TEST

In der Thermik unterwegs

Segelfliegen mit dem "Bergfalken" von Phoenix


Bereit zum nächsten Thermikflug, der "Bergfalke" macht wirklich Freude

Vorbildgetreue Segelflugmodelle mit drei bis vier Metern Spannweite sind beliebt - besonders we-gen ihrer Handlichkeit und den im Verhältnis zur Größe guten Flugleistungen. Der "Bergfalke" hat das Zeug zum Kundenliebling. Philipp Gardemin hat sich mit dem schon fertig gebauten und bebügelten Gleiter beschäftigt.

Mit 3,3 Metern Spannweite hat auch der "Bergfalke" eine Größe, die mir persönlich richtig gut gefällt. Der asiatische Hersteller Phoenix ist bekannt für seine vorbildgetreuen Segler. Unvergessen ist die sechs Meter große "Ka-8", die bis heute vielerorts als Thermikgerät geflogen wird. Bekannt ist Phoenix aber auch für seine sehr leichte Bauweise und den durchaus sparsamen Umgang mit Klebstoffen. Es gilt also, sich die Modelle eingehend anzuschauen und eventuell lose Stellen nachzukleben. Umso länger hat man Freude mit diesen wirklich schönen Konstruktionen.

Die Bauqualität des Modells möchte ich mal als recht gut bewerten. Bei der Konstruktion des Rumpfes hat sich ein CAD-Konstrukteur so richtig ausgetobt, die Zahl an Bauteilen ist immens hoch. Der Rumpf ist damit absolut drehsteif und sehr formschön. Auch die Leitwerke sind wirklich gut geworden. Ebenso die Tragflächen - wenngleich sich hier noch ein sorgfältiger Oberflächenschliff vor dem Bügeln empfohlen hätte. Da sind doch einige "Ecken & Kanten" deutlich sichtbar geblieben. Unerwartet schlecht ist die Vorbereitung der Scharnierschlitze in den Rudern und Tragflächen, beziehungsweise den Leitwerken. Die waren grobschlächtig und zum Teil so ausgefranst, dass ich ausfüttern musste. Schließlich wollte ich die Vliesscharniere fest bekommen. Hoffentlich nur ein Einzelfall eines vielleicht unmotivierten Mitarbeiters im Phoenix-Werk.

Die Gewichte der bebügelten Teile waren schon mal motivierend:

Rumpf: 659 g
Höhenleitwerk mit Ruder: 84 g
Seitrenleitwerk mit Ruder: 64 g
Flügel rechts: 519 g
Flügel links: 493 g

Apropos Bügelfolie: Phoenix gibt an, dass das Modell komplett mit hochwertiger "Oracover"-Folie bebügelt wird. Dem will ich nicht widersprechen. Die Bearbeitung der Folie - zum Beispiel beim Freischneiden der Öffnungen - entsprach dem gewohnten Materialbild von Oracover. Einzig die Wahl der Folie halte ich angesichts des Oldtimercharakters für nicht gelungen. Eine Antik-Textilfolie wie "Oratex" würde dem Modell deutlich besser stehen. Mal sehen, vielleicht raffe ich mich an einem Wochenende auf und tausche die Bespannung aus. Dann erhält die Tragfläche auch ihren Oberflächenschliff.

Für die Ausstattung mit Störklappen empfiehlt der Hersteller die elektrischen Exemplare mit 440 Millimetern Länge. Für deren Einbau war ein großzügig bemessener Schacht vorhanden. Der sollte sorgfältig mit dem Lötkolben von der Folie befreit werden. Oder eben auch nicht, falls man ganz ohne Klappen auskommen will. In jedem Fall galt es für mich, den Schacht noch in allen Ecken mit Leimraupen nachzukleben. Da traten zum Teil komplett klebstofffreie Verbindungen zutage.

