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ARF-freie Szene

Der "Laserfish" von Kirchert Modellbau


1,6 Meter Spannweite und Jedelsky-Flügel. Damit haben Generationen von Modellfliegern gelernt

Am Anfang war . der "Airfish". Wer kennt ihn nicht? Tausende Male gebaut hat dieser gutmütige Segler vielen Modellfliegern die ersten Erfolgserlebnisse beschert. Die Flugeigenschaften des "Airfish" waren an Sicherheit und Gutmütigkeit kaum zu übertreffen. Das wesentliche Merkmal dieser Konstruktion war der "Jedelsky"- Flügel aus Vollbalsa - genial einfach und reparaturfreundlich - in der Thermik auch heute noch ein Garant für gutes Steigen.

Der österreichische Modellbauhändler Kirchert in Wien - der gerade sein 51. Jahr des Bestehens feiert - hat sich der Konstruktion an- genommen und den hauseigenen "Laserfish" daraus entwickelt. Angeboten wird das Modell in drei Größen: "Laserfish 1.0" mit einem Meter Spannweite, "Laserfish 1.6" mit 1,6 Metern Spannweite und den verdoppelten "Laserfish 3.2" mit 3,2 Metern Spannweite. 1,6 Meter Spannweite versprechen Alltagstauglichkeit und Flugspaß. Grund genug also, sich die Konstruktion mal näher anzusehen.

Geliefert wird der Bausatz mit allen Bauteilen, Anlenkungen und mit einer ausführlichen Bauanleitung. Die Holzteile sind sauber mit dem Laser geschnitten und fallen fast von alleine aus den Brettchen. Stärker beanspruchte Spanten und Rippen sind in Pappelsperrholz ausgeführt. Die Verstärkung der Tragflächen und des Höhenleitwerks sind elegant geschwungen aus 0,4-mm-Birkensperrholz gefertigt. Probleme mit zu stark gespannten Gummiringen und eingedrücktem Balsa gehören damit der Vergangenheit an. Die Bauanleitung besteht aus Übersichtszeichnungen und vielen Detailbildern, die jeden Bauschritt genau darstellen. Toll gemacht! Trotzdem dazu eine Anmerkung: Das Format der Anleitung ist in DIN A5 gehalten und damit sind die Bilder recht klein. A4 wäre perfekt.

Der Rohbau des ganzen Modells ist inklusive aller Einbauten leicht an einem Wochenende zu schaffen. Ich wollte länger Spaß, also hat es bei mir zwei Wochen bis zum Erstflug gedauert.

Die Leitwerke werden aus wenigen, sehr gut passenden Teilen zusammengebaut. Ich habe übrigens fast nur Expressleim und "UHUhart" verwendet - das bringt entspanntes Bauvergnügen und saubere Finger! Das Höhenleitwerk hat ein tragendes Profil und wird mit Gummiringen am Rumpf befestigt. Sehr einfach und konstruktiv toll gelöst ist die Führung mit einem längs eingeklebten Buchenrundstab, der im Rumpf in einer Nut "einrastet". Die Ruder werden mit kleinen Stücken von einem Perlonband anscharniert - einfach, haltbar und leichtgängig. Das haben wir früher schon so gemacht und es passt auch heute noch sehr gut zum Retrolook des "Laserfish".

Der Tragflächenbau beginnt mit den Außenteilen, die aus Sicht eines Anfängers vermutlich etwas schwieriger zu bauen sind. Zunächst wird die vorgefräste Profilleiste aus Balsa entsprechend der Kontur verschliffen, dann muss eine ebenfalls gefräste Nasenleiste aus Kiefer der Kontur entsprechend aufgeklebt werden. Klebeband zur Fixierung genügt da alleine nicht - ich habe die Nasenleiste befeuchtet und vorgebogen, so lässt sie sich fast ohne Spannung aufleimen. Die Steckung besteht aus zwei Stahldräh- ten mit drei, beziehungsweise zwei Millimetern Durchmesser in passend abgelängten Messingrohren, die in eine einfache Kastenkonstruktion mit etwas 5-Min.-Epoxy eingeklebt werden. Es ist natürlich darauf zu achten, dass eine rechte und linke Tragflächenhälfte gebaut wird. Am besten die Teile vorher trocken zusammenstecken und alles überprüfen, bevor geklebt wird.

Der Bau des Rumpfes verläuft sehr einfach und ich muss an dieser Stelle dem Konstrukteur Gerold Kirchert ein großes Kompliment machen: Die "Einfachheit" entsteht durch eine sehr gut durchdachte Konstruktion mit vielen pfiffigen Ideen.

