TECHNIK

Briegleb 12 A

Ein US-amerikanischer Oldtimersegler


Herbert Eberbach belegte mit seinem Modell den vierten Platz im AUFWIND-Bauplanwettbewerb 2010.

Herbert Eberbach belegte mit seinem Nachbau den vierten Platz im AUFWIND-Bauplanwettbewerb 2010.

Der Bauplanwettbewerb kam wie gerufen, er gab mir den letzten Anstoß um das seit langer Zeit immer wieder angedachte Projekt, die "Briegleb 12 A", zu realisieren. Ich würde mich nicht als ausgesprochenen "Scale-Freak" sehen, sondern lege den Schwerpunkt auf maßlich korrekte, aber nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitete Segler. Das Modell muss - vor allem in der Luft - "richtig" aussehen. Dies bedeutet aber auch gleichzeitig, dass ich einen zeitlich begrenzten Arbeitsaufwand anstrebe und dabei auch gerne Flugzeugtypen wähle, die von den Flugplätzen nicht jedermann zur Genüge bekannt sind.

Die "Briegleb 12 A" ist ein hierzulande fast völlig unbekanntes Selbstbauflugzeug aus den USA, für das auch das Internet nur spärliche Informationen liefert. Somit blieb als wesentliche Quelle nur die Segelflugzeug-Enzyklopädie "Segelflugzeuge 1945 - 1965" von Martin Simons übrig, aus der ich die Dreiseitenansicht zur Konstruktion des Modells herangezogen habe. Im Begleittext wird im Buch aus- drücklich darauf hingewiesen, dass der Konstrukteur William G. Briegleb im Jahre 1956 ganz bewusst die Konstruktion als "Fortsetzung des Flugmodellbaus" ausgelegt hat, indem er zum Beispiel die Rippen nicht einzeln aufgebaut hat, sondern aus Sperrholz "aus dem Vollen" sägen ließ. Zudem wurde die Rechteck-Trapez-Fläche platzsparend dreiteilig (später auch zweiteilig) aufgebaut. Aber auch viele andere Einzelheiten kommen dem Modellbauer recht bekannt vor. Soweit Bilder verschiedener Flugzeuge zu finden waren fiel mir auf, dass - typisch für den Selbstbau - eine ganze Reihe von Modifikationen an den verschiedenen Flugzeugen zu erkennen war. So war zum Beispiel der Rumpfrücken in der Ansicht bei Simons leicht gewölbt, während andere Varianten einen geraden Rücken zeigten.

Als Vorlage für mein Modell habe ich eine "arbeitssparende" Mischung gewählt, mit einer vorbildgetreuen Farbgebung, die auch mit Folie einfach zu realisieren war.

Alle diese Gesichtspunkte schienen mir sehr gut mit einer der Intentionen der Wettbewerbsausschreibung, nämlich der Förderung eines Einstiegs in den Holzmodellbau, überein zu stimmen. Im Maßstab 1:5 ergab sich als Spannweite genau die geforderten drei Meter und mit der Flächenteilung entstand ein kompaktes Modell, dessen längstes Packmaß - der Rumpf - auch nur 132 Zentimeter lang ist. Weiterhin ist sehr praktisch, dass das Original über groß dimensionierte Wölbklappen im Mittelflügel verfügt, die zur Landung weit nach unten ausgeschlagen wurden. Der Einbau komplizierter Bremsklappen konnte somit eingespart werden und für den Modellnachbau erlaubt es die Nutzung der Butterfly-Funktion. Die Tragfläche wird, dem Original eben- falls entsprechend, von oben auf dem Rumpf mit M4-Nylonschrauben verschraubt, was vor allem beim Hangflug bei einer nicht so geglückten Landung hilfreich sein kann. Die mit einem Magneten gehaltene Kabinenhaube kann sich dann ebenfalls ohne Schaden lösen.

Der häusliche Computer ist für mich ein äußerst hilfreiches Gerät, aber kein (modellbauerischer) Selbstzweck, was nach wie vor dazu führt, dass mir die praktische Seite von CAD ein Buch mit sieben Siegeln ist und bleibt. Die Umsetzung der Dreiseitenansicht in einen Bauplan geschah also "nach alter Väter Sitte" mit Kopierer, Papier, Zirkel, Dreieck und Lineal und ist in AUFWIND 6/2010 schon ausführlich beschrieben.

