TECHNIK

Starker Begleiter

Der Doppellader "Multicharger X2 400" von Hitec


Der "Multicharger X2 400" bietet zwei Ladegeräte in einem Gehäuse mit jeweils bis zu 400 Watt Leistung

Seit ich LiPo-Flugakkus benutze, habe ich auf das Ladeschlussbalancing von Einzelzellen gesetzt. Das heißt, das ganze LiPo-Pack wurde mit einer vom Ladegerät unabhängigen Einzelzellenüberwachung geladen. Erreichte dabei eine Zelle die 4,2 Volt, versuchte der Balancer mit einem Entladestrom von wenigen hundert Milliampere die Voltzahl auf dem Wert zu halten. Das hat auch recht gut über die Jahre funktioniert, doch optimal war das nicht. Vor allem bei Akkupacks mit stark driftenden Einzelzellenspannungen wurden manchmal ein oder zwei Zellen schon balanciert, während der Lader noch mit voller Leistung und mehreren Ampere lud. Das konnten die kleinen Balancer nicht schaffen, Überladungen einzelner Zellen waren die Folge. Die Lösung des Problems konnte daher nur ein Ladegerät sein, das die Akkupacks während des Ladevorgangs balanciert.

Lange habe ich nach einem neuen Gerät gesucht. Meine Mindestanforderungen zwei Ladeausgänge, integrierte Balancer und eine Ladeleistung von deutlich über 150 Watt. Und dann war das natürlich auch eine Preisfrage - ich setzte mir vertretbare 200,- Euro als Maximum. Erst mit der Vorstel- lung des "Multicharger X2 400" von Hitec im vergangenen Sommer fand ich mein neues Gerät: Zwei getrennt voneinander arbeitende Ausgänge mit jeweils (!) maximal 400 Watt Ladeleistung für bis zu sechszellige LiPo-, LiIon- und LiFe-Akkus sowie bis zu 15 NiCd- und NiMh-Akkus und Bleiakkus bis 20 Volt. Maximal 20 A Ladestrom sind möglich, entladen wird mit maximal fünf Ampere und balanciert wird mit 200 Milliampere pro Zelle. Genau genommen sind es zwei Ladegeräte in ei-nem Gehäuse. Bis auf die Stromversorgung haben sie keine weitere funktionelle Gemeinsamkeit.

Der Lieferumfang des "Multicharger X2 400" ist komplett mit fest installiertem 12-Volt-Anschlusskabel mit Goldsteckern und Batterieklemmen, drei konfektionierten Ladekabeln mit Krokodilklemmen, Deans-Steckverbindung und Multiplex-Hochstromstecker sowie zwei Balancer-Adapterplatinen "MPX/ TP/FP" und "HP/PQ". Eine deutsche Bedienungsanleitung rundet das Ganze ab. Sie enthält auch eine Tabelle der maximal möglichen Lade- und Entladeströme für alle Akkutypen und -größen - sehr übersichtlich und informativ!

1,21 Kilogramm wiegt das modern gestaltete und angenehm dunkel colorierte Gerät. Warum ich die Farbe erwähne? Nun, ich hatte schon Ladegeräte angeschaut, die von der Farbgebung her auch ins "Playmobil"- oder "Barbie"-Sortiment gepasst hätten. Im Gesamten vermittelt der "Multicharger X2 400" einen stabilen und robusten Eindruck - ganz im Gegensatz zu so manchem "Plastikgerät" aus dem billigen Fernosthandel. Die Anschlüsse für die Lade- und Balancerkabel befinden sich jeweils seitlich am Gerät. Die Balanceranschlüsse im Gerät sind universell mit einem Pin-Abstand von 2,54 Mil- limetern ausgeführt. Hier können die meisten Balancerkabel direkt eingesteckt werden, auch wenn sich die Verwendung der mitgelieferten Adapterplatten unbedingt empfiehlt.

Die zwei blauen, zweizeiligen Displays sind beleuchtet, gut ablesbar und spiegeln nicht. Bedient werden die Ladevorgänge über jeweils vier Drucktasten, die über einen deutlichen Tastendruck zu bedienen sind. Deren Bestätigungston lässt sich in den Softwareeinstellungen abstellen. Das kommt jenem Modellbauer entgegenkommt, der etwa am Abend noch seine Akkus pflegen oder für den nächsten Flugtag laden will, ohne den Rest der Familie aufzuwecken. Übrigens lässt sich hier in den Softwareeinstellungen auch die akustische Signalisierung des Ladeendes abstellen. Auch die zeitlichen, sowie kapazitiven Ladebegrenzungen lassen sich hier einstellen. Werkseitig sind zwei Stunden Ladezeit und 5.000 Miilliamperestunden Ladekapazität eingestellt. Letzteres hat mich - angesichts eines testweise angeschlossenen LiPo-Akkus mit 6.500 Milliamperestunden - gleich zu Beginn mal vor ein Rätsel gestellt, bis ich das einstellbare Feature in der Anleitung nachgelesen habe. Auch eine Temperaturüberwachung ist integriert. Anhand von Temperaturfühlern am Akku werden die Temperaturwerte sowohl des Ladegeräts wie auch des angeschlossenen Akkus angezeigt. Entsprechende Maxi- malschwellen sind einstellbar.

