REPORTAGE

F3F-Szene

Zwei wichtige Wettbewerbe der internationalen Szene


Glückliche Sieger in La Muela (von links): Sébastien Lanes, Matthieu Mervelet und Andreas Fricke. Foto: Pierre Rondel

F3F gilt als die Rennklasse der Modellsegelfliegerei, heißt es doch zehn Strecken á 100 Meter in kürzest möglicher Zeit am Hang abzufliegen. Jacky Kugler war in Rana (Tschechien) dabei und berichtet für AUFWIND, während Andreas Fricke am Wettbewerb in La Muela (Spanien) teilnahm und ebenfalls berichtet.

In Rana fand im April die Eröffnung der F3F-Eurotour-Saison statt. Rana befindet sich 80 Kilometer nördlich von Prag und bietet mehrere Hänge, die es erlauben bei Ost- und Westwind zu fliegen. Mit dabei waren 44 Piloten aus sechs Ländern. Bei sehr wechselhaften Bedingungen konnte Franz Prasch (Österreich) mit seinem Eigenbau "Ultima" den Wettbewerb für sich entscheiden, gefolgt von Jiri Bacinsky mit "Twigy" und Vaclav Blaha mit "Scary". Beide Modelle werden von Jiri Bacinsky hergestellt (http://f3x.mypage.cz/). Der "Twigy" überraschte durch sein extrem dünnes Racer-Profil. Trotz den 2,6 Kilogramm Fluggewicht und den schwachen Bedingungen konnte Jiri hervorragende Zeiten fliegen. Die meist vertretenen Modelle waren der "Stinger" von Vaclav Vojtisek (www.f3x.eu) und der hinlänglich bekannte "Freestyler". Aus Polen kamen zahlreiche Modelle namens "Respects", dessen Produktion erst langsam anläuft, sowie ein Exemplar des brandneuen "Shinto" von Aer-O-Tec/Vladimir's Model - geflogen von Max Steidle persönlich. Ansonsten sah man relativ viele "Pitbull" und "Pike Precision", ein paar "Toxic", "Rotmilan" und "Vertigo". Am ersten Tag konnten vier Runden am Osthang geflogen werden. Die Windstärke variierte zwischen vier und sechs Metern/Sekunde, die Zeiten lagen meist zwischen 50 und 80 Sekunden. Die Bestzeit mit 42 Sekunden wurde von Franz Prasch geflogen. Am zweiten Tag war der Wind zu schwach, um das Rennen überhaupt fortzusetzen. Erst am Tag darauf kam der Wind aus westlicher Richtung und es wurden drei weitere Runden geflogen, wenngleich auch wieder bei extrem wechselhaften Bedingungen. So musste bei zwei bis acht Metern/Sekunde und sehr variabler Thermik das Rennen einige Male unterbrochen werden. Die Zeiten lagen meist zwischen 50 und 100 Sekunden. Die beste Zeit erreichte Jiri Bacinsky mit 42,83 Sekunden.

Zum zweiten CONTEST-Eurotour-Wettbewerb des Jahres ging es nach La Muela, einer kleinen Stadt im Westen von Saragossa. Nach dem "abwechslungsreichen" Wettbewerb in Rana sollte es nun schwungvoll weiter gehen. Der Empfang an diesem traditionsreichen Hang war wie immer sehr herzlich. Die spanischen Kollegen begrüßten Teilnehmer aus Frankreich, England, Deutschland und natürlich Spanien. Der Wetterdienst sagte uns zunächst zwei Tage ohne ausreichenden Wind vorher. So verging der Donnerstag dann auch ohne jeden Wertungsflug. Auch der Freitag begann ohne Wind und so konnte weiter das neue Material bewundert werden. Wie zum Beispiel der neue "Shinto" von Aer-O-Tec, der durch seine extreme Qualität und durchdachte Bauausführung auffiel. Die spanischen Kollegen zeigten die ersten "Viper"-Modelle von Tecnoepoxy. Darüber hinaus vertreten im Modellpark waren wieder zahlreiche "Freestyler", "Pike Precision", "Needle 115", "Pitbull", "Ceres", "Caldera R", "Hurricane" und "Fosa".

Am späten Nachmittag stellte sich dann endlich ein stabiler Wind ein und die Organisation wechselte zum dritten Mal den Hang und die komplette Installation, um 30 Minuten später wieder einsatzbereit zu sein. So etwas ist nur an diesem außerordentlichen Hang möglich, weil La Muela in einem riesigen Tal steht und mit seinem Durchmesser von circa 500 Metern fast alle Windrichtungen abdecken kann. Mit der Talüberhöhung von 254 Metern ein Paradies für den Hangsegelflug. Bei eher schwachen und wechselnden Verhältnissen wurden nun zwei Durchgänge bis in den frühen Abend absolviert. Bei im Durchschnitt sechs bis sieben Metern/Sekunde wurden Zeiten zwischen 45 und 55 Sekunden geflogen. Wer eine Thermikblase erwischt hatte konnte sich einen netten Vorsprung erfliegen. Die französischen Kollegen nutzen die Gunst des Augenblicks und Sebastien Lanes stellte mit einem sauberen Flug von 38 Sekunden seine Ambitionen klar ins Bild. Auch sein Teamkollege und F3F-Europameister Fred Hours zeigte seine Stärken. Pierre Rondel verpasste eine Wende und startete so mit einem deutlichen Handikap in den Wettbewerb. Die spanischen Piloten um Inaki Elizondo, Alvaro Silgado und Gerardo Plaza-Lozano mischten gut mit, ohne jedoch die Spitze in Gefahr zu bringen. Inaki wie immer spektakulär und sehr nervös am Höhenruder, Alvaro sehr konstant und ohne Fehler während des ganzen Wochenendes. André Austen mit seinem "Radical Pro" hatte kein besonderes Glück mit den Bedingungen und fand keinen richtigen Rhythmus - flog aber sauber.

