TEST

Klassiker am Hang

Der "Salto H101" von Baudis, das Comeback von HB-1584


Mit vier Metern Spannweite kein kleines, aber nicht minder attraktives Modell

Seine ersten Scale-Segler kamen vor 15 Jahren von Baudis. Der 2,5 Meter große "Discus 2b" flog gut, mit dem 2,45 Meter großen "Salto" jedoch wurde Robert Slooves nie richtig glücklich. Zeit, eine Nummer größer zu gehen.

Jiri Baudis entwickelt seine Modelle stetig weiter - mit viel Erfolg. Auch den über vier Meter großen "Salto".

Ich las mehrere gute Berichte über das Modell, das bis heute sehr beliebt ist. Viele Jahre nach meinen mäßigen Erfahrungen mit der kleineren Variante des "Salto" (was vielleicht auch an meinen mangelnden Flugerfahrungen lag) wagte ich mich an diese größere Version. Während eines Besuchs bei Insider-Modellbau in Zollikofen (Schweiz) stieß ich auf den Segler. Sofort eroberte diese alte Liebe wieder mein Herz. Das "Salto"-Design von Frau Hänle (Glasflügel) ist und bleibt attraktiv - irgendwo zwischen Oldtimer und modernem Jet. Baudis bietet eine Voll-CFK- und eine GFK-Version an. Mein Bausatz war eine Mischung: GFK-Flügel und CFK-Rumpf. Auch kann man zwischen den vorbildgetreuen Endleistenbremsklappen oder Wölbklappen wählen. Ich habe letztere Option gewählt. Die zwei Hälften des V-Leitwerks sind durch zwei Schrauben abnehmbar konzipiert. Sie haben je einen Servoschacht für 10-mm-Exemplare, um direkte und spielfreie Anlenkungen zu ermöglichen. Die Schrauben sind durch eine kleine abnehmbare Kufe versteckt, die auch das Spornrad aufnimmt. Alles ist solide und passend gemacht. Der Flügel wird mit einem CFK-Rohr angesteckt, Aluminium-Torsionsstifte sichern die Einstellwinkel.

Für die Ausstattung habe ich HV-Servos von MKS genommen: zwei "HV-747" für die Wölbklappen, zwei "HBL-6625 HV" für die Querruder, zwei "DS6125" für die Leitwerksruder, die ich mit einem kleinen SBEC von MKS auf die richtige Spannung bringe. Heute würde ich hier die HV-Servos "HV6130" montieren. Alle Servos wurden mit Servorahmen von RC-Solutions montiert. Für die Querruder habe ich die Version mit zusätzlichem Kugellager genommen. Als Stromversorgung dienen zwei LiFe-Akkus "A123" , jeweils 2s mit 2.500 Milliamperestunden. Geschaltet wird über einen "Emcotec DPSI Micro DualBat", eingestellt auf 7,4 Volt. Im Flug habe ich einen Durchschnittsverbrauch von etwa 200 Milliampere pro Stunde und Akku. Genügend Energievorrat also für einen ganzen Tag am Hang.

Dank der Flügeldicke konnte ich die Wölbklappen-Ruderhörner ganz innen montieren, wie ein einfaches LDS. Dafür habe ich selbst die Ruderhörner aus 2-mm-CFK gesägt. Für die Querruder wollte ich etwas stärkere Hebelverhältnisse und habe die klassische Einbauweise gewählt. Auch beim Leitwerk bin ich sehr zufrieden mit der direkten Anlenkung. Außerdem habe ich das Gewicht der Ruder mit 45 Gramm Blei in den Ruder- nasen ausgeglichen, um Flatterneigungen zu vermeiden.

Vor dem Cockpitausbau habe ich noch die Schleppkupplung eingebaut und dazu auch die Rumpfnase mit einem breiten Kevlar-Band verstärkt. Das verteilt die Kräfte während des Schlepps oder einer harten Landung besser. Ich wollte das meiste Gewicht ganz vorne platzieren und habe in die untere Hälfte der Rumpfnase zwei Bleikammern eingeklebt, mit Bleikugeln gefüllt und auch zwei M6-Schrauben eingeklebt. Hier kann ich kleine Bleiplatten aufschrauben. Zwischen den zwei Bleikammern gibt es genügend Platz für die Schleppkupplung. Ein Servobrett mit einem Futaba-Servo "S3071" und den beiden Akkus, stützt vorne die zwei Bleikammern und hinten zwei eingeklebte Klötze. Dort wird es mit zwei Flügelmuttern befestigt.

Ein Pilot gehört in das Cockpit und wurde von Aeromodel in Lausanne geliefert. Der Maßstab 1:3,5 passt perfekt, wenn man die Cockpitwanne etwas öffnet für die Ellbogen des Piloten, die wie im Original in die typische "Salto"-Flügelwurzel ragen. Auch muss die Cockpitwanne für die Beine geöffnet werden. Ich musste dem Piloten seine Schuhe abnehmen, damit alles in die Rumpfnase passt.

Der "Salto" wurde mit Dekorbogen und Immatrikulation geliefert. Ich stieß vor 15 Jahren auf einen Bericht der Swiss Aerobatic Glider Association (SAGA), mit einer sehr interessanten Beschreibung des Flugverhaltens des manntragende "Salto" und einem Foto des "HB-1584". Damals schon ließ ich mich davon für meinen ersten kleinen "Salto" inspirieren. Die Unterseite der Querruder wurde also wieder Rot gespritzt, ebenso die Kufen vorne und hinten. Die Oberseite blieb zum größten Teil Weiß. Der SAGA-Salto stürzte leider 1988 ab und sein Pilot verunglückte tödlich. Diese tragische Geschichte war für mich eine Warnung, dass man einen "Salto" sehr sorgfältig vorbereiten und mit etwas Vorsicht fliegen muss. Aber ich war motiviert, den "HB-1584" wieder in der Luft zu sehen.

