TEST

Facelifting

Der "Vision 3000" von Mibo Modeli

Immer leichter, immer größer, aber auch immer empfindlicher - so fasst AUFWIND-Autor Klaus Löcker viele der Neuentwicklungen im Bereich F3J und F5J zusammen. Doch sind die Modelle auch alltagstauglich für den Hobbypiloten? Für ihn ist der "Vision 3000" gedacht.

Alltaustaugliche Hochleistungsmodelle? Ja bestimmt, zumindest für denjenigen, der diese Modelle beherrscht. Aber auch alltagstauglich für den ambitionierten Hobbypiloten, der, wie ich, gerne am Hang sitzt, jeden leichten Aufwind mitnimmt aber dabei keinerlei Wettbewerbsgedanken pflegt? Der besonderen Wert darauf legt bei den unterschiedlichsten Wetterlagen mit ein und demselben Modell unterwegs zu sein? Ich bin überzeugt, da kommt man mit einer anderen Modellauslegung mindestens genau so gut klar. Nur ist die Auswahl an solchen Modellen nicht besonders groß, wenn man Qualität, Preis und Lieferzeiten berücksichtigt. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Mibo-Modeli den altbewährten "Vision Sport" überarbeitet hat und nun als "Vision 3000" anbietet. Der Vertrieb erfolgt in Deutschland über Harrys-Modellbauservice in Gersfeld unterhalb der Wasserkuppe.

Ich fliege den "Vision Sport" seit 2007 und schätze das Modell. Nach den vielen Flugstunden ist der Segler allerdings mächtig in die Jahre gekommen und die Neuauflage kommt wie gerufen. Bei Harry habe ich diese dann in den Augenschein genommen. Kawasaki-Grün! Ham- mer! Das gefällt auf Anhieb. Die Oberflächengüte sowie die gesamte Verarbeitung wirken überzeugend. Leicht? Ein riesiger Gewichtsunterschied ist "auf den ersten Griff" nicht festzustellen. Ich denke aber, durch neue Verarbei- tungstechniken und Materialien sind beim Segler sicher nochmal rund 200 Gramm Fluggewicht einzusparen. Mein erster Gedanke war, dass das Modell definitiv unter 2.000 Gramm liegen muss. Die Gesamtgeometrie hat sich nicht verändert, auch wenn dem Segler ein etwas schlankerer Rumpf gut zu Gesicht gestanden hätte. Doch auch dieser, etwas voluminösere Rumpf bringt den Vorteil einer individuellen Nutzung mit sich. Ohne Probleme lässt er sich zum Elektrosegler umbauen. Mit den heutigen leichten Getriebe-antrieben (z.B. Reisenauer-"Leopard LBP 2845 3300KV") ist die Elektroversion meist nicht viel schwerer als die Seglerversion. Die Tragflächen sind konstruktiv in einer Carbon-D-Box ausgeführt.

Die Entscheidung stand fest, das Modell würde den Besitzer wechseln. Harrys Modellbauservice bietet auf Wunsch auch einen Bauservice von einzelnen RC-Komponenten bis hin zur gesamten Fertigstellung an. Da die Tragflächenservos immer die meiste Arbeit machen, habe ich diese Arbeitsschritte testweise vergeben. Die Anlenkung aller Ruderklappen erfolgt von oben. Die Auslässe für die Querruder waren selbst auszufräsen, die der Wölbklappen waren bereits vorhanden und mit angeformten Hutzen versehen. Die Servos "KST DS135 MG" - eine gute Alternative zu den Futaba-"S-3150" - wurden mit Servorahmen eingebaut. Deren Montage ist mit montierten Servos zu machen: Ein Stück Frischhaltefolie trennt dabei Rahmen und Servo und bewirkt, dass überschüssiges Harz das Servo nicht verklebt oder Fräsarbeiten bei Montage ohne Servo erforderlich werden. Die Ausführung durch Harrys Bauservice war einwandfrei, seine langjährige Erfahrung deutlich sichtbar. Ein normaler SUB-D Stecker verbindet den Kabelbaum mit Tragfläche/Rumpf. Der Einbau war vorbereitet und sehr passgenau. Hier müssen die Lötstellen direkt waagerecht zum Stecker erstellt werden, da die Einbautiefe in der Tragfläche recht gering ist. Den Übergang Mittelteil/Flächenohren erstelle ich gern einseitig fest verharzt, auf der anderen Seite in loser Ausführung. Sollte sich bei einer etwas härteren, beziehungsweise versetzen Landung ein Flächen- ohr lösen, leidet die Servosteckverbindung nicht.

