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Profigerät

Der "Raketenwurm" von Stratair


Der "Raketenwurm 4B" ist ein Hochleistungsmodell aus dem F5B-Wettbewerbszirkus

Ich hatte schon so einige Hotliner auf der Werkbank. Mir hat es immer extrem viel Spaß gemacht mit dem einfachen Schieben eines Reg- lers einen Segler an die Sichtgrenze zu katapultieren. Dabei hatte ich nie den Anspruch Wettbewerbe zu bestreiten, habe aber immer mal nach dem maximal Machbaren geschielt. So bin ich dem Reiz erlegen, einen "Raketenwurm 4B" zu kaufen - eine Konstruktion des Mehrfach-F5B-Weltmeisters Wolf Fickenscher.

Meisterhaft schon die Tragfläche: einteilig aus Carbon, hergestellt im Autoklaven. Dort werden unter hohem Druck und hoher Temperatur GFK-Teil regelrecht gebacken. Der Anpressdruck des Laminats an die Form ist um den Faktor fünf bis sechs höher als beim simplen Absaugen. Das Ergebnis ist ein extrem steifer Flügel mit minimalem Gewicht und einem optimalen Harz-zu-Laminat-Verhältnis. Stratair liefert dieses Profiteil bereits mit komplett eingebauten MKS-Servos. Auch die Verkabelung war bei meinem Modell bereits verlegt, nur der beigelegte MPX-Stecker musste noch angelötet werden. Ähnlich robust das Höhenleitwerk: mit Kern und Abtriebsprofil um in den Wenden noch besseren Grip zu bieten. Doch die wahren Innovationen des "Raketenwurm 4B" stecken eigentlich im Rumpfdesign: Voll-CFK ohne Glas-Decklage und mit Aufsteckschnauze. Ich fühlte mich an die filigranen DLG-Konstruktionen erinnert. Man kann sie zum Fixieren einfach mit Klebeband umwickeln oder anschrauben. Ich habe zwei Bohrungen seitlich im Rumpf gemacht und einen Koh- levollstab quer durch den Rumpf gesteckt. Damit reduziert sich die Zeit des Hantierens im potenziell gefährlichen Propellerbereich während der Startvorbereitungen auf ein Minimum. Das Leergewicht des ganzen Modells mit Servos und Kabeln betrug nur 640 Gramm.

Für die Stromversorgung und den Empfänger habe ich eine kleine Plattform gebaut, ähnlich dem Servohalter, auch durch eine Schraube von außen fixiert. Insgesamt hat man nicht allzu viel Platz zur Verfügung. Also vorher genau messen. Es gibt mehrere Möglichkeiten die Komponenten zu platzieren. Bei mir sieht es so aus, von vorne nach hinten: 36-mm-Spinner mit 0-Grad-Verwindung von Freudenthaler, 16x16"-Luftschraube RFM F5B breit, Plettenberg-Motor "HP 220/40/A1 P6 5:1 Evo" mit 5:1 Getriebe, Drehzahlregler YGE-"200HV", zwei 5s-LiPo 1.800 mAh von SLS parallel (gesamt: 3.600 mAh), das Paket aus Empfänger, BEC und 400-mAh-LiPo von Hacker, ein Magnetschalter von Zepsus und das Höhenruder-Servo.

Der Motor mit Getriebe wiegt 385 Gramm und ist für den Betrieb von 5s- bis 6s-LiPo ausgelegt. Für höhere Zellenzahlen ist das 7:1-Getriebe zu wählen. Zur Auswahl der RFM-Luftschraube habe mich von Plettenberg beraten lassen und bewusst die 16x16-Zoll-Größe gewählt, weil die den Strom bei circa 200 Ampere belässt. Damit erreicht man eine Leistung von circa 3,5 bis 4 Kilowatt. Der Strom entspricht somit ziemlich ge-nau der Nennleistung des Reglers "YGE 200HV". Wir befinden uns damit aber noch nicht im Bereich der F5B-Leistungen, die man aber mit Einsatz der typischen F5B-Luftschrauben von Ru- dolf Freudenthaler ab 17 Zoll Durchmesser und 18 Zoll Steigung erreicht. Doch auch mit meiner Ausstattung sind Steigraten größer 60 Meter/ Sekunde machbar und das Modell wird einem förmlich aus der Hand gerissen. Will man das Modell doch "softer" machen, empfiehlt sich eine 16x13" mit circa 2,5 Kilowatt oder 15x10" mit circa 2 Kilowatt.

