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"Libelle" von FW-Models

Ein Klassiker neu aufgelegt


Mit knapp 4,3 Metern Spannwiete ist die "Libelle" ein handlicher Großsegler

Pascal Heil und Matthias Paul haben ein Händchen für beliebte Segelflugmodelle. Dazu zählt sicher auch die "Libelle". Nicht zuletzt aufgrund ihrer handlichen 4,3 Meter Spannweite. Achim Streit hat sich mit dem Gleiter beschäftigt.

Mit der "Standard-Libelle" im Original gelang Ursula und Eugen Hänle vor über 50 Jahren ein ganz großer Wurf. "Der Segler ist im Breiten- und im Leistungssport noch immer beliebt", schrieb die Zeitschrift "aerokurier" in ihrer Ausgabe 2/2018 anlässlich des 50. Geburtstages des Typs. Mit 15 Metern Spannweite gehörte die Glasflügel-"Libelle" mit zu den ersten Voll-GFK-Segelflugzeugen der 15-m-Klasse. Sie ist heute nach wie vor beliebt. Martin Pirker aus Österreich hat auf seiner Webseite eine schöne Samm- lung weltweit fliegender "Libellen" hinterlegt. Er fliegt selbst auch eine (http://libelle.bugwiper.com) - übrigens ist Martin auch Modellflieger. Bei Glasfaser Flugzeug-Service Streifeneder (www.streifly.de) gibt es inzwischen sogar eine Umrüstung einer "Libelle" auf ein modernes Elektro-Klapptriebwerk - manntragend, versteht sich.

Aufmerksam wurde ich auf die "Libelle" als Modellflugzeug erstmals vor fast zehn Jahren. Das geschah durch einen Artikel von Benjamin Rodax und Philip Kolb auf RC-Network.de. Basierend auf einem Rumpf von MTM-Möller im Maßstab 1:3,5 errechneten beide einen recht dünnen Profilstrak. Ihr Argument, "bei der aerodynamischen Auslegung wollten wir versuchen, die Flugleistungen und Flugeigenschaften möglichst nahe an einen F3B Flieger zu bringen." Im Folgenden entstanden einige "Libellen" mit dieser Profilauslegung.

2017 reifte bei mir der Wunsch nach so einem Modell. Der Zufall wollte es, dass zeitgleich Matthias Paul und Pascal Heil von FW-Models eine "Libelle" im Maßstab 1:3,5 in modernster Schalenbauweise auflegten. Spannend war, dass sie sich mit Benjamin Rodax zusammentaten, der mit all der Erfahrung aus den "Spezial-MTM-Libellen" eine moderne aerodynamische Auslegung durchrechnete. Sehr interessant sind seine Abhandlungen in dem zugehörigen Beitrag auf RC-Network.de zur Auslegung. Dank der modernen Voll-CFK-Bauweise konnte der Flügel noch etwas dünner ausgelegt werden, gerade so dünn, dass als Querruderservo noch ein 10-mm-Exemplar in den Flügel passt.

Ich war sofort begeistert. Genau so etwas schwebte mir vor: Eine "Libelle" im Maßstab 1:3,5, beziehungsweise 4,28 Meter Spannweite, in moderner aerodynamischer Auslegung und in stabiler Voll-CFK-Bauweise. Beim Season-Opening 2018 auf dem Wächtersberg konnte man das Modell erstmalig bewundern. Die Lieferung meiner "Libelle" dauerte dann noch bis in den Herbst 2018. Die Jungs bei FW-Models haben erstens echt viel zu tun und zweitens optimieren sie kontinuierlich ihre Produkte. Wie bei FW-Models üblich, gibt es die Modelle nur in einer Steifigkeitsvariante, inzwischen Doppel-Kohle im Flügel. Allerdings kann man zahlreiche Bauoptionen wählen. Ich entschied mich für die bereits aufgezogene und funktionsfertig montierte Kabinenhaube, eine schwarze Flügelunterseite und signalrote Antikollisionsmarkierungen. Dazu sollte meine "Libelle" einen kraftvollen Elektro-Nasenantrieb mit Spinner bekommen. Ich liebäugelte schon lange mit dem neuen 22x14 Zoll großen Scale-Propeller von GM aus Bulgarien. Dieser Propeller hat gebogene Blätter, um sich optimal an bauchige Scale-Rümpfe anzulegen. Das Endergebnis in Bildern spricht für sich.

