TECHNIK

Selbst ist der Mann

Eine "DG-200" im Eigenbau - von A bis Z



Eine "DG-200" im Eigenbau und mit 7,2 Metern Spannweite ist schon etwas ganz Besonderes

Die "DG-200" ist die zweite Segelflugzeugkonstruktion von Wilhelm Dirks nach der bekannten "DG-100". Der Erstflug der "DG-200" erfolgte im Jahre 1977. Ausgelegt war sie als sogenanntes Rennklasseflugzeug, eine 15-m-Version mit Wassertanks, Einziehfahrwerk und Wölbklappen. Kurz danach wurde als Neuheit die "DG-200" mit Aufsteckohren versehen, die Spannweite auf 17 Meter erhöht und ab sofort "DG-200/17" genannt. Die Entwicklung ging natürlich weiter: So wurden 1980 die "DG-202" und die "DG-202/17" entwickelt, die eine ungeteilte Haube und einen automatischen Höhenruderanschluss hatten. Die "DG-202/17C" wurde dann mit Kohlefaserholmen aufgebaut. Aus ihr wurde später dann die motorisierte "DG-400".

Doch nun zum Modell: Nachdem eine "DG-400" im Maßstab 1:3 aus meinem Modellbestand verkauft war, keimte der Gedanke in mir, so ein tolles Modell in größerem Maßstab zu bauen. Mein langjähriger Modellflieger- und Vereinskollege Arnold Hofmann (der leider verstorben ist), hatte auch eine eigene "DG-200", die ich an vielen gemeinsamen Flugtagen erleben durfte. Bei Harry Rosenthal war ein Rumpf der "DG-200" mit Kabinenhaube im Maßstab 1:2,5 erhältlich. Damit war der Grundstein für meine neue Baustelle gelegt.

Ich wollte ein Modell bauen, das es nicht "an jeder Ecke" zu kaufen gab und zudem mit guten Flugleistungen glänzen sollte. Die Tragflächengeometrie sollte der "DG-200" in der 17-m-Version entsprechen. Also bekam mein Modell in Abstimmung mit dem GFK-Rumpf eine Spannweite von 7,2 Metern. Abweichend vom Original wollte ich dem Modell Winglets spendieren. Auch Arnold Hoffmanns Modell hatte Winglets, die nicht senkrecht angeordnet waren, sondern zwei oder drei V-Form-Sprünge aufwiesen - so ähnlich, wie wir es bei den Tragflächen vom "Arcus" kennen. Das sollte insgesamt gesehen die V-Form erhöhen und den Kreisflug stabilisieren. Eine Entscheidung, die sich am Ende als absolut richtig herausgestellte. Ebenfalls abweichend zum Original habe ich keine geteilte Kabinenhaube vorgesehen, sondern wie bei der "DG-202/17" eine Haube am Stück, die wie bei den modernen Superorchideen nach vorne aufgeklappt wird. Es widerstrebte mir einfach, die schöne große Haube zu zerschneiden.

Begonnen habe ich mit den Tragflächen in bewährter Styro/Abachi-Bauweise. Zuerst wurde eine Schablone der Draufsicht aus Pappkarton geschnitten. Dann kamen die Schneiderippen aus 2-mm-Buchensperrholz. Die Tragflächengeometrie ist ein Doppeltrapez mit gerader Nasenleiste. Dem Original folgend sollte das Modell natürlich auch Wölbklappen bekommen. Die Tragflächenkerne wurden aus handelsüblichem Baumarktstyropor geschnitten. Ein Tipp zu den Schneiderippen: Die Kanten zur Führung des Schneidedrahts werden aufsteigend mit 120, 400 und 1.000-er Körnung geschliffen. Dann werden sie mit einem schwarzen, gra- phithaltigen Bleistift eingeschmiert. So kann der Schneidedraht gut rutschen und sich nicht in das Holz einbrennen. Das verhindert hässliche Rillen im Kern.

