TECHNIK

Alles geregelt

Die Multiplex-Reglerserie im Praxistest


Milan Lulic ist den Lesern von Modellbauzeitschriften als technikversierter Fachmann bekannt. Ab sofort schreibt er exklusiv in AUFWIND und startet seine journalistische Arbeit mit einer Vorstellung der "Roxxy BL-Control S-BEC Controller"-Serie von Multiplex.

Multiplex hat für Flächen- und Hubschraubermodelle neue Regler im Programm. Sie sind mit getaktetem BEC ausgerüstet und können dementsprechend mit bis 4s- beziehungsweise 6s-LiPos genutzt werden. Die Serie ist in ihren Leistungsdaten gut gegliedert. So stehen Regler mit 15, 20, 55 und 80 Ampere zur Auswahl. Lediglich ein 40-Ampere-Exemplar würde diese "BL-700" genannte Serie gut ergänzen. Alle wichtigen Parameter können über den Sender oder mit dem Universalgerät "MultiMate" programmiert werden.

Der "BL-715 S-BEC" wiegt nur neun Gramm und kann 15 Ampere (kurzzeitig: 25 A) liefern. Er ist mit einem S-BEC ausgerüstet und stellt etwa zwei Ampere für die Empfängerstromversorgung zur Verfügung. Er kann somit bis zu 4s-LiPos hin eingesetzt werden. In dem kleinen Controller arbeitet ein "Atmega 8 Micro"-Prozessor, der auch die sechs Leistungs-MOS-FETs ansteuert. Für Akku- und Motor-Anschlüsse sind Silikonkabel vorhanden, akkuseitig mit BEC-Buchse und motorseitig mit 2-mm-Goldbuchsen ausgestattet.

Der "BL-720 S-BEC" arbeitet mit sechs MOS-FETs, die einen Motorstrom von 20 (kurzzeitig: 30 A) liefern können. Die Leistungs-MOS-FETs werden von einem entsprechend groß dimensionierten Alukühlblech gekühlt. Auf der anderen Platinenseite befinden sich der "Atmega 8 Micro"-Prozessor, eine SMD-Wandlerspule und die restlichen Bauteile. Das S-BEC stellt Strom von drei Ampere zur Verfügung. Der Controller kann bis zu 4s-LiPos eingesetzt werden. Für Akku- und Motor-Anschlüsse sind zudem Silikonkabel mit einem Querschnitt von 15 und 16 AWG angelötet. Akkuseitig sind die Kabel mit dem Multiplex-M6-grünen Hochstromstecker und motorseitig mit 3,5-mm-Goldbuchsen versehen. Der Regler ist zudem mit zwei 220-µF-Stützelkos (35 V), und das Empfänger-Anschlusskabel mit einem Ringkern-Entstörfilter ausstaffiert.

Der "BL-755 S-BEC" ist ein 55-Ampere-Regler auf zwei Platinen. Auf der Leistungsteil-Platine sind die Leistungs-MOS-FETs positioniert und werden mit entsprechend groß dimensionierten Alublechen gekühlt. Er liefert einen konstanten maximalen Motorstrom von 55 Ampere, kurzeitig auch bis 70 Ampere. Auf der zweiten Platine befinden sich der "Atmega 8 Mikro"-Prozessor, eine große SMD-Drossel für das S-BEC, der 5-Volt-Spannungsregler für die Elektronik und die restlichen Bauteile. Das S-BEC liefert einen Dauerstrom von vier Ampere (peak: 7 A) und kann bis hin zu 6s-LiPos eingesetzt werden. Für Akku- und Motor-Anschlüsse sind Silikonkabel mit einem Querschnitt von 12 und 13 AWG angelötet. Akkuseitig sind die Kabel mit einem Multiplex-M6-Hochstromstecker und motorseitig mit 3,5-mm-Goldbuchsen versehen. Der Controller ist mit zwei 470-µF-Stützelkos (35 V) ausgestattet.

Auch der "BL-780 S-BEC" ist auf zwei Platinen aufgebaut. Auf der Leistungsteil-Platine sind 24 Leistungs-MOS-FETs (Bauform: D2Pak) positioniert und mit einem groß dimensionierten Alukühlblech von zwei Millimetern Dicke versehen. Der Controller liefert einen konstanten maximalen Motorstrom von 80 Ampere, kurzeitig auch bis 90 Ampere. Auf der zweiten Platine befindet sich der "Atmega 8 Micro"-Prozessor, eine große SMD-Drossel für das S-BEC, drei C-MOS Treiber ICs und die restliche Elektronik. Die Leistungsstufen werden vom Micro-Prozessor über drei Leistungstreiber ICs angesteuert. Das getaktete BEC stellt einen Nennstrom von sieben Ampere (peak: 10 A) zur Verfügung und kann bis hin zu 6s-LiPos eingesetzt werden. Für Akku- und Motor-Anschlüsse sind Silikonkabel mit einem Querschnitt von 12 AWG verfügbar. Motorseitig sind die Kabel mit 3,5-mm-Goldbuchsen versehen. Akkuseitig sind die Kabel blank, so kann jeder Benutzer ein favorisiertes Stecksystem verwenden. Der Controller ist mit drei 390-µF-Stützelkos (35 V) ausgerüstet.