Die Fertigstellung des Modells erfolgte wie üblich in dieser Größen- und Preisklasse. Im Flügel verbaute ich "KST X10"-Servos, die gerade mal in die Querruderschächte passten. Die Ausfräsungen für die Anlenkung sowie die Ruderhebel waren schon komplett. Bei den Ruderhebeln fertigte ich neue Exemplare aus 2,5-mm-GFK an. Die Ruderhebel sollten auf der Unterschale aufstehen und für eine bessere Kraftverteilung etwas größer sein. Mit Ausmessen der Ruder, einem CAD-Programm und dem guten Freund Henning war dies schnell erledigt. Die entsprechende DXF-Datei kann bei der AUFWIND-Redaktion angefordert werden.

Das Besondere am Höhenleitwerk ist die Lagerung mit einem Vierkant-CFK-Verbinder. Ansonsten erfolgt die Anlenkung direkt von unten mit einem vor Ort montierten "KST X10"-Servo. Das Seitenruder wird per Zug-Zug-Seilanlenkung vorne aus dem Rumpf - ebenfalls durch ein "KST X10"-Servo - angesteuert. Der passende Ruderhebel lag als Zubehör bei, ebenso die beiden GFK-Laschen zur Lagerung des Seitenruders.

Die einzige Herausforderung beim Rumpfausbau gab es ganz vorne - oder anders ausgedrückt: Wie wird etwas Ovales richtig rund? Da ich unbedingt einen Spinner verwenden wollte, musste der stark ovale Rumpfquerschnitt rund werden. Mit einem stabilen Motorspant, viel Geduld und Zurechtdrücken des Rumpfes passte irgendwann alles. Aber Vorsicht: besser zu wenig von der Rumpfnase absägen als zu viel. Am En-de musste ich noch einen 1-mm-GFK-Ring vorne vor den Rumpf kleben, um den perfekten Übergang zum Spinner hinzubekommen. Der Revell-Lack "Weiß Nr. 4" passt präzise zur Farbe des Rumpfes. Von der Form perfekt ist der 42-mm-Scale-Spinner von Schambeck, beziehungsweise Freudenthaler. Damit der von mir einzusetzende GM 22x14 Scale Prop auch absolut perfekt anliegt, reichte der Blattachsabstand des standardmäßig versetzten Mittelteils nicht aus. Hier konn- te Freudenthaler ein etwas größeres Mittelstück liefern. Unter dem herausnehmbaren Akkubrett kam das Schleppkupplungsservo zum Liegen. Wobei die Schleppkupplung einfach aus einem eingeklebten Bowdenzugaußenrohr, einem 2-mm-Bowdenzug mit einer passenden Schlitzöffnung genau unter dem Motor besteht. Da vom Werk aus die Kabinenhaubenentriegelung vorne an der Kabinenhaube sitzt, habe ich eine passen-de Seilumlenkung gebaut. So kann ich klassisch von der Endleiste der Rumpf-Flügel-Anformung die Kabinenhaube entriegeln.

Zum ersten Mal wollte ich einen "Anti-Collision-Light"-Blitzer (kurz: ACL) einbauen. Bei Herstellern suchte ich vergeblich nach einer für mich akzeptablen Lösung. Inspiriert wurde ich schließ- lich durch einen Beitrag auf RC-Network: Zehn Watt starke 12-Volt-LEDs fand ich bei ebay, vier Stück für fünf Euro. Nun fehlte nur noch eine Blitzerelektronik. Die österreichische Firma Unilight hat mit dem "Black 1" eine komfortable Ein-Kanal-Blitz-Elektronik für 25 Euro im Programm. Ihre elektrische Daten waren vielversprechend: bis 16 Volt und fünf Ampere Spitze. Daher sieht die Lösung nun wie folgt aus: vier der 10-Watt-High-Power-LEDs werden parallel geschaltet, sodass sich an einem 3s-LiPo ungefähr 3,6 Ampere errechnen lassen. Perfekt für den kurzzeitigen Blitzerbetrieb. Somit brauchen die LEDs auch keinen Kühlkörper. Der hätte auch im Wölbklappen-Servoschacht keinen Platz mehr gehabt. Ich kleb- te die LED einfach mit doppelseitigem Klebeband auf ein 0,8-mm-Sperrholzplättchen. Das wieder-um direkt auf dem Wölbklappenservo zum Liegen kam. Natürlich wurden Servo und die LED- Einheit noch jeweils mit Kaptonband isoliert. Mit passenden Öffnungen im Servodeckel hatte ich nun einen kompakten 40-Watt-ACL-Blitzer für gerade mal 30 Euro und etwas Lötarbeit.

