REPORTAGE

F5B-Szene

Das war die Saison 2013



Der neue "Avionik B12", leider noch mit dem Leitwerk der B10

Die F5B-Saison ist beendet und wir können auf sehr erfolgreiche elf CONTEST-Eurotour-Wettbewerbe zurückblicken. Fast 70 Teilnehmer wurden gezählt - eine sehr erfreuliche Entwicklung. Obwohl sich im Frühjahr das Wetter nicht immer von der besten Seite zeigte, hielt es die meisten F5B-Piloten nicht davon ab auch weite Strecken zu den Wettbewerben zu fahren. Schließlich ging es auch darum, die anderen Piloten mal wieder zu treffen und ein paar schöne Tage miteinander zu verbringen.

Traditionell begann die F5B-Saison wieder in Gommersheim. Dieses Jahr war der Termin allerdings sehr früh am 27. und 28. April. Trotz der schlechten Wetterprognose waren wieder 32 Piloten in F5B und 13 Piloten in F5F in die schöne Pfalz gekommen. Das Teilnehmerfeld war sehr international mit Piloten aus Italien, der Schweiz, den Niederlanden, der Tschechei, Belgien, Frankreich und sogar aus Dänemark. Natürlich waren auch die deutschen Piloten wieder zahlreich am Start. Leider hatte uns das sprichwörtliche Aprilwetter voll erwischt. Schon am Freitagabend begann es leicht zu regnen. Dennoch konnten wir den Wettbewerb am Samstag pünktlich beginnen - allerdings mit einer zweistündigen Regenpause. Dann entschied die Wettbewerbsleitung jedoch, mit dem ersten Durchgang zu beginnen. Der wurde dann in mehr oder weniger konstantem Regen komplett geflogen. Zu diesem Zeitpunkt haben wohl die wenigsten damit gerechnet, doch noch so erfolgreich zu fliegen. Hier zeigte sich wieder die langjährige Erfahrung in der Durchführung von F5B-Wettbewerben der Gommersheimer. Routinierte Wettbewerbsleiter und disziplinierte Piloten machten letztlich in Summe drei Durchgänge je Klasse möglich. Dieses Jahr hat sich gezeigt, dass F5B ein sehr vielseitiger Sport ist den man bei jedem Wetter ausüben kann. Am Ende siegte Piermario Cavaggioni vor Christian Ulbrich und Heiko Greiner.

In Pfäffikon (Schweiz) sah das Wetter dann sogar noch etwas schlechter aus. So konnte am Freitag nur ein Durchgang geflogen werden. Der Regen war ja nicht das Problem - das kannten wir ja schon aus Gommersheim - aber die tief hängenden Wolken machten das Fliegen unmöglich. Am Samstag konnten dann mit einigen kleineren Regenpausen doch noch zwei Durchgänge geflogen werden. Im zweiten Durchgang war sehr gut zu beobachten, wie stark das Wetter die Fluggeschwindigkeit beeinflusst: So sind Piermario und Patrick bei leicht sonnigem Wetter jeweils 49 Strecken geflogen. Wenig später musste Heiko Greiner bei leichtem Nieselregen fliegen. Trotz seines blitzsauberen Fluges waren es mit Mühe 42 Strecken. Da blieb beim Streckenfliegen sogar noch Zeit um sich mit seinem Helfer abzusprechen. Am Ende konnte sich wieder Piermario Cavaggioni durchsetzen.

Ein Lauf zur deutschen Meisterschaft wurde - mangels Veranstalter - bei unseren holländischen Freunden in Almere ausgetragen. Die Gastfreundschaft der Holländer sucht ihresgleichen. Vergangenes Jahr durften wir bereits zu Gast in Almere sein. Diesmal fand der Wettbewerb auf einem anderen Platz in unmittelbarer Nähe statt - ebenfalls mit schönem Klubhaus und sehr gepflegtem Flugfeld. Es ist erstaunlich, wie viele sehr schöne Modellflugplätze es auf so engem Raum gibt. Aufgrund der Höhe des Platzes knapp unter dem Meeresspiegel und dem ziemlich starken, böigen Wind war es sinnvoll ein paar Trimmflüge zu absolvieren. Dies machte es leichter sich an das Gelände zu gewöhnen und das Modell perfekt einzustellen. Wieder waren über 30 Piloten in F5B am Start. Dank eines regenfreien Wochenendes und einer perfekten Organisation konnten vier Durchgänge geflogen werden. Am Ende haben es sieben deutsche Piloten unter die ersten Zehn geschafft. Der Sieg ging denk- bar knapp an Wolf Fickenscher mit einem Punkt Vorsprung vor Christian Ulbrich. Letztlich entschieden weniger als zwei Sekunden Segelzeit über den Sieg; an der Spitze ist es wieder sehr eng. Auch beim Segelflug ist volle Konzentration gefordert, um keine wertvollen Punkte zu verschenken. In Almere war es fliegerisch ein sehr anspruchsvoller Wettbewerb, da sich der Platz praktisch zwischen zwei Baumreihen befindet und der Wind das ganze Wochenende ziemlich stark fast quer zur Bahn kam. Das hatte zur Folge, dass der Streckenflug hinter einer Baumreihe stattgefunden hat und die beiden unteren Strecken doch recht turbulent waren. Die Bäume auf der anderen Seite haben einen Landeanflug gegen den Wind praktisch unmöglich gemacht. Wer trotzdem versucht hat, mit einem ganz kurzen Anflug vor den Bäumen zu landen, erlebte so manche Überraschung: der Wind trieb die Modelle stark in Richtung der Bäume. Ein Opfer hat diese Technik dann auch gefordert - das Modell konnte aber geborgen werden.

