TEST

Acht lange Meter

Der "Duo-Discus (x)T" von Hmodel


Seit 1993 wird der "Duo Discus" produziert, bis heute deutlich über 600 Stück. Auch als Modell erfreut sich der Hochleistungssegler großer Beliebtheit. Udo Meyer hat das Modell von Radim Horky ausgestattet und geflogen, Detlef Esser berichtet.

Leider ist das Modell von Radim Horky aktuell als nicht mehr erhältlich gekennzeichnet. Allerdings gibt es reelle Chancen auf dem Gebrauchtmarkt eines zu erwerben. Auch mein Freund Udo Meyer bekam den "Duo" von einem Kollegen, der eigentlich "nur" alpin unterwegs ist. Das Modell war noch nicht geflogen und leer, jedoch mit "AFT-25"-Triebwerk. Ein Einziehfahrwerk hatte der Vorbesitzer nicht vorgesehen. Deshalb hieß es nachrüsten. Das war dank der Vorbereitung durch Hmodel an einem Nachmittag erledigt.

Da es sich bei bei dem Modell um die ersten Flü-ge in dieser Startart handeln würde, erhielt der "Duo" auch eine Schleppkupplung.

Das Modell war praktisch komplett, es verblieb "nur" der Einbau der Servos und der RC-Anlage. Durch einen beiliegenden Kabelbaum erübrigt sich hier auch die sonst erforderliche, zeitraubende Lötorgie. Die Bauqualität von Hmodel ist bekannt. Hier wird mit modernster Technik und besten Materialien gearbeitet. Das Ergebnis ist einfach nur bestechend! Auch eine bereits aufgezogene Kabinenhaube sowie der Cockpitausbau gehören zum Lieferstandard. Wie schon gesagt, bei diesem Modell beschränkten sich die Bauarbeiten auf die Montage von immerhin 12 Servos. Das dauerte dann durchaus seine Zeit. Alle Servos sind von Hitec: 2x "HS-5085 MG", 2x "HS-5125MG", 2x "HS-5625MG", 4x "HS-5645 MG" und 2x "HS-7955TG". Für das Einziehfahrwerk wurde ein Graupner-Servo "DES 178 BB MG" verwendet. Gebremst wird mit einem "KST DS 125 MG". Der Empfänger ist ein Graupner-"HoTT GR-32", in Verbindung mit einem firmeneigenen GPS-Modul. Die Einstellungen der Ruder- wege oder das Programmieren der Fernsteuerung waren dann doch zeitraubend. Eine professionelle Schwerpunktwaage erleichterte das Auswiegen des Modells erheblich.

Beim Zusammenstecken wurden die Teile dann erst einmal gewogen. Nur um sicher zu gehen, die 25-kg-Grenze nicht zu überschreiten. Die Erleichterung kam sofort. In Summe waren es 19,46 Kilogramm, inklusive Triebwerk und Einziehfahrwerk. Blieb nur noch das Gewicht für Servos, Empfänger und Flugakkus zu kalkulieren. Geregelt wird der Antrieb mit einem YGE-Regler "120HV", versorgt mit 10s-LiPo 5.000 mAh. Separate Empfängerakkus waren nicht eingeplant. Die werden durch ein eigenes 20-A-BEC ersetzt. Zu erwarten waren damit maximal 23,5 Kilogramm. Herausgekommen sind 22,8 Kilogramm - der "Duo-Discus" war schneller flugklar als gedacht. Der Schwerpunkt lag zunächst bei 80 Millimetern hinter der Nasenleiste. Er wurde im Laufe der Flugerprobung aber schrittweise in Richtung "bestes Gleiten" nach hinten verlegt.

Kaiserwetter am Erstflugtag. Ein herrlicher Sommertag, mit schwachen östlichen Winden und moderaten Temperaturen um die 20 Grad. Geradezu perfekt! Als Schlepper stand der Autor mit seiner "Viper SD4" von Schambeck zur Verfügung. Bereits im Vorfeld wussten wir uns leistungsmäßig auf der sicheren Seite. Das sorgt durchaus für Ruhe. Auch war der "Duo-Discus" leicht kopflastig eingestellt.

Also nun anrollen, Seil straffen und ein letzter prüfender Blick. "Vollstrom" - und nach wenigen Metern war das Gespann in der Luft. Die Anspannung wich schnell, der besprochene Flugkurs wurde aufgenommen. In 200 Metern Höhe riss die Schleppöse am Segler. Kein Problem - das war schon hoch genug um erste Trimmrunden zu fliegen. Majestätisch drehte der "Duo" seine Runden. Unser "Chefaerodynamiker" Frank Weinforth las die Informationen des GPS im Display des Senders laut vor. Der "Duo-Discus" bewegte sich im Bereich zwischen 45 bis 90 Stundenkilometern. Optisch erscheint bei diesem Riesenvogel alles recht langsam. Dann Fahrwerk ausfahren und Maßnahmen zur Landung treffen. Die musste über hochstehendem Mais erfolgen. Auch das war kein Problem! Die Störklappen wirkten gut und den Rest machte die Radbremse nach dem Aufsetzen.

