TEST

Die vierte Dimension

Die „Aurora 9“ von Hitec im Praxistest


Das so genannte Start-Up-Set bietet alles für den direkten Start mit dieser Anlage.

„Was kann man denn eigentlich noch anders machen? Was ist es, das den Nutzer bewegt, sich gerade für unseren Fernsteuersender zu interessieren?“ Diese und ähnliche Fragen haben sich die Macher von Hitec wohl gestellt, als sie die Entwicklung der „Aurora 9“ angestoßen haben. Denn es sind heute nicht mehr nur die unendlichen Mischfunktionen oder die 2,4-GHz-Übertragungstechnik, die von den Kunden gewünscht werden. Nein, diese Merkmale setzt man eigentlich schon voraus. Es ist vielmehr ein innovatives Bedienkonzept, einfache Programmierung, geniale Handhabung, Robustheit, ein breites Zubehörprogramm sowie ein zuverlässiger Service, die wesentlich zur Kaufentscheidung beitragen.

Das Set umfasst neben dem „Aurora 9“-Sender einen „Optima 9“-Empfänger, ein Ladegerät für Sender- und Empfängerakku sowie Schalterkabel, Akkubox und eine ausführliche Betriebs- beziehungsweise Programmieranleitung. Was auf Anhieb gefällt ist das hintergrundbeleuchtete Touchscreen-Display zur Bedienung der gesamten Programmierfunktionen. Da-für gibt es keine weiteren Schalter oder Taster. Jeder Schalter oder Taster der Anlage (fünf Zweistufenschalter, zwei Dreistufenschalter und einen Zweistufentaster) steht also wirklich rein der funktionellen Steuerung zur Verfügung.

Der Sender liegt absolut gut in der Hand und alle Bedienelemente sind leicht mit den Fingern erreichbar. Die Leichtgängigkeit der Aluminium-Steuerknüppel ist auf die vierfache Kugellagerung zu- rückzuführen. Auch die, auf Zeigefingersteuerung optimierten Proportionalschieber (in der Anleitung auch Slider genannt), am seitlichen Rand der Anlage (RS + LS) laufen sehr leicht. Dabei bleibt die Mittelrasterung aber deutlich spürbar. Für die Justierung der Knüppelaggregate – also auch die Rasterung des Gasknüppels – zieht man auf der Rückseite des Senders die Gummischoner ab und kann so, ohne das Gehäuse zu öffnen, alles wunschgemäß mit einem kleinen Schraubendreher einstellen.

Mit dem eingebauten 1.300-mAh-NiMh-Akku bringt die „Aurora 9“ knapp 920 Gramm auf die Waage und ist bereit für gute vier bis fünf Stunden Dauerbetrieb. Das eingebaute Akkumanagement unterstützt natürlich den Einsatz von LiPo-Akkus, allerdings mit der Einschränkung, dass solche Akkus nur außerhalb des Senders zu laden sind. Wird die Akkuspannung von sechs Volt unterschritten, warnt das System per Tonsignal. Für LiPo-Zellen lässt sich dieser Wert entsprechend der verwendeten Zellentypen anpassen.

Die digitale Trimmung verhält sich wie bei fast jeder anderen marktüblichen Anlage. Die Software bietet zudem die Möglichkeit, die Trimmschritte entsprechend den eigenen Bedürfnissen zu ändern und speichert alle Einstellungen beim Abschalten des Senders oder beim Modellwechsel ab.

Noch ein paar Worte zum Touchscreen: Mit den Maßen 132x39 Millimetern und ordentlich dimensionierten Bedienfeldern sind für die Handhabung keine Pianistenfinger erforderlich. Entgegen so manchem Handy, kommt hier gewiss jeder klar. Der Hauptbildschirm ist gut strukturiert. Er zeigt neben dem Modellnamen, dem Speicherplatz und der Flugphase die digitale Trimmung, Spannungsanzeige für Sender und per Telemetrie auch für den Empfänger und die Betriebszeit, zwei Timer und ob das HF-Signal eingeschaltet ist. Die Hintergrundbeleuchtung lässt sich im Status „on“, „off“ oder „off nach einer bestimmten Zeit“ betreiben.