Zuerst wurden alle vier Regler vermessen und mit dem "MultiMate"-Gerät programmiert. Dabei konnten folgende Parameter eingestellt werden: Bremse (ein oder aus), Unterspannungsabschaltung für Nixx- und LiPo-Akkus, Motoranlaufverhalten (Soft oder Standard), Timing (automatisch, 7 Grad oder 22-30 Grad), Taktfrequenz (8 kHz und 16 kHz), Motorabschaltart (Leistungsreduzierung oder Motor abschalten), Motorlaufrichtungsumkehr (ein oder aus) und Modelltyp: Flächenmodell oder Hubschrauber (Governor Mode).

Am Motorenprüfstand wurden dann die ersten Tests über Anlauf und Regelverhalten absolviert. Mit mehreren Außenläufern (12- und 14- Poler) auch bei plötzlichen Lastwechseln oder schnellem Start auf Vollpower, kamen die Regler nicht aus dem Takt. Alle hier vorgestellten Exemplare haben ein gutes Anlauf- und Stellverhalten wie auch gute Knüppelweg-Nutzung und -Linearität.

Alle vier Regler haben eine automatische Erkennung der Zellenzahl bei LiPo-Akkus. Die Abschaltung, beziehungsweise Abregelung erfolgt bei 3,3 Volt pro Zelle. Wie auf dem Diagramm 3 gezeigt, regelt der Unterspannungsschutz genau bei 9,9 Volt (3s-LiPo-Akku) die Motorleistung zurück. Da die Regler keine Einzelzellenüberwachung haben, ist es ratsam, gleich nach erkennbarer Motorleistungsreduzierung den Antrieb auszuschalten und die Landung bald einzuleiten. Unser LiPo-Akku muss ja noch den Empfänger und die Servos mit Strom versorgen.

Wir haben auch das S-BEC getestet - hier beispielhaft den 55-A-Regler. Das S-BEC haben wir vier Ampere belastet. Bei einer Eingangsspannung von 20 Volt, einer Leerlaufspannung des S-BECs von 5,57 Volt und einer etwa 60 Sekunden langen Dauerbelastung von 4,1 Ampere, wurde eine konstante Spannung von 5,4 Volt gemessen (Spannungsverlust: 0,17 Volt). Nach etwa 60 Sekunden wurde am S-BEC eine Temperatur von maximal 29 Grad gemessen. Bei weiteren kurzen Belastungsimpulsen von sieben Ampere, brach die Spannung nur auf 5,25 Volt ein - also alles im grünen Bereich. Dargestellt im Diagramm 1.

Im Diagramm 2 haben wir noch das S-BEC des 80-A-Controllers abgebildet. Bei einer Eingangsspannung von 20 Volt, einer Leerlaufspannung des S-BECs von 5,45 Volt und einer etwa 60 Sekunden langen Dauerbelastung von sieben Ampere (Nennstrom) wurde eine konstante Span- nung von 5,1 Volt gemessen (Spannungsverlust: 0,35 Volt). Nach etwa 60 Sekunden wurde am S-BEC eine Temperatur von maximal 30 Grad gemessen. Bei weiteren kurzen Belastungsimpul- sen von 9,8 Ampere brach die Spannung auf 4,96 Volt (0,49 Volt Spannungsverlust) ein, noch immer im sicheren Bereich. Der Spannungsabfall entsteht bei solchen Strömen hauptsächlich am Empfänger-Anschlusskabel (JR-Stecker). Direkt am Controller wurde ein Spannungsabfall von nur 0,15 Volt gemessen.

Im praktischen Betrieb haben alle vier Regler ohne Ausfälle und Beanstandungen funktioniert. Sie stellen dem Benutzer die notwendigen einstellbaren Funktionen und Parameter zur Verfügung und sind gut für Elektroflugmodelle geeignet. Auch die Lipo-Abschaltung funktioniert gut und zuverlässig, der fixe Unterspannungs-Wert ist gerade noch im sicheren Bereich. Es sind professionell gefertigte Controller. Mit ihren Daten und ihrer Performance entsprechen sie dem heutigen Standard. Berücksichtigt man die Leistung, die Features, den gewohnt guten Multiplex-Service und Preis, dann stimmt das Verhältnis.

Milan Lulic


Die obere Platine des "BL755"-Reglers mit "Atmega 8"-Mikroprozessor, großer SMD-Drossel für S-BEC, 5-Volt-Spannungsregler für Elektronik Versorgung sowie die restlichen Bauteile. Unten auf dem Bild die Leistungsteil Platine mit 18 Power-MOS-FETs


Der "BL-755"-Regler in der Seitenansicht: Die obere Leistungsteilplatine ist von beiden Seiten mit Alukühlblechen für optimale Kühlung bestückt


Die Programmierung des "BL-755 S-BEC" funktioniert mit dem MultiMate einfach und zügig


Im Menü Nr. 7 des MultiMate können für die Regler alle Parameter eingestellt werden


Diagramm 1: Der "Roxxy BL-755 S"-BEC-Test mit einem Nennstrom von etwa vier Ampere und kurzen Stromspitzen von sieben Ampere


Diagramm 2: Der "Roxxy BL-780 S"-BEC-Test mit einem Nennstrom von sieben Ampere und kurzen Stromspitzen von etwa zehn Ampere


Diagramm 3: Die Arbeitsweise des Unterspannungsschutzes beim "Roxxy BL-755" mit einem 3s-LiPo-Akku



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