TEST

Amokka 2002

Ein Nurflügel zum Leistung fliegen

In AUFWIND 3/2017 stellte Peter Wick die Auslegung des Brettnurflügels "Amokka" vor. Frank Fessler von Drops-Factory bietet ihn als Voll-GFK-Modell an. Matthias Rienäcker hat den Hochleister getestet.

Nurflügel üben auf viele Piloten einen gewissen Reiz aus. Dieser rührt vor allem von der speziellen Optik und den teils ungewissen Flugei- genschaften her. Wobei hinsichtlich der Performance das große Vorurteil besteht, dass die Modelle im Vergleich zum klassischen Modell mit Leitwerk immer das Nachsehen haben. Auch bei mir herrschte bis vor gut einem Jahr dieses Bild vor, jedoch konnte Frank Fessler dies mit seinem "Amokka 202" widerlegen.

Das Konzept und die aerodynamische Auslegung des Flügels wurden von Peter Wick entwickelt. Über seine Gedanken und Hintergründe hat er ja bereits in AUFWIND berichtet. Der Rumpf und das Seitenleitwerk wurden von Frank Fessler beigesteuert, als Urmodelle haben hier ein paar Segmente eines "Drops 220" perfekte Dienste geleistet und sich nahtlos in die formschöne Silhouette des Flügels eingefügt. Das Profil ist ein "PW spezial" mit 8,04 Prozent Dicke.

Im vergangenen Spätsommer 2016 konnte ich einen der Prototypen am Hang erleben. Trotz eher schwacher Flugbedingungen zeigte sich schon das Potenzial des Modells. Mein Wunsch nach meinem ersten Nurflügel war geweckt. Bis jedoch der Bausatz Einzug hielt, vergingen noch einige Monate. War doch im Vorfeld noch einiges am Modell zu optimieren. Vor allem die Längenaufteilung von Querrudern und Wölbklap- pen und deren Klappentiefe galt es zu testen und festzulegen. Auch das Erfliegen des optimalen Schwerpunkts nahm einige Zeit in Anspruch, Rückschläge blieben hierbei leider nicht aus.

Letztlich habe ich einen Serienbausatz im Winter erhalten. Geliefert wurde der "Amokka 202" in sauberer Voll-CFK-Bauweise. Der Flügel ist in Doppelcarbon aufgebaut (100 g/qdm), als Stützstoff kommt Airex zum Einsatz. Der Rumpf ist ebenfalls komplett in CFK gefertigt, lediglich die Aufsteckhaube besteht aus GFK. Weiterhin befinden sich passgenau gefräste Ruderhörner und Anlenkungsteile, ein CFK-Verbinder sowie Schutztaschen im Lieferumfang.

Der Ausbau des "Amokka 202" war relativ schnell erledigt und unterscheidet sich nur in wenigen Punkten zu anderen Modellen. In den Tragflächen wurden durchgängig "JR189HV" in Servorahmen mit Gegenlagern von RC-Solution verbaut. Die Option einer LDS-Anlenkung kann beim "Amokka 202" leider nicht umgesetzt werden, da die Rudersteghöhe zu gering ist. So ha-be ich eine klassische Überkreuzanlenkung im Flügel realisiert. Damit ein möglichst großer Servoweg ausgenutzt werden kann, muss die Anlenkung servoseitig soweit wie möglich an den Drehpunkt rücken. Deshalb habe ich das Gestän-ge einseitig abgewinkelt und eine kleine Mutter als Sicherung aufgelötet. Am Ruderhorn wurde ein entsprechender Gabelkopf eingesetzt.

Der Rumpf ist sehr eng geschnitten, sodass wenig Spielraum vorhanden ist. Daher galt es zu Beginn den Ausbau gut zu planen. Als Akku kamen zwei LiIon-Zellen vom Typ 18500 zum Einsatz, mit 18 Millimetern Durchmesser und 50 Millimeter Zellenlänge. Diese Zellen sind noch rela- tiv neu am Markt. Von der Belastbarkeit kommen diese bis jetzt aber noch nicht an die bewährten "18650"-er Typen heran, sind für die Verwendung als Empfängerstromversorgung jedoch ausreichend. Dank der kurzen Zellen konnte das Seitenruderservo so positioniert werden, dass es auch im Nachhinein noch demontierbar ist. Nur bei Verwendung von längeren Zellen müsste es soweit in den Rumpf wandern, dass es dann nicht mehr erreichbar ist.

Das Seitenleitwerk des "Amokka 202" ist mit einer Steckung aus CFK-Rundmaterial versehen und passt im Auslieferungszustand saugend auf den Rumpf. Hier ist es jedem selbst überlassen, ob er dies fest mit dem Rumpf verklebt oder abnehmbar gestaltet. Aus Gründen der Robustheit habe ich mich dazu entschlossen, das Seitenleitwerk dauerhaft mit dem Rumpf zu verkleben. Die Anfertigung und Montage der Anlenkung erfolgte nachträglich. Hier ging es sehr eng zu, da der Rumpf im Heckbereich sehr schmal ist. Es zeigte sich weiterhin, dass es möglich ist eine rückstellgenaue Anlenkung zu fertigen. Jedoch auch, dass der sehr geringe Hebelarm am Seitenruder sowie die nicht unerhebliche Länge des 2-mm-Stahldrahts zwischen Ruderfläche und Kugelgelenk ein "weiches" Ruder schaffen. Daher war schon während des Bauens klar, dass für DS-Fliegen das Seitenruder abgeklebt werden muss. Für alles was vor dem Hang passiert ist die Steifigkeit aber komplett ausreichend.

