TEST

F5J im Alltag

Der "Cluster F5J" von Thommys



Mit fast 700 Watt Leistung steigt der "Cluster" problemlos weg und lässt sich dann senkrecht hochziehen

Die Wettbewerbsklasse F5J ist noch sehr jung und findet bereits viel Zuspruch und Interesse bei den Piloten. Der Grund liegt wohl in der Verwandtschaft zur Klasse F3J. Es können die gleichen Modelle verwendet werden, man muss sie eigentlich nur mit einem leichten Elektroantrieb ausrüsten. Die Unabhängigkeit von Winden und großem Flugfeld machen diese Klasse so interessant.

Der "Cluster F5J" von Thommys ist genau auf diese Anforderung zugeschnitten. Um möglichst nah ans ursprüngliche Gewicht zu kommen, wird ein niedriges Gewicht vom Antriebsstrang erwartet, der das Modell zudem möglichst schnell auf Höhe bringen soll. Mit einem "Leomotion L3013-5000"-Motor und 6,7:1-Planetengetriebe aus meiner eigenen Produktion kommen lediglich 135 Gramm Gewicht in die Modellnase. Der LiPo-Akku und der Regler schlagen nochmals mit zusammen etwa 240 Gramm zu Buche. Dafür kann man die Stromversorgung dem zuverlässigen BEC des Kontronik-Reglers "Jazz" überlassen und muss so auch keinen Empfängerakku einbauen.

Die Bauteile des "Cluster" präsentierten sich sehr schön und leicht. Das leere Modell wog gerade mal 1.280 Gramm. Die Oberflächen waren perfekt und auch bei künstlichem Licht war keine Gewebestruktur zu sehen. Für die Anlenkung der Ruder lag das Zubehör bei. Wie es sich für ein Highend-Modell dieser Klasse gehört, werden die Querruder mit RDS angelenkt. Mit den beiliegenden RDS-Anlenkungen und je einem Futaba-"S3150" mit Rahmen ging das dann auch ruck- zuck. Die Wölbklappen dagegen habe ich konventionell mit einer oben liegenden und halb verdeckten Ruderanlenkung, bestehend aus kurzen Gewin- destangen und Gabelköpfen, angelenkt. Dann die Flügelservos mit Rahmen alle mit etwas verdicktem 5-Min.-Epoxy eingeklebt. Die RDS-Anlenkung hat im Scharnierbereich ein kleines Führungsröhrchen aus Messing, das mit etwas Epoxy in ein passendes Loch im Hilfssteg geklebt wurde. So war die ganze RDS-Anlenkung schnell eingebaut. Die Endausschläge auf den Querrudern mussten auf etwa 60 Prozent zurückgenommen werden, man könnte also den Winkel der RDS etwas reduzieren um weniger Ausschlag (.und Spiel) zu haben.

Die Servos für die Leitwerksruder habe ich auf ein vorbereitetes Brettchen geschraubt, das über bereits installierte Führungen in den Rumpf geschoben und dann nur noch mit zwei Schrauben gesichert wurde. Das Pendelleitwerk zeigte leider im Drehpunkt etwas Spiel, die Anlenkung selbst war aber spielfrei.

Eine der letzten Arbeiten war dann auch schon der Motoreinbau: Rumpfnase bei 30 Millimetern Rumpfdurchmesser abschneiden und den Motorspant mit angeschraubtem Motor auf den fluchtenden Spinner anpassen und einkleben. Das leidige Kabel- und Steckerlöten konnte entfallen, denn ein Kabelsatz lag meinem Modell bei. Auch für den Flächenstecker war alles vorbereitet: Einfach an die markierte Position am Flügel und im Rumpf schrauben und schon war die automatische Steckverbindung beim Montieren des Flügels fertig. Weil sich die Carbonverbinder in den Vierkantrohren seitlich um etwa einen Millimeter bewegen ließen, musste zum Fliegen der Übergang im Flügelknick sauber mit Tesa abgeklebt werden.