Die Ruder werden mit zwei kleinen Servos angelenkt die aufgrund der Leichtgängigkeit von Seiten- und Höhenruder gerne etwas günstiger sein dürfen. Auch der Antrieb stellt keine großen Ansprüche: Ich hatte noch einen arbeitslosen 28-mm-Außenläufer (75 Gramm) mit 18-A-BEC-Regler und einer 9x5-Zoll-Klappluftschraube in der Schublade liegen. Das passte perfekt und sollte locker reichen, um das bisschen Holz nach oben zu bringen.

Doch bevor es so weit war, musste der ganze Rohbau noch einmal verschliffen und drei bis vier Mal mit Porenfüller gestrichen werden. Einfacher geht es nicht. Ich habe auf eine der Tragflächenhälften noch zwei rote Streifen aus Be- spannpapier aufgeklebt. Es macht einfach Spaß an dem Modell "herumzubasteln" und der Kreativität und Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Ich habe in Wien sogar einen "Laserfish" in trendigem Paris-Hilton-Pink und Grafittis in dezentem Schwarz gesehen .

Der Erstflug des "Laserfish 1.6 " erfolgte an einem sonnigen Herbsttag über dem Irrsee. Die "beste Fotografin" stand bereit dann habe ich den "Laserfish" seinem Element übergeben. Das Modell zog leise schnurrend davon und überzeugte mich sofort durch eine sehr gute Ruderfolgsamkeit. Die Motorkraft passte ebenfalls sehr gut. Dann folgten einige Eingewöhnungsrunden, bevor es zum entspannten Wiesenschleichen ging - immer den Kommandos der Kamerafrau folgend schön knapp über dem Boden und wieder raus über den See. Dann, beim Rückflug entlang dem Waldrand "kreuzte" plötzlich eine Buche die Flugbahn und der "Laserfish" landete krachend im Geäst. Meine Flüche haben hoffentlich keine Schäden bei der heimischen Tierwelt hinterlassen.

Bei der Bergungsaktion habe ich versucht, den Ast mit einem Seil zu erwischen und den "Laserfish" herunterzuschütteln. Das ist letztlich auch gelungen, nicht jedoch, das Modell zu fangen. Der Einschlag aus gut sieben Metern Höhe blieb halbwegs ohne Folgen. Das Seitenleitwerk war zwar ab, dafür blieben Höhenleitwerk und Flächen heil, dank der guten alten Befestigung mit Gummiringen. Fazit dieser Geschichte: Der "Laserfish" fliegt nicht nur gut, er ist auch stabil und damit wirklich anfängertauglich.

Die Flüge der folgenden Tage zeigten dann noch eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit dieser Konstruktion. Stabiles Herbstwetter mit wenig Bewegung, trotzdem konnten immer wieder kleine Aufwinde ausgeflogen werden. Entspannung pur, weil man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Der "Laserfish" lässt sich übrigens auch von Wind kaum aus der Ruhe bringen und kann damit auch am Hang geflogen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sehr gut gelungen ist, Altbewährtes mit neuen Mitteln umzusetzen. Retrolook ganz modern. Modellbau macht einfach Spaß. Und ich darf an dieser Stelle noch erwähnen, dass es "beim Kirchert" auch heute noch Dinge wie Bespannpapier, Spannlack oder alte Pläne gibt. Ein Besuch lohnt sich.
Walter Wachtler


Fakten

"Laserfish 1.6" von Kirchert
Ein Klassiger in Neuauflage

Spannweite: 1.600 mm
Länge: 910 mm
Gewicht: ca. 650 g
Preise: 69,- Euro (1.0), 89,- Euro (1.6), 450,- Euro (3.2)
Bezug bei Modellbau Kirchert
Tel.: 0043/1/9824463
www.kirchert.com


Geliefert wird der Bausatz mit allen Bauteilen, Anlenkungen und einer ausführlichen Bauanleitung


Der Buchenrundstab auf der Unterseite des Höhenleitwerks arretiert es in Mittelposition


Die Vollbalsaleitwerke unterstreichen die durchdachte Einfachheit der ganzen Konstruktion


Dank gelaserter Bauteile passt alles exakt und ist zügig aufzubauen. Hier das Tragflächenmittelstück


Das Modell gleitet leise schnurrend durch die Luft und überzeugt durch eine sehr gute Ruderfolgsamkeit


Die "Landung" im Springbaum verlief ohne nennenswerte Blessuren ab



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