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Licht am Himmel

Das Beleuchtungssystem von Unilight im Praxiseinsatz


Fluglageerkennung und Anti-Kollisionsschutz sind die wichtigsten Merkmale einer guten Beleuchtung

Die Beleuchtung von Flugmodellen ist viel mehr als nur ein Unterhaltungseffekt beim Dämmerungs- und Nachtfliegen. Neben einer Vorbildtreue ist vor allem der Antikollisionsschutz ein wichtiger Aspekt. Philipp Gardemin hat sich dazu mit dem System von Unilight auseinandergesetzt.

Das Unternehmen Unilight von Firmengründer Dipl.-Ing. Ulrich Rockstroh ist in der Modellbauszene wahrlich nicht unbekannt. Schon während der Prowing 2016 schlich ich mehrfach am Stand herum und war beeindruckt von der Vielfalt an Lichtkonzepten. Vornehmlich noch für Jets und große Motorflugmodelle. Für den Segelflug hat sich Unilight dann mit elektronischen Schleppseilwinden einen Namen gemacht. Bei der Prowing 2019 kam ich mit dem findigen Firmenchef ausführlich ins Gespräch. Er berichtete von seinem Vorhaben, mit seinen Lichtprodukten auch in der Großseglerszene Fuß zu fassen. Das Unternehmen bietet dazu eine Vielzahl an Antikollisionslichtern, die sich mit Ein-, Zwei und Vierkanal- steuerungen bedienen lassen. Solche Beleuchtungen sind nicht nur ein Sicherheitsgewinn beim Thermikkreisen mit mehreren Modellen. Sie ermöglichen dem Piloten auch, sein Modell bei schwierigen Lichtverhältnissen und in großen Höhen eindeutig zu erkennen. Selbst nachträglich lassen sich die meisten Großsegler bequem ausstatten. Fliegen mehrere Großsegler mit Beleuchtung, lassen sie sich beispielsweise durch Blinkweisen unterscheiden.

Zurück auf die Prowing: Gemeinsam entwickelten wir die Idee, meinen bewährten "Eco-Boomster"-Schlepper zu beleuchten. Ziel des Vorhabens war es, das Modell auch in großen Höhen durch ein starkes Blitzlicht auf der Rumpfunterseite sichtbar zu machen. Zusätzlich sollten im Landeanflug abwechselnd blinkende Landescheinwerfer auf sich aufmerksam machen. Gesehen habe ich das in Videos von landenden Wasserflugzeugen. Positionslichter und Antikollisionsblitzer an den Tragflächenenden komplettieren das Paket.

Ausgewählt habe ich zwei 12 Millimeter große Landescheinwerfer (52 mm lang, 8 g Gewicht) mit jeweils acht Watt Leistung und 110 Grad Abstrahlwinkel. Die werden im stabilen Aluminiumrundgehäuse geliefert und können direkt einge- baut werden. Sie haben eine integrierte Übertemperatur-Sicherung. Wird das Gehäuse beim Betrieb zu warm, wird die Leuchte sicher und gefahrlos abgeschaltet. Hinzu kamen noch zwei - jeweils in Rot und Grün - "12mm DUAL Navigation + Blitzlicht" (12,5 x 38 x 60 mm; 13 g Gewicht), mit zwei Mal 19 Watt Leistung, mit inte- griertem Blitz und Temperatursicherung. Der nach vorne abgewinkelte Aufbau ermöglicht beste Abstrahlung des Positionslichtes nach vorne und des Blitzlichts zur Seite. Für die Rumpfunterseite habe ich ein leistungsstarkes "11 mm PRO Blitzlicht" mit zwei mal 16 Watt (11,5 x 70 x 10 mm, 8 g Gewicht) in Rot gewählt.

Angesteuert wird alles durch das Steuerungsmodul "8-Kanal Pro", das größte Modul von Unilight. Damit können bis zu acht Strom- bezieh- ungsweise Lichtkreise realisiert und dabei zwei unterschiedliche Betriebsspannungen verwendet werden. Verwendet man nur einen Akku, können die Stromkreise über eine Kabelbrücke auf der Unterseite oder ein einfaches V-Kabel verbunden werden. Über ein USB-Kabel und die entsprechende PC-Software - die auf der Unlight-Website zum Download zur Verfügung steht - kann das Modul programmiert werden. Es stehen zwei voreingestellte und fünf frei programmierbare Lichtsequenzen - die sogenannten Schemata - zur Verfügung, die dann über den Sender mit einem Servoweg von -100 bis +100 Prozent angewählt werden. Die einfachste Ansteuerung dessen ist ein freier Empfängerkanal, senderseitig mit Schieberegler oder Mehrwegeschalter. Das lässt sich dann auch sender- seitig über einen Mischer, mit beispielsweise den Landeklappen mischen und in Flugzuständen hinterlegen. Dann gehen im Landeanflug bei voll gesetzten Klappen die Landescheinwerfer an. Muss man die Lichtsteuerung mangels freier Empfängerplätze über ein V-Kabel etwa mit dem Landeklappenservo zusammenhängen, lassen sich in der Unilight-Software die Pulslängen für den Dialog einstellen.