Die Einstellwinkeldifferenz wurde genau kontrolliert und betrug ab Werk exakte 1,25 Grad. Die Flügel haben einen leichten Wash-out, wodurch die Einstellwinkeldifferenz für die Flügelenden auf ein Grad kommt. Das ist perfekt und ver- meidet Ablösungen am Randbogen. Jetzt konnte ich auch den Schwerpunkt auf 86 Millimeter hinter der Naseleiste einstellen - ein Erfahrungswert aus mehreren Berichten. Baudis empfahl stets 75 bis 85 Millimeter.

Der erste Flug fand auf unserem Flugplatz des GAM Genève statt. Ein Schlepp brachte mein Modell auf Höhe, um so die ersten Einstellwerte zu testen. Alles klappte prima. Ich konnte sogar von etwas Thermik profitieren. Auch erste Figuren flog ich gleich, alles kam spontan und mühelos. Durch diesen einfacher als erwartet verlaufenen Erstflug wurde ich etwas übermütig und machte noch einen tiefen Platzüberflug. Etwas zu tief und zu träge, das mag der "Salto" nicht. Zum Glück absorbierte das Kevlar-Band die Energie. Ich musste nur einige kleine Kratzer auffüllen.

Die nächsten Flüge fanden am Hang statt. Mit hoher Dynamik konnte ich den "Salto" selbst werfen. Sobald ich auf Höhe kam, konnte ich den Segler voll genießen: alle Manöver direkt und präzise, Flügel und Klappe steif, die Anlenkungen solide, die Servos kräftig und schnell. Ich hatte sogar das Gefühl, dass der "Salto" meine Gedanken lesen und diese auch ausführen konnte.

Ich war froh, dass ich die Version mit Wölbklappen gewählt hatte. Dadurch kommen die Rollen schneller und auch die Landungen sind besser zu dosieren, sobald die Mischung Tiefe mit Brems-/Wölbklappe im Flug bestätigt ist. Es ist auch vorteilhaft, das Profil über die ganze Flügellänge zu wölben.

Der "Salto" ist aber kein Floater. Geschwindigkeit braucht er schon, besonders in den Kurven. Aber oft hat ein Nachteil auch seinen Vorteil: Jetzt konnte ich ein - für mich - neues Manöver testen: das Trudeln. Wenn man die Geschwindigkeit raus nimmt und etwas Seitenruder gibt, kippt der Salto über seinen Randbogen und beginnt mit einer sauberen und flachen Trudelbewegung. Nach ein oder zwei Runden drückt man die Nase nach unten mit ein klein bisschen Gegenruder, und der Salto fliegt wieder geradeaus. Natürlich braucht man genügend Höhe für diese Kunstflugfigur. Und auch im Rückenflug kann man ein schönes Trudeln einleiten.

Nach einigen Jahren nun ist und bleibt der "Salto" das Modell, das ich am liebsten am Hang fliege, sobald die Dynamik etwas zu stark für meine leichteren Scale-Segler ist. Und wenn der Wind noch stärker wird, kann ich noch etwas extra Gewicht in die Flügelsteckung bringen. Ein Stahlrohr und ein Stahlstab wiegen je 200 g und mit beiden kommt der Salto auf sieben Kilo. Damit ist der Durchzug noch satter und die Geschwindigkeit wird sehr schön in Höhe umgesetzt. Für das selbstständige Werfen am Hang braucht man aber mindestens 30 Stundenkilometer.

Mit guten Einstellwerten und etwas Aufmerksamkeit ist der "Salto" von Baudis ein wahrer Genuss. Die Konstruktion ist solide und leicht, man kann sogar überlegen einen Klapp-Impeller einzubauen. Das extra Gewicht wäre im Kunstflug sogar ein Vorteil, da das Profil relativ dick ist. Profil (HQ 1,5/15 auf 1,0/12; 15 auf 12 Prozent) und Auslegung sind aber letztlich eine gute Wahl für den "Salto". Sie ermöglichen problemlosen Se- gelkunstflug, vorbildgetreues Tempo und ein sicheres Flugverhalten.

Robert Slooves
Fotos: Robert Slooves, Luca Reiter



Fakten

Der "Salto H101" von Baudis
Ein 4-m-Kunstflugmodell

Spannweite 4.060 mm
Länge 1.750 mm
Gewicht 6.408 g
mit Ballast 7.008 g
Fläche 84,14 qdm
Flächenbelastung 76 g/qdm
mit Ballast 83 g/qdm
Einstellungen:
Höhenruder +/-12 mm
Seitenruder -25/+15 mm
Querruder -22/+15 mm
Landestellung:
Querruder -20 mm
Wölbklappen +55 mm
Höhenruder +3 mm
Preis: auf Anfrage
Bezug bei Baudis
www.baudismodel.com


Die Leitwerke sind mit je zwei Schrauben demontierbar


Zehn Millimeter dicke Servos gehen in die Leitwerke hinein


Die Nase mit Kevlar-Band und Bleikammer, wie im Text vorgestellt


Das kombinierte Akku- und Servobrett


Die Sitzwanne mit Pilot und "heraushängenden" Ellenbogen


Auf dem Weg zum Berg, gut geschützt mit Taschen von Pull-Over


Am Hang angekommen ist das Modell schnell aufgebaut


Mit einem kräftigen Wurf geht es raus in den Aufwind


Die Flugleistungen sind ganz ausgezeichnet und machen viel Spaß


Die Eleganz des Modells ist eine Augenweide


Zur Landung hilft das kräftig eingestellte Butterfly



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