Um vielleicht schon mal eine Zwischenbewertung abzugeben: mit diesem Bedienkonzept und der äußeren Handhabung ist die „Aurora 9“ ein Volltreffer und zeigt hier eine neue Dimension in der Mittelklasse.

Gesendet wird über das hinten eingesteckte Hitec-Spectra 2,4-GHz-Modul. Es verfügt über zwei Betriebsarten, dem Normal-Mode und dem Scan-Mode. Beide verwenden das AFHSS-Kommunika-tions-Protokoll, das vergleichbar ist mit den Fre- quenzhopping-Verfahren anderer Hersteller. Beim Binding schickt der Sender dem Empfänger eine Protokoll-ID, die der Empfänger speichert. Ab diesem Zeitpunkt akzeptiert der Empfänger nur Signale „seines“ Senders. Dabei lassen sich beliebig viele Empfänger an die „Aurora 9“ binden.

Im Normal-Mode verwenden Sender und Empfänger bestimmte Frequenzen, die beim Binding festgelegt werden. Dieses Verfahren trägt dazu bei, dass die Initialisierung des Systems sehr schnell vonstatten geht. Für 90 Prozent der Anwendungsfälle ist dieser Mode ideal. Beim Scan-Mode sucht das System die „saubersten“ Kanäle und legt diese für die Kommunikation fest. Das ist gerade in Umgebungen sehr vorteilhaft, in denen viele Sender parallel in Betrieb gehen, zum Beispiel an gut besuchten Hangfluggeländen. Doch der Scan-Mode hat auch Nachteile: wenn bei einem Sender im Scan-Mode die Spannungsversorgung ausfällt, wird er nicht wieder mit dem Empfänger verbunden und die Systeminitialisierung dauert länger als im Normal-Mode. Der Failsafe-Betrieb des Empfängers wird an dieser Stelle natürlich immer empfohlen.

Der Empfänger „Optima 9“ bietet neun Kanäle und Telemetrie-Funktion. Mit 22 Gramm ist er ein wirkliches Leichtgewicht und problemlos in fast je-dem Modell unterzubringen. Die Betriebsspannung reicht von 4,8 bis 7,4 Volt. Der Empfänger kann somit auch direkt an zwei Lipo-Zellen genutzt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Servos natürlich diese Spannung auch vertragen müssen, da die Spannung voll an die Servoausgänge durchgeschaltet wird. Der „Optima 9“ hat zwei herausgeführte Miniantennen und arbeitet demnach mit vollem Antennen-Diversity. Zudem sind die Antennen zur Optimierung der Dipoleigenschaften und einer Verbesserung der Empfangsleitung mit dem so genannten BODA-System ausgestattet. Es handelt sich hier um eine kleine Metallhülse, die mit der Abschirmung des Koaxialkabels verlötet ist. Wichtig ist auf jeden Fall, in Kohlefaserrümpfen die Antennen samt BODA nach außen zu führen, da die Wirkung ansonsten natürlich verloren geht. Ein weiteres, wesentliches Merkmal der „Optima“ Empfänger ist das integrierte SPC-System. Es handelt sich hier um eine zusätzliche Spannungsversorgung, mit der allerdings ausschließlich das HF-Teil versorgt wird, nicht jedoch die Servos. Hier können dafür bis zu 35 Volt angelegt sein. Was man damit sicherstellen möchte ist, dass es zum Beispiel durch fehlerhaftes BEC eines Reglers zu kurzen Spannungsunterbrechungen kommt, die ein Neubinden des Empfängers erfordern. Ist SPC genutzt, wird diese mögliche Fehlerquelle so gut wie ausgeschlossen. Zur Versorgung des SPC kann man einen zusätzlichen Akku verwenden, oder aber einen Direktabgriff des LiPo-Akkus, zum Beispiel über den Balancer-Anschluss nutzen. Sicherheit geht hier halt vor. Wird das SPC nicht genutzt, muss die Steckerbrücke immer gesteckt sein. Zu den Telemetrie-Funktionen bleibt anzumerken, dass momentan lediglich die Bordspannung des Modells an den Sender übermittelt und im Display angezeigt wird. Zukünftig lieferbare Sensoren lassen sich später an diese SPC- Schnittstelle anschließen.