Mit Strom versorgt wird das Modul am besten aus einem 2s-LiPo/LiIon-Akku. Will man unbedingt einen 3s-Akku einsetzen, müssen die LEDs mit einem zusätzlichen Widerstand in der Zuleitung versehen werden, der den Produkten jedoch stets beiliegt. Wer den Aufwand des zu- sätzlichen Akkus scheut, kann auf eine 10-Ampere-BEC von Unilight zurückgreifen. Die wird direkt aus einem bis zu 10s großen Flugakku des Modells versorgt. Einfacher geht es nicht. Entscheidet man sich dennoch für den eigenen Akku, muss man bedenken, dass die Steuerung (noch) nicht über eine Unterspannungsabschaltung verfügt. Aktiviert wird die Beleuchtung durch das Einschalten des Empfängers, beziehungsweise durch den Moment, wenn das Modul einen Impuls vom Empfänger bekommt. Will man das nicht, wenn es etwa zu längeren Wartezeiten zwischen den Schlepps kommt, so kann man natürlich in die Empfängerzuleitung zum Modul noch einen Schalter einsetzen. Die Luxusvariante ist dann ein elektronischer Schalter, der wiederum vom Sender aus bedient wird.

Was den Einbau der Beleuchtung angeht, so ist es natürlich am einfachsten, wenn die Vorbereitungen - unter anderem mit Kabelkanälen und Steckverbindungen - direkt beim Bau des Modells getätigt werden. Hat man dies nicht getan - wie in meinem Fall mit der nachträglichen Ausrüstung des "Eco-Boomster" - ist es ein bisschen aufwändiger. In die Tragfläche können die Durchführungen mit einem langen Messingrohr geschnitten werden, das auf der Stirnseite gezackt ist. Mit etwas Geduld lassen sich die Kabel durchziehen. Im Rumpf ist der nachträgliche Einbau in aller Regel kein Problem. Als Steckverbindung zwischen Tragflächen und Rumpf dienen weitere sechspolige Stecker von Multiplex. Weit entfernt von den Servoanschlüssen, um Verwechslungen vorzubeugen. Der Anschluss der Beleuchtungseinheiten im Rumpf ist dann nicht aufregender als ein Servoeinbau und Empfängeranschluss. Die Steckplätze an der Steuerungselektronik sind frei belegbar. Sie werden später in der PC-Software zugeordnet und dort auch mit Bezeichnungen versehen. Insgesamt dauerte der Umbau meines Modells rund drei Stunden. Das Programmieren der Elektronik in der Software nahm noch einmal eine Stunde in Anspruch. Die meiste Zeit ging allerdings "zum Spielen" drauf. Dank des sogenannten Live-Modus lassen sich nämlich alle Änderungen direkt anschauen. Die Nachbarn dachten sicherlich an eine Discoparty in meiner Werkstatt. Die Vielfalt der Einstellungen ist unglaublich. Glücklicherweise bietet die Software Voreinstellungen an, die bedenkenlos übernommen werden können.

Ein schöner Sonntagnachmittag, leicht diesig und schwach bewölkt, bot die Kulisse für die ersten Flüge mit dem Modell. Optisch eine Augenweide. Der rote Doppelblitz auf der Rumpfunter- seite war in der Höhe noch zu sehen, als das Modell längst unscharf wurde. Die Landescheinwerfer sind extrem imposant und der "Wig-Wag"- Blinkmodus ist faszinierend. Die nächste Schlepp- saison wird zeigen, wie sich das System im Alltag bewährt.

Philipp Gardemin
Fotos: Philipp Gardemin, Pascal Fempel



Bezug im Fachhandel und bei
Unilight/CSD e.U.
Tel.: 0043-664/8408425
www.unilight.at


Das Beleuchtungs-Set des "Ec-Boomster" auf einen Blick. Gut erkennbar sind die großzügigen Kühlelemente


Im Modell eingebaut und verkabelt: Links die Steuerungselektronik, rechts die 10-Ampere-BEC


Die Landescheinwerfer haben jeweils acht Watt Leistung


In jeweils Rot und Grün die Navigation- und Blitzlicht-Einheiten sowie das 16 Watt starke Doppel-Blitzlicht



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