TECHNIK

Traditionsmodell

Ein "Espenlaub 32" im Eigenbau


Der "Espenlaub 32" war der letzte Entwurf des Segelflugpioniers Gottlob Espenlaub

Gottlob Espenlaubs letztes Segelflugzeugmuster war die "Espenlaub 32". Als bekennender "Holzwurm" hat sich Thomas Schürmann mit einem Nachbau beschäftigt. Und wo fliegt so etwas besser als auf der Wasserkuppe? Doch der Weg bis dahin war nicht leicht.

Keine Vorlagen oder Pläne, lediglich ein Foto und eine kleine Dreiseitenansicht waren meine Hilfsmittel. Das musste reichen, anvisiert habe ich eine Spannweite von 3,6 Metern. Die Dreiseitenansicht habe ich in einem Kopierladen vergrößern lassen, bis sie die Spannweite erreicht hatte und ich damit wenigstens einen Hilfsplan erstellen konnte. Der EQIP-Verlag hatte eine Zeit lang Segelflugkalender mit außergewöhnlichen Fotos aus den Anfängen der Segelfliegerei aufgelegt. In einem dieser Kalender fand ich eine Vergrößerung der Aufnahme aus Peter Riedels Band II "Erlebte Rhöngeschichte 1927-1932". Dieses Foto diente mir als Vorlage für das Erstellen der Außenkonturen des Modells. Auf der Dreiseitenansicht waren die Maße angegeben sowie die Positionen der Flächenstreben und des Pylons zur Flügelbefestigung. Die Höhe des Pylons habe ich von dem Foto mit einem Zirkel abgegriffen und die Maße maßstabsgerecht auf meinen Hilfsplan übertragen. So nahm der Bau seinen Anfang.

Der Rumpf ist im Querschnitt halboval und wird zum Heck hin flacher, um eine breite und sichere Auflage für das Höhenleitwerk zu gewährleisten. Die Rumpfspanten (14 Stück) stellte ich zunächst aus Pappe her und legte die Aussparungen für die Rumpfgurte fest. Die Spanten im vorderen Drittel wurden aus 4-mm-Flugzeugsperrholz, die hinteren aus 4-mm-Pappelsperrholz gefertigt. Den Rumpfkiel stellte ich aus einer 50x30-mm-Kiefernholzleiste her, die ich zum letzten Heckspant immer mehr verjüngte. Da der Rumpf hinter dem Pylon eine leichte Biegung nach unten aufweist, war hier viel Anpassungs- und Schleifarbeit erforderlich. Nach dem Ausrichten des Rumpfgerippes, dem Positionieren der Höhen- und Seitenleitwerke, dem Einbau von Schleppkupplungsservos und dem Installieren der Anlenkungen brachte ich die Beplankung im Klebe-Bügelverfahren auf. Das vordere Drittel erhielt eine Beplankungsstärke von ei- nem Millimeter, das mittlere Drittel von 0,8 Millimeter, das letzte Drittel von 0,6 Millimeter Flugzeugsperrholz. Am besten hat sich das Anschlei- fen der Beplankungsstöße bewährt, das Verkleben mit Weißleim auf die Spanten und anschließendem Festbügeln mit einem Folienbügeleisen (heißeste Stufe).

Höhenleitwerk und -ruder bestehen aus 3-mm-Balsaholzrippen und haben eine schwach symmetrische Ober-und Unterseite. Die gesamte Konstruktion wird von einem 3x3-mm-Kiefernholzrahmen stabilisiert. In gleicher Weise fertigte ich das Seitenruder. Anschließend wur-de alles passgenau verschliffen mit Füllgrund gestrichen und mit Polyesterfaser-Bespann-Vlies bespannt. Dann noch drei Mal mit verdünntem Spannlack gestrichen. Die Seitenruderfinne verstärkte ich mit einer Kiefernholzdiagonalen und doppelte den Abschlussspant mit 2-mm-Flugzeugsperrholz auf, um so eine höhere Torsionssteifigkeit der Seitenruderfinne zu erreichen. Seiten- und Höhenruder wurden mit kräftigen Nylonscharnieren an der Seitenruderfinne, beziehungsweise Höhenruderdämpfungsfläche befestigt.