Kurz etwas zum Elektroantrieb: Ich wollte viel Leistung, um auch sicher aus der Hand starten zu können. Schon seit einigen Modellen habe ich gute Erfahrung mit Hochvolt-Antrieben gemacht, also Spannung rauf, Strom runter. Das bringt Effizienz und spart Gewicht. Verbaut ist nun ein Leomotion-"L4031-900" an einem 6,7:1-Getriebe, dem besagten 22-x-14-Zoll-Scale-Propeller und zwei 12s-LiPo 2.600 mAh 35C von Mylipo.de. Geregelt wird alles mit einem "YGE 90 HVT". Damit ergaben sich später im Flug folgende Leistungsdaten: circa 45 Volt unter Last von 55 Ampere. Somit rund 2,2 Kilowatt elektrische Eingangsleistung und ein mehr als ausreichendes Steigen. Mein Plan war aufgegangen!

Vor dem Erstflug habe ich noch den Schwerpunkt auf die vom Hersteller angegebenen 80 Millimeter (Modell ohne Flügel) sowie Ruderausschläge eingestellt. Der erste Start erfolgte im F-Schlepp hinter dem "Eco-Boomster" von Philipp Gardemin und war völlig problemlos. Schon beim Erstflug zeigte die "Libelle" ihren Charakter und ihre Profilauslegung. Das Modell gleitet effizient bei hoher Geschwindigkeit, kann aber auch in enger Thermik sehr gut gekreist werden. Es zeigt typische Großseglereigenschaften bei nur 4,3 Metern Spannweite. Dies ermöglicht großräumiges Fliegen, was dank der guten Silhouette, der Signallackierung und den ACL-Blitzern - die man noch in mehr als 500 Metern Höhe sieht - problemlos möglich ist. Das Umschalten zwischen den Phasen "Normal", "Thermik", "Thermik2" und "Speed" ist völlig pro- blemlos. Ansatzlos beschleunigt die "Libelle" bei leicht entwölbtem Profil und nimmt rasant Fahrt auf, die sie aber auch wieder exzellent in Höhe umsetzen kann. Große Abwindfelder könnten in Normalstellung rasch und ohne allzu großen Höhenverlust durchflogen werden. In "Thermik2"-Stellung kann man wunderbar eng auch kleinste Bärte auskurbeln. Die Tragfläche ist nicht bretthart wie bei einem F3B-Modell. Man sieht sie bei schnellen Überflügen oder bei Lastwechseln etwas arbeiten, vermittelt aber stets absolutes Vertrauen. Inzwischen gibt es Videos im Netz, wo die FW-Jungs ihre "Libelle" mit Jet-Antrieb richtig hart rannehmen.

Abschließend habe ich den Schwerpunkt noch etwas nach vorne optimiert. Sonst gleitet das Modell mit den angegebenen 80 Millimetern zwar rasant, geht aber doch etwas zu spitz, insbesondere in schwacher Thermik. Letztlich fliege ich einen gemessenen Schwerpunkt des gesamten Modells (!) von 88 Millimetern, gemessen mit einer Teil-Q Schwerpunktwaage. Ach ja, die Handstarts sind an Problemlosigkeit kaum zu überbieten. Die Gesamtauslegung mit dem Antrieb stimmt einfach perfekt.

Kurzum, die "Libelle" ist ein Klassiker, der sich vom üblichen "T-Leitwerks-Allerlei" angenehm heraushebt. Durch die moderne Profilierung ist das Modell leistungsstark und thermikhungrig. Durch die hochfeste Doppel-Kohle-Bauweise hat FW-Models eine wahre Spaßmaschine geschaffen. Sie treibt dazu an, mit Thermik gewonnene Höhe in rasante Überflüge zu verwandeln.

Achim Streit
Fotos: Philipp Gardemin, Achim Streit



Fakten

"Libelle2 von FW-Models
Ein handlicher Großsegler

Spannweite 4.280 mm
Länge 1.810 mm
Gewicht 6.390 g
Fläche 77,2 qdm
Flächenbelastung 82,8 g/qdm
Profil Rodax
Preis: auf Anfrage
Bezug bei FW-Models
Tel.: 07256/4807
www.fw-models.de


Die elegante Linienführung des Originals wurde von FW-Models perfekt nachgebildet


Der schwimmend gelagerte CFK-Verbinder hält auch zügigen Flugmanövern stand


Die perfekt gemachte Kabinenhaube kann bei FW-Models aufgezogen bestellt werden


Der 12s-LiPo sitzt weit vorne, knapp hinter dem Motor. Platz ist genügend vorhanden


Auch nach dem Erstflug wurde mehrfach noch im F-Schlepp gestartet. Stabil folgt die "Libelle" dem Schlepper


Im Segelflug zeigt sich die "Libelle" von ihrer besten Seite


Die Flugleistungen und -eigenschaften machen Spaß und bieten viel Abwechslung


Mit den großen Klappen sind kurze Landeanflüge möglich



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