick. Ganz oben der im Text erwähnte, aber nicht benutzte Magnetschalter


Alle Bauteile passen servicefreundlich und übersichtlich angeordnet auf den Motordom


Der Empfängerschalter bekam seinen Platz im Fußbereich des Piloten


Die hochwertigen Anschlusskabel der Querruderservos erwiesen sich leider als unsicher und wurden ersetzt


Der "EWC Flächensteckverbinder" von Emcotec ist eine robuste und belastbare Lösung


Auf der Motorhaube wurde ein Deckel eingeschnitten, durch den die Elektronik überwacht werden kann. Foto: Jean-Michel Mauler



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 5/2014

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