Befreiender Jubel! Auf ein Neues: Der Pilot wurde jetzt auf den hinteren Sitz verbannt. Das verlagerte den Schwerpunkt schon mal nach hinten. Der nächste Flug wurde "gebrieft" und los gings! Dieses Mal auf 400 Meter Höhe. Rund 3.000 Milliampere wurden für diesen Schlepp verbraucht - dies nur so am Rande. Mittlerweile stellte sich bei Udo ein nicht mehr tolerierbares breites Grinsen ein. Thermisch ging an diesem Tag sowieso nicht mehr viel. Die Sonne stand bereits tief und auf der Oberfläche des Schleppers bildete sich Feuchtigkeit. Nach fünf Schlepps waren die Akkusätze leer geflogen. Das Triebwerk im "Duo Discus" wurde aktiviert. Das sonore Geräusch des Einblattpropellers war angenehm. Es erinnert an einen gut gedämpften Viertakter. Die Steigleistung war mehr als ausreichend.

Blieb also noch der finale Flug mit Eigenstart: Mittlerweile herrschte Windstille. Der Vorgang ist automatisiert, also "Einknopfbedienung". Los geht's: AFT ausfahren, Motor läuft an, kurze Nickbewegung des Rumpfes und losrollen. Nach 30 Metern war der Vogel "airborne". Herz, was willst du mehr!

Zeit für ein Resümee. Schauen wir mal auf die "Randbedingungen", die ein Modell dieser Art erfordert: Zum einen der finanzielle Spielraum, ganz wichtig sind auch die Räumlichkeiten. Und der Transport ist bei 3,4 Metern Rumpflänge in einem Kombi auch nicht zu stemmen. Da muss schon ein größeres Fahrzeug oder gar ein Anhänger her. Bleibt auch noch ein Flugfeld von entsprechender Größe. Das dürfte jedoch das kleinste Problem sein. Sicherlich schaut sich jeder Modellflieger solch einen Giganten gerne im Flug an - groß fliegt besser und auch länger.

Letztlich machen solche Modelle auch den erreichten Stand der Technik deutlich. Sei es der Materialmix beim Aufbau des Modells, die gewählte (moderne) Profilierung, die eingesetzte Fernsteuertechnik mit Telemetrie oder auch der Antrieb. Deshalb blicke ich auch neidlos - dafür mit viel Bewunderung - auf solche "Leuchtturmprojekte" des Modellfluges und halte sie auch für absolut berichtenswert.

Detlef Esser


Fakten

Acht Meter Großsegler
Der "Duo-Discus" von Hmodel

Maßstab 1:2,5
Spannweite 8.000 mm
Länge 3.400 mm
Gewicht 23 kg
Profil Selig 3/14
Fläche 250 qdm
Flächenbelastung 92 g/qdm
Bezug ehemals bei www.hmodel.cz


Die Außenflügelsteckung mit Torsionsstiften im Detail, alles CFK und von feinster Machart


Die bereits vorbereiteten Servoaufnahmen - alles andere als nur ein Loch


Die selbstverriegelnden Außenflügelanschlüsse über federbelastete Stifte sind ein schönes und sehr nützliches Detail


Detailaufnahme der Leitwerksgruppe. Zu beachten ist das Zackenband vor dem Seitenruder


Das ausgebaute Cockpit im Lieferzustand - wiederum alles vom Feinsten


Die mächtigen und damit auch wirksamen Störklappen im Detail


Ein Blick auf die Seitenruderscharniere und den stabilen Aufbau des ganzen Seitenleitwerks


Alle Details wurden eingehend kontrolliert und bewertet


Der stolze Besitzer Udo Meyer und sein "Gelegenheitskauf"


Frank Weinforth prüft schon mal die Abwurfhaltung für alpines Fliegen


Zum Erstflug ging es hinter den Elektroschlepper "Viper" von Schambeck


Lediglich 3.000 Milliamperestunden waren zum Schlepp auf 400 Meter Höhe notwendig


Die Flugleistungen und -eigenschaften sind bravourös und herrlich anzuschauen


Mit dem "AFT25"-Triebwerk von Schambeck ist ein durchaus vorbildgetreuer Steigflug möglich


Im Endanflug mit vorbildgetreu durchgebogenen Flügeln - so soll es sein



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