Der Tragflächenholm besteht aus einem 3-mm-Pappelsperrholzsteg und vielen Glasrovings. Die Styrokerne wurden an der größten Profilhöhe der Länge nach durchtrennt, der Pappelsteg dann einfach auf der Ober- und Unterseite jeweils einen Millimeter weniger hoch als der Styrokern auf Maß geschnitten und dann in der Negativschale mit dem Kern zusammen festgeheftet. So bleibt beim Pressen ein wenig Raum und der Holm drückt sich außen nicht ab. Vor und hinter dem Pappelholm habe ich oben und unten einen kleinen Kanal ausgeschliffen (wo das Steckungsrohr in den Kern greift noch mit Holz verkastet, breiter und tiefer ausgeschliffen) in Richtung Randbogen weniger und flacher. In diesen entstandenen Kanal habe ich dann die GFK-Rovings eingelegt. Bei meinem Modell 60 Stück oben und 60 unten im Steckungsbereich, stufenweise abnehmend bis nach außen auf einen Roving.

Als Flächensteckung kam ein GFK-Stab mit 25 Millimeter Durchmesser zur Verwendung. Als Aufnahme für den Stab habe ich beim Metallhändler ein passendes Aluminiumrohr gefunden. Die Verdrehsicherung ist mit einem 4-mm-Federstahlstab völlig ausreichend.

In die so entstandenen Flächenkerne kann man nun wunderbar die Bremsklappen einbauen. Ich habe trotz intensiver Suche bei vielen Herstellern keine passenden Klappen gefunden. Entweder waren sie zu kurz, zu lang oder sie haben nicht die gewünschte Ausfahrhöhe erreichen können. Also habe ich die Suche aufgegeben und die Klappen auch im Selbstbau erstellt. Das funktioniert so: Man erstellt aus einem 2-mm-GFK-Streifen und einer Kieferleiste die Klappe in der Größe die man braucht. Dann sägt man einfach aus 4-mm-GFK-Plattenmaterial die Hebel. An den Drehpunkten werden als Lager einfache 3-mm-Messingröhrchen eingeklebt. Am Schluss baut man aus Pappelsperrholz einen Kasten in der gewünschten Größe zusammen. Die Klappen kann man nun zusammen- bauen und als komplette Einheit in die Kerne einsetzen und festheften.

Nachdem alle Kabel für die Servos eingebaut waren, konnten die Tragflächen beplankt werden. Als Material habe ich ein 1,5 Millimeter starkes Abachifurnier verwendet. Ein kleiner Tipp am Rande: Bevor die Tragflächen in die Presse wanderten, habe ich die Beplankungsblätter schon auf der Außenseite mit dem Schwingschleifer geglättet und anschließend auf der Innenseite mit Porenfüller gestrichen. Das hat den Vorteil, dass die Beplankung sich nicht zu sehr mit Harz tränkt, und auch kein Harz bis zur Negativschale durchkommt. An den Stellen der Ausschnitte für die Querruder und Wölbklappen habe ich innen zusätzlich 80-g-GFK- Gewebeverstärkungen angebracht, damit im späteren Alltagsgebrauch keine Risse entstehen. Auch die Endleiste wurde mit einem Verstärkungsband auf der Ober und Unterseite versehen. Dadurch erhält man eine harte Endkante und kann sie schön dünn ausschleifen. Zusätzlich zu den eingebauten Rovings habe ich dann noch GFK-Bänder und große GFK-Dreiecke auf die Innenseiten der Ober- und Unterbeplankung auf das Holz laminiert. Die Bänder sollten genau über dem Holm laufen! Dann wird alles Nass in Nass miteinander gepresst und ergibt einen in sich festen und doch elastischen Doppel-T-Holm, der bei keinem meiner bisherigen Modelle in der Luft gebrochen ist. Zum Verkleben des Ganzen verwende ich immer das Epoxydharz mit 90 Minuten Topfzeit.

Nach dem Aushärten werden die Querruder und Wölbklappen herausgetrennt und die Hohlkehlen erstellt. An den Rudern wird dazu eine Balsaleiste aufgeklebt und dann rund geschliffen. In der Tragfläche wird mit Hilfe von circa zehn Zentimeter langen Buchenrundstäben mit verschiedenem Durchmesser - umwickelt mit Schleifpapier und angepasst an die Profildicke - die Hohlkehle ausgeschliffen. Anschließend legt man hier 49-g/qm-Glasfasermatte ein, die so wiederum die Verkastung zwischen oberer und unterer Beplankung darstellt. Die Wölbklappen werden auf der Unterseite mit Nylonband als Scharnier angebracht, die Querruder mit Dübelscharnieren befestigt.