Vor den Arbeiten am Rumpf erfolgte eine provisorische Montage des Modells, um die ideale Position der RC-Komponenten zum vorgegebenen Schwerpunkt zu ermitteln. Mit zwei "KST DS145MG"-Servos, einem 2s-Akku LiFePo und entsprechendem Spannungswandler waren dennoch rund 180 Gramm Blei in der Rumpfspitze erforderlich, um den Schwerpunkt von 95 Millimetern ab Tragflächenvorderkante zu erreichen. Eingetaucht in Eiswasser, wurde das Blei in die Spitze eingegossen. Das Servobrett wurde weit vorne positioniert und mit GFK-Gewebe und Harz dauerhaft befestigt. Ein Ausbau des Empfängerakkus ist nun aber nur noch bei demontierten Servos möglich. Nun wurden noch die Anlenkungen fertiggestellt, der Empfänger montiert und das ganze Modell erneut gewogen. Mit weiteren 20 Gramm Blei pendelte sich das Gesamtgewicht bei 1.940 Gramm ein. Punktlandung, Wunsch erfüllt. Damit sind es rund 160 Gramm weniger Fluggewicht im Gegensatz zum "Vision Sport" von 2007. Hört sich nicht so viel an, wird aber gerade in den schwachen Aufwindfeldern sicher deutlich zu spüren sein.

Das Höhenleitwerk ist über eine CFK-Stange gelagert und über einen Stahlstift in Verbindung mit dem eingebauten Umlenkhebel angelenkt. Leider ist der Anlenkhebel recht beweglich. Dabei ist es kaum zu verhindern, dass die Anlenkung mal nach vorn oder nach hinten im Leitwerk förmlich verrutscht, beziehungsweise verschwindet. Es kostet schon Nerven, die Anlenkkugel immer wieder genau zu positionieren. Abhilfe schafft ein kleiner Super-Powermagnet. Seitlich am Leitwerk positioniert, zieht er den Anlenkhebel an sich. Bewegt man den Magnet nun von links nach rechts, oder umgekehrt, wandert der Kugelkopf zwangsläufig mit. Im Bereich der Ausfräsung rastet er dann fast hörbar ein. So ist die Montage des Stahlstiftes dann ein Kinderspiel. Aber bitte nicht vergessen, vor dem Flug den Magneten wieder zu entfernen.

Wer das Modell elektrifizieren möchte, darf auf einen recht kleinen Spinnerdurchmesser zurückgreifen: 30 oder 28 Millimeter sind bei Verwendung des Reisenauer-LBP-Getriebeantriebes problemlos möglich. Die Gesamtgeometrie des Rumpfes geht dabei keineswegs verloren. Mit einem 3s-LiPo 2.400 Milliamperestunden pendelt sich das Fluggewicht bei 2.095 Gramm ein.

Zugegeben, nach so vielen Flugstunden mit dem alten "Vision-Sport" fällt es schwer, die Erwartung hochzuschrauben. Wer so häufig ein und dasselbe Modell fliegt beherrscht so ziemlich jede Situation, durch die man sein Modell bewegt. Die dadurch entstandene Grundsicherheit nimmt mir jegliche Art der Anspannung. Das ist bei anderen neuen Modellen definitiv anders.

