REPORTAGE

F5B-Szene

Die Elektroflug-WM in Italien


Alle teilnehmenden Piloten und Helfer auf einen Blick

Vom 12. bis 20. August fand die F5-WM in Lugo/Italien statt, also Elektrosegelflug (F5B) und Pylonrennen (F5D). Schon im Vorwettbewerb zeigten die Österreicher ihre Stärke in F5B, in F5D - das gleiche Bild bei den Tschechen. Sollte es bei der WM auch so sein? Herbert Locklair war vor Ort.

Neu in F5B und F5D zugleich war die Verwendung eines einheitlichen Loggers. Der wurde vom Veranstalter gestellt und täglich getauscht. Er kam von Steve Neu und sollte die Chancengleichheit sicher stellen. Allerdings gab das auch bei F5D Anlass zu Protest eines tschechischen Leistungspiloten, der sogar seine Teilnahme deswegen absagte. Bei den F5B-Piloten kam ein etwas anderer Logger aus dem Hause Neu zum Einsatz. Der war gleich mit einem Sender verbunden, damit konnte am Boden mit einer speziellen Box der Leistungsverbrauch (Watt*Min) überprüft werden. Bei der maximalen Leistung von 1.750 Watt*Min muss der Motor nämlich nicht mehr abgestellt werden (Limiter), sie kann aufgrund des Loggers auch überschritten werden. Allerdings wird dann pro drei Watt*Min ein Punkt abgezogen.

Ansonsten sind die Regeln gleichgeblieben: F5B-Modelle mit definierter Größe und Mindestgewicht. Der Akku darf maximal 10s-LiPo in Serie betragen und muss mindestens 450 Gramm wiegen. Die Strecke von 150 Metern muss innerhalb 200 Sekunden so oft wie möglich geflogen, der Motor darf nur außerhalb eingeschaltet und nach Motor darf nur von Line A aus eingeflogen werden. Nach den 200 Sekunden Strecke geht es zum zehnminütigen Thermikflug, der mit der Landung (10-, 20-, 30-Meter-Kreis) endet. Jede Sekunde Unter- beziehungsweise Überschreitung und jede Sekunde Motor gibt einen Punkt Abzug.

Welches Material kam zum Einsatz? Die neue "Surprise 18" von Rudolf Freudenthaler leider nicht, sie war zu neu. Die 42 Teilnehmer setzten zum größten Teil den "Avionic B" von Sergey Sobakin (Russland) ein. Viele Versionen des "Avionic" wurden dabei gesichtet. Etwas Neues macht Sergey fast jedes Jahr. Jedoch nicht jedes Jahr ein komplett neues Modell. Mal ist es ein Rumpf, mal eine Tragfläche oder auch nur ein Leitwerk. Die Teile sind meistens kompatibel und somit wurden auch Kombinationen beobachtet. Die neueste Kreation, der "Avionic B 15-X", besteht aus Rumpf und Tragfläche des "B 15", allerdings wurde das Leitwerk neu gestaltet. Statt T-Leitwerk jetzt Kreuz. Dabei wird das Höhenleitwerk auf den Rumpf geschraubt, das Seitenleitwerk dahinter - wie ein Golfschläger. Damit hatte dieser Rumpf auch seinen Namen weg. Ansonsten kamen noch zwei Modelle zum Einsatz: der "Flip-Flop 6" des Japaners Hiroshi Kojima und der "Speedfire 2" des Tschechen Petr Janku. Wegen des schmalen Rumpfes hatten die "Avionic"-Piloten mit dem Verstauen der Akkus am meisten zu kämpfen, die "Speedfire 2"-Piloten hatten damit die wenigsten Probleme.

Bei den Modellen also ziemliche Eintracht, bei den Flugakkus war es das Gegenteil. Zwar wurden meistens 10s eingesetzt, aber auch 8s wa- ren zu finden. Vielfalt auch bei den Zellentypen. Hier hat jeder entweder einen Sponsor gefunden oder auf preiswerte und gute Zellen gesetzt. Verwundert haben mich die Italiener, mit den von GensAce vertriebenen "Tattu"-Zellen. Warum? Diese Zellen sind an sich für den statischen Betrieb, wie zum Beispiel im Heli- oder Multikopter gedacht. Für kurzfristige Höchstleistungen (100 C für 1,5 Sekunden) jedoch nicht. Dennoch, machten sie alles problemlos mit.