Die Winglets sind steckbar, mit einem 6-mm-Rundstahl und einer 2-mm-Verdrehsicherung. In den Winglets habe ich noch kleine Rädchen angebracht, damit die Tragflächen bei Starts und Landungen auf der Hartpiste nicht beschädigt werden. Die Wurzelrippen von Tragflächen und Winglets wurden aus GFK gefertigt, so haben die Kanten eine feste Struktur und bekommen im Alltagsbetrieb keine unschönen Macken.

Auch das Höhenleitwerk wurde aus Styropor geschnitten und mit 1,5-mm-Balsa beplankt. Als Profil habe ich das bewährte "NACA 0009" ausgewählt. Das Höhenruder wurde wieder in Hohlkehle gelagert - zwecks Gewichtsersparnis mit nur einer 25-g/qm-Matte laminiert. Das Seitenruder habe ich in einem ganz konventionellen Aufbau mit Rippen aus Balsa erstellt und später mit weißer Bügelfolie bespannt.

Nun noch der Rumpf: Abweichend vom Original hat er einen geraden Ausschnitt an der Haubenkante. Der Haubenrahmen musste in Eigenregie erstellt werden. Als Erstes habe ich die Auflage des Haubenrahmens am Rumpf auf ein Maß von circa zehn Millimetern geschliffen, danach von innen aus 0,8-mm-GFK eine Umrandung dagegen geklebt und anschließend rund ausgespachtelt. Nun war ein Abschluss entstanden, der sich wunderbar abformen ließ und eine Form für den Haubenrahmen überflüssig machte.

Um alles sauber abformen zu können, habe ich die Umrandung kräftig mit Trennwachs behandelt. Dann habe ich außen am Rumpf eine Schalung aus 0,8-mm-Sperrholz und Pappkarton mit starkem Klebeband auf dem Rumpf aufgeklebt, um anschließend den entstandenen Kanal mit Kohlefaser- Rovings zu laminieren. Nach der Aushärtung kann man die Verschalung und Klebebänder entfernen und den Haubenrahmen vorsichtig vom Rumpf nehmen. Holz und Haubenrahmen können ganz einfach abgeschliffen werden. Übrig bleibt ein selbst hergestellter Haubenrahmen aus Kohlefaser, der hervorragend auf den Rumpf passt! Die Klappmechanik für die Kabinenhaube wurde aus Messingrohr und einem Stück Messingplatte zusammen- gelötet und mit dem Haubenrahmen verschraubt. Für die Aufnahme in der Rumpfspitze benötigte ich noch einen Lagerbock, der ebenso Messing gelötet wurde. Die Haube schließlich wurde dann bei geschlossenem Rahmen aufgeklebt.

Fahrwerkseinbau und Anlageneinbau beendeten den Rohbau meiner "DG-200". Angesichts der großen Haube war ein Cockpitausbau ein absolutes Muss! Anregungen findet man im Internet und auf allen Segelflugplätzen. Der Ausbau bei meinem Modell erfolgte zum größten Teil mit Pappelsperrholz: Sitzwanne und Instrumentenpilz lassen sich leicht herausnehmen, verdecken aber Akku, Empfänger und Kupplungs-Servo vollkommen. Der Instrumentenpilz wurde ganz einfach aus Holz und leichtem Lithoblech gebaut und lackiert. Die Instrumente habe ich aus Kunststoffröhrchen und Farbausdrucken sowie kleinen Schräubchen realisiert. Mikrofon, Klappenhebel und Steuerknüppel wurden aus Messingröhrchen gelötet und die Griffe mit 2K-Spachtelmasse aus einem Klumpen herausgefeilt und angemalt. So entstand mit einfachen Mitteln ein ansprechendes Cockpit.