Zurück zu den Klappen: 440 Millimeter Länge ist eine ganz schöne Ansage. Angesichts der Spannweite von 3,3 Metern ist mir das absolut zu viel Bremspower. Circa zehn Prozent der Spannweite als Bremsklappenlänge gilt gemeinhin als Maximum. Im vorliegenden Falle wären also 330 Millimeter passend. Fündig wurde ich im Sortiment von Pichler mit elektrischen Störklappen mit 300 Millimetern Länge. Deren Qualität ist sehr gut. Zahlreiche Testläufe im noch nicht eingebauten Zustand überstanden sie klaglos. Mit etwas eingedicktem "UHUplus endfest" wurden die Störklappen bündig zur Profiloberseite in den Schacht eingeklebt. Der Rest vom Schacht wurde mit einem Balsabrettchen verschlossen. Die Klappenoberseiten sowie das Holzstück wurden mit etwas weißer Bügelfolie überbügelt.

Die Ausstattung mit Servos war dann auch Routine. Die Empfehlung seitens D-Power passte prima und ist auch recht preisgünstig. Die Ruder-anlenkungen wurden übernommen, die Gabelköpfe und Gewindestangen waren von guter Qualität. Lediglich die Ruderhörner habe ich geändert: Die monströsen grauen Dinger habe ich beschnitten und mit der Proxxon-Handfräse auf das nötigste Maß heruntergefräst. Dann wurden sie in Schlitzen in die Ruderklappen eingeklebt, statt mit Schrauben und Gegenplatte durch die Ruder zu gehen. Das muss man nicht machen, sieht aber schöner aus.

Mit dem "Bergfalken" habe ich erstmals ein Modell mit dem "True Airspeed-Sensor mit TEK-Vario" von Multiplex ausgestattet. Das war ursprünglich nur als Test gedacht, bleibt nun aber drin, weil echt genial. Das Prandtl-Rohr befindet sich im Seitenleitwerk. Für den Einbau bohrte ich in die Rückseite des Leitwerks ein Loch und konnte dort Rohr und Schläuche durchziehen. Der Telemetriebaustein selbst befindet sich weit vorne am Empfänger. Die Schläuche wurden auf das notwendige Maß gekürzt. Als Empfänger-akku habe ich das Akkusystem von Grupp- Modellbau gewählt: Ein 2s-LiPo mit 3.000 Milliamperestunden im Gehäuse im eingeschraubten Klick-Rahmen. Zum Schalten und Herunterregeln der Spannung kommt der "DigiSwitch" von Powerbox-Systems ins Spiel. Durch die abnehmbare Kabinenhaube kommt man spielend ins Rumpfinnere.

Rund 280 Gramm Trimmblei waren noch notwendig, um den Schwerpunkt einzustellen. Phoenix hat dazu eine sehr gute Schwerpunktwaage mitgeliefert. Angesichts der starken Vorpfeilung stellt das eine Top-Lösung dar: An zwei gesteckten Sperrholzkulissen wird das Modell an einem Seil mit Rohrgriff aufgehängt. Das macht das Auswiegen extrem leicht. Ein paar Klebekennzeichen plottete ich noch auf, ebenso eine Schrift für den Rumpfbug. Mit insgesamt 3.341 Gramm Gewicht lag der schöne Segler nun vor mir. Stolze 500 Gramm unter dem angegebenen Gewicht des Herstellers.

Phoenix hat das Modell eigentlich als Elektrosegler vorgesehen. Dazu liegen Einbauteile bei und D-Power hat ein Antriebsset zusammengestellt, bestehend aus einem "AL 42-07"-Motor mit 4s-LiPo 5.000 mAh. Ich entschied mich bewusst dagegen, war ich doch auf einen leichten Thermiksegler eingestellt. Eine Schleppkupplung baute ich auf die linke Rumpfseite: Dort klebte ich ein passend geschnittenes Sperrholzstück flächig ein. Noch ein Bowdenzugrohr drauf, dann wurde geschlitzt - einfacher geht es nicht.