Das Akkugewicht muss mindestens 450 Gramm betragen. Diese Regel wurde aufgenommen, um das Akkusterben - wie früher bei den NiMh-Zellen - auszuschalten. Es hat sich bewährt. Heute halten die Akkus mindestens zwei bis drei Flugsaisonen aus. Viele WM-Teilnehmer lagen mit ihrem Akkugewicht sogar weit darüber - bis zu 550 g. Nur wenige kosteten das Limit aus, der Akku von Franz Riegler brachte es auf genau 450 Gramm!

Bei den Motoren herrschte Leomotion vor, gefolgt von Steve Neu und einigen Plettenberg-Exemplaren - allerdings in sehr unterschiedlichen Größen (Längen) und Windungszahlen. Die spezifische Drehzahl lag zwischen 2.100 und 2.300 RPM. Auch der Einsatz eines Getriebes war obligatorisch, fast immer 6,7:1. So wundert es auch nicht, dass die Propeller ziemlich gleich ausgelegt waren, entweder von Sergey Sobakin oder auch von GM. Nur wenige, wie Thomas Waeckerlin aus der Schweiz, bauen ihre Propeller noch selbst. In punkto Drehzahlregler ebenfalls ein einheitliches Bild: fast immer YGE oder Castle Creations, die aber auch in den unterschiedlichsten Versionen.

Emil Giezendanner und Urs Schaller hatten als F5B-Wettbewerbsleiter einiges zu tun. Zum Glück bekamen sie bei der Durchführung Hilfe von Kollegen aus der Schweiz und aus Österreich. Die Software des vom Veranstalter gestellten Neu-Loggers war erst kurz vor der WM wett- bewerbstauglich. Tests waren daher nur im Vorwettbewerb möglich. YGE-Controller konnten beispielsweise erst da eingesetzt werden. Zu Anfang hatten auch einige Teilnehmer mit dem Telemetrie-Teil zu kämpfen. Da dessen Sendean- tenne am Modell störte, war sie nicht entsprechend platziert. Manchmal entstand der Eindruck, dass das "Motor-aus"-Signal des Kontroll- empfängers etwas verzögert bei der PC-Box ankam. Der Kontrollempfänger, der die Signale für einen korrekten Ein- und Ausflug ohne Mo- tor gewährleistet, war nämlich nicht direkt an der PC-Box angeschlossen, sondern über die Telemetrie-Box geleitet. Nur wenn die gemeldet bekam, dass keine Leistung mehr gefordert wurde, gab sie das "Motor-aus"-Signal weiter. Auf der einen Seite eine gute Sache, da so Manipulationen am Regler ausgeschlossen sind. Wenn aber etwas zwischen Sender (im Modell) und der Telemetrie-Box die Funkstrecke stört - Modellage oder Personen auf der Funkstrecke - können die Signale 0,1 bis 0,2 Sekunden später ankommen. Die Folge: Motoreinflug in A, somit zurück und wieder ohne Motor die Strecke beginnen. Das kostet wertvolle Zeit und in der Regel eine Strecke. Insgesamt aber ist diese Art der Kontrolle eine gute Sache, da es fair für alle zugeht.

Jeden Tag wurden zwei Durchgänge geflogen. Ab dem dritten Durchgang wurde die Startreihenfolge umgekehrt zum Ranking gesetzt. Das heißt: der Beste fliegt zum Schluss und kann somit seine Taktik entsprechend ausrichten. Hannes Starzinger (Österreich) hatte schon gleich zu Beginn gezeigt, dass mit ihm zu rechnen war. Nach den ersten drei Runden führte er das Feld bis zum Schluss an. Auch sein Landsmann Karl Waser zeigte seine Klasse, gereicht hat es immerhin zum zweiten Platz. Bei den Deutschen lief es heuer nicht so gut. Am besten kam noch Heiko Greiner mit allem zurecht, was ihm auch einen dritten Platz in der Einzelwertung brachte. Christian Ulbrich zeigte erst in der zweiten Hälfte sein Können - leider etwas zu spät. Aber Platz 2 in der Mannschaftswertung: Gratulation. Der dritte Platz in der Mannschaftswertung ging an den Gastgeber Italien.