Auf die Behandlung von NiCd- und NiMh-Akkus will ich an dieser Stelle nicht eingehen, denn Geräte wie der "Multicharger X2 400" von Hitec richten sich eindeutig an die Benutzer moderner Akku- technologien - die Lademöglichkeiten von NiCd-, NiMh- und Bleiakkus sind da eher als "Beiprodukt" zu sehen.

Jetzt aber zur Praxis: Ein sehr positives Feature ist der sogenannte LiPo-Monitor. Mit ihm lassen sich per Knopfdruck wahlweise die Gesamtspannung des angeschlossenen Akkupacks - mit Anzeige der niedrigsten und höchsten Einzelzellen- spannung und den einzelnen Spannungen - Zellen anzeigen, ohne dass gleich geladen wird. Die Ladeeinstellungen von bis zu zehn Akkus pro Ausgang lassen sich speichern und bei Bedarf abrufen. Für Piloten mit vielen verschiedenen Akkus ist dies ein Plus an Komfort und Sicherheit! Hier kann übrigens auch die Ladeschlussspannung von Lithium-Akkus eingestellt werden - auf eigene Gefahr, wie in der Anleitung betont wird!

Zum Laden selbst wird in der Anleitung dringend empfohlen grundsätzlich den "Balance-Mode" zu verwenden, bei dem die Einzelzellen balanciert werden. Dieser Empfehlung schließe ich mich voll und ganz an! Darüber hinaus gibt es aber noch den "Charge Mode" zum Laden ohne Balancerfunktion sowie den "Fast Mode", bei dem die effektiv geladene Kapazität etwas geringer, aber die Ladezeit wesentlich verkürzt wird. Es wird auf die letzten paar Prozente bis zur Voll-Ladung verzichtet, was vor allem Vielfliegern entgegenkommt. Bis der Ladevorgang jedoch startet, müssen ein paar Einstellungen vorgenommen werden: Der Ladestrom kann in 0,1-Ampere-Schritten eingestellt werden, ebenso muss die Zellenzahl gewählt werden. Und dann heißt es nur noch "Start" drücken. Es folgt eine nochmalige Aufforderung zur Bestätigung der vom Ladegerät erkannten Zellenzahl, und los geht's. Mit dem jeweiligen Drücken der "Plus"- und "Minus"-Tasten kann nun zwischen der Anzeige von Gesamtspannung und Ladedaten sowie den sechs Einzelzellenspannungen hin- und her geschaltet werden. Lädt man im "Balance-Mode", ist die Angleichung der einzelnen Zellen schön zu beobachten. Ist der Akku voll, gibt es ein angenehmes, nicht aufdringliches Tonsignal - das war's.

Eine der weiteren Funktionen, aber eine sehr wichtige, für den Benutzer von LiPo-, LiFe- und LiIon-Zellen ist der sogenannte "Storage-Mode". Bei dieser Funktion werden die Einzelzellen der Akkupacks auf 3,85 Volt (LiPo), 3,3 Volt (LiFe) und 3,75 Volt (LiIon) geladen, beziehungsweise bis zu diesem Wert entladen. Diese Funktion eignet sich auch hervorragend zum aktiven Balancing des Akkus, wenn er nicht gleich wieder vollgeladen werden soll - zum Beispiel, nach einem Flugtag.

Kurzum, der "Multicharger X2 400" hat mich, von Design, Bauart, Leistungsmerkmalen und Farbe mal abgesehen, auch in punkto der intuitiven und schnellen Bedienbarkeit überzeugt sowie der genau richtigen Menge an Features und Möglichkeiten, die meinen Anforderungen als Hobby- und Freizeitmodellpilot exakt entgegenkommen. Für alle anderen, die sich zum Beispiel noch detaillierte Auswer- temöglichkeiten am PC wünschen, gibt es dann die meist wesentlich teureren Geräte.

Philipp Gardemin


Fakten
"Multicharger X2 400" von Hitec
Ein leistungsfähiges Ladegerät

Betriebsspannung: 12-18 V
Ladeleistung: 0,1-20 A max. 400 W/Ausgang
Entladeleistung: 0,1-5 A max. 25 W/Ausgang
Zellenzahlen:
NiCd/NiMh 1-15
LiPo, LiFe, LiIon 1-6
Bleiakku 2-20 V
Balancerstrom: 200 mA/Zelle
Abmessungen: 200x140x55 mm
Gewicht: 1,21 kg
Preis: 199,- Euro; Bezug im Fachhandel, www.hitecrc.de


Die klaren Strukturen und die gut ablesbaren Displays sind entscheidende Vorteile des neuen Geräts von Hitec


Ein 5s-LiPo hängt zum aktiven Balancing am Ausgang. Wie man anhand der Anzeige der Einzelzellenspannungen sieht, hat er es auch bitter nötig


Mit einem Tastendruck kann auf die Anzeige der Gesamtdaten umgeschaltet werden (von links oben): 5s-LiPo, 0,0 A Ladestrom, 19,66 Volt Gesamtpack, STO = Storage-Mode, 17:28 Minuten abgelaufene Zeit, 138 mAh geladen/entladen




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