Der Schwerpunkt passte mit dem genannten F5J-Antrieb und mit einem 1.750-mAh-3s-Akku auf Anhieb. Das Fluggewicht pendelte sich damit bei knapp unter 1,9 Kilogramm ein. Das Einstellen der Ruderausschläge war ebenso schnell erledigt, da der Anleitung die vorgeschlagenen Werte beilagen.

Aus dem Stand zog es den "Cluster" mit dem kleinen Motor förmlich aus der Hand. Der RFM-Propeller 16x10 Zoll passt perfekt zum Antrieb: 70 Ampere und gut 700 Watt ergeben einen senkrechten Steigflug mit etwa 13 Meter/Sekunde. Erstaunlich, was heute mit so wenig Motor möglich ist. Der "L3013" hat nach rund einer Minute Impulsbetrieb im Flug nicht mal 50 °C Temperatur. Wer etwas flotter steigen möchte, nimmt den "L3019-5700".

Der "Cluster" ist sehr angenehm und einfach zu fliegen. Gerne dreht er in die Thermik ein und braucht nur wenig Unterstützung mit dem Seitenruder um sauber zu kreisen. Durch die niedrige Flächenbelastung kann auf extrem engem Raum ge- dreht und geflogen werden. So habe ich die ersten Flüge gleich hinter meinem Haus und drum herum gemacht. Der leichte Wind und etwas Thermik hatten bereits gereicht, um über dem Dachfirst auf Höhe zu kurbeln. Die Rudereinstellungen und der Schwerpunkt passten so, wie sie vorgeschlagen wurden. Es geht aber auch flotter: die Klappen drei Millimeter nach oben verwölben und schon legt der "Cluster" einen Zahn zu.

Das Modell hat Leistung und das merkt man auch! Es liegt sauber am Knüppel und schon nach wenigen Runden ist man mit dem "Cluster" vertraut und beginnt mit etwas mehr Risiko auch tief im Gelände nach Thermik zu schnuppern. Ich werde dieses Modell wohl häufiger mit auf den Modellflug- platz nehmen oder auch gleich bei mir hinter dem Haus in der Abendthermik fliegen. Mit Butterfly ist es nämlich ein Leichtes, den "Cluster" präzise vor die Füße oder in die Hand zu landen. Modell und Antrieb sind ein perfektes Team und können problemlos zum Spaß wie auch im Wettbewerb eingesetzt werden. Das aktuelle F5J-Reglement kann unter www.fai.org/downloads/ciam/SC4_Vol_F5_Electric_2013 nachgelesen werden.

Urs Leodolter

www.leomotion.com


Fakten

"Cluster F5J" von Thommys
Ein Elektro-Wettbewerbsmodell

Spannweite: 3.542 mm
Gewicht: 1.890 g
Fläche: 73,8 qdm
Flächenbelastung: 25,6 g/qdm
Motor: L-3013-5000, 6,7:1
Regler: Kontronik Jazz 80LV
Propeller: RFM 16x10"
Akku: 3s-LiPo 1.750 mAh 60C
Preis: 1.179,- ?
Bezug bei Thommys
Tel.: 07021/726669
www.thommys.com


Die Qualität der Bauteile war erwartungsgemäß tadellos


Mit einem "Leomotion L3013-5000"-Motor und 6,7:1-Planetengetriebe kommen lediglich 135 Gramm Gewicht in die Modellnase. Für mehr Power ist dann der "L3019-5700"-Motor erste Wahl


Schlank und lang - es passt alles rein


Die RDS-Anlenkungen für die Querruder liegen dem Zubehörset bei. Beim Einbau ist entsprechend sorgfältig vorzugehen




Quasi aus dem Stand lässt sich der "Cluster" sicher starten


Der "Cluster" dreht gerne in die Thermik ein und braucht nur wenig Unterstützung mit dem Seitenruder


Dank Butterfly geht es auch auf kleinen Flächen zielgenau herunter



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