Es war eine heiße WM mit dem Einsatz neuer Technologien, dem gemeinsamen Einsatz von Helfern aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und aus Italien. Der Einsatz einheitlicher Logger, alle mit Telemetrie und Kontrolle der verbrauchten Leistung am Boden, war erstmalig und hat sich auch durchaus bewährt. AUFWIND gratuliert den neuen Weltmeistern ganz herzlich. Die Österreicher haben alles richtig gemacht!

Herbert Locklair


Ergebnisse (Top-10)

F5D
1. Tomas ANDRLIK, CZE
2. Jan SEDLACEK, CZE
3. Tomas CINIBURK, CZE
4. Atsushi OTSUKI, JPN
5. Aleksandr ANISIMOV, RUS
6. Christophe CASTAGNET, FRA
7. Bruce De CHASTEL, AUS
8. Alexander DAVY, AUS
9. Frederic GREGOIRE, FRA
10. Marcel SCHLAGE, SUI

F5B
1. Johannes Starzinger, AUT
2. Karl Waser, AUT
3. Heiko Greiner, GER
4. Franz Riegler, AUT
5. Christian Ulbrich, GER
6. Thomas Wäckerlin, SUI
7. Remo Frattini, ITA
8. Gerben van Berkum, NED
9. Wolf Fickenscher, GER
10. Jeppe Alkaersig, DEN


Das Basislager der F5B-ler. Für jede Nation ein Zelt

Jeppe aus Dänemark platziert seinen Logger. Auf die Platzierung galt es besonders zu achten

Mit einem Testgerät wurde die Genauigkeit der Logger getestet

Alessandro Mossa positioniert den Logger in seinen "Flip-Flop 6"

Die Mannschaft um Wettbewerbsleiter Emil Giezendanner. Er hatte sie aus der Schweiz mitgebracht

Keine Truppe stand so korrekt wie die deutsche: Wolfgang startet den "Avionic", Christian fliegt, Heiko sagt an, Oswin stoppt die Zeit

Besuch aus Kassel im deutschen Lager: Diana und Uwe Plettenberg

Johannes Starzinger, der neue Weltmeister F5B

Oswin Greiner startet den "Avionic B15-X" von Heiko Greiner

Die Belgier schalten den Motor schon beim Loslassen ein

Wie stark die Luftschraube nach vorne beim Anlaufen anwinkelt, ist beim Start des "Flip-Flop 6" deutlich zu sehen

Die deutsche Mannschaft auf dem Weg zur Startstelle: Christian Ulbrich, Heiko Greiner, Wolfgang Schulz und Oswin Greiner

Steve Neu aus den USA nahm mit einem "Avionic" teil

Kojima Hiroshi, Japan, ist Konstrukteur und Produzent des "Flip-Flop 6"

Petr Janku hat den "Speedfire 2" konstruiert und vertreibt das Modell auch

Sergey Sobakin (links) stellt den "Avionic" her. Besser fliegen kann allerdings sein Bruder Anashin Sobakin

Von ihm wird man demnächst sicher mehr hören: Martin Neudorfer, Junior-Weltmeister F5B

Die Tschechen präsentierten ihre Modelle zu Recht, Sieger auf den ersten drei Plätzen bei F5D

Mannschaftsweltmeister F5B Österreich, 2. Deutschland und 3. Gastgeber Italien

Die Mannschaftswertung in F5D ging an Tschechien, gefolgt von Australien und der Schweiz

Die "Flip-Flop 6"-Modelle zeichneten sich nicht nur durch gute Flugeigenschaften aus. Sie sind auch handwerklich exzellent hergestellt

Diagramm 1: Die Leistung für alle zehn Steigflüge von Thomas Waeckerlin. Diagramm 2: Und hier die Höhen dabei. Die oberen vier Kurven sind 6-er Strecken, darunter 4-er Strecken. Gut zu sehen auch jedes Mal die Wende. Diagramm 3 zeigt den Verlauf des Thermikfluges (10 min)



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