Es regnet! Es stürmt! Ein echtes „Shit-Wetter“ – wie der Norddeutsche sagen würde. Doch ich bin nicht in Aspach, sondern sitze in meinem wohltemperierten Büro. Aspach liegt nur einen Tag hinter mir. Es war eine tolle Veranstaltung, mit weit über 4.000 Besuchern am Samstag und noch mal gut 2.500 am Sonntag sowie 179 Piloten mit 243 Modellen.

Ein voller Erfolg also, auch wenn es eine Woche vorher noch nicht so ausgesehen hatte. Drei Tage vor der Veranstaltung aber gab der Wetterbericht Entwarnung: Regenwahrscheinlichkeit für Samstag null Prozent, sonnig und warm. Sonntag dann eventuell Schauer, ansonsten noch warm und zum größten Teil trocken. Mit solcher Wettervorhersage im Gepäck verwunderte es nicht, dass am Freitagnachmittag schon die ersten zehn Wohnmobile am Platz standen. Gäste aus Frankreich, Dänemark, England, Tschechien, Österreich und der Schweiz hatten sich angemeldet – und alle kamen! Auch die meisten der über 20 gewerblichen Aussteller waren bereits da und sollten dann auch die ganze Bandbreite der Elektrofliegerei präsentieren. Es hat sich herumgesprochen, dass in Aspach jeweils am dritten Wochenende im September die gesamte Kompetenz in Sachen Elektroflug versammelt ist. Und das Wetter hielt: Sonnenschein und Königstemperaturen am Samstag, lediglich am Sonntag zwei kurze Regenschauer um die Mittagszeit, danach dann trocken bis in den Abend hinein.


Aspach 2004 aus der Luft, aufgenommen von Hansjörg Huber aus seiner Piper HB-PQM, am Samstagnachmittag gegen 17 Uhr

Doch wie werden 179 Piloten so gehändelt, dass jeder mal zum Fliegen kommt, gleichzeitig ein für Besucher und Piloten gleichermaßen anspruchsvolles Programm geboten wird und keine stundenlangen Wartezeiten auftreten, wie es in den vergangenen Jahren leider noch allzu oft vorkam? Das Moderatorenteam mit Philipp Gardemin, Ralf Heinisch – einem Mann der ersten Stunde Aspachs und heuer nach mehrjähriger Pause wieder mit dabei – und Ludwig Retzbach, hatte sich etwas Neues einfallen lassen und es „am lebenden Objekt“ praktiziert: Flugfertige Modelle, also mit geladenem Akku und Pilot, stellen sich in einen Wartebereich. Das Moderatorenteam besteht immer aus zwei Personen, einer moderiert und der andere sucht Modelle aus, stellt sie zu thematisch passenden Gruppen zusammen und schickt die Gruppen nacheinander in eine so genannte „Ready-Box“. Dorthin kommen die bekannten Helfer der letzten zwei Jahre und begleiten die Piloten zur Senderabholung, zum Flug und wieder zurück. Und das neue System funktionierte! Lob gab es von Piloten und Besuchern gleichermaßen. Nächstes Jahr also wieder. Für die Highlights unter den Modellen gab es natürlich Alleinflugberechtigungen – alle anderen wurden zu mehreren gleichzeitig in die Luft geschickt.


Mit 179 Piloten, 243 Modellen und fast 7.000 Zuschauern war auch Aspach 2004 wieder ein voller Erfolg


Gelebte Luftfahrtgeschichte in Aspach. Die „Vickers Vimy“ von Thomas Maier hat 156 cm Spannweite und wird von zwei 6:1-untersetzten Speed 400/6V angetrieben. Am Sonntag flog das Modell noch mit einer „Spirit of St. Louis“ im Verband



Franz Schmid (ganz rechts) erhielt den AUFWIND-Pokal für sein langjähriges Engagement, jedes Jahr wieder in Aspach seine fantastischen Großmodelle zu präsentieren



Juraj Tinka („Mr. Jeti“) aus Tschechien hat jedes Jahr eine Überraschung dabei. Diesmal war es diese „Focke Wulf 19“, ein 280 cm großes Modell, mit 5,5 kg Fluggewicht und von zwei Axi-Motoren angetrieben.



Zwölf Jahre baute Alois Zimmermann an diesem Modell einer „P-61“ im Maßstab 1:5. Das 403 cm große und 19,8 kg schwere Modelle wurde gekonnt von Ralf Dvorak zum Erstflug geführt. Ein abgeknicktes Fahrwerksbein konnte die Freude über den gelungenen Erstflug nicht trüben.