Die Wettervorhersage für den Samstag versprach nun endlich einen ordentlichen Wind für die zweite Tageshälfte. Doch der Morgen begann erst mal wieder mit Windstille und Sonnencreme. Sorgen machten sich breit, ob der Wettbewerb noch validiert werden könne. Nur die Einheimischen waren sich ihrer Sache sicher und bereiteten schon morgens die Hangseite vor, an der es nach den Vorhersagen zum Show-Down kommen sollte. Gegen Mittag schließlich kam der Wind aus der geplanten Richtung auf. Er nahm langsam zu, ohne jedoch eine zu große Ungerechtigkeit aufkommen zu lassen. Mit 36 Teilnehmern konnten die Durchgänge doch recht schnell durchgezogen werden. Aus Respekt vor den angereisten Piloten wurde das Ende des Wettbewerbs leicht nach hinten verlegt, um noch eine ordentliche Menge an Durchgängen fliegen, und somit allen Piloten eine faire Chance bieten zu können. Bei weiter zunehmendem Wind kam es nun zum Show-Down und die Spannung wuchs mit jedem Durchgang. So zeichnete sich bei knappen Punkteunterschieden in der achten Runde eine Spitze von Mervelet, Seb Lanes, Hours, Gabanon, Silgado, Elizondo ab, gefolgt von Andreas Fricke, Philou Lanes, Grandseigne und einem hochmotivierten Pierre Rondel, der sich unaufhaltsam in die Top 10 vorgearbeitet hatte.

Im neunten und letzten Durchgang wurde dann jeder Flug genauestens beobachtet. Bei nunmehr zehn bis 12 Metern pro Sekunde (gemessen drei Meter hinter der Hangkante) und geschätzten 15 Metern/Sekunde direkt an der Kante, hatten die meisten Piloten den Wolframballast eingeladen und flogen mit 1,5 Kilogramm Zusatzgewicht. Wer in diesem Zustand zu nervös am Höhenruder reißt oder nach einem Verwender mit Rückenwind in den Hang einkreist, wird dann schnell mit der Höchststrafe (Totalschaden) bedacht. Bei diesem Wind und den Ballastverhältnissen waren nun schon Zeiten unter 40 Sekunden erforderlich, um an der Spitze mitmischen zu können. Die französischen Piloten flogen alle nacheinander und legten Zeiten zwischen 33 und 37 Sekunden hin. Ich hatte mich vor der letzten Runde bis auf Platz 5 vorgearbeitet und hoffte nun mit einem letzten Paukenschlag noch einen Platz noch vorne zu kommen. Da ich meinen Joker noch nicht richtig verbrannt hatte, konnte ich pokern und legte nochmal einen Wolframstab in den Verbinder. Eine Strategie, die letztlich mit einem sauberen Flug aufging, da ich mit 37 Sekunden die Bestzeit in diesem neunten Durchgang hinlegen konnte. So hießen nach den neun Durchgängen die Sieger: Matthieu Mervelet (Frankreich) vor Sébastien Lanes (Frankreich) und Andreas Fricke (Frankreich). Die weiteren Plätze wurden belegt von Aubry Gabanon (Frankreich), Alvaro Silgado (Spanien), Fréderic Hours (Frankreich), Inaki Elizondo (Spanien), Pierre Rondel (Frankreich), Philippe Lanes (Frankreich) und Gerardo Plaza-Lozano (Spanien).


In Rana flog Jiri Bacinsky seinen "Twigy". Das Modell überraschte durch ein extrem dünnes Racer-Profil bei 2,6 Kilogramm Gewicht. Foto: Sylvain Pfefferkorn


Auch der "Scary" - in Rana geflogen von Vaclav Blaha - wird von Jiri Bacinsky hergestellt. Foto: Sylvain Pfefferkorn


Rasanter Start am Südhang von La Muela. Foto: Pierre Rondel




Der "Freestyler" von José Alvarez überlebte seinen Wertungsflug leider nicht. Foto: Pierre Rondel


Ein "Viper" von Tecnoepoxy am Start. Foto: Pierre Rondel


Der "Pitbull" von Carlos Aymat wird kraftvoll in den Hangaufwind geschleudert. Foto: Pierre Rondel


Vater und Sohn Clan Lanes, links Sebastien und rechts Philippe. Foto: Pierre Rondel






Cédric Grandseigne flog einen "Fosa". Foto: Pierre Rondel


Eine Gruppe spanischer "Freestyler". Foto: Pierre Rondel



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 5/2014

Das komplette Inhaltsverzeichnis 5/2014
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

©AUFWIND 2014