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Die Fokker E-I von Balsa-USA

Stanzteile, Holzklötze und zugeschnittenes Leisten- und Brettchen-Material - das bekommt man, wenn man sich für einen Bausatz des amerikanischen Herstellers Balsa-USA entscheidet. Das ist quasi "Modellbau wie früher", wenn man das mal im Vergleich zu den aktuellen CAD-Konstruktionen mit CNC- oder lasergeschnittenen Präzisionsteilen betrachtet, die ja eigentlich - je nach Hersteller - nur noch zusammengesteckt und verklebt werden müssen. In AUFWIND 1/2015 berichtete Markus Frey bereits über den Bau der "Taube 40" von Balsa-USA. Ich hatte mir aus lauter Begeisterung über seinen Bericht direkt den Bausatz der "Fokker E-I" vom deutschen Importeuer Kavan zuschicken lassen.

Es kam wie erwartet: Ein Karton voll mit hervorragend gefertigten Holzteilen, gestanzten Rippen und Spanten und ein paar Kleinteilen. Der Duft von gut abgelagertem Balsaholz durchströmte plötzlich die Werkstatt. Am liebsten hätte ich das Licht gedimmt, ein Glas Rotwein geholt und eine Kerze angezündet. Stattdessen rollte ich den großen Bauplan aus, begann die Teile zu sortieren und platzierte sie entsprechend auf dem großen Bauplan. Begonnen wur-de mit der Tragfläche. Mit Sekundenkleber und Weißleim sowie zahlreichen Stecknadeln, Klammern und kleinen Stahlgewichten konnten die zwei Hälften an zwei Abenden aufgebaut werden. Ein robuster Sperrholzverbinder hält sie kraftschlüssig zusammen. Konstruktive Feinheiten und gewichtsoptimierte Detaillösungen suchte ich vergebens, denn hier wird der Modellbau noch als Handwerk verstanden. Und das hat mal wieder richtig Spaß gemacht - von der ersten bis zur letzten Sekunde des Baus übrigens.

Genauso bodenständig ging es mit dem Rumpf weiter: Ein paar ausgeschnittene Spanten und Absperrleisten auf und zwischen die teilweise aufgedoppelten Seitenwände kleben, die obere und untere Beplankung drauf und alles schön verschleifen. Der Zugang zum Rumpfinneren geht über die Tragflächenauflage. Da die Tragfläche in Schulterdeckeranordnung montiert wird, wird noch ein entsprech- endes Rumpfstück direkt auf der Tragflächenoberseite aufgebaut und analog zu den Rumpfkonturen verschliffen. Geht man dabei sorgfältig vor, wird man mit einem perfekten Sitz belohnt. Gesteckt wird die Tragfläche auf der Rückseite am Spant und schließlich in Höhe des Hauptholms mit zwei Schrauben fixiert. Auch das ist solide und bewährte Hausmannskost statt filigraner Ingenieursleistung - sehr gut gemacht!

Die Leitwerke habe ich aus Brettchen aufgebaut, die bereits in Kontur geschnitten dem Bausatz beilagen. Hier vermisste ich nun aber das Absperren der Fasern durch zusätzliche Teile. So wird es sich zeigen müssen, ob die Brettchen nach dem Bügeln und im späteren All-Wetter-Betrieb verzugsfrei bleiben. Schlussendlich eingeklebt wurden die Leitwerke in vorgeschnittene Nuten am Rumpfende.

Das markante und große Fahrwerk lag dem Bausatz als gebogener 5-mm-Stahldraht bei, entsprechende Nutleisten habe ich im Rumpfboden eingeklebt. In Plan und Anleitung wird die Ergänzung um eine vorbildgetreuere Variante gezeigt, die ich aus 2-mm-Alurohr nachgebildet habe. Die Motorhaube mit 140 Millimetern Durchmesser wurde aus einem tiefgezogenen ABS-Teil ausgeschnitten und der Baldachin aus Buchenstäben aufgebaut. Die 96 Millimeter großen Räder kamen aus dem Zubehörsortiment von Kavan und passen perfekt zum Erscheinungsbild des Modells.

So stand zu guter Letzt das Modell mit rund 700 Gramm Rohbaugewicht in der Frühlingssonne Badens. Und ich war glücklich und zufrieden über die bis dahin geleisteten Handwerks- stunden.