Der letzte Wettbewerb der Saison fand Anfang September - fast schon traditionell - wieder in Bad Brückenau statt. Es war mit 31 Teilnehmern in F5B wieder ein starkes Starterfeld angetreten. Vor diesem letzten Wettbewerb war die Wertung in der CONTEST-Eurotour ziemlich spannend: Zwar war Piermario Cavaggioni der Sieg zwar nicht mehr zu nehmen, aber die ihm folgenden fünf Piloten wa-ren alle innerhalb vom einem Punkt. Hier in Bad Brückenau wurde auch dieses Jahr wieder die deutsche Nationalmannschaft für die WM 2014 nominiert. Es wurden die Punkte der Deutschen Meis- terschaften von 2012 und 2013 zusammen gezählt und die ersten sechs Piloten bilden nun die Nationalmannschaft für 2014. Auch hier war es noch mal sehr spannend. Am Ende konnte ich mich vor Wolf Fickenscher und Guntmar Rüb durchsetzen und wurde Deutscher Meister 2013. Leider war das Wetter in Bad Brückenau extrem schlecht: Starker Regen und eine sehr niedrige Wolkenbasis machte es am Samstag unmöglich auch nur einen Durchgang zu fliegen. Einige mutige Testflüge endeten recht schnell in den Wolken und selbst für routinierte Piloten ist es keine ganz leichte Aufgabe, das Modell bei 250 Stundenkilometern in den Wolken unter Kontrolle zu halten. Glücklicherweise konnten wird am Sonntag doch noch zwei Durchgänge in jeder Klasse fliegen. Gerben von Berkum aus Holland konnte mit zwei sehr guten Flügen seinen ersten CONTEST-Flügelpokal mit nach Hause nehmen. Zweiter wurde ich vor Wolf Fickenscher auf Rang 3. In der CONTEST-Eurotour konnten in diesem Jahr 71 Piloten gezählt werden. Am Ende konnte ich mich noch auf Rang 2 verbessern und Wolf Fickenscher ist dritter geworden. Dieses Jahr musste man, um zum Beispiel den siebten Platz zu erreichen, noch immer noch 99,36 Prozent der Siegerleistung erreichen - das zeigt, wie eng das Feld beieinander ist.

Kommen wir noch zur Technik: Bei den Antrieben gab es in diesem Jahr nicht so viel Neues zu sehen. Den größten Anteil an verwendeten Motoren hatten Plettenberg und Steve Neu. Es wurden auch diverse Exemplare der Castor-Motoren, meist als 10s-Variante, gesichtet. Die Unterschiede zwischen den Antrieben sind in der Tat recht gering. Das Wichtigste ist, mehr denn je, die richtige Abstimmung für sein Modell und den eigenen Flugstil zu finden. Denn der beste Motor nutzt nicht viel, wenn der Propeller nicht passt oder die Laufzeit nicht stimmt. Generell war zu beobachten, dass die Top-Piloten teilweise sehr viel Leistung durchsetzen. Im Klartext heißt das: unter 25 Sekunden Laufzeit für die 1.750 Wmin und damit über 6.000 Watt Eingangsleistung beim Einschalten. Es bleibt dann meistens nicht sehr viel Energie für den Thermikflug übrig. Und es werden vermehrt Antriebe mit 8s- und 10s-Akkus eingesetzt. Es hat sich aber leider auch gezeigt, dass es zurzeit keinen Akku gibt, der bei 450 Gramm Gewicht in der Lage ist, diese hohen Leistungen dauerhaft bereitzustellen. Die eingesetzten LiPo-Zellen wiegen mittlerweile zwischen 500 und 600 Gramm.

