TEST

Leistung satt

Der "Skywalker" von Baudis


Mit seinen 3,8 Metern Spannweite macht der "Skywalker" viel Freude im Hochleistungssegelflug

Seit Mitte 2014 ist der "Skywalker" von Baudis in Deutschland im Vertrieb von Thommys.com erhältlich. Das Modell überzeugt durch die moder- ne Auslegung, den zweiteiligen Sechs-Klappen-Flügel, das Pendel-Kreuzleitwerk, die Möglichkeit RDS-Anlenkungen einzubauen - auch auf dem Seitenruder - und nicht zuletzt auch durch die geringe Wartezeit und den Preis.

Angeboten wird der Hochleister in drei Versionen: eine günstige Voll-CFK-Variante (1x 160-g/qm-Kohle und 50-g/qm-Glas), eine schwere (2x 160-g/qm-Kohle) und eine leichte Doppel-CFK-Variante (2x 80-g/qm-Kohle). Ich wählte die leichte Doppel-CFK-Variante, da ich den "Skywalker" mit einem kraftvollen Elektroantrieb ausrüsten und gleichzeitig unter fünf Kilogramm bleiben wollte.

Auslegungsziel für den Elektroantrieb war eine ordentliche Leistung bei möglichst hoher Spannung, aber mit SBEC. Genau dazu passt der "Mezon 120"-Regler von Jeti/Hacker inklusive Telemetrie und einem leistungsstarken SBEC bis zu 8s-LiPo. Beim Motor entschied ich mich für einen "B50"-Hacker-Innenläufer mit Getriebe und damit bewusst gegen einen Außenläufer (mit Getriebe), da ich das schlanke Erscheinungsbild des Rumpfes erhalten wollte. Nur der zur Verfügung stehende Platz für einen 8s-Akku war eine Herausforderung. Schlussendlich wurde ein 3-Ah-LiPo in 5s und 3s aufgeteilt, sodass der 3s-Pack unter den Flächenverbinder passte.

Die Bauqualität von Jiri Baudis gehört zum Besten was es gibt: sauber und sehr leicht gebaute und gleichzeitig hochstabile Komponenten mit handwerklich perfekt ausgeführten Verklebungen - da versteht jemand sein Handwerk! Geliefert wurde das Modell mit Schutztaschen für Tragfläche und Höhenleitwerk, sieben RDS-Sets und einem vollständigen Zubehörbeutel mit Kabeln und GFK-Motorspant. Der Rumpf hat eine 2,4-GHz-freundliche Front ab der Nasenleiste, sodass die Antennen nicht unschön herausgeführt werden müssen. Das Leergewicht der Einzelteile im Einzelnen:

Tragfläche kpl.: 1.970 g
Rumpf: 645 g
Höhenleitwerk: 117 g
Verbinder: 259 g
(40x18x440 mm)
Zubehör mit RDS: 90 g

Als RC-Ausrüstung entschied ich mich - trotz SBEC - für HV-Servos und wählte sieben Futaba-"S-3174SV" für den Flügel und das Seitenruder. Beim Höhenruder wählte ich ein MKS-"HBL 6625 HV" für etwas mehr Kraft und Schnelligkeit. Für den Antrieb des Modells kam nach kompetenter Beratung durch die Firma Hacker ein "B50-11XL" mit 6,7:1-Getriebe an einer RFM-Luftschraube 20x13 Zoll mit einem 36-mm-RFM-Spinner (versetzt, 0°) und 8s-LiPo "TopFuel 20C-Eco-X" 3.000 mAh zum Einsatz. Hacker nannte für diese Kombination einen Strom von 65-70 Ampere, also insgesamt rund zwei Kilowatt Leistung. Auf der Empfangsseite wählte ich eine Doppelempfänger-Lösung mit zwei Jeti-"R6 A40 EPC" mit 40 Zentimeter langen Antennen und externer Stromversorgung, die ich im Dual-Modus (zwei unabhängige Funkstrecken) meines "DS-14"-Senders betreibe. Die Höhenruderfunktion wird auf beide Empfänger übertragen und dann mit einem Jeti-"Enlink 2 RS Plus" für das Höhenruderservo vereinigt. Aufgrund der Vielzahl an Servos und dem SBEC-Betrieb wurde noch ein Jeti-"AddCAP 10AS"-Stützkondensator in der Zuleitung vom Regler zu den beiden Empfängern eingebaut. Da der "Mezon"-Regler schon mit einer umfangreichen Telemetrie ausgestattet ist (u.a. SBEC-Strom und entnommene Gesamtkapazität), fehlte nur noch ein Jeti-"MVario2" für Höhen- und Steiginformationen.