Für die Bespannung wählte ich Oratex-Gewebefolie Antik. Die Farbstreifen wurden abgeklebt und aus der Sprühdose mit matter Farbe auflackiert. Die Balkenkreuze habe ich aus DCfix-Folie geschnitten. Mit ähnlich überschaubarem Materialeinsatz ging auch die Ausstattung mit den Servos vonstatten: Zwei robuste 13-mm-Servos mit Metallgetriebe von Derkum für Seiten- und Höhenruder sowie zwei weitere für die Querruder wurden auf Hartholzleisten eingeschraubt. Die Profildicke ermöglichte sogar den stehenden Einbau. Für den 6-Kanal-Empfänger von JR gab es dann natürlich ebenso reichlich Platz im Rumpf. Die Pilotenpuppe stammt von Aeronaut und wurde mit Revell-Farben bemalt. Das Styroporformteil hatte ich mal vor Jahren auf dem Messestand mitgenommen. Gut, wenn man nichts wegwerfen kann.

Über die Maschinengewehr-Attrappe auf dem Rumpfvorderteil lässt sich streiten. Sie stammt aus einem Bausatz von Kavan. Ohne sah die "Fokker" irgendwie nackig aus. Ich finde, sie gibt dem Modell das gewisse i-Tüpfelchen. Diskussionen über das Für und Wider von Spielzeugwaffen lasse ich an dieser Stelle außen vor.

Für den Antrieb griff ich auf einen vorhandenen actro-Motor C-8 mit 40-Ampere-BEC-Regler zurück. Der 180 Gramm leichte Außenläufer hat eine spezifische Drehzahl von 980 kv. Als Flugakku kam ein Lithium-Ionen Pack 3s2p zur Anwendung. Der Schwerpunkt ließ sich damit problemlos einstellen. Insgesamt 1.934 Gramm brachte die schöne Fokker nun auf die Waage.

Genau so entspannt wie das ganze Bauprojekt bis hierhin ablief, war dann auch der Erstflug: Auf der Wiese ließ sich das Modell trotz des starren Hecksporns hervorragend manövrieren, gegen den Wind ausrichten und war mit Vollgas nach wenigen Metern in der Luft. Der Steigflug mit rund 20 Grad Steigwinkel eher verhalten, aber durchaus passend zum Modell. Gedrosselt auf 60 Prozent stellte sich dann das Flugbild und -verhalten ein, wie ich es von so einem Modell auch erwarte: Gemütlich dahinfliegend, dabei nicht undynamisch, immer gut am Ruder liegend und vor allem mit einem tollen Flugbild. Fliegt man die "Fokker" dagegen mit Vollgas herum, wird sie nur unwesentlich schneller, lässt sich dann aber wendig auch in Bodennähe herumturnen. Großartige Kunstflugeinlagen liegen dem Modell nicht, dafür gibt es andere Konstruktionen. Dennoch sind Loopings, Rückenflüge und Rollen möglich - sehen aber nicht passend aus. Die vier Amperestunden des Akkus reichen für fast 20 Minuten Flugzeit. Viel Zeit, sich am Modell zu erfreuen, genau wie es auch schon in der Bauphase lief.

Wie schon die "Taube 40" aus AUFWIND 1/2015 und sicherlich auch die anderen Modelle, ist auch diese "Fokker" ein Paradeprodukt für all diejenigen, die Freude am Modellbau mit Holz haben oder vielleicht auch erstmal in das Thema reinschnuppern wollen. Prädikat: Empfehlenswert!
Philipp Gardemin
Fotos: Philipp Gardemin, Pascal Fempel


Fakten

"Fokker E-1" von Kavan
Ein vorbildähnliches Motormodell

Spannweite: 1.524 mm
Länge: 1.067 mm
Gewicht: 1.934 g
Fläche: 40,8 qdm
Flächenbelastung: 47,4 g/qdm
Preis: 182,50 Euro
Bezug im Fachhandel
www.kavanrc.com


Der Aufbau der Rippentragfläche ist so simpel und einfach wie es nur sein kann


Der Rumpf ist eine Kastenkonstruktionp


Die Tragfläche wird in Schulterdeckeranordnung platziert


Das Mittelteil wird fest auf der Tragfläche montiert und mit abgenommen


Das Hauptfahrwerk ist stabil genug für alle Belange, der zusätzliche Anbau ist nur Dekoration


Der Rohbau wog komplett nur rund 700 Gramm, ein hervorragender Wert


Die Brettchenleitwerke haben sich bis dato als resistent gegen Verzüge erwiesen


Das ganze RC- und Antriebsequipment auf einen Blick


Das Flugbild des Oldtimers ist genial und macht Spaß anzuschauen


Die Rippenstruktur ist durchscheinend und unterstreicht den nostalgischen Charakter des Modells


Tiefe Rundflüge machen riesig Spaß und sind ein Genuss für Auge und Ohr



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