TEST

5.000 Kilometer erflogene Strecke

Der "FS 4000 VXL" von Sport Klemm im Langzeittest


Mit fast 4,4 Metern Spannweite ist der "FS-4000 VXL" ein echtes Sportgerät

Die Modelle der FS-Serie von Volker Klemm sind bewährt und immer wieder auf Modellflugplätzen und an Hängen anzutreffen. FS-Piloten sind zufrieden mit ihren "Fliegern vom Feinsten" und haben sie meist viele Jahre im Einsatz. So wie Michael Gerst.

Jahrelang hatte ich mit dem Gedanken gespielt, ein Modell bei Volker Klemm zu bestellen. Und plötzlich war die Entscheidung gefallen. Nach einigen Telefonaten mit dem Hersteller standen dann auch Ausstattung und Optionen meines neuen Modells fest. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Empfehlungen von Volker Klemm kann ich nach mehr als zwei Jahren Flugerfahrung mit der "FS 4000 VXL" absolut bestätigen.

Die "FS 4000 VXL" mit 4,36 Metern Spannweite wird mit zwei verschiedenen Rümpfen angeboten. Die Variante mit dem geräumigeren Rumpf wollte mir Volker Klemm zum damaligen Zeitpunkt noch nicht empfehlen. Er selbst war mit der Auslegung noch nicht rundum zufrieden. Wie er sagt, gehe kein Modell in Serie bevor es nicht seinen eigenen Ansprüchen genügt. Eine Einstellung die den begeisterten Modellpiloten erkennen lässt.

Im Frühjahr 2015 habe ich endlich mein Modell erhalten: eine brandneue "FS 4000 VXL". Entwickelt wurde der Allround-Segler auf der Basis der schon legendären "FS 4000". Der Unterschied besteht in einem neuen Rumpf, einem größeren V-Leitwerk, einem Flächenmittelteil mit mehr Spannweite und einer deutlich reduzierten Einstellwinkeldifferenz von nur noch etwa 0,4 Grad. Die Auslegung als Elektrosegler mit 4,36 Metern Spannweite, dem sehr schlanken Rumpf und der transportfreundlichen dreiteiligen Tragfläche entsprachen exakt meinen Vorlieben. Und das Beste: Der Aufbau des Modells erfolgt komplett ohne Werkzeug!

Von einem Bau kann man dabei eigentlich gar nicht sprechen. Vielmehr ist es eine Endmontage, an wenigen Bastelabenden gut zu schaffen. Servos und Antrieb einbauen, Kabel verlöten, Rudergestänge anfertigen. Das war es dann beinahe schon. Etwas Planung über den Sitz der einzelnen Komponenten ist vorab dennoch erforderlich. Die 32 Seiten starke Bauanleitung kann ich nur empfehlen! Sie ist mit viel Liebe zum Detail und mit zahlreichen Bildern erstellt. So manchen guten Tipp gibt es noch oben drein. Das erspart mühsames Ausprobieren und langwieriges Testen. Als Servos wählte ich Futaba-"S-3156" für Höhen- und Seitenruder sowie Graupner-"DES 658 BB MG" für Wölbklappen und Querruder.

Einer Empfehlung von Volker Klemm folgend, habe ich als Antrieb ein Hacker-"B50 11L 6,7:1" mit 6s-LiPo 2.650 mAh genommen. Und auch die firmeneigene Luftschraube "FS-10" (Größe: 17,5 x 12,3 Zoll) gleich mitbestellt. Der Antrieb mit circa 1.200 Watt passt hervorragend zu der Gesamtauslegung. Damit lässt sich das Modell sehr sicher selbst starten. Die Steigleistung liegt bei zehn Metern/Sekunde und reicht für etwa 1.200 Höhenmeter pro Akkuladung. Mit dem stark versetzten Mittelteil liegt der Propeller im Segelflug gut am Rumpf an. Zudem habe ich ihn in Rumpffarbe lackiert, so fällt er nahezu nicht auf. Im Flug ist er schlichtweg nicht zu erkennen.

Volker Klemm bietet eine Vielzahl an verschiedenen Designs für seine Modelle an. Da sollte wirklich jeder sein Lieblingsmuster finden. Das von mir gewählte hat sich sehr gut bewährt: Die schwarze Unterseite der Tragfläche mit den weißen Blockstreifen bietet einen hervorragenden Kontrast. Und das sogar in großer Höhe oder bei schlechten Sichtbedingungen. Die weiße Oberseite mit den roten Flächenenden ist speziell beim Hangfliegen gut zu erkennen. Unabhängig davon, ob das Modell tief im Tal oder vor einer Felswand fliegt.

Sehr hilfreich sind die ausführlichen Einstellwerte von Volker Klemm. Sowohl die Ruderausschläge, als auch die Einstellungen für die Flug- phasen passten für mich auf Anhieb. So konnte ich mir langwierige Trimmflüge ersparen und hatte von Beginn an ein sehr gut eingestelltes Modell. Alles andere ist Geschmackssache.