Bei den Modellen hingegen gab es viel Neues zu bewundern: Zum einen ist die "Avionik B12" in Serienproduktion gegangen und wurde zur Mitte der Saison recht häufig gesehen. Zum anderen hat Petr Janku eine Neuauflage des "Speedfire" mitgebracht. Es waren leider noch nicht viele Exemplare ausgeliefert, aber die Performance sah mal recht vielversprechend aus. Der neue "Speedfire 2" hat mit 1.920 Millimetern weniger Spannweite als sein Vorgänger, einen - für meinen Geschmack - sehr formschönen Rumpf mit T-Leitwerk und ein von Petr Janku selbst entwickeltes Profil. Auch die Bauqualität ist wirklich perfekt und Petr geht auch gerne auf individuelle Sonderwünsche ein.

Etwas mehr Spannweite als ihr Vorgänger hat die neue "Avionik B12" bekommen. Der 1.930 Millimeter spannende Flügel hat auch ein komplett neu entwickeltes Profil und eine leicht andere Geometrie bekommen. Der größte Unterschied ist allerdings der Rumpf. Dieser ist konsequent für die Verwendung von 8-10s-LiPo-Akkus ausgelegt und dadurch, insbesondere im vorderen Bereich, sehr schmal geraten. Es ist kaum möglich den LiPo unter der Verschraubung nach vorne zu bekommen. Die "Avionik B12" wird zurzeit immer noch mit dem alten T-Leitwerk der "B10"-Variante ausgeliefert, da das neue Pendel-T-Leitwerk noch nicht komplett ist. Dieser Umstand hat leider den Nachteil, dass die Passung zwischen Rumpf und Seitenleitwerk nicht besonders gut ist und man den Rumpf je nach verwendetem Antrieb bis zu 12 Zentimeter auf den alten Hebelarm der "Avionik B10" kürzen muss, um den Schwerpunkt einigermaßen einstellen zu können. Wenn man einen leichten Motor (z.B. Plettenberg-"HP 220/30 EVO") um die 300 Gramm einsetzen möchte, sind schon einige Klimmzüge nötig, um alles in den engen Rumpf zu bekommen. Ein 4s-LiPo "Gens Ace 2.200 mAh 30C" geht gerade so unter der Verschraubung durch und ergibt mit einem zusätzlichen 5s-Akku dahinter ein sehr gutes 9s-Setup, das das Gesamtgewicht recht niedrig hält. Und wenn alles einmal drin ist, muss man auch nicht mehr viel sichern - es ist ziemlich voll. Zu guter Letzt Rudi Freudenthaler: Der Altmeister hat seine "Surprise 16" noch mal überarbeitet und zum verlängerten Rumpf vom letzten Jahr jetzt noch einen neuen Flügel gebaut. Die ersten Exemplare wurden schon geflogen.

Die Hochvolttechnik hat nun auch bei den Servos Einzug gehalten: Das Hitec-"7115 TH" erfüllt die Anforderungen an ein F5B-Modell nahezu perfekt. Es ist recht schnell, hat ausreichend Kraft und besitzt drüber hinaus noch sehr günstige Abmessungen für einen schlanken Flügel. Denn es ist nur acht Millimeter dick und in Flugrichtung sehr schmal gebaut. Die bisher notwendigen Spannungsregler können nun entfallen und man hat eine Fehlerquelle weniger im Modell. Die Technik in F5B ist, auch dank der Einführung des Limiters, sehr zuverlässig geworden. Es sind kaum noch Ausfälle zu beobachten und auch die Haltbarkeit der Modelle und Antriebe ist sehr ordentlich. Viele Komponenten können innerhalb ihrer Spezifikation betrieben werden und es ist keine aufwändige und damit teure Spezialausrüstung notwendig, um vorne mitzufliegen.

Im nächsten Jahr wird es bestimmt wieder spannend. Zum einen ist die Weltmeisterschaft in Österreich und man hört von einem neuen Modell mit einer sehr interessanten Bauausführung.

Christian Ulbrich


Der "Avionik B12" mit 9s-Setup. Eine quasi optimale Raumnutzung, leider mit Schwerpunktproblemen


Der "Speedfire 2" von Petr Janku hat mit 1.920 Millimetern weniger Spannweite als sein Vorgänger


Senkrecht beschleunigen ist immer noch das Maß der Dinge in F5B, hier ein "GoOne 7"


Gommersheim 2013, Nieselregen und nur 10 °C. Hier ein Blick auf die A-Linie


Die Sieger von Gommersheim (von links): Christian Ulbrich, Piermario Cavaggioni und Heiko Greiner


Die Sieger von Meggenhofen (von links): Piermario Cavaggioni, Johannes Starzinger und Christian Ulbrich


Ein "Avionik" geht in den Wertungsflug, nach dem Handstart folgt der rasante Steigflug


Im rasanten Vorbeiflug an der A-Linie, fototechnisch nicht sehr leicht festzuhalten



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