Pünktlich zum Erstflug folgte ich einer Einladung guter Freunde in den Elsass. Dem Schlepper ha-be ich noch mitgegeben, ein wenig vorsichtiger am Gas zu sein. Lieber steil hoch als flach und schnell - mein Vertrauen in die Bauweise des "Bergfalken" hielt sich noch in Grenzen. Sanft hob das Gespann ab und stieg mit 12 Metern pro Sekunde bei 60 Stundenkilometern in den Himmel. In 300 Metern Höhe klinkte ich aus. Der "Bergfalke" glitt los, nahm aber leicht die Nase runter. Mit fünf Klicks Höhenrudertrimmung flog er dann neutral. Weitere Trimmwege waren nicht nötig. In großen Runden segelte ich die Höhe ab. Zur Landung wurden die Störklappen ausgefahren. Behutsam setzte ich das Modell auf die Piste. Vor dem nächsten Schlepp nahm ich 30 Gramm Blei heraus, dann ging es wieder ans Seil. Diesmal konnte ich nach dem Klinken die Trimmung wieder auf Neutral stellen. Steile Kurven, langestreckte Gleitflüge und ein herrliches Flugbild - der "Bergfalke" machte mir auf Anhieb Spaß.

An einem weiteren Flugtag habe ich für das Modell folgende Flugwerte ermittelt: Die Gleitgeschwindigkeit beträgt rund 40,5 Stundenkilometer bei 0,9 Metern/Sekunde Sinken. Beim Kreisen mit circa 45 Gad Schräglage hat sich die Geschwin- digkeit von 44 Stundenkilometern als diejenige mit dem geringsten Sinken (1,1 m/s) herausgestellt. Im Geradeausflug ist bei 21 Stundenkilometern nach unten Schluss. Dann kippt das Modell deutlich über einen Flügel ab, ist aber nach einer halben Drehung wieder gut am Ruder.

Ein wenig angedrückt lässt sich der "Bergfalke" sehr agil fliegen. Das Pfeifen der Störklappen untermalt das Flugbild imposant. Einfache Kunstflugfiguren fliegt das Modell auch. Allerdings würde ich angesichts der Bauweise von "harten Figuren" absehen. In meinen bisher rund 30 Flügen konnte ich jedoch niemals eine Grenze der Belastbarkeit erkennen.

Die Thermikempfindlichkeit des Modells ist enorm hoch. An allen Flugtagen konnte ich mindestens einmal schön im Bart hochkurbeln. Un-ter anderem an einem späten Freitagnachmittag in Müswangen (Schweiz). Eigentlich sollte es nur ein Herumfliegen werden. Mein Schlepper ließ mich in 320 Metern Höhe raus. Dann, plötzlich 3,3 Meter/Sekunde im Vario. Ich drehte links ein und traf direkt das Zentrum. Wenig später war ich auf 550 Meter. Da wurde die Sichtbarkeit schon schlecht. Also Klappen raus und vom Thermikbart weggeflogen. Doch immer noch ging es mit 0,5 Metern/Sekunde hoch. Die Geschwindigkeit erhöhte ich auf 60 Stundenkilometer, damit ging es auch abwärts. Nach der Landung dann große Zufriedenheit über den Flug. Dazu kam die Vorfreude auf die nächste Saison mit dem "Bergfalken" von Phoenix.

Philipp Gardemin
Fotos: Philipp Gardemin, Philipp Motz



Fakten

"Bergfalke" von Phoenix
Ein vorbildgetreuer Segler

Spannweite 3.325 mm
Länge 1.600 mm
Gewicht 3.311 g
Fläche 68 qdm
Flächenbelastung 48,7 g/qdm
Preis: 419,- Euro
Bezug im Fachhandel
www.d-power-modellbau.com


Mit den 3,3 Metern Spannweite ist es ein handlicher wie auch leistungsfähiger Segler


Die Formen des Modells sind sehr gut getroffen, es ist gut konstruiert


Die Vorpfeilung der Flügel ist charakteristisch für das Modell


Der F-Schlepp macht viel Spaß und benötigt auch keinen besonders starken Schlepper


In der Luft zeigt sich das Modell als absolut thermikempfindlich und ist sehr angenehm zu fliegen


Die Kreisflugeigenschaften sind grandios und der "Bergfalke" sieht ebenso aus


Die 300-mm-Störklappen passen perfekt zum Modell und ermöglichen kurze Landungen



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