Nach einem 15-kg-Tauchboot und ausgedehnten Arbeiten an einer Eisenbahnanlage musste mal wieder etwas in die Luft befördert werden. Der Bau eines 3,5-m-Flugbootes wurde aus innerfamiliären Gründen zunächst auf Eis gelegt, beziehungsweise auf Literaturrecherchen und erste Planungen reduziert.

Beim Herumstöbern im Hobbyraum kamen durch Zufall fast vergessene Kopien von Peanut- und Pistachio-Modellen zum Vorschein. Noch am gleichen Abend war es beschlossene Sache, ein solches Fliegerchen als RC-Version zu realisieren.

Normalerweise sind diese Modelle für den Betrieb mit Gummimotoren ausgelegt, was der limitierten Kraftentfaltung heutiger winziger Getriebemotoren erheblich entgegenkommt. Seitens der mittlerweile erhältlichen Miniatur-RC-Komponenten droht auch keine Gefahr, die Flächenbelastung übermäßig zu strapazieren, sodass die Suche nach einem passenden Modell mit gutem Gewissen fortgesetzt werden konnte.

Grundvoraussetzung war vor allem: Ausreichend Platz im Rumpf, um Motor, Akku, Empfänger sowie die Servos unterbringen zu können. Letztendlich fiel die Wahl auf die "Avro 536", ein zugegebenermaßen nicht sehr elegantes Flugzeug seiner Zeit, aber als Versuchsträger der neuen Mikro-RC-Technik doch recht ansehnlich.

Der Bau des Rumpfes aus 1x1-mm-Balsa-Längsleisten und -querstreben war eine Sache von nur wenigen Stunden. Das Einfügen der stark gewölbten Beplankungen im Frontbereich – im Heißdampf gebogen – und dessen sauberen Verschleifens war hingegen eine fast abendfüllende minutiöse Arbeit. Die Leitwerke (Leitwerkträger und die Ruder jeweils getrennt; Profil ebene Platte) wurden plan auf dem Baubrett erstellt, wiederum aus 1x1-mm-Balsaleisten. Die Randbögen wurden im Heißdampf gebogen, die Flügel dann in ganz konventioneller Bauweise gefertigt: Mini-Helling aufbauen, Nasenleiste fixieren (CFK-Rundstab 0,8 mm), Endleiste fixieren (CFK-Stab 0,2x3 mm), Balsa-Rippchen (1 mm, Clark-Y) einfügen, 1x1-mm-Balsaholme in die Rippen einsetzen und die Randbögen aus 1-mm-Balsa – nach außen verjüngt – anfügen. Dann wurde die Helling symmetrisch für die V-Form erweitert und das Mittelteil des oberen Flügels sowie die beiden Seiten teile zusammengefügt. Alle Flügelteile waren locker an einem Nachmittag zu erstellen.

Als Bespannmaterial wurde optisches Reinigungspapier gewählt, das eine sehr dichte Gewebestruktur aufweist, aber dennoch sehr leicht ist. Es wiegt nur 9,1 g/qm. Die Klebung auf die Oberflächen von Rumpf, Flügel und Leitwerken erfolgte traditionsgemäß mit Kleister. Aufgrund des Prototypencharakters dieses kleinen Projektes wurde keine Lackierung aufgebracht.

Das Fahrwerk besteht aus CFK-Rundstab 0,8 mm. Die Teile wurden zunächst jeweils mit einem winzigen Tröpfchen Sekundenkleber fixiert und dann mit einem Tropfen UHUplus finalmente zusammengeklebt. Dünne und etwas "stromlinienförmig" geschliffene Balsastückchen stellen die Fahrwerksverkleidung dar, sodass das Fahrwerk nicht mehr so spinnenförmig erscheint. Die Räder wurden von Mikromodellbau Geisler (Tel.: 05353/918335, www.micromodellbau-geisler.de) bezogen, wie auch Empfänger, Motorregler und die Servos.

Vor dem endgültigen Zusammenbau des Modells wurden beide Flügel im Wurzelbereich – hinter den Nasenleisten und vor den Endleisten – mit 5 mm langen CFK-Stäben versehen, die im Rumpf jeweils in einem Dreieck der Rumpfspanten mündeten, wodurch eine sichere Krafteinleitung der Flügel in den zarten Kastenrumpf erfolgte.

Der finale Zusammenbau des fragilen Doppeldeckers ist allerdings eine Sache für sich, denn es muss sichergestellt sein, dass Rumpf und beide Flächen sorgfältig zueinander ausgerichtet sind – eine kleine dreidimensionale Herausfor-derung. Gleichzeitig ist eine Reihe von Klebepunkten simultan zu versorgen. Auch hier kam die "zunächst fixieren und dann kleben"-Philosophie zum Einsatz. Nach einer guten Stunde des Einrichtens wurden die endgültigen Klebepunkte gesetzt und die "Avro" war in ihrer endgültigen Form fixiert.

ur Ansteuerung von Seiten- und Höhenruder kam das Doppelservo "MCA2-D" zum Einsatz, das auf einem kleinen Träger montiert wurde, der auch zur Führung der Schubstangen aus 0,5-mm-Stahldraht dient. Diese Einheit wurde außerhalb des Rumpfes komplettiert, getestet und dann im Rumpf mit vier Tropfen Sekundenkleber befestigt.


Die Flügelchen im Rohbau. Die Rippen wurden aus 1-mm-Balsa geschnitten


Der kleine Rumpf ist teilbeplankt und wurde aus 1x1-mm-Leisten aufgebaut


Das Doppelservo "MCA2-D" ist auf einem kleinen Träger montiert, der auch zur Führung der Schubstangen dient.

Letztlich wurden die Enden der Schubstangen gekröpft, in die Ruderhörner eingefädelt und diese schließlich an Seiten- bzw. Höhenruder geklebt. Der Einbau von Empfänger und Akku (60 mAh LiPo) erfolgte im vordersten Rumpfbereich, aber noch in geringen Grenzen verschiebbar, um den Schwerpunkt einzustellen.

Dann ging es zum Fliegen: Die "Avro" ist aufgrund ihrer minimalen Trägheitsmomente sehr agil und in ihrem Flugverhalten nicht mit einem gemütlichen Parkflyer zu vergleichen. Solch ein Modell ist eher eine kleine wilde Hummel, mit durchschnittlicher RC-Erfahrung aber dennoch gut zu beherrschen. Am besten fliegt man sie am Anfang über hohem Grasbewuchs, wo sie auch nach unerwartet abwärts beendeten bodennahen Kapriolen sanft aufgefangen wird.

Mein Fazit einiger Wochenenden und werktäglicher Abende: Es macht wirklich Spaß, ein RC-Modell zumindest teilweise unter der Kopfbandlupe zu bauen. Als Nächstes ist eine 10-g-"SG-38" dran.

Dr. Volker Klein


Der Empfänger wird von einem 60-mAh-LiPo-Akku versorgt



12 Gramm, ferngesteuert, motorgetrieben, flugtauglich. Das Fahrwerk besteht aus 0,8-mm-CFK-Stäben.


Die Gewichtsverteilung auf einen Blick.


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