So einfach die Programmierung auch ist, erfordert sie allerdings ein wenig Grundverständnis der englischen Begriffe aus dem Modellbaubereich. Je-der weiß, „Ailerons“ sind Querruder und „Elevator“ beschreibt das Höhenruder. Aber hätten sie gewusst, dass die Übersetzung für Einziehfahrwerk „Retracts“ heißt, oder „CAMBMIX“ den Wölbklappenmischer beschreibt? Aber keine Angst, in der Anleitung ist für jeden Begriff eine Übersetzung vorhanden. Dennoch ist es sicher hilfreich sich die wichtigsten und am häufigsten verwendeten Begriffe herauszuschreiben. Zugegeben, wenn man das Schriftstück beendet hat, kann man es schon auswendig.

Für die erste Programmierung empfiehlt Hitec einfach irgendein Modell zu programmieren um das Konzept zu verstehen. Das Verfahren ist dabei recht einfach. Im Menü Model-Select legt man ein neues Modell an, vergibt einen Namen und wird direkt nach den wichtigsten Details gefragt: Flächentyp, also wie viele Servos sind in den Tragflächen (zum Beispiel: „2 Ail“ und „2 Flap“) oder ob es sich um einen reinen „flying Wingtyp“ also Nurflügel handelt. Dann folgt die Abfrage des Leitwerktyps wie V-Leitwerk, Normal oder Zwei-Servo-Leitwerk. An- schließend die Abfrage ob ein Motor, Störklappen oder auch ein Einziehfahrwerk vorhanden sind. Anhand der ermittelten Werte gibt das System eine Kanalbelegung der Empfängerausgänge vor. Diese Be- legung ist aber individuell ohne Einschränkung auch frei zu ändern. Das gilt im Übrigen auch für alle Geberzuordnungen. Diese und natürlich der Betriebsmode Eins bis Vier sind per Software frei einzustellen.

Die drei Hauptmenüs „System“, „Model“ und „Custom“ lassen sich über direkte Tasten auf dem Display auswählen. Sämtliche Einstellmöglichkeiten sind in „System“ und „Model“ zu finden. Das Menü „Custom“ dient dazu, die am häufigsten genutzten Programmierfunktionen, wie zum Beispiel Modellwechsel oder Servoabgleich hier abzulegen, damit der Zugang noch schneller möglich ist. Eine super Idee! Viele Untermenüs sprechen für sich: in „Reverse“ lässt sich die Servodrehrichtung umkehren. Mit dem Fingerklick das Servo und den zugehörigen Parameter anwählen, rechts unten die Taste „REV“ aktivieren. Schon ist die Richtung verdreht. Gleiches gilt für das Menü „Sub-Trim“, also die Nullpunktverstellung oder für EPA (End Point Adjustment) also die Endpunkteinstellung der Servos. Bis hier läuft alles vollkommen intuitiv und geht zügig von der Hand. Sind diese Einstellungen erfolgt, hat man sein Modell „neutral“ programmiert. Damit ließe es sich eigentlich schon prima fliegen.

Doch meist benötigt man natürlich auch noch den ein oder anderen Mischer. Nehmen wir das Beispiel Butterfly, in der „Aurora 9“ auch „B-Fly“ genannt. Im Hauptmenü „Model“ geht’s über das Feld „B-Fly“ zu den Mischereinstellungen. Um diese zu aktivieren sollte der Nutzer dem Mischer einen Schalter zuweisen. Die Zuweisung erfolgt mit grafischer Unterstützung, sprich es wird der Sender mit allen Schalterpositionen abgebildet. Es ist lediglich erforderlich hier einen Schalter zu selektieren und schon ist die Zuweisung erfolgt. Natürlich lassen sich alle Zuordnungen auch später frei ändern, ohne Einfluss auf andere Funktionen zu nehmen. In diesem Mischer wird auch vorgeschlagen, die Funktion auf den Throttle-Stick (Gasknüppel) zu legen. Hier bietet das Programm wieder visuell die Möglichkeit genau festzulegen mit welchem Totpunkt, mit welcher Wirkrichtung und ob differentiell (an/aus) oder linear gesteuert werden soll. Nach diesen Grundeinstellungen folgt die Anpassung der Werte für Querruder, Wölbklappen und Höhenruder und schon ist der Butterflymixer aktiv. In der Summe hat die erste Programmierung eines echten Modells lediglich gut 30 Minuten gedauert. Mit ein wenig Übung verkürzt sich die Zeit noch wesentlich.

