REPORTAGE

Alpinflugwoche

Das alpine Erlebnis am Hahnenmoos


Start am Luegli in Richtung Adelboden

Anfang Juni luden Thommys.com und AUFWIND zur Alpinflugwoche ins Berghotel Hahnenmoos im Berner Oberland ein und mehr als 40 Modellpiloten folgten - einige waren zum ersten Mal im Hochgebirge. In diesem Jahr zeigte sich der Wettergott besonders gnädig und wir hatten jeden Tag blauen Himmel und Sonne satt.

Viele Teilnehmer waren auch diesmal Wiederholungstäter und wussten natürlich schon, wie der Hase läuft. Die anderen erhielten, sichtlich beeindruckt von der hochalpinen Kulisse, eine kurze individuelle Einführung mit Hinweis auf die verschiedenen Startstellen. Neben dem Fliegen ist auch das sogenannte Baulokal ein wesentlicher Bestandteil der Alpinflugwoche. Wegen der hohen Teilnehmerzahl beschränkten wir uns dieses Jahr auf einen Bautisch pro Teilnehmer, sodass wir alle im oberen Baulokal unterkommen konnten. Für die Lagerung der Modelle standen mehrere Räu-me und Modellständer zur Verfügung.

Nicht zuletzt diese Infrastruktur macht das Fliegen am Hahnenmoos zu etwas ganz Besonderem. Modelle bis circa 3,5 Meter Spannweite wer- den oft gar nicht abgebaut und sind immer einsatzfähig. Somit ist man sofort startbereit, wenn man von der Hotelterrasse Anzeichen von Thermik entdeckt.

Für zwei Hauptwindrichtungen stehen jeweils mehrere Startplätze zur Verfügung. Bei Westwind kann direkt am Hotel vor der Terrasse Richtung Lenk geflogen werden, je nach Wind und Mut des Piloten bis hin zum Großsegler. Gelandet wird einfach in den Wiesen unterhalb des Hotels. Für größere Modelle empfiehlt sich der Skilift mit der Option, später am Tag Richtung Lavey zu gehen und sich dort mit Kunstflugseglern, Großseglern oder auch F3B/F3F-Modellen auszutoben. Wer den steilen Anstieg hinter sich bringt, wird bei Sonne mit Hammerthermik belohnt und vergisst schnell die 30-Minuten-Wanderung.

Bei Ostwind startet man auf der anderen Seite am Bänkli und fliegt Richtung Adelboden. Die Morgensonne sorgt schon am Vormittag für Thermik, die bis in große Höhen führen kann. Die Alternative bei Bise - so wird der Ostwind genannt - ist der Schalmi. Das Gelände ermöglicht mit der richtigen Taktik, auch große und sehr schwere Modelle einfach aus der Hand zu starten. Auf der Westseite des Schalmi steht eine große Landewiese zur Verfügung, die allerdings im oberen Bereich sehr steil ist. So ist es oft von Vorteil einige Meter den Hang hinunter zu laufen und dort im flacheren Bereich zu landen.

Auf der Westseite führt unter dem Schalmi vorbei der Weg zum Metsch, dessen Kessel sich über den Tag aufheizt und die Thermik sich bei Westwind dann regelmäßig ablöst. Wer aber nicht Richtung Metsch abbiegt, sondern sich mehr links hält, der läuft unterm Regenbolshorn vorbei Richtung Luegli und findet bei Sonneneinstrahlung und Ostwind dort ideale Bedingungen mit einer großen Landewiese. Der Preis ist allerdings eine Wanderung von 45 bis 60 Minuten. Das Fliegen vor der Felswand ist besonders beeindruck-end. Neben dem Lavey war es gerade das Luegli, das es den diesjährigen Teilnehmern der Alpinflugwoche besonders angetan hatte.

Die Alpinflugwoche ist keine streng in ein Zeitschema gepresste Veranstaltung. Jeder macht was er möchte, keiner wird gezwungen, schließlich sind alle im Urlaub. Ziel ist es, die Teilnehmer zum sicheren eigenständigen Fliegen im alpinen Gelände zu bringen. Dazu stehen erfahrene Piloten den Teilnehmern falls gewünscht zur Seite. Hektik am Morgen macht im Gebirge wenig Sinn, denn erst gegen Mittag ist eine Wettertendenz zu erkennen. Abmarsch ist dann spätestens ge- gen 12.30 Uhr. Oft entscheiden sich auch Piloten, an eine der anderen Startstellen zu gehen. Meist wird an allen für die Windrichtung geeigneten Hängen geflogen und so verteilen sich die Piloten. Ein weiterer Punkt der für Entspannung in der Luft sorgt, liegt darin, dass von morgens bis abends geflogen werden kann. So müssen nicht alle zur gleichen Zeit in die Luft.

Der Rückweg wird meist so geplant, dass man gegen 18 Uhr wieder am Hotel ist. Hier treffen dann die Piloten von den verschiedenen Hängen wieder aufeinander und diskutieren auf der Terrasse die Erfahrungen des Tages. Nach dem Abendessen werden im Baulokal die beschädigten Modelle gemeinsam repariert, oder man baut gleich ein neues Modell. Bei schlechtem Wetter wird dort auch tagsüber gebaut oder es gibt einen Vortrag. An einem Abend gab es einen Bastelwettbewerb, bei dem die Teilnehmer aus drei Balsa-brettern in 45 Minuten einen kreativen Wurfgleiter bauen sollten. Ein unglaublicher Ehrgeiz führte zu vielen verschiedenen Modellen und alle hatten einen riesigen Spaß.

Im nächsten Jahr findet die Alpinflugwoche vom 6. bis 13. Juni statt. Infos und weitere Bilder unter www.hangflug.info.

Thomas Seidel



Der Handstart des selbst gebauten 7,5-m-"Ventus" am Schalmi in Richtung Osten


Ein Flitschenstart am Schalmi in Richtung Westen


Abmarschbereit mit 6-m-"ASG-29" und einem typischen F3B-Modell


"Swift" und "Stingray" warten auf den Einsatz am Lavey


Auch Oldtimermodelle wie eine "Moswey" fliegen hervorragend am Luegli


Typische Startvorbereitungen am Luegli


Ohne Plan und trotzdem nicht planlos: Am Bastelwettbewerb hatten alle Spaß


Die gesammelten Ergebnisse des Bastelwettbewerbes können sich sehen lassen


Im Baulokal warten die Modelle auf den Einsatz



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 6/2014

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