TECHNIK

Kuriosum

Das Anfängerkonzept "Brooklyn Aerodrome"


Deltamodelle aus Schaumstoffplatten gibt es schon länger, doch dieses ist die Basis eines Anfängerkonzepts

Die Begeisterung meines Sohnes über ein Delta-Anfängermodell, das er anlässlich einer lokalen "Maker`s Fair" - einer Hobbyausstellung - mit seiner Familie kennengelernt hatte, bescherte mir viele Wochen später völlig unerwartet ein großes Paket aus den USA.

Der Inhalt war bemerkenswert: Viele Platten Dämmstoff, zwei Kleiderbügel für Hemden (?), eine bedruckte PP-Stegplatte, Klebebänder, Kabelbinder, eine einfache Vierkanal-2,4-GHz-Anlage, ein kleiner Außenläufer mit Propeller und Regler, ein 2s-Lipo samt Netzlader und zu guter Letzt ein 250 (!) Seiten starkes Buch, in dem unter dem Titel "The Brooklyn Aerodrome Bible for Hacking the Skies" ausführlich alles beschrieben ist. Das Buch beginnt mit der Beschaffung der einzelnen Teile, erklärt ihre Funktionsweise, geht dann über in die Baubeschreibung des Modells und erklärt, wie man das Fliegen lernt. Weiter geht es mit Wartungs- und Reparaturhin- weisen, Verschönerungsmaßnahmen einschließlich Nachtflugausrüstung, schlägt dann weitere Flächenformen vor und gibt hierzu aerodynamische Informationen, um schließlich noch Hinweise auf Flugsimulatoren aus dem Internet zu geben.

Schaumwaffeln als Anfängermodell sind heu-te durchaus Allgemeingut, aber dieses Konzept enthält doch einige originelle Neuerungen. Es beginnt damit, dass der Anfänger keine besonderen Kenntnisse zum Bau benötigt. Klebstoffe werden überhaupt nicht verwendet, denn alle Teile, auch der Antrieb, werden mit doppelseitigem Klebeband positioniert und dann mit Kabelbindern dauerhaft befestigt. Weiter werden alle Teile, "die Geld kosten" auf der Stegplatte montiert und dieses ganze Modul dann auf den Schaumplattenflügel gesetzt. Wenn dann nach den ersten Flugversuchen der Deltaflügel völlig zerknautscht ist, wird eben ein neuer hergestellt, das Modul aufgesetzt und weitergeflogen. Die ganze Konstruktion kommt auch ohne die uns geläufigen Zubehörteile wie Ruderhebel oder Gabelköpfe aus, nur habe ich bei den Servos "stilloserweise" Halteklips verwendet um einen fürchterlichen U-Haken in der Stoßstange zu vermeiden.

Der Bau war natürlich schnell erledigt. Nun ging es zum Erstflug, der spannend zu werden "drohte". Vorsichtshalber hatte ich, weil die kleine Anlage schon im Mode 1 mit einem Delta-Mischer fest vorprogrammiert war und ich seit Jahrzehnten eingefleischter Mode 4-Flieger bin, den Empfänger ausgetauscht, meinen vertrauten Sender programmiert. Wen wundert's, ich bin recht gut mit diesem Fluggerät zurechtgekommen: Die Motorleistung ist ausreichend, die Ruderwirksamkeit sehr direkt aber nicht überfordernd. Damit müsste es auch ein blutiger Anfänger ohne Begleitung schaffen, eine Art Mo- dellfliegen zu erlernen.

Alles in allem ein interessantes Konzept, das vor allem auch durch die Chance der Verwendung aller möglichen und unmöglichen Flächenformen gerade für Jugendliche attraktiv sein kann. Das Buch beschreibt zum Beispiel Formen wie Bananen, Karotten, Erdbeeren, aber auch fliegende Herzen, Fledermäuse, Rochen und Halbkreise. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und im Mittelpunkt bleibt immer das gleiche Steuer- und Antriebsmodul. Weitere Infor- mationen findet man über www.brooklynaerodrome.com.

Übrigens: Aus den eingangs erwähnten Kleiderbügeln werden die Schubstangen für die Ruderanlenkungen geschnitten.

Herbert Eberbach


Fakten

Brooklyn Aerodrome
Ein Anfängermodell aus den USA

Spannweite: 1.060 mm
Länge: 600 mm
Gewicht: 400 g
Preis: 199,- USD
Bezug: http://brooklyn-aerodrome.myshopify.com/collections/frontpage


Technik und Kleinteile auf einen Blick, oben links sind die Schaumstoffplatten und die Kleiderbügel sichtbar


Alle Elektronikteile werden auf der zentralen Stegplatte montiert


Die Stegplatte wird zu guter Letzt auf den Schaumplattenflügel gesetzt


Selbst die Runderanlenkungen werden mit Kabelbindern und Doppelklebeband montiert


Mit knapp über einem Meter Spannweite und 60 Zentimetern Länge ist "Brooklyn Aerodrome" ein kompaktes Modell



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