Natürlich bietet die „Aurora 9“ zusätzlich viele andere Funktionen wie Servomonitor, Dual-Rate, Expo, Gas-Alarm, Flugphasen, Timer, etliche Mischervorlagen und natürlich auch die Programmierung von freien, eigenen Mischern. Die nutzbaren Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Dazu lassen sich Softwareänderungen des Herstellers über das im Handel erhältliche Programmierkabel HPP22-PC zu jeder Zeit updaten.

Mit dem Testmodell „Dart“ von Mibo (vgl. AUFWIND 3/2009) als Technologieträger erfolgte am heimischen Platz der erste Reichweitentest. Dazu ist der Taster auf dem Modul im betriebsbereiten Zustand für rund drei Sekunden zu drücken. Ein Dauerpiepen und die leuchtende blaue LED zeigt eine verminderte Sendeleistung von rund einem Milliwatt an. Diese bleibt für 90 Sekunden eingeschaltet und geht anschließend in den Normalbetrieb über. Auffälligkeiten gibt es auch nach rund 100 Metern Sichtweite keine. So geht es bedenkenlos mit neuester, innovativer Technik in den Himmel. Ein kurzer Blick aufs Display: Senderspannung 7,5 Volt, Empfängerspannung 5,1 Volt – alles im grünen Bereich.

Nach etlichen Flügen und der Programmierung mehrerer Modelle steht fest, dass die „Aurora 9“ mein neuer ständiger Begleiter auf dem Fluggelände ist. Alle Modellfunktionen lassen sich prima und komfortabel durch die gut positionierten Bedienelemente steuern. Durch das intuitive Programmierkonzept verschwindet die Bedienungsanleitung schon nach kurzer Zeit für immer im Zeitschriftenregal. Ein absoluter Volltreffer mit einem wirklich tollem Preis/Leistungsverhältnis.

Klaus Löcker


Klein, handlich und nur 22 Gramm schwer ist der „Optima 9“-Empfänger. Wird kein zweiter Akku angeschlossen, ist eine Brücke auf dem SPC-Kontakt Pflicht.


Das BODA System soll die Dipoleigenschaften verbessern und eine Leistungssteigerung erzielen.


Im Testmodell „Dart“ von Mibo findet der Empfänger spielend Platz.


Alle Schalter und Geber sind professionell ausgestaltet und mit den Fingern gut erreichbar.


Gut strukturiert das Display im Standardbetrieb.


So sieht das Grundmenü „System“ aus. Hier erreicht man per Fingerklick jede weitere Programmfunktion.


Im Menü Sub-Trim lassen sich die Servo-Nullstellungen korrigieren.


Im Menü „End Point Adjustment“ (EPA) sind die Servoendpunkte einzustellen.


Das Anlegen eines neuen Modell erfolgt in einer Fragetechnik, wie zum Beispiel die Frage nach der Anzahl der Servos in der Fläche.


Das Mischermenü „B-Fly“ ist ebenso sehr übersichtlich und strukturiert aufgebaut.


Ein Segler mit Vierklappenflügel ist erwartungsgemäß kein Problem für die „Aurora 9“.

Fakten

Sender: Aurora 9
Modulation:
AFHSS 2,4 GHz Spectra Modul
Stromversorgung:
7,2 Volt NiMh oder 2s-LiPo
Stromaufnahme: 300 mA
Modellspeicher: 30
Mode: 1 bis 4
Gewicht: 920 g
 
Empfänger:
„Optima 6“: 42x21x11,4mm, 15g
„Optima 7“: 57x21x11,4mm, 17g
„Optima 9“: 48x28x15,3mm, 22g
 
Preis: 469,90 Euro
 
Bezug im Fachhandel
www.hitecrc.de



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