Der Bau des Modells selbst ist recht einfach und auch von Modellbauern gut zu bewerkstelligen, die noch nicht in alle Tiefen der Materie eingedrungen sind. Die voll beplankten Flächenteile werden zunächst separat jeweils auf der unteren Beplankung aufgebaut, wobei das gut beleumundete Allroundprofil "S-3021" mit seiner geraden Unterseite die Arbeit sehr erleichtert. Die Steckungen für die Fläch- enteile werden vor Anbringen der oberen Beplankung so eingesetzt, dass die obere Seite der Tragfläche gerade fluchtet.

Der Rumpf kann ohne Helling oder ähnlichen Hilfsmitteln auf dem Rücken aufgebaut werden. Die hinteren Rumpfseiten lassen sich auch jeweils in einem Stück beplanken, nur vorne muss man mit Balsastreifen arbeiten. Für den Rumpf-, beziehungsweise Cockpitübergang zur Fläche muss das Flächenmittelteil allerdings komplett sein, um dort den oberen Teil des hinteren Cockpitspants ankleben zu können. Für den Nasenklotz gibt es Spanten in der Kontur von Seitenansicht und Draufsicht, was dann die Bearbeitung der Balsafüllstücke erleichtert. Letztlich fand ich in dem sehr umfangreichen Angebot der Firma Topp-Rippin (www.rc-tronics-topp-rippin.de) die Kabinenhaube der 4- beziehungsweise 4,2-m-"Ka-6E", aus der ein Ausschnitt sehr gut auf den Rahmen der "Briegleb" passte. Die Positionierung der "0-Euro-Schleppkupplung" wurde mit Bedacht weit unten gewählt und garantiert sehr unkritisches Verhalten im Schlepp.

Das ganze Modell wurde schließlich mit "Oracover"-Folie bebügelt. Die Bereiche in roter Farbe sind ebenfalls aus Folie, wobei die Herstellung der Konturen auch im genannten Artikel beschrieben wurde.

Das Gesamtgewicht beträgt 2.528 Gramm, was sich mit einer absichtlich "großzügigen" Materialauswahl erklären lässt: Die Flächenbeplankung ist mit 1,5 mm Balsa zwar im "Normalen", aber der Rumpf ist mit Kiefernleisten, Pappelsperrholzspanten und einer 2,5 mm Beplankung recht "handfest" geworden und erlaubt dem Nachbauer einige Einsparungen, die aber auch mit der geplanten Einsatzart abgeglichen werden sollten. Hier habe ich an unser immer windiges, norddeutsches Wetter und an einen Einsatz am Hang gedacht.

Der Erstflug fand im F-Schlepp statt und war auf Anhieb ohne Probleme, nachdem der Schwerpunkt mit dem einfachen Programm "WinSchwer V2.2" aus dem Internet bestimmt und die Einstellwinkeldifferenz (EWD) auf 1,5 Grad eingestellt war. Das Modell ist für einen einigermaßen routinierten Piloten fliegerisch einfach zu beherrschen, wobei die nicht vorhandene V-Form keine Einschränkung bedeutet. Die Gesamtflächenbelastung ist mit circa 43 g/qdm für diese Modellgröße im mittleren Bereich, aber mit einem kleinen Wölbklappenausschlag lässt sich die (Kurven-)Geschwindigkeit deutlich herabsetzen. Die Steuerung des Landeanflugs ist angesichts der großen Klappen natürlich hervorragend und sollte am Hang sehr hilfreich sein.

Herbert Eberbach
Fotos: Herbert Eberbach, Alexander Fromm


Mit einem kompletten Satz Unterlagen wurde die Bewertung des Modells begleitet.


Der "Briegleb 12 A" ist ein hierzulande sehr selten gesehener Flugzeugtyp.




Rumpf und Tragfläche werden klassisch in Spanten- beziehungsweise Rippenbauweise mit Beplankung aufgebaut.


Der Cockpitbereich bietet auch genügend Platz für einen kleinen Ausbau.


Der Konstrukteur William G. Briegleb hat im Jahre 1956 ganz bewusst die Konstruktion als "Fortsetzung des Flugmodellbaus" ausgelegt.


Der Konstrukteur William G. Briegleb hat im Jahre 1956 ganz bewusst die Konstruktion als "Fortsetzung des Flugmodellbaus" ausgelegt.



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