Der Einbau des RDS ist von Baudis perfekt vorbereitet: Dornlängen und -winkel passen exakt, die RDS-Taschen sind bereits eingeklebt und der Steg ist auch passend ausgenommen. Auf der Webseite von Baudis findet man Videos zum Einbauvorgang. Beim Einbau sollte noch beachtet werden, dass die Nulllage des Servos, insbesondere bei den Wölbklappen und inneren Querrudern ungleich der Rudernullstellung ist. Nur so bekommt man ausreichend viel Butterfly-Ausschlag nach unten. Bei der Wölbklappe ist aufgrund des langen Dorns eine zusätzliche Abstüt- zung vorgesehen; diese habe ich aus 4-mm-Sperrholz erstellt. Verklebt sind alle RDS-Komponenten im Flügel mit "UHUendfest 300". Diese Einbauwinkel des RDS-Systems stellten sich als ideal heraus: Querruder außen 20 Grad, Querruder innen 30 Grad, Wölbklappen 40 Grad.

Für das Höhenruder waren zunächst die Kugellager für den Höhenruderverbinder vorsichtig einzukleben. Beim Einbau des Höhenruder-Servos hinten sollte eigentlich der mitgelieferte Umlenkhebel verwendet werden. Ich entschied mich aber für eine direkte, kurze Anlenkung mit einem M2,5-Kugelkopf direkt auf den hinteren 2-mm-Stahldraht des Höhenleitwerks. Leicht schräg findet das Servo seinen Platz. Mit zwei Holzklötzen verschraubt und eingepackt in Haushaltsfolie klebte ich alles mit ordentlich "UHUendfest 300" so ein, dass eine Art An-/Abformung entstand. So sitzt das Servo absolut fest und ist gleichzeitig einfach herausnehmbar. Damit der Kugelkopf nicht auf dem 2 mm Stahldraht seitlich hin- und her rutschen kann, wurden aus 3-mm-Messingrohr passende Hülsen abgelängt. Diese halten den Kugelkopf bei aufgestecktem Höhenruder in einer definierten seitlichen Position. Somit entstand eine kurze, feste, direkte und spielfreie Anlenkung des Höhenruders. Unter Ausnutzung des kompletten Servowegs wurden die Maximal-Ausschläge gemäß Anleitung erreicht.

Für die Kabinenhauben-Befestigung waren in dieser und auf der Rumpfinnenseite noch zwei Magnete einzukleben. Vorne war bereits ein Stahldorn eingeklebt. Der mitgelieferte GFK-Motorspant passte perfekt zum Hacker-Getriebemotor und dem 36-mm-Spinner.

Die Empfängereinheit befestigte ich auf einem kleinen Brettchen und schob es in den hinteren Teil des Rumpfes unter und hinter die Flügelstecker, beziehungsweise zog es von hinten mit einem dünnen Seil dorthin. Der Schwerpunkttest zeigte, dass der Antriebsakku weit nach hinten geschoben werden muss. Der 3s-Akku liegt nun flach und fast mittig unter dem Flügelverbinder. Der 5s-Pack steht direkt davor, getragen und nach vorne begrenzt durch eine kleine Akkuhalterung aus Sperrholzbrettchen, die gleichzeitig den Akku soweit anhebt, dass er bündig mit der Oberkante des Rumpfausschnitts ist. So konnte ich die bei mir bewährte Methode zur Akkubefestigung mit Klebeband auf der Rumpfaußenseite verwenden. Die vier Antennen der beiden Empfänger konnten durch ihre jeweils 40 Zentimeter Länge vor dem Akku an der Rumpfwand mit Klebeband befestigt werden. Das Abfluggewicht von nunmehr 4,8 Kilogramm verteilt sich auf:

Rumpf: 1.495 g
Antriebsakku: 670 g
Linker Flügel: 1.124 g
Rechter Flügel: 1.134 g
Verbinder: 117 g
Höhenleitwerk: 259 g

Der Erstflug war völlig unspektakulär: Die vom Hersteller mitgelieferten Angaben zu Schwerpunkt, Einstellwinkeldifferenz und Ruderausschlägen passen perfekt, sollten aber - wie immer - nach eigenem Ermessen noch optimiert werden. Der Antrieb zieht den Skywalker kräftig aus der Hand und lässt das Modell mit bis zu 24 Meter/Sekunde bei 60 Ampere Stromaufnahme (Eingangsleistung: ca. 1.740 Watt) steigen. Die Motorlaufzeit begrenzte ich auf 90 Sekunden, um genügend Kapazität für langes Fliegen zu belassen. Hier zeigte sich aber der Vorteil des "Mezon"-Reglers und seiner Telemetrie in Verbindung mit der Jeti-"DS-14": die Stromaufnahme der Servos und die entnommene Kapazität bleiben stets im Blick.

Beim Fliegen in größeren Höhen zeigt sich die exzellente Sichtbarkeit des Designs mit dunkler Unterseite und dem weiß-orangenen Blockstreifen. Senkrechte Abstiege aus 400 Metern und mehr bewältigt der Skywalker problemlos und ohne Flattern.

Mit dem Baudis-"Skywalker" erhält man einen hochqualitativen Zwecksegler, der durch seine Flugleistung und das Preis-Leistungs-Verhältnis vollends überzeugt. Der gewählte Hacker-Antrieb mit leistungsfähigem SBEC im "Master Mezon 120"-Regler funktioniert einwandfrei und ohne zusätzlichen Stützakku. Ganz aktuell plant Baudis derzeit eine Erweiterung als "Skywalker XL" für die neue Sport-Klasse im GPS-Triangle-Wettbewerb mit neuem Rumpf und Flügel-Mittelstück. Aber auch mit dem "kleinen" Skywalker wird man in GPS-Wettbewerben mitfliegen können - oder einfach nur Spaß haben.
Achim Streit
Fotos: Christian Carlsson, Dario Ernst, Philipp Gardemin, Achim Streit


Fakten

"Skywalker" von Bausid
Ein 3,8-m-Hochleistungssegler

Spannweite: 3.800 mm
Länge: 1.760 mm
Gewicht: 4.800 g
Fläche: 83,3 qdm
Flächenbelastung: 57,6 g/dm²
Preis: ab 1.280,- Euro
Bezug bei Thommys Modellbau
Tel.: 07021/726669
www.thommys.com


Das Design des Modells ist schlank und modern - die Farben sind bestechend


Die Komponenten der Empfängereinheit mit Telmetrie-Modulen und Motorregler auf einen Blick.


Der Antrieb kommt von Hacker und passt perfekt zum Modell.


Die Verteilung der Komponenten im Rumpf ist hier anschaulich dargestellt.


Die RDS-Anlenkungen sind einfach einzubauen und hochpräzise - Sorgfalt beim Einbau vorausgesetzt


Die Präzision der Bauqualität wird in dieser Detailansicht der Tragflächenruder besonders deutlich


Auch die Passung des Pendelhöhenleitwerks ist perfekt


Die RFM-Luftschraube legt sich dank des versetzten Mittelteils sauber an die Rumpfkontur an


Der Tragflächengrundriss ist typisch für Baudis-Konstruktionen und ein echtes Erkennungsmerkmal


In der Luft zeigt sich der "Skywalker" von seiner besten Seite und offenbart eine enorme Gleit- und Flugleistung


Das Blockstreifendesign auf der Unterseite vermittelt eine optimale Sichtbarkeit



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