Alle Maße für die Einstellung von Klappen und Querrudern habe ich 1:1 aus der Anleitung übernommen und nicht mehr geändert. Stratair nennt einen relativ weit vorne liegenden Schwer- punkt in der Anleitung. F5B-Wettbewerbspilot Matthias Bunten empfahl mir einen Schwerpunkt von 62 Millimeter, also etwas weiter hinten, sowie ein Maß vom Rumpfende zu Höhen- ruderendleiste von 127 Millimeter. Beides hat hervorragend gepasst und genau diese Einstelldaten empfehle ich auch weiter. Wichtig ist noch zu beachten, dass beim Butterfly die Wölbklappen nicht maximal, sondern nur um 45 Grad nach unten gefahren werden. Denn der "Raketenwurm" sackt deutlich durch wenn man die Klappen aus Maximal zurückfährt. Bei der Landung sollte man also damit rechnen oder eben nur 45 Grad als Maximalausschlag nehmen.

Zum Erstflug habe ich angesichts der hohen Streckung eine gewisse Zickigkeit erwartet. Deshalb habe ich mich an den dänischen Dünen erst einmal an die Flugeigenschaften im Segelflug herangetastet. Neutral und sehr spurstabil ging es nach dem Start im Hangflug vorwärts - alles passte. Dann erstmals den Motor eingeschaltet. Zwei Sekunden reichten für 300 Meter zusätzliche Höhe, nach dem Abschalten ging es noch mal 100 Meter weiter. Absolut faszinierend.

Der Start in der Ebene ist ähnlich einfach und kann sogar ohne Helfer erfolgen: Gestartet wird mit Halbgas und zwei Sekunden später mit Umschaltung auf Vollgas. Wenn jetzt jemand meint, da käme Stress auf, hat er sich geirrt. Das geht so unspektakulär vonstatten, dass es eine Freude ist. Es gibt keine Tendenz des Modells von der graden Steigfluglinie abzuweichen. Wir sprechen von Steigraten um die 60 bis 80 Meter/Sekunde. Der "Raketenwurm" steigt schneller als er im Sturzflug zurückkommt. Bei etwa 28 Sekunden möglicher Motorlaufzeit macht das etwa 15 Steigflüge. Da das Modell auch in der Thermik "zuhause" ist, könnte ich faktisch "ewig" mit einem Akku fliegen. Regler, Akku und Motor wurden bei mir etwas mehr als handwarm. Vorheizen sollte man die 1.800er-Zellen auf jeden Fall, auf etwa 45°C. Der Akku wird es mit Langlebigkeit danken.

Wem kann man das Modell nun empfehlen? Nun ja, Wettbewerbspiloten kennen die Qualitäten, auch wenn der "Raketenwurm" in den Kreisen als relativ schwer gilt, was an dem extrem stabilen Flügel liegt. Ich kann nur empfehlen, ein Modell wie den "Raketenwurm" einmal auszuprobieren. Mich wird das Hotliner-Fliegen mit einem so optimalen Modell jedenfalls nicht mehr loslassen.
Volker Kaul
Fotos: Maren Kaul


Fakten

"Raketenwurm" von Stratair
Ein leistungsfähiger Profi-Hotliner

Spannweite: 1.870 mm
Länge: 1.200 mm
Fläche: 27 qdm
Gewicht: 2.000 g
Flächenbelastung: 74g/qdm
Preis: 870,- Euro
Bezug bei Stratair
Tel: 00 43/664/5178282
www.stratair.com


Zum Erstflug ging es auf die dänischen Dünen, doch auch in der Ebene ist der Alleinstart unproblematisch


Die erreichbaren Geschwindigkeiten und Steigleistungen mit dem Antrieb sind enorm - da gilt es sich vorsichtig heran zu tasten


Das Blockdesign auf der Unterseite erleichtert die Lageerkennung erheblich


Die Segelflugleistungen sind neutral und sehr spurstabil, es geht flott voran



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