Final galt es noch etwa 250 Gramm Trimmblei in die relativ kleine Rumpfnase unterzubringen, um den Schwerpunkt auf 38 Millimeter zu bringen. Ohne ein passgenaues Bleistück wird es zudem noch enger im Rumpf. Ich habe daher eine kleine Gießform aus Gips gebaut, um dieses präzise zu fertigen. Das Trimmgewicht wurde dann final in den Rumpf verklebt und bildet gleichzeitig die Aufnahme für den Flitschenhaken. Dieser besteht aus einem Messingrohr mit drei Millimeter Innendurchmesser und einem eingepressten Magneten. In das Blei eingeklebt, kann nun ein 3-mm-Stahlstift ohne Werkzeug montiert werden.

Abschließend wurden noch der Empfänger sowie ein kleiner Zepsus-Magnetschalter im Rumpf untergebracht und die Antennen im Rumpf verlegt. Das Abfluggewicht des "Amokka 202" betrug nun komplett ausgerüstet 1.500 Gramm. Zusätzlich können noch 300 Gramm Ballast schwerpunktneutral im Flügel untergebracht werden.

Mit den vom Hersteller angegebenen Ruderwegen ging es zum Einfliegen an die Flitsche. Da dies mein erster Nurflügel ist, war doch eine gewisse Anspannung vorhanden - allerdings komplett unbegründet: Das Modell verhielt sich sehr angenehm und ließ sich von Beginn an neutral steuern ohne unangenehme Tendenzen. Da recht viel Wind an diesem Tag blies, konnte sogar eine Baumreihe als Aufwindspender genutzt werden. Einzig zum Landen sollte mit dem Nurflügel weiter ausgeholt werden, da die Bremswirkung der Klappen zwar spürbar ist, aber nicht mit der Wirkung an einem F3F-Modell verglichen werden kann. Auch der Schwerpunkt passte vom Start an. Da der Spielraum sehr gering ist, hatte ich hier meine größten Befürchtungen, zu kritisch unterwegs zu sein.

Dermaßen positiv motiviert ging es dann an den Hang. Gegriffen wird das Modell zum Start unter der Tragfläche und kann so in den Wind geschoben werden. Versuche, das Modell am Konus zu greifen und dann zu werfen, endeten zeitweilig in einem Unterschneiden. Erst einmal in der Luft, beginnt der Spaß: Der "Amokka 202" macht genau was der Pilot will, liegt präzise an den Rudern und wirkt dabei nie unruhig. Vor allem die Höhenruderwirkung ist sehr angenehm. Auch die Ruderausschläge passten sehr gut und bedurften nur kleinen Nachjustierungen. Ganz besonders begeisterte mich die Flugdynamik des Modells: Einmal beschleunigt, war der "Amokka 202" nur schwer auszubremsen und ging super durch die Wenden. Die Flächenbelastung von etwa 40 Gramm/Quadratdezimeter zeigt hier ihre Wirkung. Dabei sei jedoch darauf hingewiesen, dass der Flieger ein wenig Hangaufwind benötigt, bis er richtig Spaß macht. Für leichte Bedingungen gibt es sicher optimaleres Material, wenngleich die starke Frühjahrsthermik mehrfach für schöne Flüge gesorgt hat.

Um am Hang immer ein wenig Startüberhöhung zu erreichen, nutze ich die Flitsche. Dabei wird der Flügel in Startstellung gewölbt (Querruder und Wölbklappen, je 1 mm hoch), wodurch der "Amokka 202" entspannt alleine gestartet werden kann. Die gleiche Startmethode kommt bei mir auch beim DS-Fliegen zum Einsatz. Wie schon vor dem Hang, verhält er sich auch dahinter sehr ausgewogen. Er nimmt bereits mit den ersten Kreisen genug Energie auf, um auch bei schwierigen Bedingungen sicher unterwegs zu sein. Eine leichte Flächendurchbiegung ist bei hohen Geschwindigkeiten in der unteren Wende erkennbar, die Grenzen des "Amokka 202" konnten jedoch nicht ausgelotet werden. Das Seitenruder muss aber bei solchen Flügen abgeklebt werden, da sonst die Gefahr des Ruderflatterns besteht. Die 300 Gramm Flächenballast waren bei allen Bedingungen ausreichend.

Kurzum, ich bin vom "Amokka 202" komplett überzeugt, egal ob ich vor oder hinter dem Hang unterwegs war.

Matthias Rienäcker
Bilder: Mario & Kathrin Weichelt


Fakten

"Amokka 2002" von Drops-Factory
Ein leistungsfähiger Nurflügel

Spannweite: 2.020 mm
Gewicht: 1.500 g
Fläche: 37,7 qdm
Flächenbelastung: 40 g/qdm
Preis: ab 780,- Euro
Bezug bei Drops-Factory
Tel.: 0171/6262399
www.drops-factory.com


Eng, knapp und präzise geht es bei der Klappenanlenkung über Kreuz zu

Die im Text erwähnte servoseitige Abkröpfung der Anlenkung mit aufgelöteter Mutter

Der Ausbau des Rumpfes muss gut überlegt sein, auch Trimmblei muss noch hinein

Nurflügel üben doch einen ganz besonderen Reiz aus

Und ab die Post . mit der Flitsche geht es bequem auf Startüberhöhung

In der Luft zeigt sich der "Amokka" wendig und angenehm zu fliegen

Die vier Klappen in Landestellung, dennoch will das Modell flach angeflogen werden



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 5/2017

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