Claus-Peter Fischer baute aus 6 qm Depronplatten diese „Arado 555“ mit 339 cm Spannweite und 9,5 kg Fluggewicht, angetrieben durch einen Axi 4130/20 und 20 Zellen GP-3300

Manuel Nübel und Kai Kryszanowski zeigten mit ihren Depron-Funflyern vollendeten Kunstflug auf engstem Raum. Manuel Nübel verwendet an seinem Modell sogar einen Verstellpropeller, der von Minus- bis Positiv-Pitch einstelltt

Auch die Abendveranstaltung kam wieder gut an. Der Catering-Service deckte einmal mehr die Tische im Festzelt mit Gaumenfreuden und fast 100 Teilnehmer, Besucher und Aussteller trafen sich zum gemeinsamen Festabend.Gleich nach dem Essen wurde der ebenso reich bestückte Gabentisch, mit Sachpreisen der gewerblichen Aussteller sowie von den Firmen Graupner und Braun Modelltechnik, unter den teilnehmenden Piloten verlost. Doch es gab auch wieder drei Pokale. Das Moderatorenteam hatte diese Preisverleihung unter das Motto „Grenzgänger“ gestellt und drei herausragende Teilnehmer Aspachs herausgesucht: Den AUFWIND-Pokal bekam Franz Schmid für sein langjähriges Engagement, jedes Jahr wieder in Aspach seine fantastischen Großmodelle zu präsentieren, die größtenteils in reiner Holzbauweise als wahre Leichtgewichte entstanden sind. Dann Ralf Dvorak, der den Pokal des DMFV für seinen jahrelang konstanten Perfektionsmodellbau verliehen bekam, und zudem für seine „Nebentätigkeit“ geehrt wurde, bei der er am Veranstaltungs-Samstag gleich zwei Piloten dazu verhalf, ihre Modelle in Aspach in die Luft zu bekommen.


Rainer Hacker führte mit seiner „Funtana 140“ bodennahen Kunstflug feinster Machart vor. Das 200 cm große Modell wiegt 5,3 kg und wird von einem „C-50XL“ aus seiner eigenen Produktion angetrieben, 6,7:1 untersetzt und gespeist von zehn LiPo-Zellen.


Was wäre Aspach ohne die Hubschrauber? In diesem Jahr waren gleich mehrere wunderschöne und sehr vorbildgetreue Exemplare dabei. So wie diese „Augusta A-109“ mit 160 cm Rotordurchmesser, 5,8 kg Fluggewicht und angetrieben durch einen „HP-300/30/A4“ von Plettenberg mit 24 Zellen RC-2400


Rainer Lange brachte gleich zwei dieser beeindruckenden Leichtgewichte mit. Hier die kleine „Libelle“, mit 66 cm Spannweite, nur 150 g Fluggewicht und angetrieben von einem Faulhaber-Glockenankermotor mit 11,8:1-Getriebe

Dritter im Bunde und Empfänger des Pokals der MFG Aspach, war John Borgen aus Schweden, der seinen beeindruckenden „Airbus“ nach 12 Jahren Bauzeit schon zum dritten Mal nach Aspach brachte, und das Modell von Jahr zu Jahr mehr perfektionierte und es von Ralf Dvorak gekonnt vorfliegen ließ. Diese drei Preisträger sind in den Augen des Moderatorenteams wahre Grenzgänger unseres schönen Hobbys und haben die Pokale mehr als verdient mit nach Hause genommen.

Im nächsten Jahr treffen wir uns wieder in Aspach. Das Organisationsteam um die MFG Aspach herum arbeitet bereits jetzt auf Hochtouren, um einmal mehr attraktive Elektroflugtage zu bieten.

Philipp Gardemin
Fotos: Rainer Bingel, Gabor Heuser, Hartmut Siegmann, Bettina Steigemann, Jochen Zaiser


Ein neues Meisterwerk aus Holz, Kohle und Klebstoff: Franz Schmid brachte eine „Fokker DR-1“ im Nachbaumaßstab 1:2 mit. Das Modell wiegt 17,3 kg, hat 365 cm Spannweite und wird von einem 1,6:1-untersetzten TM-685 „Monster“ sowie drei 30er-Packs GP-3300 angetrieben.


Jörg Rehm führte den 140 cm großen „Blade II“ eindrucksvoll vor. Das Modell wiegt 2,75 kg und wird von zwei „Fun 600/18“-Motoren von Kontronik in 90-mm-Impellern angetrieben und ist mittlerweile bei Aeronaut erhältlich


Im großen Festzelt und auf dem Außengelände präsentierten über 20 gewerbliche Aussteller ihr Angebot für den Elektroflug. Bereits jetzt haben einige der Firmen für das nächste Jahr wieder gebucht


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