Vor der Flügelherstellung musste ich mich für ein geeignetes Oldtimerprofil entscheiden. Auf dem Foto konnte ich erkennen, dass es sich um ein Hohlprofil handelte. Die Profildicke war nicht zu erkennen. Da ich das Profilebuch von Helmut Quabeck vorliegen hatte, erschien mir das "HQ/Oldie-2,5/12" (Flächentiefe Wurzel: 332 mm) geeignet - wie sich hinterher herausstellte, die absolut richtige Wahl. Verbunden habe ich beide Flügel mit 11-mm-Flachstahl und 5-mm-Rundstahl als Verdrehschutz. Befestigt ist der gesamte Flügel mit vier 5-mm-Nylonschrauben auf dem Pylon. Die Flügelstreben bestehen aus profiliertem Kiefernholz (20 x 10 mm) und geben der gesamten Konstruktion ausreichende Stabilität.

Aufgebaut habe ich den Flügel in herkömmlicher Weise, auf dem Rücken liegend. Der Oberholm hat eine Dicke von 10 x 8 Millimetern, der Unterholm eine Dicke von 10 x 5 Millimetern. Die ersten fünf Rippen stellte ich aus sechsfach verleimtem 4-mm-Sperrholz her, die restlichen Rippen aus 3-mm-Balsaholz. Die doppelseitige Ver- kastung im vorderen Drittel besteht aus 2-mm-Sperrholz, dann übergehend zu 2-mm-Balsaholz. Die Verkastung habe ich nach dem Trocknen der Leimstellen noch einmal kontrolliert und alle Lücken und Aussparungen mit Weißleim ausgefüllt. Man erreicht so eine hohe Torsionssteifig- keit bei gleichzeitig ausreichender Elastizität. Für D-Box und Rippenaufleimer verwendete ich 2-mm-Balsaholz. Die Endleiste besteht aus 4x8-mm-Kiefernleisten. Nach dem Einbau der Querruderservos und der Bremsklappen habe ich eine Balsaleiste 20 x 20 Millimeter als Nasenleiste verklebt. Nach dem alles gut durchgetrocknet war, habe ich den Flügel grob und dann fein verschliffen.

Nach mehrfachem Anstrich mit Füllgrund rieb ich auf alle Holzteile weißes Bespannpapier mit Spannlack auf und bespannte die Rippenzwischenfelder mit Polyesterfaser-Bespann-Vlies. Dann wurde der gesamte Flügel mit verdünntem Spannlack versiegelt. Die Beplankung des Rumpfes erhielt ebenfalls eine Papierbespannung. Nach der Montage der Fernsteuerelemente legte ich den Schwerpunkt auf 110 Milli- meter hinter der Nasenleiste fest. Ich kam auf ein Abfluggewicht von 5.600 Gramm.

Zum Erstflug ging es auf das 11. Retroplane-Treffen 2015 auf die Wasserkuppe. Ich hängte die Espenlaub kurz entschlossen bei starkem Wind an das Flitschengummi und erntete die Belohnung für den Bau: Alle Einstellungen um sämtliche Steuerachsen stimmten auf Anhieb. Weder die 2,3 Grad Einstellwinkeldifferenz noch der Schwerpunkt mussten korrigiert werden. Lediglich die Querruderausschläge musste ich et- was zurücknehmen. Genauso angenehm und schön wie das Flugbild ist das Fliegen mit dem Oldtimer.

Thomas Schürmann
Fotos: Stefan Siemund, Reinhard Wagner


Fakten

"Espenlaub 32" im Eigenbau
Espenlaubs letzter Entwurf als Modell

Spannweite: 3.600 mm
Länge: 1680 mm
Gewicht: 5.600 g
Fläche: ca. 86,76 qdm
Flächenbelastung: ca. 64,5 g/qdm
Profil: HQ/Oldie-2,5/12


Zu Erstflug ging es auf historisches Terrain: Retroplane 2015 auf der Wasserkuppe

In der Luft zeigt das 3,6 Meter große Modell ein herrliches Flugbild bei hervorragenden Flugleistungen

Auch in der Ebene konnte der Eigenbau im Schleppbetrieb überzeugen und begeistern

Die letzten Einstellarbeiten fanden im Wohnzimmer statt, der Modellständer war dabei eine große Hilfe



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