Ohne Ballast wog die "FS 4000 VXL" in dieser Auslegung 4.850 Gramm. Also noch deutlich unter der 5-kg-Grenze. Das lässt auch bei schwachen Bedingungen lange Flugzeiten zu. Auch wenn es sich bei der "FS" um kein F5J- oder F3J-Modell handelt, kommt es dem Floaten doch recht nahe. Ich habe meist einen Ballast von 500 bis 750 Gramm zugeladen, damit wird das Modell deutlich dynamischer. Aus meiner Sicht der beste Kompromiss. Der Segler liegt damit noch satter in der Luft und die Thermikleistung ist auch in Ordnung. Streckenflugleistung und Durchzug nehmen deutlich zu. Ausgangshöhen von rund 300 Metern reichen vollkommen aus, um beeindruckende Geschwindigkeiten zu erreichen und die Fahrt lange zu halten. Die "FS 4000 VXL" steckt dies auch bei ruppigen Flugbedingungen locker weg. Maximal können sogar knapp 1.400 Gramm zugeladen werden.

Bemerkenswert sind die Kreisflugeigenschaften. Der Gleiter lässt sich mit sehr viel Querneigung kreisen, ohne Tendenzen nach innen abzu- kippen. Somit lassen sich auch enge Bärte gut auskurbeln. Das Steigen ist dabei wirklich beachtlich. Beim Vergleich mit anderen (F3B-) Modellen) muss sich die "FS 4000 VXL" nicht ver- stecken. Nur zu langsam sollte das Modell beim Kreisen und mit Ballast nicht geflogen werden, da die Steigleistung dann wieder abnimmt.

Die Wirkung der Ruder ist sehr ausgewogen und harmonisch, unterstützt durch drei Ruder pro Flächenseite. Je nach gewünschter Agilität lassen sich nur die äußeren Querruder betätigen oder die mittleren werden hinzugenommen. Für schnelle Rollen laufen auch noch die inneren Wölbklappen mit. Möglich macht dies ein Mischer der, je nach Knüppel-Ausschlag, die mittleren Querruder und zusätzlich die Wölbklappen aktiviert. Das hat den Vorteil, dass bei wenig Ausschlag am Knüppel - zum Beispiel beim Thermikkreisen - nur die äußeren Querruder aktiv sind. Die mittleren und inneren Ruder verbleiben in der entsprechenden Stellung der Flugphase, also profiltreu.

Zur Landung habe ich das Butterfly so eingestellt, dass die inneren und mittleren Wölbklappen circa 70 Grad nach unten ausschlagen. Die Querruder werden zusätzlich etwa 15 Grad nach oben gestellt. Diese Landestellung erzeugt viel Auftrieb und Bremswirkung, auch für kurze Anflüge. Die "FS 4000 VXL" bleibt dabei sehr stabil und die Geschwindigkeit lässt sich gut reduzieren. Vor dem Aufsetzen sollte man das Butterfly allerdings wieder zurücknehmen. Sonst ist der Bodenkontakt mit den tiefen Wölbklappen sicher.

Nach rund 100 Flugstunden, etwa 150 Starts und Landungen und mindestens 5.000 Kilometern erflogener Strecke mit allem was dazu gehört, ist die "FS 4000 VXL" mein Lieblingszweckmodell geworden. Durch die Größe und das Design ist das Modell auch in recht großer Entfernung noch gut sichtbar. Das ist bei dem schlanken Rumpf nicht selbstverständlich. Last but not least ist die "FS 4000 VXL" sehr robust. Bisher musste ich lediglich ein Servo austauschen. Das aber auch nur, weil ich mit dem Fuß gegen eine Wölbklappe getreten bin. Die Oberfläche der Tragflächen ist extrem widerstandsfähig, mein Modell hat bis heu- te keine nennenswerten Gebrauchsspuren. Auch das ist Qualität und rechtfertigt mit den guten Flugeigenschaften den Anschaffungspreis.

Die "FS 4000 VXL" ist ein Allroundmodell nach dem Motto: immer dabei haben! Ob für schwaches Thermikkreisen oder für den dynamischen Hangflug. Außerdem wird das Modell bereits erfolgreich beim GPS-Triangle in der Sport- Klasse eingesetzt.

Michael Gerst
Bilder: Philipp Gardemin, Roger Kirsch, David Paschen


Fakten

"FS-4000 VXL" im Langzeittest
Ein Hochleistungsmodell von Klemm


Spannweite: 4.360 mm
Länge: 1.660 mm
Profil: MH-32 mod.
Gewicht: 4.850 g (ohne Ballast)
Preis: 1.882,- Euro
Bezug bei Sport Klemm
Tel.: 02159/4907
www.sport-klemm.de


Das V-Leitwerk wurde im Vergleich zum "FS-4000" vergrößert

Der Sechs-Klappen-Flügel hat ein vergrößertes Mittelteil spendiert bekommen

Die firmeneigene Luftschraube legt sich absolut sauber an den Rumpf an

Der Handstart am Hang (hier: Hahnenmoos, Luegli) ist auch ohne Motor ganz easy

Das Unterseitendesign ergibt einen sehr guten Kontrast und hervorragende Sichtbarkeit

Auch die hohe Streckung unterstreicht das sportliche Design des Modells maßgeblich

"Platz ist in der kleinsten Hütte" - es geht eng zu, aber alles passt rein



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 6/2017

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