Auf die Tragflächenunterseite habe ich Klebefolie aus der Werbetechnik aufgeklebt. Die selbstklebende Folie wird bei Werbetechnikbetrieben für Schaufenster- und Fahrzeugbeschriftungen verwendet und ist in allen erdenklichen Farben erhältlich. Die Folie klebt sehr gut und löst sich nicht so leicht vom Untergrund ab wie so manche Bügelfolie. Bei einem Profil mit konkaver Unterseite gehören Luftblasen auf der Unterseite damit der Vergangenheit an. Die Tragflächenoberseiten und das Höhenleitwerk wurden mit 2K-Polyesterspritzspachtel gestrichen und geschliffen. Es folgte ein Anstrich mit weißem Vorlack. Nun wurde mit feinem Schleifpapier geschliffen, damit überall ein gleichmäßiger Untergrund entstand. Als Endlack habe ich einen Alkydharzlack von Sikkens verwendet, den ich mit dem Pinsel aufgestrichen habe. Der Lack trocknet sehr langsam und ist nach dem Aushärten hochglänzend. Die Oberfläche erweckt den Eindruck einer Spritzlackierung.

Nachdem Beschriftung und Kennung aufgebracht, Schwerpunkt genau ermittelt und die Einstellwinkeldifferenz auf zwei Grad eingestellt waren, konnte ich dem Erstflug gelassen entgegen sehen.

Meine "DG-200" bringt ein Abfluggewicht von 16,7 Kilogramm auf die Waage, was für ein Modell dieser Größe ein sehr zufriedenstellender Wert ist. Der Erstflug fand im F-Schlepp statt. Das Wetter war ruhig und die Voraussetzungen waren einfach großartig: ruhig und ohne Zicken folgte das neue Modell der Schleppmaschine bis auf Ausklinkhöhe. Die Fluggeschwindigkeit des Modells war sofort sehr realistisch und der Gleitwinkel äußerst beeindruckend. Das Modell flog sehr präzise und buchstäblich wie auf Schienen. Der Kreisflug war wie erwartet superstabil.

Und so viel zum Schluss: Bei leichtem Einsatz der Wölbklappen lässt sich die "DG" sehr langsam kreisen, sodass sich auch enge Bärte gut auskurbeln lassen. Bei der Landung mit vollem Wölb- und Bremsklappeneinsatz lässt sich das Modell sehr steil anfliegen und fantastisch langsam landen - das sieht sehr beeindruckend aus und ist ein großer Vorteil auch auf kleinen Plätzen! Im Schnellflug legt die "DG" zwar eine große Strecke zurück, aber ihre Stärke ist definitiv das Thermikfliegen. Und genau dafür wollte ich das Modell auch haben.

Die "DG-200" ist für mich ein großartiges Segelflugmodell mit tollen Allroundeigenschaften. Ich freue mich immer wieder aufs Neue, wenn ein gu-ter Schlepper am Platz ist, der meine große "DG" sicher nach oben bringt. Der verhältnismäßig hohe Bauaufwand hat sich gelohnt.

Axel Ruh


Fakten

"DG-200" im Eigenbau
Ein Großsegler zum Thermikfliegen

Maßstab: 1:2,5
Spannweite: 7,2 m
Gewicht: 16,7 kg


Auch der Cockpitaus entstand komplett im Eigenbau. Und er sieht gut aus!


Wölbklappen und Querruder sind in Hohlkehlen gelagert


Die große Kabinenhaube öffnet nach vorne. Das ist zwar nicht ganz vorbildgetreu, sieht aber klasse aus


Der Nachbau im Maßstab 1:2,5 lässt nichts von der Eleganz vermissen, die auch vom Original ausgeht


Die geradezu unverhältnismäßig groß erscheinende Kabinenhaube war ein Markenzeichen der frühen DG-Flugzeuge


Die mehrfache V-Form im Außenflügelbereich verleiht dem Modell stabile Kreisflugeigenschaften


Mit voll gesetzten Wölb- und Bremsklappen lässt sich das große Modell auch auf kleinen Plätzen sicher landen


Die "DG-200" ist ein großartiges Segelflugmodell mit tollen Allround- und Thermikflugeigenschaften


Einen solchen Großsegler komplett im Eigenbau zu erstellen ist eine Leistung, auf die man zu Recht etwas stolz sein darf



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