Mit leichtem Schwung ging es über die Kante: Modellnase runter, Seitenruder voll rein und schon drehte sich der "Vision 3000" im Aufwind. Meter für Meter nahm die Höhe zu. Der leicht ruppige Wind machte dem Modell gar nichts aus. Wie an der Schnur geführt zog der neue "Vision 3000" einen Kreis nach dem anderen. Dynamisch, beweglich und immer absolut beherrschbar ging es an der Hangkante vorbei, wieder in die Höhe und anschließend mit reichlich Tempo in den Bereich Spaßfaktor. Looping? Kein Problem. Rollen? Nun, die 5-Grad-Verbinder zwischen Mittel- teil und Außenohren bilden keine Grundlage für eine absolute Kunstflugauslegung. Aber das Modell dreht Rollen sauber durch, vorrausgesetzt die Querruderdiffernzierung passt.

Der "Vision 3000" tendiert in Richtung F3J. Das Modell lässt sich bei leichten Wetterlagen aber auch bei stärkeren Winden problemlos einsetzen. Landehilfe? Die Wölbklappen für Butterfly darf man gern auf ein Maximum programmieren. Bei mir sind 90 Grad möglich. Mit leicht hochgezogenen Querrudern zwingt die Butterflylandung das Modell förmlich in die Knie und positioniert es genau dort, wo man es haben möchte.

Und was ist mit den eingesparten 160 Gramm? Spürbar? Nein, an den windigen Erstflugtagen nicht. Das war aber auch nicht anders zu erwarten. Als wenige Tage später der Wind fast einschlief, ging es erneut über die Hangkante des Weiherberges. Aufwind gleich null, Thermik im Bereich der Hoffnung. Mit leicht gesetzten Wölbklappen ging es auf Strecke. Jetzt spielte das Leichtgewicht mit seinen Qualitäten. Minutenlang ging es mit geringem Höhenverlust von rechts nach links, mal weiter draußen, mal zurück zur Hangkante. "Schnüffeln" war wohl der richtige Begriff. Allein die kleinsten Luftzüge hielten den "Vision 3000" oben. Die Fläche hob sich rechts. Etwas laufen lassen, mit Seitenruder eindrehen und stabilisieren. Wie auf der Flächenspitze fixiert wurde jeder Zentimeter Höhe erarbeitet. Jetzt war Ausdauer gefragt, drin bleiben und weitermachen. Die Freude über den neuen "Vision 3000" blieb unermüdlich bestehen.

Neu bei diesem Modell sind der Name und das geringere Gewicht, bei gleichgebliebenem Qualitätsanspruch. Ein Allroundmodell mit 3.155 Millimetern Spannweite, wendig und agil, auch an kleinen Hängen oder in der Ebene jederzeit einsatzbereit. Bei Harrys-Modellbauservice kann der Vorfertigungsgrad selbst bestimmt und auch ein flugfertiges Modell bezogen werden.

Kurz und gut: Ein gelungenes Update!

Klaus Löcker


Fakten

"Vision 3000" von MiBO Modeli
Ein Allroundmodell mit Leistung

Spannweite: 3.155 mm
Länge: 1.550 mm
Gewicht Segler: 1.940 g
Gewicht Elektro: 2.095 g
Fläche: 63,27 qdm
Flächenbelastung Segler: 30,7 g/qdm
Flächenbelastung Elektro: 33,1 g/qdm
Preis: ab 990,- Euro
Bezug bei Harry`s Modellbauservice
Tel.: 06654/918211
www.harrys-modellbau-service.de


Mit einem 30-mm-Spinner geht die Gesamtgeometrie des Modells nicht verloren

Kabelbaum und Akku gehören nicht zum Standard-Lieferumfang, müssen separat erworben werden

Farblich hervorragend aufeinander abgestimmt: Modell und Sender in "Kawasaki-Grün"

Mit einem kleinen Powermagnet lässt sich der Anlenkhebel des Höhenleitwerks kinderleicht positionieren

Die Wölbklappenanlenkung ist mit kleinen Hutzen versehen, im Bereich der Querruder erfolgt die Anlenkung auch von oben

Die KST-Servos passen perfekt in den Flügel



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